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Peter Thiel ist einer der einflussreichsten Männer der Welt und kaum jemand kennt ihn. Der PayPal-Mitgründer investierte früh in Facebook, gründete die Überwachungsfirma Palantir und finanzierte Donald Trump sowie US-Vizepräsident J.D. Vance. Doch Thiel ist mehr als ein milliardenschwerer Geldgeber: Er ist ein Ideologe. Demokratie ist für ihn ein Hemmnis, das man aus dem Weg räumen muss. Er träumt von einer Gesellschaft von und für Eliten. Während Tech-Milliardäre wie Elon Musk laut im Internet wüten, arbeitet Thiel leise im Hintergrund am autoritären Umbau der USA. Wir erzählen die Biografie von Peter Thiel: wie ein schüchterner Schachspieler aus Frankfurt zu einem der wichtigsten rechten Ideologen des Silicon Valley wurde – und wie seine Ideen die Politik im Weißen Haus beeinflussen.
Peter Thiels Biografie: Der Weg vom Schachbrett nach Stanford
Im Silicon Valley ist Peter Thiel ein Mythos: Mitgründer von PayPal, erster großer Investor bei Facebook, Milliardär, Unternehmer, Netzwerker. In rechten Kreisen wird er als Vordenker verehrt. Kritiker sehen in ihm einen Mann, der Demokratie vor allem als Hindernis betrachtet. Als ineffizient, zu langsam, zu gleichmacherisch. Seine Geschichte beginnt aber weit entfernt von den kalifornischen Tech- und Glas-Komplexen.
Peter Thiel wird 1967 in Frankfurt am Main geboren. Er wächst als Sohn einer deutschen Ingenieurs-Familie auf. Als er noch ein Kind ist, zieht die Familie in die Vereinigten Staaten. Freunde aus dieser Zeit beschreiben den jungen Thiel als intelligent, ehrgeizig, aber auch verschlossen. Er liest Fantasyromane, begeistert sich für „Der Herr der Ringe“ und fürs Schachspielen. Mit zwölf Jahren gehört er zu den besten Spielern seiner Altersklasse in den USA.
Nach der Schule studiert er an der Stanford University, wo er zuerst Philosophie, dann Rechtswissenschaft studiert. Stanford nimmt unter den großen amerikanischen Eliteunis eine Sonderrolle ein. Während zum Beispiel Berkley in Kalifornien als besonders links gilt, hat Stanford eher den Ruf, konservativ zu sein. Eine Privatuni für „rich kids“. Thiel hofft, über Wirtschaft, Politik, freie Märkte und den einengenden Staat zu debattieren, als er 1989 auf den Campus kommt. Tatsächlich geht es ihm dort aber nicht konservativ genug zu.
Gemeinsam mit gleichgesinnten Studenten gründet er die Zeitung The Stanford Review. Das Blatt versteht sich als Gegenpol zu einer Universität, die Thiel als liberal und moralisch bevormundend empfindet. In seinen Artikeln will er polemisieren und provozieren.
Er schreibt gegen Gleichstellung, lehnt Anti-Diskriminierungspolitik ab. Kurzum: Er greift schon früh Reizthemen auf, die heute selbstverständlich zum rechten „Kulturkampf“ zählen. In Stanford verfestigt sich Thiels Weltbild: eine Mischung aus radikalem Libertarismus, Kulturpessimismus und Elitedenken.
Diese Ideen vertieft Thiel später gemeinsam mit dem Philosophen René Girard (1923-2015), einem seiner wichtigsten intellektuellen Einflüsse. Girard entwickelt die Theorie des „mimetischen Begehrens“: Menschen wollen Dinge nicht aus eigenem Antrieb, sondern weil andere sie wollen. Neid und Gewalt gehören in dieser Theorie zur Natur und prägenden Trieben des Menschen. Konkurrenz und Konflikte sind daher natürlich – und sollen in Thiels Interpretation erhalten werden.
Der Aufstieg im Silicon Valley
Thiel übernimmt daraus eine Weltsicht, in der Politik ein Kampf rivalisierender Gruppen ist und Fortschritt nur durch außergewöhnliche Individuen – Teile der Elite – entsteht. Demokratie ist in dieser Logik kein Ideal für eine Gesellschaft, sondern eher ein unnötiger Bremsmechanismus.
