LGBT oder auch LGBTQIA ist eine Sammelbezeichnung für lesbische, schwule, bisexuelle, transidente, queere, intergeschlechtliche und asexuelle Menschen. Sie beschreibt verschiedene sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten, die sich nicht im begrenzten Spektrum von Heterosexualität, Weiblichkeit oder Männlichkeit einordnen lassen. Die Formen und Varianten der Abkürzung variieren. Denn der Begriff ist mit der Zeit gewachsen – und unterschiedliche Menschen wollen unterschiedliche Schwerpunkte setzen.
Was ist LGBT / LGBTQIA+
LGBT oder auch LGBTQIA ist eine englische Abkürzung und Sammelbezeichnung für…
- L -Lesbisch (engl.: Lesbian) ist eine sexuelle Orientierung.
Als lesbisch bezeichnete Frauen fühlen sich im Allgemeinen zu Frauen sexuell und/oder romantisch hingezogen. Es gibt aber auch Lesben, die sich für nicht-binäre Personen interessieren.
- G – Schwul (engl. Gay) ist eine sexuelle Orientierung
Als schwul bezeichnet man Männer, die sexuell und/oder romantisch andere Männer begehren. Wie auch bei Lesben gibt es hier Personen, die sich ebenso zu nicht-binären Personen hingezogen fühlen – also Menschen, die sich keinem Geschlecht zuordnen.
- B – Bisexuell (engl. Bisexual) ist eine sexuelle Orientierung
Bisexuelle Personen interessieren sich romantisch und/oder körperlich für Personen desselben Geschlechts, als auch des anderen Geschlechts.
- T – Transident (engl. Transgender), kurz trans*, ist eine Geschlechtsidentität
Transpersonen identifizieren sich nicht oder nicht allein mit jenem Geschlecht, welches ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Transfrauen sind Frauen, denen bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde. Transmänner sind Männer, denen bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde. Es hat sich etabliert, als generelle Abkürzung „trans*“ zu verwenden und transident als eines der genaueren Ausschreibungsbeispiele zu gebrauchen.
- Q – Queer, Questioning (engl. Queer oder auch Questioning) ist eine Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung
Vielfach wird das Wort queer auch als Sammelbegriff für lesbisch, schwul, bisexuell, trans- und intergeschlechtlich benutzt. Übersetzt bedeutet der Begriff queer „seltsam“ oder „merkwürdig“. Bis in die 1990er verwendete man ihn als Beleidigung gegen queere Personen, bis diese ihn positiv besetzten und nun als stolze Selbstbezeichnung führen. Heute nutzen die Bezeichnung „queer“ auch Menschen, die ihre Geschlechtsidentität oder sexuelle Orientierung nicht definieren möchten. Questioning bezeichnet Personen, die sich ihrer Geschlechtsidentität oder sexuellen Orientierung nicht sicher sind.
- I – Intergeschlechtlich, Interidentität (engl. Intersexual) bezeichnet die nicht eindeutige Variante der Geschlechtsentwicklung
Intergeschlechtliche Personen werden mit Varianten der Geschlechtsentwicklung geboren oder nehmen keinen klassischen, eindeutigen Verlauf bei der geschlechtlichen Entwicklung. Das bedeutet, dass ihre Chromosomenpaare von den klassischen weiblichen oder männlichen abweichen. Statt XX (üblicherweise als weiblich zugeordnet) oder XY (üblicherweise männlich), gibt es eine Vielzahl an Varianten, beispielsweise X oder XXY. Intergeschlechtlichkeit kann sich auch in körperlichen Merkmalen äußern.
- A – Asexuell (engl. Asexual) meint die Abwesenheit von sexuellem Interesse oder sexueller Anziehung gegenüber anderen
Der Begriff Asexuell bezieht sich auf Personen, die kein Verlangen nach Sex verspüren. Dies heißt jedoch keineswegs, dass sie sich nicht verlieben oder romantische Beziehungen eingehen können.
