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Erst Corona-Hilfe einstecken, dann Gewinne ausschütten: Jeder 6. Euro für Aktionäre stammt vom Steuerzahler

Marco Pühringer Marco Pühringer
in Verteilungsgerechtigkeit
Lesezeit:3 Minuten
23. März 2022
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Die AK Oberösterreich hat die Bilanzen von 1.998 Groß- und Mittelbetrieben analysiert. Die Unternehmen sind gut durch die Krise gekommen – auch aufgrund von Staatshilfen und Kurzarbeit. Wie gut, zeigt eine Sonderauswertung für Oberösterreichs Betriebe: 40 Prozent der Unternehmen, die Staatshilfen erhalten haben, verzichteten nicht auf Gewinnausschüttungen. Insgesamt verteilten sie 725 Millionen Euro über Dividenden an ihre Aktionäre – 111,5 Millionen davon finanzierte der Steuerzahler mit Staatshilfen.

Jedes Jahr analysiert die Arbeiterkammer Oberösterreich die Bilanzen von Groß- und Mittelbetrieben. Da die Jahresabschlüsse erst im Verlauf des nächsten Jahres veröffentlicht werden müssen, liegen aktuell die Zahlen für 2020 vor. Die Analyse betrifft also das erste Jahr der Corona-Krise. Die Personalkosten sind durch Maßnahmen wie die Kurzarbeit leicht gesunken. Trotz Krise konnte damit pro Beschäftigten ein etwas höherer Überschuss erwirtschaftet werden als im Jahr davor. Konkret: 2020 war die Wertschöpfung pro Beschäftigten im Schnitt um 35.129 Euro höher, als die durchschnittlichen Personalkosten. Die AK fühlt sich durch die Datenlage in ihrer Forderung nach einem Mindestlohn von 1.700 Euro bestärkt.

Weniger Sachinvestitionen – mehr Finanzinvestitionen

Die mittelgroßen und großen Unternehmen sind durch die Staatshilfen relativ gut durch die Krise gekommen. Interessant ist, was mit den Gewinnen geschehen ist:
Bedenklich ist eine Entwicklung bei den für den Standort Österreich besonders wichtigen Sachanlagen. Investieren die Unternehmen viel in Gebäude oder bessere Maschinen, sichern sie nachhaltig Arbeitsplätze in Österreich. Doch gerade diese Investitionen der Unternehmen sind zurückgegangen – gleichzeitig sind die Finanzanlagen während der Pandemie gestiegen.

„Das lässt die Interpretation zu, dass manche Unternehmen im Krisenjahr ihre Gelder lieber in Tochterunternehmen statt in zukunftssichernde Sachanlagen am Standort investiert haben. In Oberösterreich ist dieser Trend besonders stark“, kommentiert AK Oberösterreich Präsident Andreas Stangl die Entwicklungen bei der Präsentation der Ergebnisse.

Gewinnausschüttungen um ein Drittel gesunken – doch manche schütten doppelt so viel aus wie andere

Österreichweit haben sich die Gewinnausschüttungen um ungefähr ein Drittel reduziert. Durchschnittlich wurde an die Eigentümer eine Ausschüttung von 6,5 Prozent des Eigenkapitals vorgenommen. Das ist noch immer eine ordentliche Verzinsung für das eingesetzte Kapital. Es zeigen sich aber zwischen den Unternehmen starke Unterschiede: Rund ein Viertel der Unternehmen sind Top-Auszahler und schütteten Gewinne in Höhe von 13,8 Prozent des Eigenkapitals an ihre Eigentümer aus. Bei einer jährlich so hohen Dividende wäre bereits nach weniger als acht Jahren das gesamte investierte Geld wieder in Form von Gewinnen an die Eigentümer zurückgeflossen – und das in einem Krisenjahr.

Unternehmen müssen Staatshilfen nicht veröffentlichen

In einer Sonderauswertung, die sich auf Oberösterreich beschränkt, analysierte die AK 849 Jahresabschlüsse darauf, ob die Unternehmen Staatshilfen bezogen hatten. Diese 849 Unternehmen repräsentieren mit rund 206.267 Beschäftigten rund 31 Prozent aller Arbeitnehmer:innen in Oberösterreich. Rund ein Drittel dieser Unternehmen wiesen in ihrer Bilanz den Erhalt von Staatshilfen aus – wobei der tatsächliche Wert wohl deutlich höher liegt. Denn die Unternehmen sind gesetzlich nicht zur Veröffentlichung dieser Hilfen verpflichtet. Die AK fordert einen transparenten Umgang mit Steuergeld und die verpflichtende Ausweisung von Staatshilfen in den Bilanzen.

15 Prozent der Gewinne stammen aus Corona-Hilfen

Knapp 40 Prozent dieser Unternehmen, die eindeutig Staatshilfen erhalten haben, schütteten Gewinne an ihre Eigentümer:innen aus. Insgesamt finden sich in ihren Bilanzen rund 111,5 Millionen Euro an Corona-Hilfen. Gleichzeitig überwiesen sie 725 Millionen Euro an ihre Eigentümer:innen. Damit stammen gut 15 Prozent der Gewinnausschüttungen indirekt aus Steuergeld. Die AK Oberösterreich fordert deshalb eine gesetzliche Beschränkung der Gewinnausschüttungen.
„Die Gewinnauszahlungen dieser Unternehmen waren 6,5-mal so hoch wie die Corona-Förderungen. Wenn Unternehmen über die Kurzarbeitsvergütungen hinausgehende öffentliche Förderungen in Anspruch nehmen, sollten ihre zulässigen Gewinnausschüttungen an die Eigentümer:innen begrenzt werden“, so AK-Präsident Stangl.

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