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Köhlmeier-Kritik an FPÖ: Mit vielen kleinen Schritten zum großen Bösen + Die Rede im Original + Video

Köhlmeier-Kritik an FPÖ: Mit vielen kleinen Schritten zum großen Bösen + Die Rede im Original + Video

Kontrast Redaktion Kontrast Redaktion
in Schwarz-Blau
Lesezeit:3 Minuten
4. Mai 2018
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  • Das Parlament hat am 4. Mai 2018 zu einer Veranstaltung gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus geladen. Der Schriftsteller Michael Köhlmeier kritisierte in seiner Rede die FPÖ heftig für ihren Umgang mit dem Antisemitismus. Von den Gästen hat er dafür Standing Ovations und stürmischen Applaus geerntet. Wir haben die gesamte Rede transkribiert – lesen lohnt sich. 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Präsident Sobotka hat mir Mut gemacht, als er gesagt hat, man muss die Dinge beim Namen nennen und bitte, erwarten Sie nicht von mir, dass ich mich dumm stelle. Nicht an so einem Tag, nicht bei so einer Zusammenkunft. Ich möchte nur eines: den Ermordeten des NS-Regimes, von deren Leben die Schüler so eindringlich berichtet haben, in die Augen sehen können – und sei es nur mithilfe Ihrer und mit Hilfe meiner Einbildungskraft.

Und diese Menschen höre ich fragen: Was wirst du zu jenen sagen, die hier sitzen und einer Partei angehören, von deren Mitgliedern immer wieder einige, nahezu im Wochenrhythmus, naziverharmlosende oder antisemitische oder rassistische Meldungen abgeben. Entweder gleich in der krassen Öffentlichkeit oder klamm versteckt in den Foren und sozialen Medien – was wirst du zu denen sagen?

Willst du so tun, als wüsstest du das alles nicht? Als wüsstest du nicht, was gemeint ist, wenn sie ihre Codes austauschen, einmal von „gewissen Kreisen an der Ostküste“ sprechen, dann mit der Zahl „88“ spielen oder wie eben erst den Namen George Soros als Klick verwenden zu Verschwörungstheorien in der unseligen Tradition der Protokolle der Weisen von Zion? Der Begriff „stichhaltige Gerüchte“ wird seinen Platz finden im Wörterbuch der Niedertracht und der Verleumdung.

Zum Bösen kamen die Menschen immer mit vielen kleinen Schritten

Gehörst du auch zu denen, höre ich fragen, die sich abstumpfen haben lassen, die durch das gespenstische Immer-Wieder dieser „Einzelfälle“ nicht mehr alarmiert sind, sondern im Gegenteil, das häufige Auftreten solcher „Fälle“ als Symptom der Landläufigkeit abtun, des Normalen, des „Kenn-ma-eh-Schon“, des einschläfernden „Ist-nix-Neues“?

Zum großen Bösen kamen die Menschen nie mit einem Schritt, sondern mit vielen kleinen, von denen jeder zu klein schien für eine große Empörung. Erst wird gesagt, dann wird getan.

Willst du es dir, so höre ich fragen, des lieben Friedens willen widerspruchslos gefallen lassen, wenn ein Innenminister wieder davon spricht, dass Menschen konzentriert gehalten werden sollen?

Willst du feige die Zähne zusammenbeißen, wo gar keine Veranlassung zur Feigheit besteht? Wer kann dir in deinem Land, in deiner Zeit schon etwas tun, wenn du die Wahrheit sagst?

Braucht unser Land wirklich Sündenböcke

Wenn diese Partei, die ein Teil unserer Regierung ist, heute dazu aufruft, dass Juden in unserem Land vor dem Antisemitismus mancher Muslime, die zu uns kommen, geschützt werden müssen, so wäre das recht und richtig – allein, ich glaube den Aufrufen nicht. Antiislamismus soll mit Philosemitismus begründet werden: das ist genauso verlogen, wie ehedem die neonkreuzfuchtelnde Liebe zum Christentum. Sündenböcke braucht das Land. Braucht unser Land wirklich Sündenböcke?

Wer traut uns solche moralische Verkommenheit zu? Kann man in einer nahestehenden Gazette schreiben, die befreiten Häftlinge aus Mauthausen seien eine Landplage gewesen und sich zugleich zu Verteidigern und Beschützern der Juden aufschwingen? Man kann. Ja, man kann. Mich bestürzt das eine, das andere glaube ich nicht. Wer das glaubt, ist entweder ein Idiot, oder er tut als ob – dann ist er ein Zyniker. Beides möchte ich nicht sein.

Meine Damen und Herren Sie haben diese Geschichten gehört, die von den von den jungen Menschen gesammelt wurden. Und sicher haben sie sich gedacht: Hätten diese armen Menschen damals doch nur fliehen können, aber sie wissen doch, und es hat auch damals schon Menschen gegeben, auf der ganzen Welt, die sich damit brüsteten, Fluchtrouten geschlossen zu haben.

Ich möchte den Opfern in die Augen sehen können

Ich habe lange darüber nachgedacht, was ich heute vor Ihnen sagen soll. Mir wäre lieber gewesen, man hätte mich nicht gefragt, ob ich hier sprechen will. Aber man hat mich gefragt, und ich empfinde es als meine staatsbürgerliche Pflicht, es zu tun. Es wäre so leicht, all die Standards von „Nie-Wieder!“ bis zu „Nie-Vergessen!“, diese zu Phrasen geronnenen Betroffenheiten aneinanderzureihen, wie es für Schulaufsätze vielleicht empfohlen wird, um eine gute Note zu bekommen,

Aber dazu müsste man so tun als ob. Das kann ich nicht und will ich auch nicht, schon gar nicht an diesem Tag, schon gar nicht bei so einer Zusammenkunft. Ich möchte den Opfern, die mithilfe der Recherchen und der Erzählungen dieser jungen Menschen und mit Ihrer und meiner Einbildungskraft zu mir und zu Ihnen sprechen und mir zuhören, ihnen möchte ich in die Augen sehen können – und auch mir selbst.

Mehr habe ich nicht zu sagen. Danke.

 

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Werner SIMKOVICS
Werner SIMKOVICS
5. Mai 2018 14:33

Viele verstehen noch immer nicht……

Mauern, Stacheldraht und Abschottung waren, sind und bleiben mit Sicherheit der falsche Weg der Menschheit. Angst, Misstrauen, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit werden dadurch gefördert. Waffen werden erzeugt um zu kämpfen. Kriege haben kurzfristig den Sieg oder die Niederlage gebracht. Niemals den Frieden. Frieden, Freiheit und Wohlstand werden damit nicht erreicht.

Viele verstehen noch immer nicht…..

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Leonard Nimoy war ein vielseitiger Künstler, der vor allem durch seine Rolle als Mr. Spock in der legendären Serie „Star Trek“ bekannt wurde. Als Vulkanier, der zwischen logischer Vernunft und menschlicher Emotion balancierte, prägte Nimoy eine Figur, die zu einem Markenzeichen der Sci-Fi-Kultur wurde. Doch sein Talent ging weit über das Schauspiel hinaus: Er war auch Regisseur, Musiker und Fotograf. Neben seiner Arbeit in der Unterhaltungsindustrie setzte er sich für soziale Themen ein und hinterließ einen bleibenden Eindruck sowohl auf als auch neben der Leinwand. Zitat: Das ist ja das Wunder. Je mehr wir teilen, desto mehr haben wir. Leonard Nimoy

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