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Steuermillionen im Weinkeller: So viel Steuergeld steckt Österreich in seinen Wein

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Steuermillionen im Weinkeller: So viel Steuergeld steckt Österreich in seinen Wein

Kontrast Redaktion Kontrast Redaktion
in Landwirtschaft
Lesezeit:6 Minuten
27. Oktober 2026
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Österreichs Weinwirtschaft lebt nicht nur vom Verkauf von Grüner Veltliner, Zweigelt und Co. – jedes Jahr fließen auch Millionen Euro an öffentlichen Wein-Förderungen. Bio- und Umweltmaßnahmen werden zwar gezielt gefördert, doch nur ein kleiner Teil der Mittel ist verbindlich an Klima- und Umweltziele geknüpft. Hinzu kommt: Ein großer Anteil der Förderungen in der Landwirtschaft landet bei großen Betrieben. 

Inhalt
Wein-Förderungen für Wiederbepflanzung, Investitionen & Info-Kampagnen
EU gibt jährlich 387 Milliarden Euro für Agrarwirtschaft aus
Umweltschutz: Wein-Förderungen für Erosionsschutz und den Verzicht von Pestiziden
Österreich ist Vorzeigeland bei BIO-Wein
Pro Wein-Betrieb sind bis zu 7 Förderungen möglich
Getreideanbau doppelt so hoch gefördert wie Weinbau
Kritik an der Förderpraxis: Nur 5 % für Umwelt- & Klimaziele
Die großen Player erhalten die meisten Förderungen

Die Weinlese begann in Österreich heuer ungewöhnlich früh. In der Steiermark, Niederösterreich und im Burgenland haben die Winzer:innen bereits im August geerntet, zwei Wochen früher als üblich. Der Absatz sinkt, die Preise stehen unter Druck, das Klima verändert die Arbeit im Weingarten und viele kleine Winzer:innen stehen unter Druck. Gleichzeitig fließen jedes Jahr zweistellige Millionenbeträge an komplizierten öffentlichen Förderungen in Österreichs Weinwirtschaft. Aber kommen sie dort an, wo sie gebraucht werden? Hier die wichtigsten Förderungen im Überblick.

Wein-Förderungen für Wiederbepflanzung, Investitionen & Info-Kampagnen

Grundsätzlich gibt es allgemeine Förderungen für alle Landwirt:innen sowie welche speziell für den Weinbau. Zudem kommen die Fördergelder nicht nur aus Österreich, sondern auch aus EU-Töpfen – oder gemischt sowohl aus der EU als auch aus Österreich.

Die zentrale Förderschiene für den Weinbau heißt „Sektormaßnahmen Wein 2023-2027“. Sie wird über die Agrarmarkt Austria, kurz AMA, im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums abgewickelt.

13,2 Millionen Euro – etwa zwei Prozent des Produktionswertes von Wein im Jahr 2025 – gehen so pro Jahr an Österreichs Winzer:innen.

Das Geld ist auf vier Programme aufgeteilt: Umstellungsförderung (für die Wiederbepflanzung von Weingärten und Terrassenbau), Investitionsförderung (für Kellertechnik), Informationsmaßnahmen zu österreichischen Herkunftsweinen und Absatzförderung außerhalb der EU.

Für österreichischen Wein gibt es eine Reihe an Förderungen. (Foto: Kontrast.at)

EU gibt jährlich 387 Milliarden Euro für Agrarwirtschaft aus

Das Geld für diese Förderungen kommt aber nicht direkt aus Österreich, sondern aus Brüssel und ist Teil der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Die GAP besteht seit 1962 und hat die Aufgabe, die Landwirt:innen der Europäischen Union zu unterstützen. Im Gegenzug dazu soll die Ernährungssicherheit gewährleistet bleiben. Rund ein Viertel des EU-Haushalts fließt in die GAP. Im Förderzeitraum 2021 bis 2027 beträgt die Gesamtsumme 387 Milliarden Euro. Der größte Teil geht in die sogenannte erste Säule. Dazu gehören vor allem jährliche Direktzahlungen an landwirtschaftliche Betriebe. Dazu gehören vor allem jährliche Direktzahlungen an landwirtschaftliche Betriebe, deren Höhe sich meist nach der bewirtschafteten Fläche richtet – unabhängig davon, wie viel darauf produziert wird. Daneben finanziert die erste Säule auch spezielle Förderungen für einzelne Agrarmärkte. Dazu zählen etwa die „Sektormaßnahmen Wein“.

Umweltschutz: Wein-Förderungen für Erosionsschutz und den Verzicht von Pestiziden

Die zweite Säule fördert die Entwicklung des ländlichen Raums, Agrarumweltmaßnahmen sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität im ländlichen Raum. Sie ist kofinanziert, also kommt das Geld gemeinsam aus der EU sowie aus den Mitgliedstaaten wie Österreich. Der Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) finanziert sich neben EU-Mitteln auch aus jenen der Mitgliedstaaten. Und hier fließt tatsächlich Geld direkt aus Österreich an die heimischen Winzer:innen.

