Frankreich bittet große Streamingdienste zur Kasse. Seit Anfang 2024 zahlen Plattformen wie Spotify, Deezer oder Apple Music die Streamingsteuer auf ihre Umsätze. Mit den Einnahmen fördert das Land die eigene Musikszene. Das Geld fließt direkt in Produktionen, Tourneen und kleinere Strukturen der Branche. Besonders Klassik, Chanson und Jazz profitieren, also Bereiche, die am Markt oft unter Druck stehen. Rund 10 Millionen Euro kamen im ersten Jahr zusammen. Weniger als erwartet, aber genug, um hunderte Projekte möglich zu machen.
Frankreich hat Anfang 2024 eine Streamingsteuer eingeführt. Große Streamingdienste müssen seither 1,2 Prozent ihres in Frankreich erzielten Umsatzes abführen, wenn sie über 20 Millionen Euro Umsatz kommen. Betroffen sind Abo-Plattformen ebenso wie kostenlose, werbefinanzierte Dienste. Die Einnahmen gehen an das Centre National de la Musique (CNM), eine öffentliche Einrichtung zur Förderung der Musikbranche.
Schwächere Musik-Bereiche wie Klassik und Jazz profitieren von Förderung aus Streamingsteuer
Ein Jahr später zeigte sich: Die Steuer brachte zwar weniger als erwartet, aber sie wirkt. Statt der von der Regierung erwarteten 15 Millionen Euro kamen 2024 laut Berichten rund 10 Millionen Euro zusammen. Das Geld floss laut den vorliegenden Artikeln in hunderte Produktionen und Tourneen, besonders in finanziell schwächere Bereiche wie Klassik, Chanson und Jazz. Viele dieser Projekte hätten ohne die Förderung nicht stattgefunden.
Der einstige CNM-Präsident Jean-Philippe Thiellay verteidigte die Abgabe gegen die Kritik der Plattformen. Er erklärte, die Steuer ist „nicht dafür da, das CNM zu finanzieren, dessen Betrieb vom Staat getragen wird, sondern dafür, das Schaffen und die Vielfalt zu finanzieren. 100 Prozent dieser Steuer werden wieder in die Branche eingespeist.“ Das ist der Kern des französischen Modells: Nicht der Betrieb einer Behörde soll finanziert werden, sondern zusätzliche Unterstützung für Musikschaffende, Labels, Veranstalter und kleinere Strukturen.
Seit 2022 gibt es in Frankreich auch Mindestvergütung für Künstler:innen im Streaming
Spotify und Deezer kritisieren die Steuer. Spotify argumentiert, Streaming werde stärker belastet als CDs, Schallplatten oder Radio. Der französische Spotify-Chef Antoine Monin warnte außerdem vor Nachteilen für europäische Anbieter gegenüber großen US-Konzernen. Spotify erhöhte in Frankreich später die Preise und verwies dabei auf die neue Abgabe.
Frankreich reguliert Streaming aber nicht nur über diese Steuer. Schon seit Juli 2022 gibt es eine Mindestvergütung für Künstler:innen im Streaming. Das Kulturministerium spricht von einer garantierten Mindestvergütung für ausübende Künstler und Labels.
Das französische Beispiel zeigt damit zweierlei: Eine Streamingsteuer löst nicht alle Verteilungsprobleme der Musikbranche. Aber sie schafft einen öffentlichen Finanzierungstopf, der gezielt dort eingesetzt werden kann, wo der Markt wenig trägt. Für kleine Produktionen, Tourneen und musikalische Vielfalt kann das bereits nach einem Jahr einen messbaren Unterschied machen.
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