- + Plus ist eine Geschlechtsidentität, sexuelle Orientierung
Das Plus inkludiert verschiedene weitere Geschlechtsidentitäten und sexuelle Orientierungen.
Sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität: Was ist der Unterschied?
Sexuelle Orientierung
Die sexuelle Orientierung bezeichnet das sexuelle und/oder romantische Verlangen einer Person. Dies umfasst unter anderem die Orientierungen lesbisch, schwul, bisexuell, pansexuell (fühlen sich allen Geschlechtern hingezogen), heterosexuell (fühlen sich dem anderen Geschlecht hingezogen) und weitere. Die sexuelle Orientierung von Menschen, die sich zum selben Geschlecht hingezogen fühlen, nennt man auch Homosexualität.
Oft werden sexuelle Orientierung und die Geschlechtsidentität verwechselt. Einerseits, weil sie so häufig gemeinsam vorkommen, andererseits, weil es durch den englischen Begriff für Geschlecht, nämlich Sex, gerne zu Übersetzungsfehlern kommt. Die beiden Begriffe stellen aber etwas Unterschiedliches dar.
Gender oder Geschlechtsidentität
Die Begriffe Gender und Geschlechtsidentität haben dieselbe Bedeutung. Ersteres ist schlicht die englische Bezeichnung für Geschlechtsidentität und steht für das soziale Geschlecht einer Person. Also jenes Geschlecht, in dem ein Mensch lebt bzw. sich definiert. Es kann sich vom biologischen Geschlecht einer Person unterscheiden, was vorrangig anhand von Chromosomen bestimmt wird.

Das biologische Geschlecht (englisch „sex“) meint hingegen sicht- und messbare Faktoren. Wie zum Beispiel Chromosomen und Hormone, das Vorhandensein von Penis, Testosteron, Vulva, Eierstöcken oder der jeweiligen Chromosomenkombination. Das biologische Geschlecht stimmt oft insofern mit dem sozialen Geschlecht überein, als sich Menschen damit identifizieren können. Wenn jemand beispielsweise eine Vulva hat und sich in seinem sozialen Geschlecht als Frau sieht, so bezeichnet man diese Menschen als „cis“. Es gibt jedoch auch Menschen, die mit einer Vulva auf die Welt kommen und in ihrem sozialen Geschlecht Männer sind. Dann stimmt das wirkliche nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Gender überein. Menschen, bei denen dies so ist, bezeichnen sich selbst als „trans“.
Unter binär (=zweiteilig) versteht man die Einteilung von Menschen in Mann und Frau. Auf einige Personen treffen diese Bezeichnungen jedoch nicht zu. Menschen, die sich keinem Geschlecht zuordnen, benutzen Begriffe wie agender/geschlechtslos, genderfluid/veränderliche Geschlechtsidentität oder nicht-binär/weder ausschließlich Frau noch ausschließlich Mann.
Von trans bis cis
Der Begriff „cis“ bedeutet übersetzt „diesseits“ und kommt aus dem Lateinischen. Im Gegensatz dazu steht trans für „jenseits“. Als cisgeschlechtlich oder cisgender bezeichnet man jene Personen, die sich mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren. Das trifft beispielsweise auf Personen zu, die mit weiblichen Geschlechtsorganen geboren wurden und sich auch mit der Kategorie „Frau“ identifizieren. Cis als Vorsilbe ist nicht wertend. Es soll zur Beschreibung für das dienen, was viele als normal bezeichnen und bildet das Gegenteil zu trans.
Diese Begriffe erscheinen für viele zwar neu, sind aber in der Naturwissenschaft schon längst gebräuchlich: Die Chemie unterscheidet zum Beispiel Fettsäuren in cis und trans. In genderspezifischen Debatten hat sich der Terminus ausgehend von der Sexualwissenschaft Mitte der 1990er etabliert.
