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12-Stunden-Tag: „Das ist schon gesundheitsgefährdend“

12-Stunden-Tag: „Das ist schon gesundheitsgefährdend“

Patricia Huber Patricia Huber
in Arbeit & Freizeit
Lesezeit:4 Minuten
9. Mai 2018
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Wer an 2 Tagen hintereinander 12 Stunden arbeitet, braucht mindestens 3 Tage am Stück frei, erklärt uns Mag.a Andrea Birbaumer von der Gesellschaft für kritischer Psychologen und Psychologinnen. Arbeitsleben, Familienleben und Freundschaften müssen ausgeglichen sein. Das macht uns nicht nur glücklicher, sondern auch gesünder … und produktiver. 

Die Regierung will den 12h-Tag noch vor dem Sommer einführen. Bringt das mehr Flexibilität für Arbeitnehmer?

Mit der Flexibilität ist das so eine Sache: Mehr Arbeitszeit am Stück und längere Wochen-Arbeitszeiten meinen meist mehr Flexibilität für den Arbeitgeber. Dass sich das manchmal auch mit individuellen Vorteilen für Arbeitnehmer trifft, ist unbestritten. Es gibt wohl Arbeitnehmer, die längere Freizeitblöcke sehr schätzen. Die gern mal intensiv reinarbeiten und dann viel frei haben. Aber für die meisten spießt sich das schon mit der Vereinbarkeit von Arbeit, Familie und Sozialleben.

Letztlich fördern 12-Stunden-Tage und 60-Stunden-Wochen weit mehr die Flexibilität des Arbeitgebers: Der bestimmt, wie lange die Person zu arbeiten hat. (Andrea Birbaumer, Arbeitspsychologin)

Und der erspart sich auch etwas, wenn er 12 Stunden anordnen kann. Also der Vorteil ist klar auf der Seite des Arbeitgebers. Aber die Knackpunkte sind Freiwilligkeit und Vereinbarkeit und die sehe ich in den Plänen derzeit noch nicht auf Seiten der Arbeitnehmer.

Es klingt ja nachvollziehbar: Ich arbeite viel am Stück und hab dann ungestörte Zeit für mich, meine Familie und meine Freunde. 

Ja, nur in der Freizeit ist man dann enorm erschöpft und ein Großteil der Freizeit geht für die Regeneration drauf. Da muss man sich ausruhen, von der Erschöpfung erholen und wieder auf ein normales Level zurückkommen. Und diese Überanstrengung ist gesundheitsgefährdend. (Andrea Birbaumer, Arbeitspsychologin)

Wo am Stück überlange gearbeitet wird, wo die Pausenregelungen nicht in Ordnung sind, wo es zu wenig Regenerationszeit gibt – dort steigen körperliche Beschwerden stark an. Die Wahrscheinlichkeit von Herz-Kreislauf Problemen, von Magen-Darm-Problemen und von psychischen Erkrankungen ist dann wesentlich erhöht. Insofern ist der 12-Stunden-Tag wirklich eine ernste Frage. Und es gibt genügend wissenschaftliche Erkenntnisse, die zeigen, dass das nicht gesund ist. Es gibt auch mehr Krankenstände, bei solchen Arbeitszeit-Modellen. Das lässt sich nachweisen.

Was ist der große Unterschied zwischen 8 Stunden und 12 Stunden Arbeit? 

Es gibt für die meisten Menschen ein optimales Zeitfenster, in dem sie gut funktionieren, viel leisten können und sich damit auch wohl fühlen. Das sind für die meisten so um die 8 Stunden. Spätestens nach der 10. Stunde ist das einfach nicht mehr da. Da gibt es einen nachweisbaren Leistungsabfall.

