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600.000 Arbeitslose: Warum das Arbeitslosengeld dringend erhöht werden muss

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600.000 Arbeitslose: Warum das Arbeitslosengeld dringend erhöht werden muss

Patricia Huber Patricia Huber
in Arbeit & Freizeit
Lesezeit:3 Minuten
30. März 2020
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Warum höheres Arbeitslosengeld notwendig ist? In der gesamten zweiten Republik hat es noch nie so viele Arbeitslose gegeben wie heute. 400.000 Menschen haben in Österreich vor der Corona-Krise einen Arbeitsplatz gesucht, diese Woche werden es 600.000 sein – das ist ein Anstieg um 50 Prozent in weniger als einem Monat. Das sind gigantische Ausmaße – zum Vergleich: In der Finanzkrise haben rund 60.000 Menschen ihren Job verloren, jetzt ist der Anstieg schon innerhalb der ersten beiden Wochen doppelt so hoch. Und wir stehen erst am Anfang der Krise.

Viele Niedrig-Verdiener betroffen

höheres arbeitslosengeld spö
Häufigkeit negativer Gefühle nach Erwerbsgruppen. Indizes wurden aus Mittelwerten von Angaben zu Einsamkeit, Ärger, Niedergeschlagenheit, Nervosität, Angst und Traurigkeit gebildet; dargestellt auf einer Skala von 0 bis 100

Betroffen sind vor allem Menschen, die ohnehin schon wenig verdient haben: Jobs wurden vor allem in der Gastronomie, im Handel und im Baugewerbe gestrichen – auch viele private Putzkräfte haben ihr Einkommen verloren. Das Durchschnitts-Einkommen am Bau und im Handel liegt bei rund 1.500 Euro, im Tourismus und der Gastronomie überhaupt nur bei 750 Euro. Diese Menschen haben schon Geldsorgen, wenn sie Arbeit haben – wen sie die Arbeit verlieren, reicht es nicht mehr aus, um die wichtigsten Kosten des Lebens abzudecken.

Bei 1.500 Euro netto im Monat bleibt ein Arbeitslosengeld von 825 Euro übrig. Davon ist es schwer die Miete, das Essen und Reparaturen zu bezahlen, geschweige denn Kreditraten auf die Wohnung oder das Haus. Und die Lage ist derzeit aussichtslos: Am Arbeitsmarkt tauchen wenige offene Stellen auf, ein Arbeitsplatz ist für wenige der bald 600.000 Arbeitslosen in Sicht.

15.000 Menschen auf 1.000 Stellen als Regal-Einschlichter beworben

Wie groß die Not bei vielen ist, zeigt der Ansturm auf die wenigen offenen Stellen: Bei der Handelskette REWE haben sich zuletzt 15.000 Menschen zum Einschlichten von Regalen beworben – auf 1.000 Stellen.

Das Moment Institut schätzt, dass im schlimmsten Fall 800.00 Arbeitsplätze in der Corona-Krise gefährdet sind – nur Arbeitsplätze im öffentlichen Sektor und in systemrelevanten Sektoren wie der Gesundheit sind wirklich sicher.

„Nach dem akuten Schock durch die Schließungen von Lokalen und Geschäften kommt eine nächste Welle durch die Pause in der Industrieproduktion“, warnt das Momentum Institut.

Höheres Arbeitslosengeld: SPÖ fordert 25 Prozent mehr

höheres arbeitslosengeld spö katzian ögbDie Kurzarbeit rettet Arbeitsplätze, aber vor allem für Fachkräfte in Branchen, die nach der Krise sicher wieder gebraucht werden. Hilfskräfte, Saisonarbeiter oder Leiharbeiter verlieren ihre Arbeit in den meisten Fällen trotz Kurzarbeit – und damit 45 Prozent ihres Einkommens.

