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Die Energiepreise sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen und treiben weiterhin die Inflation in die Höhe. Für viele Haushalte bleiben Strom und Gas eine große Belastung. Die Bundesregierung hat deshalb mehrere Maßnahmen beschlossen, um Energiepreise zu dämpfen: Dazu gehören Änderungen beim Strommarkt, ein Sozialtarif für ärmere Haushalte, neue Regeln für Netzgebühren, ein Krisenmechanismus für Strompreise sowie Entlastungen für energieintensive Betriebe. Die FPÖ hat als einzige Partei gegen fast alle Maßnahmen gestimmt.
Im Interesse aller: Energieversorger müssen günstigere Tarife anbieten
Ein zentraler Schritt, um Strompreise zu dämpfen, ist das „Günstiger Strom-Gesetz” (früher Elektrizitätswirtschaftsgesetz oder ElWG). Im Dezember 2025 haben es ÖVP, SPÖ, Neos und Grüne im Parlament beschlossen. Nur die FPÖ war dagegen. Erstmals wird das öffentliche Interesse an leistbarer Energie gesetzlich festgeschrieben. Energieversorger, die mehrheitlich in öffentlicher Hand sind, müssen das Ziel der leistbaren Energie in ihre Statuten und Satzungen hineinschreiben.
Denn auch wenn viele Energieversorger mehrheitlich in öffentlichem Besitz sind, sind sie rechtlich meist Aktiengesellschaften oder GmbHs. Wie etwa Verbund AG oder EVN AG. Das heißt: Sie unterliegen dem Gesellschaftsrecht und müssen die Interessen der Eigentümer – also auch der privaten Minderheitsaktionäre – wahren. In der Praxis bedeutet das: Gewinnorientierung steht im Vordergrund. Ohne eine gesetzliche Verpflichtung können Vorstände derzeit argumentieren, dass sie im Sinne aller Eigentümer verpflichtet sind, Strom marktüblich zu verkaufen, um Gewinne zu maximieren. Würden sie bewusst unter dem Marktpreis verkaufen, würden sie womöglich dafür haften müssen.
Wenn den Energieversorgern aber öffentliches Interesse an der Preisgestaltung gesetzlich vorgeschrieben wird, dreht sich die bisherige Logik um: Nicht mehr allein die Gewinnmaximierung, sondern die Versorgungssicherheit und Leistbarkeit stehen im Vordergrund.
Für die Unternehmen im öffentlichen Eigentum wird somit klargestellt, dass das öffentliche Interesse an kostengünstigem Strom nicht der Profitmaximierung geopfert werden soll.
Zusätzlich dürfen künftig nur dann Dividenden ausgeschüttet werden, wenn gleichzeitig die Leistbarkeit und Versorgungssicherheit für die Menschen gewährleistet sind. In der Vergangenheit haben Energiekonzerne wie Verbund Millionen-Dividenden ausgeschüttet, während für immer mehr Menschen die Stromrechnung eine hohe Belastung wurde.
Inwiefern sich diese Gesetzesänderung konkret auf die Preise auswirken wird und wie sie sich mit bestehenden Rechtsgrundlagen vereinbaren lässt, wird sich zeigen.

Energieversorger müssen niedrigere Stromkosten weitergeben
Künftig müssen Energieversorger auch Preissenkungen schneller an ihre Kundschaft weitergeben – nicht nur Erhöhungen. Das war bis jetzt noch nicht verpflichtend und ist deshalb unzureichend passiert. Konkret heißt das: Sinken die Strompreise im Großhandel, müssen die Energieversorger auch die Preise für die Kund:innen binnen 6 Monaten senken.
Sozialtarif für ärmere Haushalte – bezahlt von Energiekonzernen
Die Regierung hat außerdem einen günstigen Stromtarif für ärmere Haushalte eingeführt – finanziert durch die Energiekonzerne. Anspruch darauf haben unter anderem Personen mit Ausgleichszulage, Mindestsicherungsbezieher, Bezieher:innen von Pflegegeld sowie Arbeitslose mit bestimmten Leistungen. Auch Pensionist:innen mit niedrigem Einkommen können den Tarif nutzen. Die Einkommensgrenzen orientieren sich an der Grenze für die Befreiung vom ORF-Beitrag.
Für die genannten Gruppen gilt: Für einen Grundbedarf an Strom – aktuell sind pro Haushalt 2.900 kWh vorgesehen – soll der Netto-Strompreis nur noch 6 Cent betragen. Aktuell liegt der Marktpreis bei etwa 10-12 Cent. Der Netto-Strompreis soll durch die Regelung also fast als halbiert werden. Durchschnittlich rund 300 Euro Entlastung pro Jahr sind möglich. Von dem Sozialtarif profitieren etwa 600.000 Menschen. Es ist vom gesamten Gesetz der einzige Punkt, dem die FPÖ zugestimmt hat. Laut Regierungsprogramm soll dieser Sozialtarif künftig auch für Wärme und Gas kommen.