Das kennt ja jeder. Wenn man länger arbeitet, wird man müder. Da muss man eine Pause machen, Luft schnappen, durchatmen und Hirn auslüften. Aber irgendwann reicht das nicht mehr. Die Ermüdung wird so stark, dass die normalen Mittel nicht mehr reichen, um die Ermüdung in den Griff zu bekommen und die Konzentration wieder zu holen.

Und dann braucht man nach zwei 12-Stunden-Tagen eigentlich drei freie Tage hintereinander, bis man diese Überbeanspruchung abgebaut hat. Das geht dann nicht mehr durch einen normalen Feierabend, das ist zu wenig. (Andrea Birbaumer, Arbeitspsychologin)

Was kann man dagegen tun?

Ab 50, 60 Stunden Arbeit in der Woche wird es nachweislich ungesund und kritisch. Wichtig sind Pausen: Wenn ich mehrmals in der Woche 12 Stunden arbeite, brauche ich ganz viele Pausen. Und die müssen angeordnet werden.

Wir Menschen ticken ja umgekehrt: Ich balle ganz viel Arbeit auf einmal zusammen, und dann habe ich frei. Das ist menschlich, aber ungesund. (Andrea Birbaumer, Arbeitspsychologin)

Laut Unfall-Statistik steigen ja auch die Unfälle beim 12-Stunden-Tag? 

Ja, die Wahrscheinlichkeit von Unfällen und Fehlern steigt stark an. Ab der 10. Stunde kommt es zu einem drastischen Abfall in der Arbeitsleistung. So ein Leistungsabfall ist blöd, aber noch nicht tragisch. Dazu kommt aber ein überproportionaler Ermüdungszuwachs. Bei sehr langen Arbeitstagen wird man dreimal müder als an normalen Tagen. Das ist eine exponentielle Kurve der Ermüdung. Und da kommt es dann auch vermehrt zu Unfällen.

Und das beschränkt sich nicht nur auf die Firma. Auch am Heimweg, im Autoverkehr steigt das Unfallrisiko nach Arbeitstagen, die länger als 10 Stunden dauern. (Andrea Birbaumer, Arbeitspsychologin)

Gibt es da einen Unterschied zwischen jungen und älteren Arbeitnehmern? Also fallen jungen Arbeitnehmern lange Arbeitszeiten leichter? 

Also die Frage muss man auf längere Sicht beantworten: Junge Menschen halten länger mehr aus, da sind die Grenzen nicht so schnell sichtbar. Aber von den Spätfolgen wissen wir noch zu wenig. Wir wissen nicht, wie es den jüngeren dann in 20 Jahren gesundheitlich geht. Bei Älteren sind die Grenzen schneller sichtbar. Aber der Unterschied ist kein grundsätzlicher, gesund ist überlanges Arbeiten für beide nicht.

Welche Folgen sehen Sie? 

Menschen bleiben länger gesund, wenn sie Zeit für soziale Beziehungen und Freunde haben. Freunde, die ablenken und stützen. Soziale Kontakte und Teilhabe an  gesellschaftlichem Leben sind auch volkswirtschaftlich ein wichtiger Faktor. Und dafür muss im Leben neben der Arbeit Zeit sein. Wer regelmäßig 12 Stunden arbeitet und das mehrmals die Woche, bei dem wird die Arbeit so dominant, dass sich alles um die Arbeit herumgruppiert.

Da bestimmt die Arbeit dann alles andere. (Andrea Birbaumer, Arbeitspsychologin)

Es ist auch nachgewiesen, dass Menschen mit überlangen Arbeitszeiten wenig Sport treiben, weil sie zu erschöpft sind. Sie ernähren sich ungesünder, fettreich und schnell – auch das ist stressbedingt. Und sie neigen zu erhöhtem Konsum von Genussmitteln wie Zigaretten und Alkohol – als Ausgleich und Entspannungsmöglichkeit. Was das für den Gesundheitszustand einer großen Bevölkerungsgruppe, vor allem auf längere Sicht, bedeutet, muss man sich gut überlegen.