ÖGB-Chef Wolfgang Katzian fordert daher in der Pressestunde am Sonntag, das Arbeitslosengeld jetzt deutlich zu erhöhen – „weil viele Leute keine Chance haben, einen neuen Job zu finden.“ Die SPÖ unterstützt den Vorstoß der Gewerkschaft und will noch diese Woche im Parlament ein höheres Arbeitslosengeld verlangen. Die FPÖ dürfte den Vorschlag unterstützen, wie FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch bekannt gab.

Konkret will die SPÖ einen Corona-Ausgleich von 25 Prozent – also das Arbeitslosengeld, die Notstandshilfe und Familienzuschläge sollen zumindest für die Zeit der Corona-Krise um ein Viertel erhöht werden. Die Abwicklung soll unbürokratisch über das Finanzamt laufen – automatisch, ohne Anträge.

Privater Konsum darf nicht einbrechen

Für die Erhöhung den Corona-Aufschlag gibt es auch ein wirtschaftspolitisches Argument: Wie viel Geld die Leute haben, wird darüber entscheiden, wie schnell sich die Wirtschaft erholt. Wifo-Experte Jürgen Bierbaumer-Polly erwartet ein Minus beim privaten Konsum in Höhe von acht Milliarden Euro. Der private Konsum macht insgesamt die Hälfte des Bruttoinlandsproduktes (BIP) aus.

Will man also, dass der Wirt ums Eck, die Friseurin oder die Blumenhändlerin nach der Krise wieder aufsperren, muss man den die Kaufkraft der Leute stärken – was ein höheres Arbeitslosengeld tut.

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2 Comments
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Markus NEUNER
Markus NEUNER
13. April 2020 15:29

Innerhalb von 3 Wochen stieg in Österreich die Arbeitslosigkeit auf über 500.000 Menschen an. Hätte dies verhindert werden können? Ja Absolut. Und wie? Man hätte von Anfang an die Ausgangsbeschränkungen soweit dehnen müssen das zwar die Geschäften weiterhin geöffnet haben aber der Mindestabstand pro Person von einem bis zwei Meter plus Maskenpflicht eine Selbstverständlichkeit gewesen wäre. Die Bundesregierung hat mit der Schließung der meisten Geschäfte im Handel und Dienstleistungssektor viele Kleinstunternehmerinnen und Unternehmer ins Schleudern gebracht. Es wird wahrscheinlich so sein, dass viele private Geschäfte wie Friseure, Blumenhändler ect. gar nicht mehr aufsperren werden weil sie Jahre brauchen würden um ihren Umsatz wieder hereinzubringen. Mit ein paar Monaten durch die Unterstützung der Kaufkraft wird es bei solchen Kleinunternehmen nicht getan sein. Schade. Das Arbeitslosengeld ist für die Grundbedürfnisse um Leben da und nicht um die Kaufkraft zu stärken. Ich finde auch das eine Erhöhung des Richtsatzes von 55 auf 70% zu hoch gefordert wurde. Ich wäre dafür das sich die Sozialpartner für eine Erhöhung von 60% stark machen für den Anfang. Schrittweise ist besser als Abrupt.

Ich wünsche uns allen das wir schon bald wieder ein normales Leben führen können aber das normale Leben wird noch sehr lange nicht normal sein.
Alles Liebe.

3
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Cressi
Cressi
Reply to  Markus NEUNER
22. Juli 2020 18:56

mindestens 500.000 Arbeitslose = mindestens 500.000 Personen, denen die Kaufkraft um mindestens 45% fehlt… belebt sicher die Wirtschaft 🙁 eine Spirale die immer weiter abwärts geht…weiterdenken erlaubt….

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Ingeborg Bachmann (1926–1973) war eine österreichische Schriftstellerin, die der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur eine neue, scharfe Sprache gab. In ihrem Gedichtband „Die gestundete Zeit“ schrieb sie über Krieg, Schuld und das fragile Weiterleben nach 1945. Ihr Roman „Malina“ erzählt von Identität, Macht und den inneren Brüchen einer Frau. Bachmanns Werk wirkt bis heute, weil es persönliche Erfahrung und gesellschaftliche Gewalt eng miteinander verbindet. Zitat: Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Waffen nicht. Ingeborg Bachmann

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