Intergeschlechtlichkeit

Expert:innen schätzen, dass etwa 1,7% der Bevölkerung intergeschlechtlich zur Welt kommen. Das heißt jedoch längst nicht, dass intergeschlechtliche Kinder auch so aufwachsen, wie sie geboren werden. Nicht alle Kinder weisen schon bei der Geburt körperliche Merkmale auf – bei vielen Personen werden diese erst im Laufe der Pubertät sichtbar, bei anderen gar nicht. Intergeschlechtliche Neugeborene, die bereits bei der Geburt „klare“ Merkmale zeigen, werden immer noch häufig medizinisch nicht notwendigen Operationen unterzogen, die sie klar einem Geschlecht zuordnen sollen. Bei diesen Eingriffen konstruieren Mediziner:innen künstlich Vulven/Penisse oder entfernen Hoden/Eierstöcke. Solche Operationen haben langfristige körperliche und psychische Folgen für Betroffene. Vertretungsorganisationen und Aktivist:innen fordern daher seit Langem ihr Verbot. In mindestens 21 EU-Mitgliedsstaaten werden diese „normalisierenden“ Operationen an Inter-Kindern durchgeführt.
In einer 2025 veröffentlichten Studie geben 61 % der befragten Intergeschlechtlichen an, im letzten Jahr eine Form von Diskriminierung, meistens im Arbeitsumfeld, erlebt zu haben. Mehr zur Studie gibt es hier.
Die Geschichte von LGBT / LGBTQIA+
So viel vorweg: Einen „Entstehungszeitpunkt“ der LGBT-Gemeinschaft gibt es nicht. Queere Menschen gab es immer. Geändert hat sich im Laufe der Jahrhunderte einzig der Umgang mit ihnen und die Art und Weise, wie sie Diskriminierung erfahren (haben).
Das Wort Lesbe leitet sich von der griechischen Insel Lesbos ab. Im 6. Jahrhundert v. Chr. lebte dort die Dichterin Sappho, die in vielen Werken ihre Liebe zu Frauen beschreibt. Dieses frühe Beispiel zeigt, dass LGBT / LGBTQIA+ Personen schon immer Teil der Gesellschaft waren und zeitweise sogar offen gleichgeschlechtliches Begehren leben konnten. Dies änderte sich in Europa jedoch mit dem frühen Mittelalter, ab dem dies meist versteckt geschehen musste, da ansonsten Verfolgung und Diskriminierung drohten.

Anhand dieses Beispiels lässt sich gut illustrieren, wie sehr queere Geschichte auch von regional und kulturell vorherrschenden Ideen geprägt ist. Durch die Dominanz christlich-katholischer Denkweisen wurden auch in Europa lange all jene verfolgt, die sich nicht der „heteronormativen“ Vorstellung von Frau und Mann unterordnen konnten oder wollten. Unter Heteronormativität versteht man die Vorstellung, dass es außer Heterosexualität als Sex zwischen Mann und Frau keine anderen Formen von Sexualität geben könne. Das zog sich über viele Jahre.
In Österreich wurde Homosexualität erst 1971 für legal erklärt. Heiraten dürfen homosexuelle Paare in Österreich sogar erst seit 2019. Die FPÖ beantragte im selben Jahr, die Ehe für alle wieder abzuschaffen.
Die Verfolgung queerer Menschen im Nationalsozialismus
Einen traurigen Höhepunkt erreichte die Verfolgung queerer Personen im 20. Jahrhundert unter der Herrschaft des Nationalsozialismus. Sie kostete unzähligen LGBTQIA+ Personen das Leben. Etwa 15.000 schwule Männer wurden in der NS-Zeit in Konzentrationslager deportiert, mehr als die Hälfte umgebracht. Andere in besonders harten Arbeitskommandos untergebracht, teilweise zwangskastriert und mit dem sogenannten rosa Winkel, der sie als homosexuell markieren sollte, gekennzeichnet. Auch lesbische Frauen erlebten massive Verfolgung. Transidente Personen wurden in vielen Fällen Opfer der eugenischen (=„rassenhygienischen“) Gräuel des NS-Systems.
