Mütter bleiben benachteiligt

Trotz Ankündigung der Regierung keine Karenz-Anrechnung im Job

10 Monate bekommen Frauen für die Karenz angerechnet, wenn es um Urlaubsansprüche oder Kündigungsfristen geht. Haben sie drei Kinder und waren insgesamt sechs Jahre in Karenz, sind es trotzdem nur 10 Monate – was etwa den Anspruch auf die 6. Urlaubswoche in weite Ferne rücken lässt. Beim Gehaltsschema ist es noch drastischer: Dort fehlen den Frauen die sechs Jahre komplett. Die Regierung hat eine Korrektur der Gesetzeslage angekündigt. Doch ÖVP und FPÖ haben jetzt einen Rückzieher gemacht – weil Unternehmer gegen eine Besserstellung bei der Karenz-Anrechnung waren.

Karenzzeiten kosten Urlaubsansprüche und Gehaltsprünge

Frauen mit Kindern haben Nachteile, wenn sie mehrere Jahre in Karenz sind: Niedrigere Löhne, weil sie weit langsamer vorrücken als Männer, kleinere Pensionen und weniger Urlaub. Die SPÖ fordert seit langem, dass Karenzzeiten vollständig angerechnet werden. Und selbst ÖVP-Klubobmann Wöginger fordert Anfang September 2018 plötzlich, dass bis zu 24 Monate Karenz gesetzlich der Arbeit gleichgestellt werden. Karenz soll kein Nachteil sein, wenn es um Gehaltsschema, Urlaubsansprüchen und Kündigungsfristen geht.

Nur einen Monat später schaut die Sache wieder anders aus: Der Wirtschaftsflügel der ÖVP ist gegen eine Korrektur. Denn Frauen mit Kindern bei Löhnen und Urlaubsansprüchen nicht zu diskriminieren, kostet Unternehmern mehr Geld als bisher. Die Regierungsparteien machen daher einen Rückzieher und bringen einen zahnlosen Antrag in den Sozialausschuss des Parlaments. Statt einer gesetzlichen Regelungen, fordern ÖVP und FPÖ die Sozialpartner auf, sich bei den Kollektivvertrags-Verhandlungen darum zu kümmern. Den Antrag der SPÖ auf vollständige Anrechnung der Karenzzeiten per Gesetz lehnen die Regierungsparteien ab.

Der 12-Stunden-Tag wird im Eiltempo verordnet, aber die Karenz-Anrechnung an die Sozialpartner delegiert

Beim 12-Stunden-Tag zeigten ÖVP und FPÖ mehr Elan und machten Tempo: Da schrien die Wirtschaftsflügel der beiden Parteien nach einer neuen Überstunden-Regelung. Und statt die Sozialpartner in Ruhe verhandeln zu lassen, griff die Regierung durch: Das Gesetz wurde innerhalb von nur zwei Wochen durchgeboxt. Dem Wirtschaftsflügel in den Regierungsparteien gefiel das – den Arbeitsnehmervertretern nicht: In der FPÖ und der ÖVP verließen einige aus Protest ihre Partei.

Diesmal ist es umgekehrt: Arbeitnehmer und Frauen würden sich freuen, die Wirtschaft ist dagegen – doch die Regierung greift nicht durch. Sie gibt das Problem ab.

1,3 Millionen würden profitieren

Dabei können Karenz und Arbeit nur per Gesetz gleichgestellt werden, über den Kollektivvertrag geht das nicht. Denn einerseits sind nicht alle Jobs von Kollektivverträgen erfasst. Andererseits ist bei Rechten im Kollektivvertrag immer die Stärke der Gewerkschaft in der jeweiligen Branche entscheidend:

In der Industrie werden Karenzzeiten schon heute in den meisten Fällen voll angerechnet, weil es dort starke Gewerkschaften gibt – aber auch wenige Frauen. Viele Frauen gibt es dagegen im Handel und der Gastronomie. Dort kostet die Karenz aber nach wie vor Urlaubsansprüche und Gehaltssprünge. Die Angestellten dort brauchen eine gesetzliche Regelung.

1,3 Millionen Menschen würden davon profitieren – natürlich fast ausschließlich Frauen. Und die brauchen dringend Unterstützung für fairere Löhne.

12-Stunden-Tag und Familienbonus bringen Frauen Nachteile

Die letzten großen Beschlüsse der ÖVP-FPÖ-Regierung haben Frauen vor allem Nachteile gebracht:

  • Um 13 Prozent wird der Einkommens-Unterschied zwischen Männern und Frauen in einer Partnerschaft durch den 12-Stunden-Tag steigen – wie eine FORBA-Studie zeigt. Gerade bei Eltern machen Überstunden einen großen Teil der Lohndifferenz zwischen den Geschlechtern aus: Während junge Mütter ihre Arbeitszeit oft reduzieren, stocken Väter gerade dann mit Überstunden auf. Der 12-Stunden-Tag verschärft diesen Trend noch weiter – einer arbeitet viel und verdient gut, die andere kümmert sich um Kinder und Familien und verdient wenig.

  • Auch der Familienbonus verschärft den Unterschied zwischen dem Einkommen der Männer und jenem der Frauen: Um ihn voll nutzen zu können, werden viele Familien den Bonus auf das bessere Einkommen anwenden. Wegen des kleineren Einkommens bekommen Frauen nur ein Viertel der Gesamtsumme:

Zum Weiterlesen:

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Trotz Ankündigung der Regierung keine Karenz-Anrechnung im Job
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5 Kommentare

5 Kommentare

  1. Franz Slanec

    14. Oktober 2018 um 17:47

    Und wieder hat die INDUSTRIE gesiegt!!

  2. Franz Sunko

    8. Oktober 2018 um 23:15

    Ich beziehe meinen Kommentar auf den Author Jakob Zerbes nur zur Info

  3. Ilse koo

    8. Oktober 2018 um 23:07

    Und Jshre später kommt Frau drauf, dass die Kindererziehungszeiten auch nicht für die Pensionserwerbszeiten geltend gemacht wetden können. Nur dann ist es zu spät, dann ist die freie Entscheidung längst Vergangenheit !!!

  4. Franz Sunko

    8. Oktober 2018 um 19:48

    Ja, das stimmt wohl, doch ich finde nirgendwo eine Partei, die es eigentlich fördert, eine Frau die lieber gerne bei ihren Kindern zu Hause bleibt und als gleichwertig auf Augenhöhe behandelt wird und dementsprechend auch Anerkannt und entlohnt wird. Die Frau, die aus eigenem Willen gerne die Karenz für die Kids nützen will ist unerwünscht in unserer Gesellschaft. Unterstützung sehe ich weder bei Rot, Schwarz ( nein türkis jetzt), grün, blau. Es geht letztendlich immer um mehr Fremdbetreungsplätze (eh richtig auch aber eben auch) die freie Wahl einer Frau geht unter, definitiv. Wir sind in die Minderheit (also meine Familie) abgerutscht.

    • Franz Sunko

      8. Oktober 2018 um 23:18

      Ich beziehe meinen Kommentar auf den Author Jakob Zerbes nur zur Info

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