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Rojava: Gleichberechtigung und kulturelle Vielfalt als Vorbild für die Region

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Der Angriff der Türkei auf die Kurden in Nordsyrien – Alle Fakten

Kuebra Atasoy Kuebra Atasoy
in Gastbeiträge, Internationales
Lesezeit:3 Minuten
26. Januar 2026
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Die kurdisch geführte Selbstverwaltung in Rojava entstand während des syrischen Bürgerkriegs als politisches Projekt jenseits des Assad-Staates und islamistischer Milizen. Das Ziel war und ist ein selbstbestimmtes Leben auf Basis demokratischer Werte, alle Volksgruppen regieren gemeinsam. So wurde schrittweise ein multiethnisches und multireligiöses System umgesetzt, an dem Kurd:innen, Araber:innen, Assyrer:innen und andere Gruppen beteiligt waren. Die politischen Räte wurden gleichberechtigt besetzt, Minderheiten konnten gestalten und waren nicht Bittsteller. Es war genau dieser demokratische Anspruch, der international Beachtung fand.

Frauen und Männer gleichberechtigt in allen Belangen des Lebens

Das zentrale Merkmal des politischen Modells in Rojava ist die verbindliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern.
Politische Ämter wurden doppelt besetzt, Frauen verfügen über eigene Organisationen und spielten auch militärisch nicht zuletzt in den Volks- und Frauenverteidigungseinheiten YPG/YPJ eine sichtbare Rolle. Dieses Gesellschaftsmodell stand in starkem Gegensatz zu den patriarchalen und autoritären Strukturen der Region.

Dazu besitzen Frauen institutionelle Vetorechte gegen Entscheidungen, die ihre Rechte betreffen, und organisieren sich eigenständig in Räten, Bildungsstrukturen und Sicherheitsorganen. Gleichberechtigung ist damit kein symbolisches Ziel, sondern strukturell verankert und politisch durchsetzbar. Dieses Gesellschaftsmodell steht in scharfem Gegensatz zu den patriarchalen und autoritären Machtstrukturen der Region. Und genau deshalb ist es islamistischen Kräften ein besonderes Feindbild.

2026: Der Islamismus in Syrien ist zurück, es droht das Ende der Selbstverwaltung

Nun droht die Vernichtung dieser Selbstverwaltung: In Damaskus sitzen heute Kräfte an der Macht, die direkt aus dem islamistischen Milieu stammen. Frühere Milizenführer präsentieren sich nun als „Regierung“, doch ihre Ideologie hat sich nicht geändert. Sie fordern die Auflösung der kurdischen Selbstverwaltung – ein Schritt, dem die Kurd:innen niemals zustimmen können.

Die Übergabe zentraler Gebiete, die Integration der kurdischen Kräfte in die syrische Armee und die Zerschlagung eigener Verwaltungsstrukturen würden das politische Projekt beenden. Begleitet wird dieser Machtwechsel von Übergriffen, Plünderungen und Einschüchterungen, insbesondere durch arabische Milizen und Stammesverbände. Viele Kurd:innen fürchten, nach ihrem entscheidenden Beitrag im Kampf gegen den IS erneut zu den Verlierern der regionalen Machtpolitik zu werden.

Der ehemalige Dschihadist, frühere Al-Qaida-Führer und heutige Machthaber in Damaskus, Ahmed al-Scharaa (auch bekannt als al-Jolani), nutzt die aktuelle internationale Ablenkung, um Fakten zu schaffen. Während das iranische Regime brutal gegen die eigene Bevölkerung vorgeht und die Weltöffentlichkeit wegschaut, wird in Syrien versucht, die kurdische Selbstverwaltung stillschweigend zu zerschlagen.
Wer sich dieser neuen islamistischen Ordnung nicht unterwirft, soll politisch entmachtet, militärisch ausgeschaltet oder vertrieben werden.

Spendet an Heyva Sor, den Kurdischen Roten Halbmond:
Kreissparkasse Köln
IBAN: DE49 3705 0299 0004 0104 81
BIC/SWIFT: COKSDE33XXX

paypal.me/heyvasorakurdistane

Kurdinnen und Kurden wehren sich, weil eine Niederlage den Tod bedeuten kann

Die Kurd:innen sind heute vereinter denn je. Aus allen Teilen Kurdistans kommen Freiwillige nach Rojava, um das demokratische Projekt zu verteidigen – nicht aus Abenteuerlust, sondern aus der Überzeugung, dass es hier um Existenz, Würde und Zukunft geht. Der Oberbefehlshaber der Syrischen Demokratischen Kräfte, Mazlum Abdi, brachte die Haltung vieler Kurd:innen auf den Punkt:

„Ich ziehe es vor, mit Ehre zu sterben, als mein Volk und meine Würde zu verraten.“

Diese Haltung ist kein Extremismus, sondern Ausdruck kollektiver Erfahrung: Wer sich einmal entwaffnen ließ, wurde später ausgelöscht. Was die islamistischen Kräfte so sehr fürchten, sind nicht Waffen allein. Es sind die Werte, für die Rojava steht: Gleichberechtigung der Frauen, religiöse und ethnische Vielfalt, Selbstverwaltung von unten. Genau dieses Modell stellt eine Bedrohung für jede autoritäre und fundamentalistische Herrschaft dar.

Wer jetzt wegschaut, während Frauen erneut versklavt, vergewaltigt und verkauft werden, während Kurd:innen ermordet oder vertrieben werden, trägt Mitverantwortung. Geschichte lehrt uns, dass Gewalt nicht bei einer Gruppe haltmacht: Nach den Kurd:innen wären christliche Assyrer:innen und Armenier:innen, Alawit:innen und Drus:innen die Nächsten.

Rojava unterstützen für eine offene demokratische Gesellschaft in Syrien

Wenn Rojava fällt, stärkt das genau jene islamistischen Netzwerke, deren Ideologie und Kämpfer sich längst auch in Europa befinden. Eine klare anti-islamistische Haltung ist kein Fremdenhass, sondern Selbstschutz – im Interesse einer offenen, demokratischen Gesellschaft.

Jetzt ist der Moment, Haltung zu zeigen: gegen IS-Terroristen, gegen islamistische Milizen – und auch gegen jene, die diese Ideologien in Europa verharmlosen, legitimieren oder finanzieren.
Es ist Zeit, laut zu werden. Nicht nur für Kurd:innen, sondern für alle, die Freiheit, Gleichberechtigung und Menschenwürde verteidigen wollen.

Kübra Atasoy ist Vorsitzende des Wiener Menschenrechtsvereins Asyl in Not, die Geflüchtete und politisch Verfolgte im Asylverfahren berät und vertritt und daraus politische Kampagnen und Inhalte entwickelt.
Sie ist Rassismus- und Migrationsexpertin und arbeitet als Trainerin und Speakerin. In ihrer Bildungsarbeit entwickelt sie politische Analysen zu den Verkn pfungen zwischen Rassismus, Islamismus und Geopolitik und schult zum Organisationsaufbau.

Erneute Kämpfe in Syrien gefährden Kurden – sie verteidigen ihre autonomen Gebiete

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2 Comments
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Axel Magnus
Axel Magnus
29. Januar 2026 16:56

Es mehren sich die Meldungen, dass Banken Überweisungen an Heyva Sor verweigern. Das könnte auch thematisiert und politisch skandalisiert werden!

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Gerald Demmel
Gerald Demmel
Reply to  Axel Magnus
30. Januar 2026 15:33

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