Europa steht bei der Energieversorgung unter Druck: Hohe Ölpreise zeigen, wie abhängig der Kontinent von fossilen Importen ist. Der Iran-Krieg verdeutlicht die geopolitischen Risiken, denen Europa ausgesetzt ist. Die Antwort auf diese Unsicherheit ist klar: mehr Unabhängigkeit durch Erneuerbare und Elektrifizierung, sagen führende Stimmen aus Brüssel und der UNO.
Hohe Ölpreise sind mehr als ein Problem an der Tankstelle. Sie zeigen, wie verletzlich Europa ist, solange der Kontinent bei Energie stark von fossilen Importen abhängt. Das wurde nach Russlands Angriff auf die Ukraine sichtbar. Es zeigt sich jetzt erneut im Krieg gegen Iran, an dem die USA unter Präsident Donald Trump beteiligt sind. Seit der Eskalation im Golf sind Öl und Gas deutlich teurer geworden. Ein zentraler Grund ist die Krise rund um die Straße von Hormus. Durch diese Meerenge läuft etwa ein Fünftel des weltweiten Ölhandels. Wenn dort Lieferungen stocken, steigen die Preise weit über die Region hinaus.
Europa trifft das besonders hart. Die EU importiert mehr als 90 Prozent ihres Öls und rund 80 Prozent ihres Gases aus dieser Region. Das heißt auch: Europa deckt einen großen Teil seines Energiebedarfs nicht selbst. Das macht den Kontinent anfälliger, Kriegsfolgen in Form von Preisschocks zu spüren. Die USA spüren zwar auch höhere Spritpreise, sind wegen ihrer eigenen Öl- und Gasproduktion aber deutlich robuster als Europa.
Österreichs Regierung einigt sich auf Spritpreisbremse
Österreich versucht aktuell, die Folgen etwas zu dämpfen. Die Regierung will für eine befristete Zeit die Mineralölsteuer senken. Außerdem sollen die Margen entlang der Treibstoffkette eingefroren werden. Zusammen soll das den Preis um zehn Cent pro Liter drücken. Geplant ist das nicht als fixer Preisdeckel, sondern als Krisen-Instrument. Es soll nur gelten, wenn die Preise für Diesel oder Benzin über zwei Monate um mehr als 30 Prozent steigen.
Wenn dadurch die Versorgung gefährdet wäre, könnten die Maßnahmen auch wieder ausgesetzt werden. Für Autofahrer mag das kurzfristig helfen. Die eigentliche Abhängigkeit bleibt aber bestehen.
EU-Kommissionsvize Ribera: Europa muss bei der Energiewende einen Zahn zulegen
Genau darauf weisen inzwischen auch führende Stimmen aus Brüssel und von den Vereinten Nationen hin. EU-Kommissionsvizepräsidentin Teresa Ribera schreibt: „Die Antwort sind nicht neue Abhängigkeiten, sondern schnellere Elektrifizierung, Erneuerbare und Effizienz.“ An anderer Stelle formuliert sie noch klarer: „Das eigentliche Risiko ist nicht, bei sauberer Energie zu schnell zu sein, sondern zu langsam.“ Für Ribera ist der Umbau keine Nebenfrage der Klimapolitik, sondern eine Antwort auf wirtschaftliche Unsicherheit und geopolitische Erpressbarkeit.
Ähnlich argumentiert Simon Stiell, Chef des UN-Klimasekretariats. Er sagt, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen nimmt Staaten „nationale Sicherheit und Souveränität“ und ersetzt sie durch „Unterwürfigkeit und steigende Kosten“.
Iran-Krieg erinnert erneut: Fossile Importe kosten EU jährlich 420 Milliarden Euro
Für 2024 bezifferte er die Kosten der fossilen Importe der EU auf mehr als 420 Milliarden Euro. Seine Schlussfolgerung: Wenn es je einen Moment gegeben hat, diese Abhängigkeiten zu durchbrechen, dann ist der jetzt. Wer ausgerechnet in so einer Krise die Energiewende bremsen will, handelt „völlig realitätsfremd“.
Damit wird der Iran-Krieg auch zu einer europäischen Energiefrage. Putins Krieg hat Europas Gasabhängigkeit offengelegt. Der Konflikt im Golf zeigt nun die nächste offene Flanke. Öl, Transportwege und globale Preisschocks. Die Lehre daraus ist nicht der nächste fossile Notvertrag. Sie ist einfacher. Europa wird erst dann robuster, wenn es weniger Öl und Gas importieren muss und mehr Energie selbst erzeugt. Mehr Strom aus Wind und Sonne, mehr Elektrifizierung und mehr Effizienz sind deshalb nicht nur Klimapolitik. Sie sind auch eine Frage von Sicherheit und Handlungsfreiheit.


































