Coronavirus

Schlecht verhandelt? Österreichs Regierung bezahlt um zwei Drittel mehr für Massentests als die Slowakei

Österreichs Regierung hat zuerst Massentests angekündigt und danach mit den Verhandlungen zum Kauf begonnen. Jetzt zahlt die Regierung zwei Drittel mehr für die Tests als die Slowakei.

Österreichs Regierung hat einiges nachzuholen in der Teststragie: Ohne Covid-Tests bei Lehrern, Pflegepersonal oder Kindergartenpädagoginnen ist das Land direkt in den zweiten Lockdown geschlittert. 70 Prozent der Infektionen konnten nicht mehr nachvollzogen werden, Clusteranalysen waren nicht mehr möglich. Österreich hatte die höchste Ansteckungsrate weltweit. Kanzler Kurz hat daher mit dem zweiten Lockdown auch Massentests für aller Österreicher angekündigt. Kommende Woche sollen sie nach dem Vorbild der Slowakei starten. Experten stehen den Massentests kritisch gegenüber, weil die eingesetzten Antigen-Schnelltests ungenauer sind als PCR-Tests und fälschlicherweise als positiv anschlagende Testergebnisse zu Problemen führen könnten. Die FPÖ ruft daher sogar zu einem Boykott der Massentests auf. Experten fordern mehrere Durchgänge, weil ein einmaliger Antigen-Test nur eine Momentaufnahme sind und zu falscher Sicherheit führen kann.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober bestätigte, dass es im Expertenbeirat deutliche Kritik an den Testungen in der Slowakei gegeben habe, aber Österreich wolle es eben besser machen. Ein Punkt seien Wiederholungen der Tests, was man ja plane. Zum Risiko von falsch positiven oder falsch negativen Ergebnissen plane man Nachtestungen. Ein Test sei „kein Freibrief für ein sorgloses Verhalten“.

Tests kommen Österreich teuer

So oder so kommt Österreich die erste Test-Welle jedenfalls teuer, zahlt die Regierung für die Tests doch um zwei Drittel mehr als die slowakischen Nachbarn. 6,50 Euro das Stück kostet ein Antigen-Test bei einer Bestellung von vier Millionen Stück für Österreich – bestellt wird bei Roche Diagnostics. Das Bundesheer hat diesen Preis gegenüber PULS4 bestätigt. Die Slowakei zahlte dagegen nur 3,95 Euro pro Test – bei einer Bestellung von zehn Millionen Antigen-Schnelltests. Allerdings bei Abbott, einem anderen Unternehmen.

„Es war vermutlich nicht die beste Verhandlungstaktik, zuerst Massentests anzukündigen und dann erst Angebote einzuholen“, sagt der stv. SPÖ-Klubobmann Jörg Leichtfried am Mittwoch am Rande einer Pressekonferenz. Und weiter: „Wir können froh sein, dass der Imfpstoff-Ankauf von der EU-Kommission verhandelt wird und nicht von der österreichischen Regierung“.

Eine Tabelle zeigt, dass Österreichs Kaufpreis für die Tests deutlich über dem aller anderen Länder liegt – von Slowenien über die USA bis zu Sri Lanka.

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Mario
Mario
26. November 2020 09:56

Bei Massentests, die vom BK Kurz in der Pressestunde (15.11.) nach slowakischem Beispiel so dargestellt wurden, dass 10.000 Symptomlose in der Slowakei „aus dem Verkehr gezogen werden“ und niemand der befragenden Journalisten sich an der Wortwahl gestossen hat, sage ich, dass es traurig ist, das dies nur dem YouTube-FPÖ-Kanal auffiel. Ich will keinen BK, der Symptomlose „aus dem Verkehr zieht“, danke, nein danke. Herr Kurz ist eine Bedrohung für die Demokratie.

Stefan
Stefan
26. November 2020 08:18

nicht nur die Angebote wurden verabsäumt, vorher einzuholen, es wurden auch sonst keine Vorkehrungen getroffen: Keine Einbindung der Länder bzw. notwendigen Organisationen im Vorfeld. Sogar die eigenen Landeskaiser, wie Platter wurden überrumpelt. Der versucht jetzt artig, aber unglaubwürdig die Maßnahme schön zu reden und zu rechtfertigen.

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