Je länger Kinder auf TikTok, Instagram und Co. bleiben, desto mehr verdienen die Plattformen. Für junge Nutzer:innen birgt das Risiken: von Sucht bis zu gefährlichen Kontakten mit böswilligen Erwachsenen. Mit dem EU Kids Act will die EU-Kommission Altersgrenzen setzen und die Konzerne zu mehr Schutz verpflichten. Wie soll das funktionieren, welche Pflichten kommen und ab wann gelten die Regeln? Hier die Antworten.
Noch ein Video, noch einmal scrollen: 13- bis 18-Jährige verbringen in der EU an Schultagen durchschnittlich 4,5 Stunden online. Am Wochenende sogar 6,1 Stunden täglich. Dabei können sie gefährlichen Trends, extremistischer Propaganda ausgesetzt sein, von Erwachsenen angeschrieben oder Opfer von Mobbing werden.
Aber warum fällt Abschalten so schwer? Das hat auch mit dem Geschäftsmodell der Plattformen zu tun: Man kann dort endlos scrollen, Videos starten automatisch und halten die Aufmerksamkeit fest. Je länger User:innen online bleiben, desto mehr Werbung können Konzerne verkaufen. Kinder und Jugendliche sind also der Garant für Werbeeinnahmen.
Österreich hat gemeinsam mit anderen Ländern wie Frankreich auf europäischer Ebene Druck gemacht, damit die Kommission rasch einen Gesetzesvorschlag vorlegt, um das alles einzudämmen. Am 17. September 2026 hat die Europäische Kommission schließlich den KIDS Act präsentiert.
Eigene Konten erst ab 15, weniger Suchtfallen
Der EU Kids Act sieht vor, dass Kinder unter 13 Jahren keine Social-Media-Konten haben dürfen. Für 13- und 14-Jährige sind von Eltern verwaltete „Minikonten“ vorgesehen: mit eingeschränkten Kontakten und höchstens einer Stunde Nutzung täglich.
Ab 15 wären eigene Konten erlaubt. Für Kinder zwischen drei und zwölf Jahren sollen kindgerechte Videoplattformen über Elternkonten zugänglich bleiben.
Zusätzlich sollen Plattformen das Alter überprüfen, ohne unnötige persönliche Daten zu sammeln, und ihre Angebote sicher gestalten. Für Minderjährige soll etwa endloses Scrollen ohne Pausen untersagt werden. Profile sollen standardmäßig privat sein, unerwünschte Nachrichten von Fremden abgeblockt werden.
Schutzpflichten sind auch für Online-Spiele und KI-Chatbots vorgesehen.
Sozialdemokraten wollen, dass Tech-Konzerne Verantwortung übernehmen
Die Sozialdemokraten begrüßen den Vorstoß, fordern aber, die Verantwortung konsequent bei den Unternehmen anzusetzen. Eltern dürfen mit dem Schutz ihrer Kinder nicht allein bleiben. SPÖ-EU-Abgeordnete Elisabeth Grossmann fordert eine gemeinsame europäische Altersgrenze:
„Wenn wir unsere Kinder schützen wollen, müssen wir selbst die Regeln setzen“, bekräftigt Grossmann gegenüber Kontrast.
Der sozialdemokratischen Fraktion im EU-Parlament reichen Alterskontrollen allein deshalb nicht. Sie verlangt ergänzend einen starken Digital Fairness Act, der auch Erwachsene vor schädlichen Geschäftsmodellen schützt. Dabei geht es unter anderem um manipulative Gestaltung, Abofallen und irreführende Werbung durch Influencer.

Altersgrenzen und Schutzpflichten: Ein Startdatum steht noch aus
Der Entwurf der EU-Kommission verbindet gestaffelte Altersgrenzen, sichere Voreinstellungen und strengere Kontrollen der Anbieter. Große Plattformen müssten durch unabhängig geprüfte Schutzpläne nachweisen, dass ihre Angebote für Kinder sicher sind. Bei Verstößen könnten Strafen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes drohen.
Noch sind das Vorschläge alles Vorschläge der Kommission. EU-Parlament und Rat, in dem die Mitgliedstaaten vertreten sind, müssen dieses Gesetz erst beschließen. Dabei können sich auch einzelne Bestimmungen noch ändern.
Wann die Regeln gelten, steht deshalb noch nicht fest. Den ergänzenden Digital Fairness Act will man im November 2026 vorstellen. Auch das wäre zunächst ein Gesetzesvorschlag.
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