2009 formuliert er diesen Gedanken in einem Essay ungewöhnlich offen: „Ich glaube nicht länger, dass Freiheit und Demokratie miteinander vereinbar sind.“
Für Thiel ist die Ausweitung demokratischer Teilhabe kein Fortschritt, sondern ein Problem. Frauenwahlrecht, Sozialstaat, staatliche Regulierung – all das hat seiner Ansicht nach die Fähigkeit des Kapitalismus geschwächt, radikale Innovation hervorzubringen. Im Silicon Valley fällt ein solches Denken auf fruchtbaren Boden.
Die Tech-Branche der 2000er-Jahre versteht sich als rebellisch, staatsfern, innovativ und genial. Wer erfolgreich ist, gilt nicht einfach als reich, sondern als intelligent. Thiel wird zu einer Schlüsselfigur dieses Milieus.
1998 gründet er mit Max Levchin das Start-up Confinity, aus dem nach der Fusion mit Elon Musks Firma X.com zwei Jahre später die Bezahlplattform PayPal entsteht. Es ist nicht nur ein Unternehmen, sondern ein Netzwerk, das später als „PayPal Mafia“ bekannt wird. Elon Musk gehört dazu, ebenso wie Reid Hoffman (LinkedIn), die YouTube-Gründer Steve Chen, Chad Hurley und Jawed Karim sowie der spätere Palantir-CEO Alex Karp.
Viele von ihnen teilen die Überzeugung, dass Technologie gesellschaftliche Regeln nicht nur verbessern, sondern ersetzen kann.
Die PayPal-Mafia und der Aufstieg zum Milliardär
Schon damals wird der kulturelle Unterschied zwischen Thiel und Musk offensichtlich: Während Musk als Draufgänger und Exzentriker auftritt, bleibt Thiel kontrolliert, analytisch. Auch abseits der Arbeit im Unternehmen. Im Jahr 2000, kurz vor der Fusion von Confinity und X.com, baute Elon Musk einen Autounfall im Silicon Valley McLaren F1. Mit an Board: Peter Thiel. Musk will Thiel zeigen, wie schnell er mit dem Wagen beschleunigen kann. Er verliert die Kontrolle über das Fahrzeug, es überschlägt sich. Das Auto war nicht versichert. Beide bleiben unverletzt.
Noch im selben Jahr wird Musk aus dem Unternehmen gedrängt – mithilfe einer strategischen Intrige von Thiel und Verbündeten im Aufsichtsrat. Die Meinungsverschiedenheiten über das Weiterentwickeln von PayPal sind zu groß.

Mit dem Verkauf von PayPal an eBay im Jahr 2002 wird Thiel über Nacht zum Multimillionär. Thiel gründet 2005 den Founders Fund, einen Wagniskapitalfonds mit dem Anspruch, „die Zukunft zu erfinden“. Er investiert in SpaceX und LinkedIn – und 2004 in ein kleines, schlecht designtes Uni-Netzwerk namens Facebook. Für 500.000 Dollar erwirbt Thiel rund zehn Prozent von Facebook und wird damit der erste externe Investor.
Thiel erkennt schneller als viele andere, dass soziale Netzwerke nicht bloß Kommunikationsplattformen sind, sondern Infrastruktur für Macht. Während andere Investoren nach Werbemodellen suchen, interessiert Thiel die Möglichkeit, Monopole zu schaffen.
Der Einstieg macht ihn endgültig zum Milliardär. 2025 wird sein Vermögen auf rund 4 bis 5 Milliarden US-Dollar geschätzt. Geld allein ist für ihn aber nicht das Ziel – es ist Mittel zum Zweck, Ideen umzusetzen.
Palantir: Die Software, die mehr Macht hat als der Staat
2003 gründet Thiel mit Alex Karp die Firma Palantir. Der Name stammt aus Tolkiens Fantasywelt: die „sehenden Steine“, mit denen Herrscher über große Entfernungen hinweg sehen können.
Palantir entwickelt Software zur Analyse riesiger Datenmengen — zunächst für Geheimdienste und das US-Militär, später für Polizei, Grenzschutz und Unternehmen.
Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erlebt die Firma ihren Aufstieg. Amerikanische Sicherheitsbehörden suchen Werkzeuge, um Terrorismus vorherzusagen und Bewegungen von Menschen nachvollziehen zu können. Palantir liefert die technische Infrastruktur dafür.
Kritiker warnen seit Jahren vor einem digitalen Überwachungsstaat. Menschenrechtsorganisationen werfen der Firma vor, Abschiebungen zu erleichtern oder polizeiliches Profiling zu verstärken. Für Thiel scheint das weniger ein moralisches Problem als eine technische Frage zu sein: Wenn Daten helfen, Kontrolle effizienter zu machen, warum sollte man sie nicht nutzen?
