Studierende und Lehrende haben auf Wiens Straßen demonstriert, die Rektorin der Kunstuni Linz warnte davor, dass jede fünfte Uniangestellte entlassen werden müsste. Es geht um das Budget für Wissenschaft und Forschung in den nächsten Jahren. Der Vorwurf der Universitäten: Ihnen würde eine Milliarde Euro gekürzt. Wie sehen die Zahlen wirklich aus? Hier ein Überblick mit Einordnung.
Die öffentlichen Universitäten verhandeln immer für drei Jahre am Stück Budgets mit dem zuständigen Ministerium – dem Wissenschaftsministerium. Für die Jahre 2025 bis 2027 haben die Universitäten 16,2 Milliarden Euro ausverhandelt. Für die nächste Periode 2028-2030 fordert die Universitätskonferenz (Uniko) 18 Milliarden Euro.
Von Seiten der Universität warnt man angesichts des „Doppelbudgets“ der Regierung 2027/28, dass man wissenschaftliches Personal entlassen und Einschnitte beim Studienangebot machen müsste.
Es lohnt sich, angesichts dieser Vorwürfe auch frühere Budgets anzusehen – um die aktuellen Summen zu vergleichen und einordnen zu können.
Seit 2018 ist das Unibudget nominell um 64 Prozent gestiegen
Die Proteste der Universitäten drehen sich eigentlich um die Leistungsvereinbarungen der Universitäten für 2028 bis 2030, die erst im heurigen Herbst fixiert werden. Das „Doppelbudget“ der Regierung betrifft aktuell aber „nur“ 2027 bis 2028.
Was man bisher sagen kann: 2027 sinken die Mittel für Unis gegenüber 2026 von rund 5,32 auf 5,19 Milliarden. Das liegt daran, dass rund 130 Millionen aus den aktuellen Leistungsvereinbarungen zum Forschungspakt verfrachtet werden, der 2027 höher dotiert ist als heuer.
Da die Unis Projektförderungen aus dem Forschungspakt aber selbst wieder herausholen können, werden diese Gelder wohl großteils zu ihnen zurückfließen. 2028 sinken die Uni-Ausgaben nominell leicht auf 5,16 Milliarden.
Wie sieht es insgesamt mit der finanziellen Absicherung bzw. Wertschätzung der Universitäten aus? Im letzten Dreijahresbudget (2025 bis 2027) findet sich mitunter das Budget für 2026. Es beträgt – für Universitäten, Fachhochschulen und Grundlagenforschung – 6,76 Milliarden Euro. Allein die Universitäten bekamen davon 5,32 Milliarden Euro. Laut Finanzminister Markus Marterbauer war das ein Rekordhoch.
Ein Blick noch weiter zurück zeigt, dass die Universitäten im Laufe der letzten Jahre tatsächlich immer mehr Budget bekommen haben – auch in Zeiten der Krise.
Das Dreijahresbudget 2025 bis 2027 war um 3,9 Mrd. Euro oder 31,7 % höher als die 12,3 Mrd. Euro im vorangegangenen Dreijahresbudget 2022 bis 2024. Marterbauer rechnete in seiner Budgetrede am 10. Juni 2026 noch weiter zurück:
Seit 2018 ist das Universitätsbudget nominell um 64% angehoben worden, während das BIP nur um 34% gestiegen ist. Inflationsbereinigt betrug der Zuwachs 25%. In der Grundlagenforschung betrug dieser Zuwachs im selben Zeitraum sogar fast 40%. Bei den Fachhochschulen ist das nominell um 62 %, real um 23 % gestiegen, weil dort die Zahl der Studierenden so stark gewachsen ist.
Insgesamt ist der Anteil der öffentlichen Mitteln für den Hochschulbereich in Österreich mit 1,6 % des BIP hoch und liegt über dem OECD-Schnitt von 1,0 % oder auch dem EU-Schnitt von 0,9%. des BIP.
Mehr Geld führte nicht überall zu besseren Ergebnissen
Das Gute: Dieses Mehr an Mitteln hat auch neue Spitzenleistungen in einzelnen Forschungsfeldern ermöglicht.
Die Kehrseite: In manch anderen Forschungsbereichen haben sich Ineffizienzen eingeschlichen. Man bildet mitunter viele internationale Studierende aus, die aber dann nicht in Österreich arbeiten. Gleichzeitig ist die Zahl der österreichischen Studierenden im Land rückläufig. Wissenschaftler:innen sind oft unsicher angestellt. Wissenschaftliche Leistungen schlagen sich nicht in mehr Sicherheiten für die Forschenden nieder.
Auf der anderen Seite stehen wiederum Spitzengehälter bei Rektorinnen und Rektoren. So verdient der Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien brutto über 396.000 Euro jährlich. Der Rektor der Veterinärmedizin Wien über 360.000 Euro. Die Rektorin der Kunstuni Linz über 311.000 Euro jährlich.
Forschungsrat fordert Reformen statt Budgeterhöhungen
Das ist aber nicht die Kritik der Regierung, sondern mitunter des Forschungsrats (FORWIT). Es ist eine unabhängige Einrichtung, die die Regierung bei ihren Entscheidungen rund um Forschung, Wissenschaft und Innovation berät. Dieser Forschungsrat, konkret sein Vorsitzender Thomas Henzinger, sagt über die Lage der Hochschulen:
„Es kommt auch darauf an, wie treffsicher die öffentlichen Mittel eingesetzt werden. Wie wir in unserer Analyse zuletzt festgestellt haben, ist das österreichische Hochschulsystem nicht so leistungsfähig wie in vergleichbaren Ländern. Eine bloße Fortschreibung aller Budgets würde daran wenig ändern.“
Aber was heißt das jetzt für das Budget, die konkreten Summen und die Zukunft der Universitäten?
Was für die Universitäten ab 2027 geplant ist
Für das Jahr 2027 beträgt das Unibudget also 5,19 Milliarden Euro. Für 2028 beträgt es 5,16 Milliarden Euro. Zusätzlich gibt es noch 150 Millionen pro Jahr (also 300 Millionen für diese beiden Jahre), die der Wissenschaftsfonds FWF für Grundlagenforschung vergibt.
Das heißt, so rechnet es der Finanzminister vor: Nominell bleibt Budget der Universitäten gegenüber dem Rekordniveau von 2026 stabil. Allerdings spüren die Universitäten angesichts der Inflation diese stabil bleibenden Summen als Kürzungen.
Das Budget soll allerdings sicherstellen, dass ausreichend Mittel vorhanden sind, um keine Studiengänge zu schließen und Universtitätspersonal entsprechend zu behalten. Der Forschungsrat kommt zum Schluss:
„Ein Weiter wie bisher, wie es sich viele wünschen, wird den enormen demografischen, technologischen und geopolitischen Herausforderungen nicht gerecht werden. (…) Die Bundesregierung hat sich ein vernünftiges Ziel gesetzt, nämlich das gesamte österreichische Hochschulsystem in Hinblick auf derzeitige und zukünftige Herausforderungen fit zu machen.“ (FORWIT in einer Stellungnahme zur Diskussion rund um das Universitätsbudget)
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