Rechtsextreme Straftaten sind zuletzt stark gestiegen. Antisemitische Vorfälle haben einen neuen Höchststand erreicht und Rassismus hat ebenso erheblich zugenommen. Arnold Schwarzenegger hat sich schon mehrmals an vor allem junge Menschen gewandt und sie davor gewarnt, sich von rechtsextremen Parolen und Feindbildern leiten zu lassen. Denn diese Ideologie bringt Hass, Schmerz – und am Ende verlieren auch die, die an sie geglaubt haben. Am 6. März 2023 hält er dazu eine Rede gegenüber dem Online-Magazin „ATTN:“ anlässlich seines Besuches im ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Hier ein Auszug seiner Rede.
Hallo zusammen, ich möchte heute mit euch über den zunehmenden Hass und Antisemitismus sprechen, den wir überall auf der Welt beobachten. Vor einigen Monaten habe ich Auschwitz besucht, das Konzentrationslager der Nazis, in dem 1,1 Millionen Männer, Frauen und Kinder ihr Leben verloren. Fast alle von ihnen wurden rücksichtslos ermordet – einfach, weil sie Jüdinnen und Juden waren.
Wenn man durch einen Ort wie Auschwitz geht, spürt man eine ungeheure Last. Überall gibt es Erinnerungen an die Schrecken, die dort geschehen sind. Die Koffer, die nie von den Gefangenen abgeholt wurden – Menschen, denen gesagt wurde, sie sollten sich genau merken, wo sie ihre Sachen zurückließen, damit sie sie nach den Duschen wieder abholen könnten.
Die Schuhe, die Goldzähne und die Haare, die den Ermordeten abgenommen wurden, um von den Mördern wiederverwendet zu werden und ihr Böses zu finanzieren. Die Registerbücher mit Tausenden von Namen, die durchgestrichen wurden, als würde ein grausamer Buchhalter nur den Tod messen. Die Gaskammern mit Kratzspuren an den Wänden, von den Fingernägeln der Menschen, die versuchten, sich am Leben festzuhalten.
Das Krematorium, in dem die Nazis versuchten, all ihre Gräueltaten auszulöschen. Ich sage euch eines: Diese Last auf deinem Rücken trifft dich gleich am Anfang härter als jede Kniebeuge, die ich je gemacht habe. Und sie geht nie weg.
Es ist das Gefühl der Geschichte, von Millionen Stimmen, die vor Jahrzehnten zum Schweigen gebracht wurden und dich anflehen – dich anflehen, nicht nur ihre Schuhe anzusehen, sondern ein paar Stunden in ihnen zu gehen, dir vorzustellen, du wärst dort gewesen. Denn wenn du dir einmal vorgestellt hast, dass du mit diesem Zug angekommen bist, dass du in diese Reihen einsortiert wurdest, dass du den Rauch gerochen hast, der nicht nach irgendeinem Holz roch, das du je verbrannt hast, und dass du deine Familien nie wieder aus diesen Duschen herauskommen sahst. Und dann hast du dich abgearbeitet, während du fast nichts zu essen bekamst, bis du mehr wie ein Geist aussahst als ein Mensch.
Und wenn du dann nicht mehr arbeiten konntest und sie dich für nutzlos hielten, schickten sie auch dich zu den Duschen. Wenn du dir wirklich die Zeit genommen hast, über all diese Dinge nachzudenken, dann hat deine Vorstellungskraft keine andere Wahl, als mit der eigentlichen Arbeit zu beginnen:
Wie verhindern wir, dass so etwas jemals wieder geschieht?
Wisst ihr, nach einer Reise nach Auschwitz würdet ihr nie infrage stellen, warum „Nie wieder“ der Schlachtruf all jener Menschen ist, die darum kämpfen, einen weiteren Holocaust zu verhindern.
Das würdet ihr nie infrage stellen. Aber heute möchte ich nicht wirklich mit diesen Menschen sprechen. Ich will hier nicht vor den bereits Überzeugten predigen.
Heute möchte ich mit den Menschen da draußen sprechen, die vielleicht bereits in die falsche Richtung gestolpert sind, auf den falschen Weg. Ich möchte mit dir sprechen, wenn du irgendwelche Verschwörungserzählungen über Jüdinnen und Juden oder über Menschen irgendeiner Herkunft, Hautfarbe oder sexuellen Orientierung gehört hast und dachtest: Das ergibt für mich Sinn. Ich möchte mit dir sprechen, wenn du dich dabei ertappt hast zu denken, irgendjemand sei minderwertig oder habe es auf dich abgesehen – wegen seiner Religion, seiner Hautfarbe oder seines Geschlechts.
