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Frauenhosen haben keine echten Taschen, weil sie nutzlos sein sollen

Frauen sollen Frauenhosen gut aussehen - nützlich sind Hosen nicht. (Foto: Unsplash/getty images)

Frauen sollen Frauenhosen gut aussehen - nützlich sind Hosen nicht. (Foto: Unsplash/getty images)

Karina Stuhlpfarrer Karina Stuhlpfarrer
in Frauen & Gleichberechtigung
Lesezeit:6 Minuten
30. Januar 2026
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Gleichberechtigung endet nicht bei Gehaltstabellen oder Chefetagen – sie scheitert oft schon an etwas viel Alltäglicherem. Zum Beispiel an der Frage, warum Frauen bis heute kaum Platz für Schlüssel, Handy oder Geldbörse in ihrer Kleidung haben, während Männer ihre Hosentaschen selbstverständlich nutzen. Warum sind Frauenhosen so unpraktisch?

Inhalt
Frauenhosen ohne Platz: Taschen sind oft nur Dekoration
Im Vergleich: Hosentaschen für Frauen 48 Prozent kürzer
Funktionalität vs. Ästhetik: Was haben Geschlechterrollen damit zu tun?
Frauen sollten das Haus nicht verlassen, also brauchen sie keine Taschen
Von Chanel bis Dior: Taschen zwischen Alltag und Ästhetik
Handtaschen-Industrie profitiert enorm von kleinen Hosentaschen

Smartphone, Portemonnaie, Taschentuch-Packerl, Schlüsselbund, Ohrstöpsel – fragt man einen Mann nach dem Inhalt in seiner Hosentasche, wirken die Taschen schier unendlich groß, weil sie Platz für all das bietet. Dass unsere Freunde, Brüder und Väter alles, was sie brauchen, bequem direkt am Körper tragen können, ist eine Selbstverständlichkeit. Dass Frauen diese Realität nur in den seltensten Fällen teilen, nehmen die wenigsten wahr. In ihre Hosentaschen passt nicht einmal ihr Handy. 

Per Definition dienen echte Hosentaschen dazu, persönliche Gegenstände aufzubewahren, die man bei sich tragen möchte. Frauenhosentaschen sind dafür in der Regel zu klein – sie erfüllen diesen Zweck nicht.

Hosentaschen sind politisch. Sexismus zeigt sich eben oft im Kleinen – auch an fehlenden oder zu kleinen Hosentaschen.

Frauenhosen ohne Platz: Taschen sind oft nur Dekoration

Röcke und Kleider sind meist taschenlos. An Frauenhosen gehören Taschen inzwischen zum gewohnten Bild – zumindest optisch. Besonders bei Skinny Jeans deuten Nähte oft an, wo sich eine Hosentasche befinden müsste. Wer jedoch versucht, diese auch wirklich zu benutzen, merkt schnell: Häufig handelt es sich nur um Fake-Taschen, die rein dekorativ sind. Und selbst wenn es sich um eine „echte“ Hosentasche handelt, reicht der Platz höchstens für eine Visitenkarte, ein Taschentuch oder – mit etwas Nachdruck, vielleicht ein halbes Smartphone. 

In den sozialen Netzwerken kursiert der Hashtag #WeWantPockets (dt: Wir wollen Taschen). Die Userinnen fordern dabei mehr oder überhaupt textilen Stauraum.

 

Natürlich werden manche einwenden, diese Kritik ist übertrieben. Es gibt schließlich auch Hosen mit Taschen für Frauen – wenn sie statt Skinny Jeans einfach ähnlich locker geschnittene Modelle tragen würden, wie sie für Männer üblich sind. Genau diesem Argument hält jedoch eine datenjournalistische Analyse der Website The Pudding entgegen.

Im Vergleich: Hosentaschen für Frauen 48 Prozent kürzer

Zwei Journalistinnen vom Datenvisualisierungs-Blog The Pudding analysierten 80 Hosenpaare der 20 beliebtesten und größten Jeansmarken in den USA. Dafür besuchten sie verschiedene Geschäfte, um die Unterschiede der Taschen von Frauen- und Männerhosen zu untersuchen. Die Ergebnisse zeigen: Alle Vorurteile gegenüber Frauenhosen bestätigen sich. „Hosentaschen für Frauen sind absurd“, bilanzieren sie über das Design der Hosentaschen.

Wie lächerlich Frauen-Hosentaschen sind, zeigen die folgenden Zahlen ganz deutlich: Im Durchschnitt sind Hosentaschen für Frauen 48 Prozent kürzer und 6,5 Prozent schmaler als Hosentaschen für Männer. 

Funktionalität vs. Ästhetik: Was haben Geschlechterrollen damit zu tun?

