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Schweizer Recherche wirft Schoko-Hersteller Lindt den Einsatz verbotener Pestizide auf Kakaoplantagen vor

Kakao Plantage Lindt Ghana 1_Francis Kokoroko zVg

Enoch Kumah, 43, a cocoa farmer and buyer, sprays agro-chemicals on cocoa trees at a farm in Akwasiase, Tepa, Ashanti Region, Ghana. June 26, 2025. Swiss Coalition for Corporate Justice/Francis Kokoroko

Kontrast Redaktion Kontrast Redaktion
in Internationales, Nachrichten
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18. Dezember 2025
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Eine Recherche der Koalition für Konzernverantwortung erhebt aktuell schwere Vorwürfe gegen den Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli. Demnach kommen auf Kakaoplantagen in Ghana seit Jahren giftige Pestizide zum Einsatz, die in der Schweiz und in der EU verboten sind. Betroffen sind auch Farmen mit Verbindung zum Lindt & Sprüngli Farming Program. Das Programm gilt als Kernstück der Strategie für Nachhaltigkeit im Konzern.

Gefährliche Pestizide kommen trotz Nachhaltigkeitsversprechen von Lindt zum Einsatz

Laut der Recherche verwenden Kakaobäuer:innen Wirkstoffe wie Imidacloprid, Thiamethoxam und Mancozeb. Das Pesticide Action Network stuft diese Substanzen als hochgefährlich ein. Einige hochgiftige Pestizide stehen im Zusammenhang mit schweren gesundheitlichen Risiken. Dazu zählen Nervenschäden, Unfruchtbarkeit und Entwicklungsstörungen bei Kindern.

Kakao Plantage Lindt Ghana 3_Francis Kokoroko zVg
Ruth N. (44), eine Kakao-Bäurin, zeigt die spärliche Schutzausrüstung, die sie trägt – eine dünne Gesichtsmaske. Sie lebt in Gyedu (Ahafo Region, Ghana) Aufgenommen am 23. Juni 2025, Schweizer Koalition für Konzernverantwortung. (Foto: Francis Kokoroko, zVg)

Vor Ort berichten zahlreiche Bäuer:innen von akuten Beschwerden nach dem Spritzen. Genannt werden Hautreizungen, Atemnot und brennende Augen. Schutzkleidung fehlt meist. Sie ist in der Region kaum erhältlich und für viele unerschwinglich, da die Einkommen sehr niedrig sind. Häufig greifen die Arbeiter:innen deshalb zu einfachen Baumwolltüchern, um sich notdürftig vor den Dämpfen zu schützen.

In Schulungen lernten Bäuer:innen, wie sie die Pestizide einsetzen

Besonders brisant ist der Befund, dass der Pestizid-Einsatz Teil von Schulungen im Rahmen des Lindt & Sprüngli Farming Program gewesen sein soll. Lindt hat das Programm teilweise an den Rohstoffhändler Ecom ausgelagert, der seinen Sitz in Pully im Schweizer Kanton Waadt hat. Zeug:innen zufolge verkaufte Ecom bis 2023 innerhalb des Programms selbst hochgiftige Pestizide an Kakaobäuer:innen.

Parallel dazu sind in ghanaischen Verkaufsstellen zahlreiche Mittel internationaler Chemiekonzerne erhältlich. Dazu gehören Produkte von Syngenta sowie von Adama, das seit 2017 zur Syngenta Group gehört. Verkauft werden unter anderem „Actara 240 SC“ mit Thiamethoxam und „Galil 300 SC“ mit Imidacloprid. Beide Wirkstoffe sind in Europa und der Schweiz verboten. Syngenta erklärt, dass EU-Verbote keinen Anlass für Exportverbote nach Afrika darstellten.

Kakao Plantage Lindt Ghana 2_Francis Kokoroko zVg
Ein Kakao-Farmer, zeigt die Pestizide, die er zu Hause in Akwasiase (Tepa, Ashanti Region, Ghana) lagernd hat. Aufgenommen am 24. Juni 2025, Schweizer Koalition für Konzernverantwortung. (Foto: Francis Kokoroko, zVg)

Die Autor:innen der Recherche haben bei Lindt & Sprüngli nachgefragt, wie der Einsatz von hochgiftigen Pestiziden im Rahmen seines Nachhaltigkeitsprogramms mit dem Grundsatz der „verantwortungsvollen Beschaffung“ zusammenpasst. Die Antwort aus dem Medienbüro des Konzerns: „Eine Überprüfung der Einhaltung der Pestizidliste ist eine wichtige Anforderung, die von den Lieferanten (einschliesslich Ecom) sichergestellt werden muss“. Diese Pestizidliste ist nicht öffentlich zugänglich.

Schweizer Initiative fordert mehr Verantwortung von Konzernen wie Lindt & Sprüngli

Die Recherche wird von den beteiligten Organisationen als Beispiel für strukturelle Probleme in globalen Lieferketten gewertet. Sie verweisen auf die Konzernverantwortungsinitiative, die im Januar 2025 gestartet ist. Ziel der Initiative ist es, Schweizer Konzerne rechtlich zur Verantwortung zu ziehen, wenn sie von Menschenrechtsverletzungen oder Umweltzerstörung profitieren. Die Initiator:innen sind überzeugt, dass freiwillige Nachhaltigkeits-Programme allein nicht ausreichen, um Menschen und die Umwelt verlässlich vor Pestiziden zu schützen.

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