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In mehreren Ländern können Ärzt:innen ihren Patient:innen Museumsbesuche verschreiben. In Österreich startete 2025 das Pilotprojekt „Museum auf Rezept“ mit kostenlosen Eintrittskarten. Studien deuten darauf hin, dass kulturelle Angebote Stress und Angst lindern, das Wohlbefinden stärken und gegen Einsamkeit helfen können.
Zum Arzt gehen und einen Museumsbesuch verschrieben bekommen: Was ungewöhnlich klingt, ist in mehreren Ländern schon Realität. In Belgien, Frankreich und Kanada können Patient:innen ausgewählte Museen kostenlos besuchen. Auch in Österreich gab es bereits ein solches Angebot: In Vorarlberg startete 2025 das Pilotprojekt „Museum auf Rezept“.
Museen sollen keine medizinische Behandlung ersetzen. Die Besuche sollen vom Alltag ablenken und das psychische Wohlbefinden stärken. Denn es stehen nicht allein die Kunstwerke im Fokus. Auch der Weg aus der eigenen Wohnung, Begegnungen mit anderen Menschen und das gemeinsame Erlebnis können eine Rolle spielen.
Forschende untersuchen deshalb zunehmend den Museumsbesuch als Ganzes. Die Idee wird schon seit Jahren erprobt. Das Museum of Modern Art in New York bietet seit 2006 spezielle Museumsbesuche für Menschen mit Alzheimer an.
Museumsbesuche reduzieren Stress und Angst
Ein Forschungsteam in Italien untersuchte bei 350 Besucher:innen und mehreren Museumsmitarbeiter:innen Stress und Angst vor und nach verschiedenen kulturellen Aktivitäten. Neben Fragebögen hat man teilweise auch die elektrische Aktivität des Gehirns gemessen. Der wahrgenommene Stress und die Angst gingen bei einzelnen Angeboten um bis zu 25 Prozent zurück. Gleichzeitig verbesserten sich das psychische und körperliche Wohlbefinden.
Studien aus Kanada und Großbritannien zeigen ähnliche Effekte. In Montreal bewerteten die Patient:innen ihr Wohlbefinden und ihre Lebensqualität nach einem ärztlich verschriebenen Museumsbesuch im Durchschnitt besser als zuvor. Die Studie erfasste jedoch nur die Tage vor und nach dem Besuch. Über längerfristige Veränderungen sagt sie nichts aus. Dafür braucht es weitere Forschung.
In Großbritannien nahmen 115 ältere, sozial isolierte Menschen zehn Wochen lang an Museumsprogrammen teil. Nach den Treffen fühlten sich die Teilnehmenden fröhlicher und aktiver als zuvor.
Museum auf Rezept als Pilotprojekt in Österreich
In Österreich werden solche Projekte ebenfalls geprobt. Das Vorarlberg Museum in Bregenz startete 2025 gemeinsam mit der Vorarlberger Ärztekammer das Pilotprojekt „Museum auf Rezept“. Das Museum stellte dafür 1.000 Freikarten bereit. Ärzt:innen verschiedener Fachrichtungen konnten die Freikarten an Patient:innen weitergeben.
Die Bregenzer Psychiaterin Petra Steger-Adami erklärt dem ORF, bei vielen Patient:innen steht eine Erkrankung im Mittelpunkt und begleitet sie im Alltag. Im Museum kann sich ihre Aufmerksamkeit auf andere Dinge richten. Daher hat der Besuch für viele Menschen einen positiven Effekt.
Weniger Hausarztbesuche: So können Museen das Gesundheitssystem entlasten
Die Teilnehmenden eines britischen Kunstprogramms wurden drei Jahre lang beobachtet. Das Ergebnis war, dass die Patient:innen nach regelmäßiger Teilnahme an Kunstprogrammen seltener ihre Hausarztpraxis aufsuchten. Damit könnten solche Angebote langfristig das Gesundheitssystem entlasten.
Eine weitere britische Studie zeigt zudem, dass regelmäßige kulturelle Aktivitäten auch wirtschaftliche Vorteile haben können. Weniger krankheitsbedingte Ausfälle könnten Unternehmen entlasten und die Wirtschaftsleistung erhöhen.
Die EU setzt stärker auf Kultur und Gesundheit
Auch die EU will Kultur stärker mit Gesundheit verbinden. Im Juni 2026 erklärten EU-Parlament, EU-Kommission sowie die Mitgliedstaaten die Kultur erstmals gemeinsam zu einer strategischen Priorität – ausdrücklich wegen ihrer Bedeutung für Gesundheit und sozialen Zusammenhalt.
Ein EU-Bericht empfiehlt, Angebote wie Musik, Tanz, Theater oder Museumsbesuche stärker in Gesundheitsförderung und Prävention einzubeziehen und gleichzeitig ihre Wirkung weiter zu erforschen.
Social Prescribing in Österreich: Unterstützung über die Arztpraxis hinaus
Kulturangebote wie Museumsbesuche können Teil von Social Prescribing sein. Dieser Ansatz verbindet die medizinische Versorgung mit Unterstützung bei sozialen Problemen. Dazu gehören etwa Einsamkeit, Geldsorgen oder familiäre Belastungen.
Ärzt:innen stellen bei Bedarf den Kontakt zu geschulten Fachkräften her. Diese klären gemeinsam mit den Patient:innen, welche Unterstützung sie brauchen. Anschließend vermitteln sie etwa eine Schuldnerberatung, eine Bewegungsgruppe oder ein Kulturangebot.
Österreich fördert solche Projekte seit 2021. Die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) begleitet die teilnehmenden Einrichtungen und wertet die Erfahrungen aus. Von 2023 bis 2025 haben Fachkräfte in 15 Einrichtungen aus sechs Bundesländern insgesamt 1.233 Patient:innen beraten. Zu den Einrichtungen gehören Gesundheitszentren, Kinderarztpraxen und eine Einrichtung für Menschen ohne Krankenversicherung.
93 Prozent der Patient:innen sagten, sie würden das Angebot weiterempfehlen. Laut GÖG berichteten die Befragten, sie fühlten sich psychisch stabiler und im Alltag sicherer. Außerdem hätten sie nach dem Programm mehr soziale Kontakte.
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