140 Beschäftigte verlieren durch das Aus von Depot ihren Arbeitsplatz. Der Eigentümer ist zuversichtlich, dass sie anderswo einen Job finden. Konkrete Unterstützung durch den Arbeitgeber ist aber nicht geplant. Weil es keinen Betriebsrat gibt, können die Beschäftigten auch keinen Sozialplan durchsetzen. Der Fall Depot zeigt, warum betriebliche Mitbestimmung so wichtig ist.
Bei Depot wird abgeräumt. Kerzenständer, Kunstblumen, Kaffeetassen: Alles muss raus. Die Handelskette schließt ihre verbliebenen 24 Filialen in Österreich. Spätestens am 31. Jänner 2027 ist Schluss. Rund 140 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz. Das Weihnachtsgeschäft will das Unternehmen noch mitnehmen.
Für die Deko gibt es einen Abverkauf. Für die Belegschaft gibt es nur gute Wünsche. Einen Sozialplan für die Beschäftigten gibt es nämlich nicht. Und durchsetzen können sie ihn auch nicht. Aber der Reihe nach.
Depot schließt: 140 Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz
Depot-Eigentümer Christian Gries ist zuversichtlich, dass seine Beschäftigten anderswo Arbeit finden werden. Gegenüber der „Krone“ erklärt er, ein Sozialplan oder eine Arbeitsstiftung seien nicht geplant. Seine Begründung: „Wir haben nicht so viele Mitarbeiter in Österreich.“
Nun sind 140 Menschen aus der Perspektive einer internationalen Handelskette vielleicht nicht besonders viele. Aus der Perspektive dieser 140 Menschen sind es allerdings 140 Existenzen. Mit Mieten, Kreditraten, Kindern und Rechnungen, die sich für den Zweckoptimismus eines Unternehmers eher wenig interessieren.
Vielleicht finden alle rasch einen neuen Job. Zu wünschen ist es ihnen. Ob dieser ebenso gut bezahlt ist, ob die Arbeitszeiten zur Kinderbetreuung passen und ob der neue Arbeitsplatz überhaupt vernünftig erreichbar ist, steht auf einem anderen Blatt. Leider gibt es keine Vermieter, die Optimismus als Zahlungsmittel akzeptieren.
Kein Sozialplan, weil es keinen Betriebsrat gibt
Genau für solche Situationen gibt es Sozialpläne. Sie können zusätzliche Abfertigungen, Überbrückungshilfen oder Unterstützung bei Umschulungen vorsehen. Es geht also um konkrete Vereinbarungen, die die Folgen einer Schließung für die Beschäftigten abfedern.
Bei Depot fehlt dafür eine entscheidende Voraussetzung: Das Unternehmen hat in Österreich keinen Betriebsrat. Das bestätigt die Gewerkschaft GPA.
Einen Sozialplan als Betriebsvereinbarung schließen Geschäftsführung und Betriebsrat gemeinsam ab. Wenn größere Veränderungen im Betrieb erhebliche Nachteile für die gesamte Belegschaft oder einen großen Teil davon bringen, kann der Betriebsrat unter bestimmten Voraussetzungen einen Sozialplan auch über eine Schlichtungsstelle durchsetzen. Dafür müssen im Betrieb dauerhaft mindestens 20 Personen beschäftigt sein.
Arbeitgeber könnten auch ohne Sozialplan helfen – wenn sie wollten
Ohne Betriebsrat fehlt der Belegschaft dieser gesetzliche Hebel. Freiwillige zusätzliche Hilfen könnte das Unternehmen trotzdem anbieten. Auch ohne Betriebsrat darf eine Geschäftsführung auf die Idee kommen, ihre Beschäftigten beim Übergang in einen neuen Job zu unterstützen.
Der Unterschied ist erheblich: Auf Entgegenkommen hoffen zu müssen, ist etwas anderes, als mit abgesicherten Rechten verhandeln zu können.
Bei Depot reicht die Krise weit zurück. Die damalige österreichische Gesellschaft ging bereits 2024 in die Insolvenz. Ein Teil der Filialen und Beschäftigten wurde anschließend durch eine Auffanglösung übernommen. Nach der neuerlichen Insolvenz in Deutschland ist nun auch für die verbliebenen österreichischen Standorte keine eigenständige Fortführung vorgesehen. Gries kündigt eine geordnete Abwicklung ohne neues Insolvenzverfahren an.
Beschäftigte kritisieren Depot auf Bewertungsplattform kununu
Wie Beschäftigte solche Krisen erleben, zeigt sich mitunter auf Bewertungsplattformen. Auf dem österreichischen kununu-Profil von Depot kritisiert eine ehemalige Führungskraft, dass es während der damaligen Krise zu wenige Informationen gab. Zusagen zur beruflichen Entwicklung hat man nicht eingehalten. Eine andere Bewertung schildert das Gefühl, bei Problemen keine geeignete Anlaufstelle zu haben.
Das sind persönliche Erfahrungsberichte, die sicher nicht für alle Beschäftigten stehen. Sie werfen aber eine wichtige Frage auf: Wie können Beschäftigte ihre Anliegen wirksam vorbringen, wenn sie bei ihren Vorgesetzten nicht weiterkommen?
Wer Porzellan verkauft, sollte im Umgang mit seinen Beschäftigten möglichst keines zerschlagen.
Wie kann man im Handel einen Betriebsrat gründen?
Ein Betriebsrat ist nicht erst dann nützlich, wenn es um einen Sozialplan geht und schon alles zu spät ist. Er kann schon im Berufsalltag dafür sorgen, dass Probleme rechtzeitig auf den Tisch kommen.
Wenn fünf Beschäftigte Schwierigkeiten mit der Diensteinteilung haben, müssen daraus nicht fünf einzelne Gespräche werden, bei denen jede Person wieder von vorne beginnt. Eine gewählte Vertretung kann erkennen, dass dahinter ein gemeinsames Problem steckt. Sie kann Erfahrungen zusammentragen, Lösungen vorschlagen und bei der Geschäftsführung dranbleiben.
Dafür hat ein Betriebsrat gesetzlich abgesicherte Rechte. Er kann Verbesserungen der Arbeitsbedingungen beantragen und verlangen, dass Mängel behoben werden. Die Geschäftsführung muss ihn auf Verlangen anhören. Auch bei Schulungen und Weiterbildungen kann er mitwirken. Außerdem muss die Geschäftsführung den Betriebsrat über die wirtschaftliche und finanzielle Lage des Unternehmens und deren voraussichtliche Entwicklung informieren.
Es zahlt sich also aus, einen Betriebsrat zu gründen. Wer im Handel arbeitet und das angehen möchte, sollte zuerst diskret mit der Gewerkschaft GPA Kontakt aufnehmen. Am besten, noch bevor die Initiative im Betrieb bekannt wird. Denn leider freuen sich nicht alle Chefs über Betriebsratsgründungen.
Die GPA begleitet den gesamten Weg: von der vertraulichen Vorbereitung über den ersten Aushang und die Wahl bis zur Schulung und Beratung der gewählten Betriebsrät:innen. Niemand muss dafür vorher Arbeitsrecht studieren.
Wer jeden Tag das Geschäft am Laufen hält, sollte dort auch etwas zu sagen haben. Schließlich sind die Beschäftigten keine Dekoration.
Kreuze maximal 4 Antworten an, die für dich am meisten zutreffen.



