Ich weiß nicht, welcher Weg dich hierhergebracht hat. Aber ich habe genug Menschen gesehen, die ihre Zukunft wegen hasserfüllter Überzeugungen weggeworfen haben. Deshalb möchte ich mit dir sprechen, bevor du am Ende dieses Weges deine Reue findest. Ich habe oft über meinen Vater gesprochen und über die gebrochenen Männer, von denen ich umgeben war, als ich nach dem Zweiten Weltkrieg in Österreich aufwuchs.
Sie tranken, um ihren Schmerz zu betäuben. Ihre Körper waren von Verletzungen und Granatsplittern aus diesem bösen Krieg gezeichnet, und ihre Herzen und Köpfe waren ebenso von Schuld durchdrungen. Aber neben der Schuld und den Verletzungen fühlten sie sich wie Verlierer – nicht nur, weil sie den Krieg verloren hatten, sondern auch, weil sie auf eine schreckliche Verlierer-Ideologie hereingefallen waren. Sie wurden belogen und auf einen Weg geführt, der im Elend endete.
Manche von ihnen schlossen sich den Nazis an, weil sie voller Hass waren. Manche taten es, weil sie glaubten, sie hätten mehr im Leben verdient, und weil sie der Idee verfielen, der einzige Weg, ihr eigenes Leben zu verbessern, bestehe darin, das Leben anderer schlechter zu machen.
Manche schlossen sich an, weil sie frustriert über die Regierung waren, und manche taten es einfach, weil alle anderen es auch taten. Am Ende spielte es eigentlich keine Rolle, warum sie sich anschlossen. Sie waren alle auf dieselbe Weise gebrochen.
Das ist hier der entscheidende Punkt. Wenn du also an einer Weggabelung stehst und dich fragst, ob dieser Weg des Hasses für dich aus irgendeinem Grund Sinn ergeben könnte, oder wenn du dich sogar in eine Flagge des Hasses hüllst, dann möchte ich, dass du weißt, wo dieser Weg endet. Ich möchte, dass du es ganz klar vor dir siehst und im Kopf behältst: Durch die Geschichte hindurch war Hass immer der einfache Weg, der Weg des geringsten Widerstands.
Ich verstehe das. Es ist leichter, einen Sündenbock für ein Problem zu finden, als selbst zu versuchen, die Dinge besser zu machen, oder? Aber eines sage ich ganz klar: Am Ende dieses Weges wirst du keinen Erfolg finden. Du wirst keine Erfüllung und kein Glück finden. Denn Hass brennt schnell und hell.
Er mag dir eine Zeit lang das Gefühl geben, mächtig zu sein. Aber irgendwann verzehrt er das Gefäß, das ihn trägt. Er zerbricht dich. Es ist der Weg der Schwachen. Und deshalb hat es nie eine erfolgreiche Bewegung gegeben, die auf Hass beruhte.
Denkt darüber nach: Die Nazis – Verlierer. Die Konföderation – Verlierer. Die Apartheidbewegung – Verlierer. Und die Liste geht immer weiter. Ich will nicht, dass du ein Verlierer bist.
Ich will nicht, dass du schwach bist. Seht, ich habe den größten Teil meines Lebens damit verbracht, Menschen dabei zu helfen, ihre Stärke zu finden. Dort spielt sich das Entscheidende ab: bei der Stärke.
Und trotz all der Dinge, über die wir vielleicht uneinig sind, und trotz all meiner Freunde, die vielleicht sagen: „Arnold, sprich nicht mit diesen Leuten. Das ist es nicht wert.“ Es ist mir egal, was sie sagen. Mir geht es um dich. Ich glaube, du bist es wert. Ich weiß, dass niemand perfekt ist. Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Und ich kann verstehen, wie Menschen in die Falle von Vorurteilen und Hass geraten können. Ob du nun in einer Umgebung voller Hass aufwächst oder von den Algorithmen großer Tech-Unternehmen hineingezogen wirst, die dich ins Extreme treiben – ich kann sehen, wie das passieren kann.
Ich glaube, wir alle tragen gewisse Vorurteile in uns. Daran führt kein Weg vorbei. Und wir müssen unser ganzes Leben dagegen ankämpfen.
Völkermord, Verfolgung und Kampf um Anerkennung: Die Geschichte der Roma und Romnja



