Die beiden Journalistinnen von The Pudding veranschaulichen, wie sich diese Unterschiede in der Praxis auswirken. Für jedes Hosenmodell in Damen- und Herrenausführung wird die Hosentasche einem Praxistest mit Brieftasche, Stift und drei aktuellen Smartphones unterzogen. Dabei hat man das iPhone X, ein Samsung Galaxy und ein Google Pixel getestet. Den Fokus ihrer Untersuchung legten sie dabei nur auf Jeanshosen. 

Besonders bei Smartphones zeigen sich große Unterschiede zwischen Männer- und Frauenjeans. Ein iPhone X passte in alle getesteten Männerhosen, aber nur in knapp 40 Prozent der Frauenhosen. Größere Modelle wie Samsung Galaxy und Google Pixel fanden sogar nur in 20 beziehungsweise 5 Prozent der Frauenhosen Platz. In Männerhosen passten diese Geräte dagegen in 85 bis 95 Prozent der Fälle.

Der Datenvisualisierungs-Blog The Pudding macht den Praxistest. Screenshot: The Pudding

Die Analyse zeigt, dass diese Unterschiede unabhängig vom Hosendesign bestehen, untersucht wurden jedoch nur US-Marken. Zwar fallen die Unterschiede bei Gesäßtaschen geringer aus, doch die Autorinnen betonen, dass der Taschenmangel für Frauen eine Frage der Gleichberechtigung ist. Denn die Modeindustrie macht es Frauen schwerer, sich frei zu bewegen, schränkt ihre Privatsphäre ein und erschwert es, Dinge sicher zu transportieren und dabei beide Hände freizuhaben. 

Während bei männlichen Pendants vor allem der eigentliche Sinn einer Hosentasche zentral ist, ist es bei Frauen die Ästhetik. Hosen sollen hauteng sein, die Silhouette des Körpers darin möglichst schlank und ohne Dellen und Ausbuchtungen. 

Frauen sollten das Haus nicht verlassen, also brauchen sie keine Taschen

Wirft man einen Blick in die Geschichte der Taschen, hat das zwangsläufig auch etwas mit Geschlechtergeschichte zu tun. Denn so selbstverständlich es für Männer ist, Gegenstände mit sich am Körper zu tragen – so war es das für Frauen lange Zeit nicht. 

Patriarchalische Gesellschaftsstrukturen verwehrten Frauen lange vernähte Taschen in der Kleidung. Und das aus einem einfachen Grund: „Damals wurden Frauen auf den häuslichen Bereich beschränkt. Das heißt: Sie sollten sich gar nicht so sehr in der Öffentlichkeit bewegen. Somit entfiel die Notwendigkeit, Gegenstände mit sich zu tragen“, erklärt die Modesoziologin Melanie Haller von der Universität Paderborn gegenüber Deutschlandfunk. 

Das war allerdings nicht immer so: Frauen nutzten im 16. und 17. Jahrhundert Bindetaschen, die um den Körper gebunden unter ihren Röcken getragen wurden, wie Caroline Stevenson von der University of the Arts London der BBC erklärt. Frauen hätten in diesen Wertgegenstände sowie Schlüssel, Geld und Taschentücher aufbewahrt. 

Laut dem britischen Victoria and Albert Museum verfügte europäische Herrenbekleidung – anders als die Damenmode – bereits seit der Renaissance über zahlreiche eingenähte Taschen.

BBC zufolge verschwanden mit dem Aufkommen von figurbetonteren Kleidern im 18. und 19. Jahrhundert selbst die Bindetaschen. „Wenn Sie als Frau Ihre Wertgegenstände nicht in die Öffentlichkeit mitnehmen können, macht Sie das viel verletzlicher und abhängiger von Männern oder Dienern“, sagt Stevenson. „All die Dinge, die in Taschen stecken könnten – Geld, Schlüssel, Notizen – symbolisierten Dinge, die Frauen nicht betreffen sollten – wie Eigentum, Macht und Privatsphäre“, analysierte die BBC.

Während bei der Mode für Männer an erster Stelle die Funktionalität steht, ist es bei Frauen vor allem die Ästhetik.

Von Chanel bis Dior: Taschen zwischen Alltag und Ästhetik

Die Kleidertasche als politisches Thema tauchte jedoch erst im 20. Jahrhundert auf. Erst als Aktivistinnen in England das Frauenwahlrecht forderten, wurden auch Taschen in der Kleidung gefordert. Ein Wunsch, dem später vor allem die Modeschöpferinnen Claire McCardell und Coco Chanel nachkamen.

Mit der Zeit etablierten sich auch Hosen für Frauen. Doch die Hosentaschen wurden schnell wieder ein Wunsch aus der Vergangenheit. Denn die Modewelt war „besessen“ davon, die Silhouetten von Frauen schlanker erscheinen zu lassen – somit wurden Taschen aus Damenhosen schlichtweg wieder entfernt. 