Laut der deutschen Bundeszentrale für politische Bildung wurden insgesamt rund 50.000 Schwule in Deutschland nach dem Paragraphen 175, der „sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts“ unter Strafe stellte, verhaftet. Eingeführt wurde der Paragraph im Deutschen Kaiserreich 1871 und erst seit Mitte der 1990er Jahre gänzlich abgeschafft.
Für viele queere Überlebende in Deutschland und Österreich endete die Verfolgung wegen ihrer sexuellen Orientierung demnach nicht mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Stattdessen ging ihre Verfolgung mit Mitteln des Strafrechts auch in der Zweiten Republik nahtlos weiter, Vorstrafen wegen „gleichgeschlechtlicher Unzucht“ wurden nicht aufgehoben und Homosexuelle nicht als Opfergruppe anerkannt. Erst im Jahr 1971 wurde das Totalverbot von gleichgeschlechtlicher Liebe in Österreich nach dem Paragraphen 129 I b aufgehoben (der seit 1852 in Kraft war). An seine Stelle traten vier Sonder-Strafparagraphen gegen homosexuelle Handlungen, von denen der letzte (das unterschiedliche Schutzalter für Beziehungen zwischen Männern) erst im Jahr 2002 aufgehoben wurde. Auch trans* Personen erlebten in Österreich bis in die 2000er-Jahre massive rechtliche Schlechterstellungen und mussten beispielsweise Scheidungen und oft schwierige Operationen als Grundlage für eine Änderung des Personenstandes ertragen – auch dieser Operationszwang wurde am Ende gerichtlich aufgehoben.
Ausführliche Informationen zu den vielfältigen rechtlichen Diskriminierungen gegen LGBTIQ+ Personen sind auf diesem Online-Gedenkportal des Justizministeriums zu finden, das seit 2024 an die queeren Opfer staatlichen Unrechts erinnert.
Die 80er-Jahre – HIV und Aids
Mit dem Aufkommen des Acquired Immune Deficiency Syndrome (AIDS) in den 80er-Jahren kam für queere Menschen eine Zeit verstärkter Diskriminierung. Hauptgrund dafür war die starke Verbreitung der Seuche durch die geringe Verwendung von Kondomen bei der sexuellen Praktik des Analverkehrs. AIDS und HIV waren bereits viel früher verbreitet, blieben jedoch unerkannt. Bald folgten erste AIDS-Register in Österreich und Deutschland, Therapiemöglichkeiten für Erkrankte Anfang der 1990-er Jahre. 1997 eröffnet das Wiener AIDS-Hilfe-Haus am Mariahilfer-Gürtel.
Insbesondere in Großbritannien und den USA kostete die Stigmatisierung und Ausgrenzung HIV-positiver Menschen jedoch unzählige Menschenleben. Betroffen waren nicht nur schwule Männer, sondern auch transidente Personen und Personen, die aus sozial benachteiligten Gruppen stammten. Heute hat sich die Situation grundlegend geändert. In Europa können HIV-positive Menschen weitestgehend ohne gesundheitliche Benachteiligung leben. In anderen Teilen der Welt sieht es anders aus. Weltweit sind laut UNAIDS 40,8 Millionen Menschen mit HIV infiziert, 2,6 Millionen davon in Europa.
Die Stigmatisierung, also negative Darstellung bis Unsichtbarmachung, queerer Menschen zieht sich bis ins 21. Jahrhundert. Bis 2019 galten Transpersonen laut der WHO noch als psychisch (verhaltens)gestört. Die queere Community musste zuvor jahrelang für die Abschaffung dieser Einstufung protestieren.
Verfolgung heute – hier droht die Todesstrafe
Auch heute wird Homosexualität in 65 Staaten weiterhin kriminalisiert, die Ehe für gleichgeschlechtliche Partner ist in 99 Ländern illegal. . Das zeigen unter anderem die Daten des Equaldex für das Jahr 2026.