Preisgesetz soll auch wieder für Strom und Gas gelten
In Österreich gibt es das Preisgesetz. Es gibt dem Staat die Möglichkeit, in Ausnahmefällen Preise zu kontrollieren oder festzusetzen, wenn das im öffentlichen Interesse notwendig ist. Zum Beispiel, wenn lebenswichtige Güter oder Dienstleistungen zu teuer oder zu knapp werden oder wenn große Konzerne ihre Marktmacht ausnutzen. Der Staat kann dann Höchstpreise festlegen, vorübergehend Preiserhöhungen verhindern oder Begründungen für die Preisentwicklung einfordern.
Bei der Energiekrise in der 1970er Jahren hat Österreich die Inflation mithilfe des Preisgesetzes erfolgreich bekämpft. Doch im Zuge der Liberalisierung des Strommarktes Ende der 1990er wurden Strom und Gas explizit vom Preisgesetz ausgenommen. Die aktuelle Regierung macht dies nun wieder rückgängig, um bei Krisen künftig in die Preise eingreifen zu können. Es müsste zwar mit dem EU- und Verfassungsrecht vereinbar sein – was durchaus eine Herausforderung darstellt –, doch ein Gutachten im Auftrag der Arbeiterkammer kommt zum Schluss, dass Preisregelungen grundsätzlich rechtfertigbar wären.
Netzgebühren: Stärkerer Beitrag der Energiekonzerne
Ein weiterer Bestandteil der Energiepreisreform betrifft die Netzgebühren. Unser Energiesystem mitsamt den Leitungen und der Infrastruktur wird immer kleinteiliger und dezentraler – und damit teurer. Die Kosten dafür tragen in Österreich zu über 90 Prozent die Haushalte und Unternehmen mit ihren Netzgebühren.
Kraftwerke, die in das Netz ihren Strom einspeisen, zahlen dafür fast nichts. Das hat die Bundesregierung geändert und damit die Kosten gleichmäßiger verteilt. Damit soll die Belastung für Haushalte und Unternehmen sinken – und für große Kraftwerke steigen. Private PV-Anlagen mit einer Einspeiseleistung von unter 20 Kilowatt sind ausgenommen – und damit im Grunde alle typischen Photovoltaik-Anlagen im Privatbereich.
Vergünstigungen bei Stromspeichern
Erleichterungen bei den Netzkosten gibt es auch für systemdienliche Stromspeicher: Stromspeicher, die das Netz spürbar entlasten, müssen künftig gar keine Abgaben für die Nutzung des Netzes zahlen. Das macht das Speichern von Strom attraktiver.
Außerdem können Netzbetreiber ihre Investitionen in den Netzausbau über eine längere Zeit abschreiben. Wenn Netzbetreiber neue Masten errichten oder Leitungen verlegen, geben sie die Kosten für diese Investitionen an die Verbraucher über die Netztarife weiter. Durch längere Abschreibedauern verteilt man somit die Investitionskosten auf mehr Jahre. Das reduziert die jährliche Belastung für die Stromkund:innen.
Unkompliziert Strom an Familie und Freunde verschenken oder verkaufen
Wer mit seiner Photovoltaikanlage am Dach mehr Strom erzeugt, als er selbst braucht, kann diesen Überschuss ab Oktober 2026 deutlich einfacher weitergeben. Bisher musste man dafür in vielen Fällen eine Energiegemeinschaft mit eigener Organisation oder eigenem Verein gründen. Künftig können sich aber einfach zwei oder mehrere Personen vertraglich zusammenschließen und ihren selbst erzeugten erneuerbaren Strom miteinander teilen. Den Preis können die Beteiligten in sogenannten Peer-to-Peer-Verträgen selbst festlegen, der Strom kann also auch verschenkt werden.
Überschüssiger Strom dient damit nicht mehr ausschließlich der Einspeisung ins Netz, sondern wird zu handelbarer Energie. Bernd Vogl, Geschäftsführer des Klima- und Energiefonds, erwartet sich dadurch eine grundlegende Änderung am Strommarkt:
„Der Peer-to-Peer-Handel bringt einen Paradigmenwechsel, der die Marktstruktur langfristig verändern wird.“
Mehr Transparenz auf der Stromrechnung
Außerdem haben die Regierungsparteien beschlossen, dass Stromrechnungen verständlicher sein müssen: Stromlieferanten müssen nun auf der Rechnung verpflichtend auf den Tarifkalkulator der E-Control hinweisen. Kundinnen und Kunden können damit einfacher überprüfen, ob ihr aktueller Tarif noch günstig ist, und Angebote verschiedener Anbieter vergleichen.
Die Regelung soll den Wettbewerb am Strommarkt stärken und es Haushalten erleichtern, bei Bedarf zu einem günstigeren Tarif zu wechseln.