Laut BBC wurden McCardells Bemühungen, Frauen Mode zu bieten, die ihrem Alltag und ihren Zielen entsprach, schnell von einem neuen Modeakteur überschattet: Christian Dior. „Praktische Kleidung wurde während des Krieges benötigt, aber als er vorbei war, förderte Christian Diors neuer Look enge Taillen und volle Röcke sowie eine Silhouette, die auf eine traditionelle Vorstellung von Weiblichkeit zurückgriff.“

So soll Dior auch 1954 gesagt haben: „Männer haben Taschen, um Dinge darin aufzubewahren, Frauen zur Dekoration.“

Handtaschen-Industrie profitiert enorm von kleinen Hosentaschen

Die Entscheidungen der Modeindustrie lassen uns, sofern wir nicht selbst nähen können oder möchten, kaum eine Alternative. So schleppen Frauen fast immer eine “externe” Tasche mit sich herum – auch wenn man nur zwei, drei Kleinigkeiten dabei haben möchte. Ob Rucksack, Handtasche, Stofftasche oder Clutch – Frauen bleibt in den meisten Fällen keine andere Wahl. 

Genau diese Tatsache spielt natürlich auch der Modeindustrie enorm in die Karten. Denn indem die Kleidungstaschen klein bleiben, sind Frauen weiterhin dazu gezwungen, sich Handtaschen zu kaufen, um ihr Hab und Gut darin zu verstauen. 

Dieser Markt erweist sich als äußerst lukrativ. Alleine im Jahr 2017 wurden in Deutschland Handtaschen im Wert von 1,3 Milliarden Euro gekauft. In den USA machte die Handtaschen-Industrie im selben Zeitraum sogar über 8 Milliarden US-Dollar Umsatz.

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Anna
Anna
24. Februar 2026 16:58

Ich denke, dass Mode als Konsumprodukt im ersten Moment nicht mit der Reproduktion von Normen, gesellschaftlichen Verhältnissen und den daraus resultierenden Vor- bzw. Nachteilen assoziiert wird, doch bei genauerem Hinsehen passiert genau das: Wir selektieren, bewerten und schreiben Menschen aufgrund ihrer Kleidung bestimmte Eigenschaften zu. Der Artikel »Frauenhosen haben keine echten Handtaschen, weil sie nutzlos sein sollen« von Karina Stuhlpfarrer bringt das gekonnt auf den Punkt bzw. die Tasche. 🙂

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Wolfgang Pucher war ein österreichischer Ordenspriester und Gründer der VinziWerke in Graz. Er setzte sich besonders für obdachlose und armutsbetroffene Menschen ein und schuf zahlreiche Einrichtungen, die ihnen Unterkunft, Essen und Unterstützung bieten. Mit großem persönlichem Einsatz machte er auf soziale Ungleichheit aufmerksam und forderte mehr Solidarität mit den Schwächsten. Seine Arbeit war geprägt von direkter Hilfe ohne große Bürokratie. Pucher wurde für sein Engagement vielfach ausgezeichnet und blieb bis zu seinem Tod eine wichtige Stimme für soziale Gerechtigkeit. Zitat: Als gut situierter Bürger hat man kein Recht, an der Not anderer vorüberzugehen. Wolfgang Pucher

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  • Sebastian Kurz und die FPÖ wetteifern um die Gunst aus Washington. Foto: Alex Halada/APA Picturedesk; Parlamentsdirektion/Bubu Dujmic (Montage)
    Österreichs Trump-Versteher: Sebastian Kurz und die FPÖ wetteifern um die Gunst aus Washington

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Wolfgang Pucher war ein österreichischer Ordenspriester und Gründer der VinziWerke in Graz. Er setzte sich besonders für obdachlose und armutsbetroffene Menschen ein und schuf zahlreiche Einrichtungen, die ihnen Unterkunft, Essen und Unterstützung bieten. Mit großem persönlichem Einsatz machte er auf soziale Ungleichheit aufmerksam und forderte mehr Solidarität mit den Schwächsten. Seine Arbeit war geprägt von direkter Hilfe ohne große Bürokratie. Pucher wurde für sein Engagement vielfach ausgezeichnet und blieb bis zu seinem Tod eine wichtige Stimme für soziale Gerechtigkeit. Zitat: Als gut situierter Bürger hat man kein Recht, an der Not anderer vorüberzugehen. Wolfgang Pucher
Wolfgang Pucher war ein österreichischer Ordenspriester und Gründer der VinziWerke in Graz. Er setzte sich besonders für obdachlose und armutsbetroffene Menschen ein und schuf zahlreiche Einrichtungen, die ihnen Unterkunft, Essen und Unterstützung bieten. Mit großem persönlichem Einsatz machte er auf soziale Ungleichheit aufmerksam und forderte mehr Solidarität mit den Schwächsten. Seine Arbeit war geprägt von direkter Hilfe ohne große Bürokratie. Pucher wurde für sein Engagement vielfach ausgezeichnet und blieb bis zu seinem Tod eine wichtige Stimme für soziale Gerechtigkeit. Zitat: Als gut situierter Bürger hat man kein Recht, an der Not anderer vorüberzugehen. Wolfgang Pucher

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