In 69 Ländern werden LQBTQIA+-Themen in den Medien zensiert und in 12 Ländern droht sogar die Todesstrafe. In einigen dieser Länder (z. B. Iran, Saudi-Arabien, Jemen, einige nigerianische Bundesstaaten, Teile Somalias) wird sie auch tatsächlich verhängt oder durchgesetzt. Oft sind staatliche Behörden an der Unterdrückung von LGBTIQ+ beteiligt und verweigern ihnen jeglichen Schutz vor Anfeindungen und Gewalt.
Dabei befinden sich die Rechte queerer Personen weltweit auf dem Rückschritt. Viele afrikanische Länder haben strengere Gesetze gegen Mitglieder der LGBTQ-Gemeinschaft beschlossen – sie nehmen sich dabei aber vor allem ein Beispiel an den USA. Der ugandische Menschenrechtsaktivist Hans Senfuma beschreibt, wie die Trump-Politik in den USA viele afrikanische Länder beeinflussen:
„Wenn die mächtigste Nation der Welt signalisiert, dass LGBTQ-Menschen keinen Schutz verdienen, wenn sie Rechte einschränkt, wenn sie das Geschlecht aus offiziellen Dokumenten streicht, wenn sie die Mittel für Programme kürzt, die unserer Gemeinschaft weltweit zugutekommen, sendet sie damit eine Botschaft aus, die weit über die Grenzen der USA hinausreicht.”

Stonewall und Pride – die Geburtsstunde der modernen LGBTQIA+ Gemeinschaft
Der 28. Juni 1969 markiert den Beginn der modernen LGBTQIA+ Bewegung. Am Abend dieses Tages stürmte die New Yorker Polizei die Bar Stonewall Inn in der Christopher Street. Das Stonewall Inn diente als beliebter Treffpunkt der New Yorker LGBT-Community. Eine heruntergekommene Bar, betrieben ohne Lizenz – diente als Zufluchtsort für Schwule, Lesben und Transpersonen. Razzien waren nicht unüblich, der Widerstand, den die Besucher:innen in dieser Nacht zeigten, jedoch allemal. Es folgten tagelange Proteste zwischen Besucher:innen und der Polizei, diese resultierten aus jahrzehntelanger Diskriminierung.
Die Vereinigten Staaten der Sechziger Jahre waren alles andere als queer-freundlich. Dies äußerte sich beispielsweise in erheblichen Benachteiligungen bei der Job- und Wohnungssuche. Es gab sogar eigene Gesetze, welche jegliches sexuelle Verhalten abseits der Heterosexualität bestrafte (Sodomiegesetze). Stonewall war der Beginn des aktiven Widerstands gegen Diskriminierung der LGBTQIA+ Gemeinschaft.
Seit den Ausschreitungen werden im Juni weltweit Regenbogen-Paraden abgehalten, die den queeren Protest feiern und Akzeptanz demonstrieren sollen. Stonewall markierte den Beginn eines breiten Verständnisses von Solidarität innerhalb der LGBTQIA+ Gemeinschaft. Der Juni wird daher auch als Pride Month („Stolz Monat“) bezeichnet.
Die Regenbogenfahne

1978 entwirft der amerikanische Künstler Gilbert Baker die Regebogenflagge für die Pride Parade in San Francisco. Gedacht ist sie als Symbol für die Vielfalt der queeren Community. Den einzelnen Farben wird eine Bedeutung zugeschrieben: Rot für Liebe und Leben, Orange für Gesundheit und Heilung, Gelb für das Sonnenlicht, Grün für die Natur, Blau für Harmonie und Violett für den Geist. Insbesondere in den letzten Jahren wird die Regenbogenfahne um die Farben braun und schwarz ergänzt. Dies dient der Sichtbarmachung von People of Color (PoC), also Menschen mit nicht-weißer Hautfarbe. Andere Fahnen, wie die weiß-rosa-hellblaue Transflagge oder die gelb-violette Intersex-Flagge, beschreiben einzelne Gruppen innerhalb der LGBTQIA+-Gemeinschaft und werden als Zeichen für Vielfalt und Inklusion verwendet.