Über das Österreichische Programm für umweltgerechte Landwirtschaft (ÖPUL) – laufen vor allem drei Maßnahmen:

  • Förderung für Erosionsschutz. Dieser ist verbunden mit einer ganzjährigen flächendeckenden Begrünung in allen Fahrgassen sowie mit Verzicht auf Pflanzenschutzmittel in den Begrünungsflächen. Die Prämie beträgt je nach Hangneigung 216 Euro bis 864 Euro pro Hektar.
  • Eine zweite Maßnahme ist die Förderung für Herbizidverzicht auf allen Weinflächen. Die Prämie beträgt hier 270 Euro pro Hektar.
  • Und auch für den Verzicht auf Insektizide gibt es eine Förderung über 270 Euro pro Hektar. Ausgenommen sind hier biokonforme Mittel oder behördlich zugelassene Wirkstoffe bei amtlich angeordneter Schädlingsbekämpfung. Das betrifft etwa die Amerikanische Rebzikade, die die gefährliche Pflanzenkrankheit Goldgelbe Vergilbung überträgt.

Österreich ist Vorzeigeland bei BIO-Wein

Wer auf eine biologische Wirtschaftsweise bei Wein setzt, hat zusätzliche Fördermöglichkeiten. Am prominentesten ist hier wohl die BIO-Basisprämie, die seit 2024 bei 756 Euro pro Hektar liegt. Seit 2025 gibt es zusätzlich einen Transaktionskosten-Zuschlag über 400 Euro pro Betrieb für den höheren bürokratischen Aufwand.

Im BIO-Bereich ist Österreich in einer internationalen Vorreiterrolle. Ein Viertel der heimischen Rebfläche – das sind 10.717 Hektar – wurde 2025 zertifiziert biologisch bewirtschaftet. In den letzten fünf Jahren hat sich die BIO-Weinfläche in Österreich fast verdoppelt. Damit liegt man beim Anteil des BIO-Weins an der weltweiten Spitze.

Pro Wein-Betrieb sind bis zu 7 Förderungen möglich

Wie viel Förderung ein Betrieb bekommt, hängt im Wesentlichen von seiner Größe, der Lage, von den umgesetzten Maßnahmen sowie der Bewirtschaftungsweise ab. Ein Beispiel:

Eine Winzerin bewirtschaftet fünf Hektar in Steillage (über 25 Prozent Neigung) und pflanzt einen Hektar davon wieder neu aus. Sie nimmt an der ÖPUL-Maßnahme Erosionsschutz teil und wirtschaftet biologisch. Für die Umstellung des einen Hektars bekommt sie einmalig 12.640 Euro. Dazu kommen jährliche Prämien: 1.620 Euro für den Erosionsschutz auf fünf Hektar, 3.780 Euro BIO-Basisprämie und 400 Euro Transaktionskosten-Zuschlag – zusammen rund 5.800 Euro pro Jahr. Über eine Förderperiode von fünf Jahren summiert sich das auf rund 41.000 Euro.

Hinzu kommen Länderprogramme etwa bei Investitionen sowie die Fördermöglichkeiten, die für den gesamten Agrarbereich gelten, wie die Junglandwirte-Zahlung bei einer Hofübernahme von Unter-40-Jährigen oder eine Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete, beispielsweise am Berg. Auch bei der Risikoabsicherung wie der Mehrgefahrenversicherung gegen Hagel, Sturm, Überschwemmung und Frost gibt es einen 55-prozentigen Prämienzuschuss, wegen der Dürre 2026 sogar einmalig einen 65-prozentigen Zuschuss.

Getreideanbau doppelt so hoch gefördert wie Weinbau

Vergleicht man die Förderungen der Weinwirtschaft mit jenen der restlichen Agrarwelt, so zeigt sich, dass die Fördersummen im Durchschnitt hier am niedrigsten sind. Während Marktfruchtbetriebe (zum Beispiel Getreide und Hülsenfrüchte) im Jahr 2024 durchschnittlich 28.268 Euro an öffentlichen Geldern erhielten, lag die durchschnittliche Summe bei Dauerkulturbetrieben (Obst- und Weinbau) bei 12.416 Euro. Das ist im Jahresbericht des Landwirtschaftsministeriums, dem Grünen Bericht, ersichtlich.

Für die Zukunft hat das Landwirtschaftsministerium, wie ein Mitarbeiter auf der-winzer.at schreibt, eine 15-prozentige Anhebung der Umstellungsförderung bei der Europäischen Kommission beantragt, dazu höhere Fördersätze bei der Investitionsförderung sowie eine Anhebung der Absatz- und Informationsförderung von 50 auf 60 Prozent. Zudem wird an einem neuen Weingesetz gearbeitet, das 2027 in Kraft treten könnte.