Bis heute sitzt Thiel im Verwaltungsrat. Palantir-CEO Alex Karp, ein Jugendfreund aus Stanford-Zeiten, bleibt öffentlich das Gesicht der Firma.
Autoritäre Sehnsüchte: Thiels politische Agenda und seine Unterstützung von Vance und Trump
Politisch rückt Thiel nun immer weiter nach rechts. Lange galt das Silicon Valley als liberal, zumindest gesellschaftlich. Thiel bricht demonstrativ mit diesem Konsens.
2016 unterstützt er Donald Trump öffentlich und spricht beim republikanischen Parteitag. Viele in der Tech-Branche reagieren schockiert. Doch Thiel erkennt in Trump etwas, das andere zunächst unterschätzen: eine Figur, die bereit ist, Institutionen frontal anzugreifen.
Dabei wirkt die Allianz zunächst widersprüchlich. Hier der Milliardär aus Kalifornien, homosexuell, intellektuell, technokratisch. Dort ein lauter, populistischer, anti-intellektueller Trump. Aber es verbindet sie ein gemeinsames Feindbild: liberale Institutionen, Bürokratien, liberale Medien und Universitäten – kurz gesagt jene Ordnung, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist.
Thiel nutzt sein Vermögen auch, um in Karrieren zu investieren. Zum Beispiel in jene von J.D. Vance. Der Autor des Bestsellers Hillbilly Elegy arbeitet für Thiels Investmentfirma, bevor er selbst zum Unternehmer und später zum Politiker wird. Thiel finanziert seinen Senatswahlkampf mit über 15 Millionen Dollar – eine der höchsten Einzelspenden in der US-Politikgeschichte.
2025 wird Vance Vizepräsident unter Donald Trump. Beide eint nicht nur der Populismus, sondern eine ideologische Ausrichtung: konservativ, „anti-woke“, nationalistisch – und tief geprägt von einer Idee des kulturellen Verfalls, den sie mit harter Hand stoppen wollen. Thiel kommt die Rolle als „Türöffner“ und Netzwerker zu.
Peter Thiels Traum vom Elitenstaat
Thiel denkt Politik weniger national als zivilisatorisch. Er investiert in Langlebigkeits-Forschung und Transhumanismus. Er unterstützt Kandidaten der sogenannten „New Right“ („Neuen Rechten“), die Demokratie als dekadent betrachten und eine autoritärere Ordnung befürworten.
Fortschritt kommt, so findet Thiel, von Eliten, nicht von Massen. Wahlen sind für ihn ineffizient, Politik ein Hindernis für Innovation. Seine Lösung: alternative Staaten – etwa schwimmende Städte auf hoher See, sogenannte Seasteads, in denen Kapital und Technologie ohne staatliche Kontrolle arbeiten können.
Diese Idee mag visionär klingen, doch sie ist Teil einer größeren Strategie: das Abwerten von Demokratie zugunsten einer technokratischen Ordnung. Thiels Einfluss auf Republikaner, Think-Tanks und Unternehmer trägt diese Idee zunehmend in den politischen Mainstream.
Seine Gegner sehen darin die Blaupause einer postdemokratischen Gesellschaft.
Es geht um eine Welt, in der Tech-Konzerne staatliche Aufgaben übernehmen und politische Macht zunehmend privatisiert wird. Eine Welt, in der Algorithmen entscheiden, wer verdächtig ist, Kredite bekommt oder sich frei bewegen darf.
Thiels Netzwerke reichen bis nach Europa
Thiel ist kein Nationalist im klassischen Sinne – seine Netzwerke reichen weit über die USA hinaus. Ein Beispiel: die Beziehung zum österreichischen Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Mehrere persönliche Treffen, ideologische Nähe und gemeinsame Kontakte lassen vermuten, dass Thiel auch europäische Akteure in seine Vorhaben einbezieht.

Auch seine Unterstützung für Plattformen wie Rumble – eine YouTube-Alternative für rechte Stimmen – zeigt, dass Thiel Einflussstrukturen jenseits der klassischen Institutionen aufbaut. Es geht nicht nur um Geld, sondern um Deutungshoheit.
Von Peter Thiel bis Sebastian Kurz: Das Polit-Netzwerk aus Tech, Geld und Überwachungsstaat
(maximal 5 Antwortmöglichkeiten)


