Abgaben auf Strom sinken 2026
Die Elektrizitätsabgabe sank ab 1. Jänner 2026 für Haushalte von 1,5 Cent pro kWh auf 0,1 Cent und für Unternehmen auf 0,82 Cent. Ein Haushalt mit 3.500 kWh Jahresstromverbrauch spart sich so rund 50 Euro pro Jahr, ein kleines Unternehmen mit 100.000 kWh Jahresstromverbrauch rund 680 Euro. Damit sanken die Stromkosten um etwa 5 Prozent. Die Maßnahme gilt für ein Jahr und wird mit einer Sonderdividende aus Staatsbeteiligungen in Höhe von 500 Millionen Euro finanziert. Die FPÖ stimmte als einzige Partei gegen die Maßnahme.
Automatischer Strompreisdeckel für Krisenzeiten
Die SPÖ hat darüber hinaus einen nationalen Energiekrisenmechanismus durchgesetzt, um künftig früher auf Preisschocks reagieren zu können. Steigt der Strompreis – etwa aufgrund internationaler Krisen oder Marktverwerfungen – auf über 16,5 Cent pro kWh, greift künftig eine Preisobergrenze bei 10 Cent (netto, Arbeitspreis) für alle privaten Haushalte.
Bei einem Verbrauch von 3.500 kWh pro Haushalt wäre das bei 17 Cent Netto-Strompreis eine Ersparnis von 250 Euro im Jahr. Für viele Haushalte, die in alten Verträgen stecken, ist die Ersparnis noch größer.
Finanziert wird der Mechanismus nicht aus allgemeinen Steuermitteln, sondern über den bestehenden Energiekrisenbeitrag Strom – also aus den Krisengewinnen der Stromerzeuger. Der Gesetzesentwurf soll noch 2026 beschlossen werden.
Günstiger Industriestrom mit Standortgarantie
Im September hat sich die Regierung auch auf einen Industriestrompreis und eine ausgeweitete Strompreiskompensation für energieintensive Unternehmen geeinigt. Mehr als 500 Betriebe in den Branchen Stahl, Papier, Pharma-, Glas- oder Elektronikindustrie sollen davon profitieren.
Für bis zu 50 Prozent ihres Stromverbrauchs soll der Arbeitspreis auf 5 Cent pro Kilowattstunde begrenzt werden. Die Unterstützung ist an konkrete Auflagen gebunden: Die Unternehmen müssen einen Teil der erhaltenen Mittel für Projekte zur Steigerung der Energieeffizienz sowie für die Umstellung auf klimafreundlichere Produktionsweisen einsetzen. Erhalten Betriebe mehr als zwei Millionen Euro Förderung pro Jahr, müssen 90 Prozent der Arbeitsplätze erhalten bleiben. Der Gesetzesentwurf soll noch 2026 beschlossen werden.
Internationaler Druck: Strompreis von teurem Gaspreis entkoppeln
Auf europäischer Ebene setzt sich die Regierung für eine Überarbeitung des sogenannten Merit-Order-Systems ein. Dieses System regelt, wie der Strompreis auf dem europäischen Markt gebildet wird und führte in den vergangenen Jahren zu Preisexplosionen. Denn der Strompreis orientiert sich am teuersten nachgefragten Kraftwerk – etwa Gaskraftwerken. Gas ist im Zuge des russischen Angriffskrieges sehr teuer geworden.
Ein neues Preismodell könnte künftig extreme Ausschläge verhindern und Strom langfristig erschwinglicher machen. Österreich folgt damit den Positionen von Spanien und Portugal, die den Gaspreis in der Energiekrise gedeckelt haben.
Der Artikel wurde am 4. September 2025 veröffentlicht, am 19. November 2025 aufgrund der neuen Details zum Gesetz, am 12. Dezember 2025 aufgrund des Beschlusses, am 16. Dezember 2025 aufgrund der Senkung der Stromabgaben und am 19. September 2026 aufgrund der Einigung zum Industriestrom sowie dem Energiekrisenmechanismus aktualisiert.
Privatisierung auf Kosten der Allgemeinheit: Warum Energienetze in öffentlicher Hand bleiben sollten
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Wo ich nicht zustimme ist die Feststellung, dass die Vorstände einer AG nur im Sinne der Eigentümmer und der Maximierung der Gewinne handeln dürfen. Es ist sehr wohl im AG Gesetz verankert, das das Gemeinwohl der Bürger zu berücksichtigen ist. Wenn also die Maximierung der Gewinne zum Haupttreiber der Inflation werden, berührt das sehr wohl die Interessen der Bürger. Weil damit nicht nur die Strombreise steigen sondern fast Alles im täglichen leben.
§ 70 Abs. 1 AktG:
„Öffentliches Interesse“: Hierunter fallen auch die Belange der Bürger und der Öffentlichkeit im Allgemeinen, insbesondere in Bezug auf Umwelt, Gemeinwohl, Rechtskonformität und die Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit auf die Gesellschaft.