Forderungen der LGBTQIA+ Community
Die meisten Fortschritte für die LGBTIQ+ Community wurden in Österreich in den vergangenen 20 Jahren durch Gerichte und selten (wie z.B. bei der Eingetragenen Partnerschaft 2009) durch die Politik ermöglicht. Heute geht es der Gemeinschaft in erster Linie um Selbstbestimmung, Sicherheit und den Schutz vor Diskriminierung. Konkret bedeutet das in Österreich den vollen gesetzlichen Schutz vor Diskriminierungen im Privatleben und das Verbot aller Konversionstherapien.
Österreich ist heute eines der letzten EU-Länder, in dem LGBTIQ+ Personen legal beim Zugang zu Gütern, Dienstleistungen oder Wohnraum diskriminiert werden dürfen. Erst im Sommer 2025 sorgte der Fall eines lesbischen Pärchens für Aufregung, das ausdrücklich aufgrund seiner Sexualität bei der Wohnungssuche abgelehnt wurde – und das legal.
Die sexuelle Orientierung ist kein Schutzgrund nach Gleichbehandlungsgesetz – deshalb dürfen Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung z.B. aus Taxis geworfen werden oder eine Wohnung nicht bekommen. Deshalb fordern Aktivist:innen seit Langem das s.g. „Levelling Up“, also die Ausweitung des Gleichbehandlungsgesetzes, um LGBTIQ+ Personen in jedem Lebensbereich zu schützen.
Auch der Schutz vor Konversionstherapien steht bis heute aus. Ein Gesetz, mit dem diese hochgefährlichen Praktiken, durch die die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität einer Person verändert werden soll, verbieten würde, ist bis heute noch nicht umgesetzt. Dabei geht es vor allem darum, solche Praktiken auch bei trans* Personen zu verbieten, um einen wirklich wirkungsvollen und missbrauchssicheren Schutz zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang fordert die LGBTIQ+ Community auch einen besseren Schutz vor Gewalt. Gerade angesichts steigender Hassverbrechen hat die aktuelle Bundesregierung daher einen Nationalen Aktionsplan gegen Hate Crime beschlossen: Damit sollen Verbrechen gegen queere Menschen besser verhindert und mehr in Präventionsarbeit investiert werden.
Weitere Forderungen umfassen eine selbstbestimmte Personenstandswahl und das Verbot von Operationen an intergeschlechtlichen Kindern und Jugendlichen. Ersteres wird gefordert, da nicht-binäre und transidente Personen heute keinen freien Zugang zu jenem Geschlechtseintrag haben, in dem sie leben. Auf das Verbot von Operationen an intergeschlechtlichen Kindern wird gedrängt, da es sich dabei in der Regel um medizinisch nicht notwendige Operationen an Kindern handelt. Zudem fordern viele Initiativen die Ausweitung gesundheitlicher Versorgung für queere Personen. In Österreich mangelt es sowohl an Krankenhäusern als auch an Fachpersonal, welches beispielsweise freiwillige geschlechtsangleichende Operationen durchführen kann. Sollte dies dennoch geschehen, ist mit langen Wartezeiten und erheblichen Kosten für die Patient:innen zu rechnen und kann im schlimmsten Fall Leben kosten: Je länger Transpersonen der Zugang zu geschlechtsangleichenden Hormonen und Operationen verwehrt bleibt, desto größer ist das Risiko eines Selbstmords.
Die LGBTQIA+ Community in Österreich
In der selbst erklärten Regenbogenstadt Wien haben Maßnahmen gegen die Diskriminierung queerer Personen einen hohen Stellenwert. So gibt es etwa die Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche und transidente Lebensweisen (WAST) sowie das Regenbogenfamilienzentrum in Wien Margarethen. Erst 2019 wurde die Europride, die jedes Jahr in einer anderen europäischen Hauptstadt ausgetragen wird, in Wien zelebriert. Es gibt auch einen eigenen LGBT-Reiseführer der Stadt.