Kritik an der Förderpraxis: Nur 5 % für Umwelt- & Klimaziele

In der Vergangenheit wurde jedoch auch mehrmals die Verwendung der Wein-Föderungen kritisiert. So hat der Europäische Rechnungshof 2023 festgestellt, dass im Weinbau nur fünf Prozent der zugewiesenen Mittel für Umwelt- und Klimaziele verwendet werden müssen. Das passe nicht mit den Ausrichtungen der GAP zusammen, die einen Anteil von 40 Prozent der Ausgaben zur Erreichung der Klimaziele vorsehen.

Die großen Player erhalten die meisten Förderungen

Bei den Förderungen der gesamten Landwirtschaftsbranche schöpfen besonders die großen Player den meisten Teil ab. Laut einer Erhebung aus dem Jahr 2022 haben die obersten zehn Prozent der österreichischen Agrarempfänger mehr als die Hälfte der EU-Agrarsubventionen erhalten. EU-weit erhielten sie sogar 81 Prozent. Und auch im Jahr 2024 lag laut aktuellen Erhebungen im Auftrag von Greenpeace der Wert der obersten zehn Prozent in sechs untersuchten EU-Ländern noch immer zwischen 59 und 69 Prozent. Österreich war nicht Teil der Untersuchungen von Greenpeace.

Es ist naheliegend, dass sich dieses Bild auch in der Weinwirtschaft durchzieht. Es gibt dazu zwar keine genauen Erhebungen, aber die Fördervergaben sind grundsätzlich öffentlich einsehbar. Wer in Österreich Förderungen aus dem EU-Agrartopf erhält, lässt sich in der Transparenzdatenbank der AMA nachvollziehen. Dort müssen Förderungen über 12.500 Euro mit dem Namen des Betriebes ausgewiesen werden.

Die „Vorhaben im Weinsektor“ machten 2025 etwa 23,6 Millionen Euro aus und wurde an 617 Empfänger ausgeschüttet. Fast die Hälfte (44,4 %) ging dabei an die obersten zehn Prozent. Von der „Unterstützung im Weinsektor“ profitierten 29 Betriebe. Die größten drei bekamen mit 2,2 Mio. Euro rund 69 % der gesamten Fördersumme.

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Erich Maria Remarque war ein deutscher Schriftsteller, der mit seinem Antikriegsroman “Im Westen nichts Neues” bekannt wurde. Seine Bücher, die vor allem die Grausamkeiten des Krieges offenlegen, wurden im nationalsozialistischen Deutschland verboten. Seine pazifistischen Romane werden bis heute von Menschen weltweit begeistert gelesen und wurden schon mehrfach verfilmt. Zitat: Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind. Besonders die, die nicht hingehen müssen. Erich Maria Remarque

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GAP – Gemeinsame Agrarpolitik

Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ist die älteste gemeinsame Politik der EU und wurde bereits 1957 beschlossen. Die europäischen Staaten einigten sich damals darauf, eine gemeinsame Agrarpolitik zu verfolgen, um die Landwirte zu unterstützen und die Bürger:innen mit sicheren und erschwinglichen Lebensmitteln zu versorgen. Das Budget der GAP ist größer als das jeder anderen EU-Politik: Von 2021-2027 sollen nach dem Vorschlag der EU-Kommission 365 Milliarden Euro, also ein Drittel des EU-Haushalts, in die GAP fließen.

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Die Europäische Kommission

Auf einen Blick Aufgabe: Vorschläge für neue europäische Rechtsvorschriften und deren Durchsetzung. Setzt Strategien um und verwaltet das Budget. Mitglieder: Ein Team, „Kollegium“ genannt, bestehend aus je einem Kommissar je EU-Mitgliedsstaat Präsidentin: Ursula von der Leyen Gegründet: 1958 Standort: Brüssel (Belgien) Das Logo der Europäischen Kommission Die Europäische Kommission ist das unabhängige Leitungsorgan der EU. Ihre 27 Mitglieder, die Präsidentin und 26 Kommissarinnen und Kommissare, werden jeweils von den Regierungen der Mitgliedsstaaten ernannt. Das heißt also, dass jedes EU-Land einen Kommissar bzw. eine Kommissarin entsenden darf. Diese Kommissare schwören aber bei ihrer Angelobung, unabhängig und nur im Sinne der gesamten EU zu handeln. Die Europäische Kommission. Quelle: Bundeszentrale für Politische Bildung Derzeitige Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Den Kommissaren steht

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Greenpeace

Greenpeace ist eine unabhängige, international agierende Umweltorganisation, die sich seit ihrer Gründung 1971 für den Schutz der Natur und des Klimas einsetzt. Ihr Ziel ist es, ökologische Zerstörung zu verhindern und eine nachhaltige Zukunft zu fördern. Dabei nutzt Greenpeace gewaltfreie Aktionen, Aufklärungsarbeit und Proteste, um Aufmerksamkeit auf Probleme wie den Klimawandel, Umweltverschmutzung, Überfischung und den Schutz gefährdeter Arten zu lenken. Greenpeace finanziert sich ausschließlich durch Spenden, um politisch und wirtschaftlich unabhängig zu bleiben und ist heute in über 50 Ländern vertreten. Der zentrale Sitz der Organisation befindet sich in Amsterdam.

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