Zum Weiterlesen:

12-Stunden-Tag: Höheres Unfall-Risiko, weniger Erholung – für Bauarbeiter lebensgefährlich (Kontrast.at)

Schwarz-Blau: Das droht beim 12-Stunden-Tag (Kontrast.at)

Lohndumping außer Kontrolle (Kontrast.at)

855 Euro: So billig war Sozialbetrug noch nie (Kontrast.at)

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Gerhard Ranftler
Gerhard Ranftler
3. August 2019 13:53

Natürlich bestimmt die Arbeit das Leben des Arbeiter – ist auch richtig so!!!
Die Firma setzt ihr Vermögen und Wissen ein um Arbeitsplätze zu schaffen. Wenn für gewisse Arbeitsvorgänge eine 60 Stunden Woche notwendig wäre, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Die Arbeiter sind stolz auf ihre Firma, dass sie den Grossauftrag bekommen haben und arbeiten eine begrenzte Zeit mehr als Sonst – sie werden dafür auch fürstlich bezahlt – oder – Die Firma nimmt den Auftrag nicht an – aufgrund weniger Arbeit werden einige Arbeiter entlassen.
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Der puertoricanische Musiker Bad Bunny hat den Grammy für sein Album „DeBÍ TiRAR MáS FOToS“ gewonnen. Er ist der erste Latino-Künstler, der die prestigeträchtigte Grammy-Auszeichnung erhalten hat. Bad Bunny nutzte seine Siegesrede, um die US-Einwanderungsbehörde ICE zu kritisieren und den Hass, den die Politik von Donald Trump schürt. Seit Trump wieder im Amt ist, hat die Behörde unzählige Menschen rechtswidrig festgehalten, darunter auch US-Bürger:innen sowie Kinder. Mindestens zwei Menschen wurden von ICE-Agenten ermordet. In seinen Songtexten und öffentlichen Auftritten macht Bad Bunny sich immer wieder stark für Migrant:innen, einkommensschwache Menschen und andere ausgegrenzte Gruppen und kritisiert die Unterdrückung seines Heimatlandes Puerto Rico durch die USA. Zitat: ICE muss weg! Wir sind keine Wilden oder Tiere - Wir sind Menschen, wir sind Amerikaner. In Zeiten wie diesen ist es schwierig nicht zu hassen, aber Hass vergiftet uns alle. Das Einzige, das stärker ist als Hass, ist Liebe. Wir müssen anders sein. Wir müssen für die Liebe kämpfen und gegen den Hass. Bad Bunny
Der puertoricanische Musiker Bad Bunny hat den Grammy für sein Album „DeBÍ TiRAR MáS FOToS“ gewonnen. Er ist der erste Latino-Künstler, der die prestigeträchtigte Grammy-Auszeichnung erhalten hat. Bad Bunny nutzte seine Siegesrede, um die US-Einwanderungsbehörde ICE zu kritisieren und den Hass, den die Politik von Donald Trump schürt. Seit Trump wieder im Amt ist, hat die Behörde unzählige Menschen rechtswidrig festgehalten, darunter auch US-Bürger:innen sowie Kinder. Mindestens zwei Menschen wurden von ICE-Agenten ermordet. In seinen Songtexten und öffentlichen Auftritten macht Bad Bunny sich immer wieder stark für Migrant:innen, einkommensschwache Menschen und andere ausgegrenzte Gruppen und kritisiert die Unterdrückung seines Heimatlandes Puerto Rico durch die USA. Zitat: ICE muss weg! Wir sind keine Wilden oder Tiere - Wir sind Menschen, wir sind Amerikaner. In Zeiten wie diesen ist es schwierig nicht zu hassen, aber Hass vergiftet uns alle. Das Einzige, das stärker ist als Hass, ist Liebe. Wir müssen anders sein. Wir müssen für die Liebe kämpfen und gegen den Hass. Bad Bunny

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