Eine immer wieder auffällige Gegenstimme der Pride-Parade ist die Jugendorganisation der FPÖ, die “Freiheitliche Jugend” (FJ). 2021 starteten identitäre Aktivisten der FJ eine Intervention der Pride-Parade und störten die Afterparty durch ein Banner mit der Aufschrift “no_pridemonth”. Später sprachen sich Mitglieder der FPÖ-Jugend für einen “Patrioten-Monat statt Pridemonth” aus.
Es ist umso wichtiger, dass es nicht nur in Wien, sondern in ganz Österreich Strukturen und Vereine gibt, die sich spätestens seit den 1990er-Jahren für die LGBTQIA+ Community einsetzen. In fast jedem Bundesland werden im Juni Pride-Paraden organisiert. Neben vielen Beratungsstellen und Gemeinschaftszentren haben auch Aids-Hilfe-Einrichtungen einen besonderen Stellenwert. Sie gibt es in jedem Bundesland, wobei die AIDS-Hilfe Wien gleichzeitig auch das Burgenland und Niederösterreich betreut.
In dem jährlich erscheinenden Gay Travel Index belegt Österreich 2026 den 15. Platz weltweit. Der Index bemisst anhand der geltenden Rechtslage zu LGBTQIA+ Entwicklungen hinsichtlich der Inklusion und Antidiskriminierung. Das betrifft beispielsweise die Möglichkeit zur Heirat oder wie queer-freundlich ein Land ist.
Hassverbrechen gegen LGBTQ-Personen im letzten Jahrzehnt um 10 Prozent gestiegen
Trotz all dieser Fortschritte kommt es auch in Österreich zu Angriffen und Diskriminierungen von LGBTQ-Personen. Von den Befragten der 2025 veröffentlichten Studie „Queer in Wien“ gaben 38 % an, in den letzten zwölf Monaten Gewalt und Diskriminierung im öffentlichen Raum erlebt zu haben. Im Vergleich zu 2015 bedeutet das eine Steigerung um ganze zehn Prozent.
„Besonders erschreckend sind die Zahlen zu den Schulen. 73 Prozent sagen, dass sie in der Schule Mobbing, Verspottung, Hänseleien, Beschimpfungen oder Drohungen ausgesetzt waren“, erklärt der Wiener Menschenrechtsanwalt Helmut Graupner.
Laut dem österreichischen Innenministerium wurden im Jahr 2024 insgesamt 317 Hate Crimes aufgrund sexueller Orientierung registriert, wobei homophobe Motive dominierten . Experten gehen aber von einer hohen Dunkelziffer aus, da viele Betroffene keine Anzeige erstatten.
Ein besonders schwerer Fall von Hate Crime wurde 2024 öffentlich. Seit Mai letzten Jahres wurden homosexuelle Männer über gefälschte Online-Profile zu abgelegenen Treffpunkten gelockt, wo sie von maskierten Tätern angegriffen, misshandelt und erniedrigt wurden. In einem Fall steht sogar ein Mordversuch im Raum. Im März 2025 führte die Polizei Razzien in sieben Bundesländern durch und nahm 15 Verdächtige im Alter zwischen 14 und 26 Jahren fest. Die Gruppierung soll sich über Online-Plattformen vernetzt haben, um gezielt Homosexuelle aufzuspüren und zu attackieren.
„Was die Ermittler:innen aufdeckten, war ein systematisches Muster von Hassverbrechen gegen homosexuelle Männer in Österreich. Als Menschenrechtsverteidigerin bei Amnesty International Österreich trifft mich jede dieser Geschichten ins Herz. Die Täter haben gezielt nach ihren Opfern gesucht, haben Dating-Apps als Werkzeug missbraucht, um Menschen aufzuspüren,“ sagt Shoura Hashemi, Geschäftsführerin der NGO Amnesty International.
Bereits 2015 endete ein vermutlich transphobes Hassverbrechen in einem Mordfall: Die Ökonomin und Sexarbeiterin Hande Öncu war Transfrau und wurde in ihrer Wohnung erdrosselt. Sie war zuvor aufgrund von Gewalt gegen Trans-Personen aus der Türkei nach Österreich geflohen. Im selben Jahr führte ein Vorfall in einem Wiener Lokal zu Demonstrationen und breiter medialer Berichterstattung: 2015 schmeißt die Besitzerin des Café Prückl im dritten Wiener Gemeindebezirk ein lesbisches Paar aus dem Lokal, weil sich diese küssten. Schlussendlich entschuldigte sich die Besitzerin.
Diese und andere traurige Beispiele zeigen, dass es auch in Österreich noch Gewalt, Ausgrenzung und Diskriminierung gegen die LGBTQIA+ Gemeinschaft gibt. Denn obwohl in Österreich Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und des Geschlechts seit 2004 verboten ist, fehlt ein solcher Schutz im Privatleben. Hassnachrichten oder auch Gewaltandrohungen sind nach wie vor Alltag von queeren Menschen. All das zeigt: Es ist und bleibt wichtig, für die Rechte der LGBTQIA+-Gemeinschaft in Österreich zu kämpfen.
LGBTQIA+-Kultur
Anlaufstellen in Österreich
• VIMÖ – Verein Intergeschlechtlicher Menschen Österreich
• Hosi – Homosexuelle Initiative Österreich
• ILGA Europe – International Lesbian, Gay, Transsexual and Intersex
• Oriental Queer Organization Austria
• Queerbase – Support for LGBT Refugees
• TransX – Verein für Transgender Personen
• Türkis Rosa Lila Villa – Anlaufstelle für LGBTQIA+ Personen
• Q Wien – Zentrum für queere Geschichte
• Beratungsstelle Courage
• Queermed – Verzeichnis LGBTQIA+ freundlicher Ärzt:innen und Therapeut:innen
• Intersex International Europe – Organisation für Intergeschlechtliche Personen
Queere Musikschaffende
SOPHIE
070 Shake
Troye Sivan
Sam Smith
Frank Ocean
Janelle Monaé
Lizzo
Queere Filme
Blau ist eine warme Farbe
Porträt einer jungen Frau in Flammen
Pride – LGBT and Workers Unite
Call Me by Your Name
Stonewall – Where Pride Began
The Boys in the Band
Mädchen in Uniform
God´s Own Country
Brokeback Mountain
The Rocky Horror Picture Show
Queere Serien
Feel Good
Mindhunter
Six Feet Under
Pose
RuPaul´s Drag Race
Euphoria
Crazy Ex-Girlfriend
Vida
Killing Eve
Sex Education
Queere Literatur
Liv Strömquist – Der Ursprung der Welt
Rosemary Hennessy – Profit and Pleasure: Sexual Identities in Late Capitalism
Nancy Fraser – Heterosexism, Misrecognition and Capitalism
Arabelle Sicardi – Queer Heroes
Judith Butler – Gender Trouble
Alica Walker – The Color Purple
Thomas Page McBee – Amateur: A True Story About What Makes A Man
Thomas Mann – Der Tod in Venedig
Audre Lorde – Zami
Sasha Marianna Salzmann – Außer sich
Hanya Yanagihara – Ein wenig Leben
Oscar Wilde – The Picture of Dorian Gray
Virginia Woolf – Orlando
Der Artikel wurde am 4. August 2021 veröffentlicht und am 30. März 2026 aktualisiert.
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Es gibt Menschen hier, die angesichts eines Artikels wie diesem ihr Schlechtestes zeigen und sich unmenschlich verhalten. Löscht das. Das ist keine Meinungsäußerung, das ist nur dummer, blinder Hass und der ist gefährlich!
Ihr wundervollen bunten Menschen da draußen- völlig egal welcher sexuellen Orientierung oder Identität- lebt eure Farben! Liebt und lasst euch lieben!
Die Welt ist so viel schöner durch unsere Vielfalt!
Ihr seid wichtig ♡
Und alle Allies – macht den Mund auf! Zeigt euch! Seid lauter, liebt lauter, seid genauso bunt!
Ihr seid wichtig ♡