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Um Geburtenrate zu erhöhen, müssen nicht Frauen mehr tun – sondern Männer

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Mit Männern, die aktive Väter sind, bekommen Frauen eher Kinder. (Foto: Unsplash/getty images)

Mit Männern, die aktive Väter sind, bekommen Frauen eher Kinder. (Foto: Unsplash/getty images)

Kathrin Glösel Kathrin Glösel
in Frauen & Gleichberechtigung
Lesezeit:5 Minuten
4. Februar 2026
2
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Der Aufstieg von „Tradwives“ hat sicher viele zu der Annahme verleitet, dass eine Rückkehr zu traditionellen Rollenbildern der Schlüssel zu höheren Geburtenraten ist. Doch eine neue Studie legt nahe, dass die Lösung viel eher darin liegt, dass Männer zu Hause mehr Verantwortung übernehmen. Denn Frauen bekommen eher dort Kinder, wo sie die Sicherheit haben, dass sie ihre Freiheit und Karrieren erhalten können – und wo Hausarbeit und Kindererziehung fair aufgeteilt werden.

Die Geburtenraten sinken seit Jahrzehnten – in Europa, Nordamerika und weiten Teilen Asiens. Politisch wird das Thema meist als demografisches oder wirtschaftliches Problem verhandelt. Im Zentrum stehen Arbeitskräftemangel, Alterung der Gesellschaft oder angeblich verlorene „Familienwerte“.

Die Volkswirtin und Nobelpreisträgerin Claudia Goldin kommt in ihrer Studie „The Downside of Fertility“ zu dem Ergebnis, dass Länder höhere Geburtenraten aufweisen, in denen Männer einen größeren Anteil an Hausarbeit und Kinderbetreuung leisten – also genau dort, wo man vom veralteten Modell des „Alleinverdieners mit der Hausfrau“ abweicht.

Männer geben Partnerinnen zu selten Sicherheit, dass sie trotz Kinder ihre Freiheiten behalten können

Goldin, die an der Harvard University Volkswirtschaft lehrt, fand heraus, dass Frauen sich vor einer Entscheidung für Kinder vergewissern wollen, dass ihr Partner die Belastung mitträgt. Frauen stellen sich die zentrale Frage: Bedeutet in meiner aktuellen Lebens- und Beziehungssituation ein Kind, dass ich auf zu viel Einkommen und Sicherheit verzichten muss – und damit auch mein Kind zu wenig Sicherheit hat?

Frauen haben sich schneller an neue wirtschaftliche und soziale Bedingungen angepasst als Männer. Während Frauen von Ausbildung und Erwerbsarbeit profitieren, halten viele Männer an traditionellen Rollen fest. Das erhöht für Frauen die Kosten von Mutterschaft erheblich. Konflikte zwischen den unterschiedlichen Vorstellungen sind da vorprogrammiert.

unbezahlte Arbeit: Frauen arbeiten länger als Männer unbezahlt. (Grafik: Kontrast.at)
Auch in Österreich ist unbezahlte Arbeit ungleich verteilt: Frauen arbeiten seit Jahrzehnten mehr unbezahlt als Männer. Die Angleichung erfolgt nur sehr langsam. (Grafik: Kontrast.at)

Sie unterscheidet zwischen zwei Sorten Vätern: „Dads“ (Papas) und „Duds“ (Blindgänger). „Dads“ sind Väter, die sich aktiv nach der Geburt um ihre Kinder kümmern. „Duds“ nehmen sich kaum Zeit, ihr Alltag und ihr Beitrag zur Familienarbeit ändern sich nicht wesentlich. Goldin argumentiert:

Die Geburtenrate hängt nun genau mit der Frage zusammen, wie viele Väter sich um ihre Kinder kümmern werden und wie viele nicht. Hier gibt es laut ihr ein „Mismatch“ – ein Missverhältnis – zwischen dem, was Frauen von Männern bräuchten, um sich trotz Karriere für Kinder zu entscheiden und dem, was sie bekommen.

Die Folge: Die Geburtenraten sind in vielen Ländern rückläufig. Laut Goldins Forschung folgten diese Rückgänge immer wieder auf Verbesserungen bei der Erwerbstätigkeit von Frauen, ihrem Bildungsniveau und ihren reproduktiven Rechten. Dank Verhütungsmitteln können sie ihre Sexualität ohne Angst vor ungeplanten Schwangerschaften ausleben. Längere Bildungswege bedeuten spätere Elternschaft. „Frauen wollen ihre berufliche Laufbahn absichern, bevor sie Kinder bekommen“, folgert Goldin. „Für manche bedeutet das, dass sie so lange warten, dass sie schließlich keine Kinder bekommen.“

Doch nicht die größere finanzielle Unabhängigkeit von Frauen ist laut Goldin der Hauptgrund für die sinkenden Geburtenzahlen. Das eigentliche Problem liege in der Unterstützung, die Frauen von Männern erhalten – oder eben nicht.

Frauen wägen genau ab, ob ihre Partner ihre Verlässlichkeit – in Beziehungs- wie Hausarbeit – glaubwürdig unter Beweis stellen können.

Studienautorin Claudia Goldin
Claudia Goldin (Foto: Wikipedia/Editing1088/ CC BY SA 4.0)
Claudia Goldin (Foto: Wikipedia/Editing1088/ CC BY SA 4.0)

Claudia Goldin ist Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Harvard-Universität. Viele Jahre arbeitete sie auch für das National Bureau of Economic Research. Dort leitete sie ein Programm zur Geschichte der US-Wirtschaft und beschäftigt sich bis heute mit dem Thema Geschlechtergerechtigkeit in der Wirtschaft. Im Jahr 2023 erhielt sie den Wirtschaftsnobelpreis. Ausgezeichnet wurde sie für ihre Forschung zu den Unterschieden zwischen Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt.

In Ländern mit mehr Gleichstellung und aktiveren Vätern ist der Geburtenrückgang weniger stark

Um diesen Zusammenhang zu untersuchen, verglich Goldin zwei Ländergruppen. Zur ersten gehören Dänemark, Frankreich, Deutschland, Schweden, das Vereinigte Königreich und die USA. Diese Länder weisen seit einigen Jahrzehnten relativ niedrige, aber nicht extrem niedrige Geburtenraten auf.

Die zweite Ländergruppe umfasst Griechenland, Italien, Japan, Südkorea, Portugal und Spanien. Diese Länder haben derzeit die niedrigsten Geburtenraten weltweit, mit besonders starken Rückgängen in den vergangenen Jahren. In diesen Staaten, in denen wirtschaftliche Modernisierung vergleichsweise jung ist und Geschlechternormen sich langsamer verändert haben, verschieben Frauen die Familiengründung eher oder verzichten ganz darauf, wenn sie keinen Partner finden, der die Last mit ihnen teilt.

In Japan und Italien verbringen Frauen täglich rund drei Stunden mehr mit unbezahlter Haus- und Care-Arbeit als Männer. In Schweden und Dänemark beträgt der Unterschied dagegen nur 0,8 beziehungsweise 0,9 Stunden.

Extrembeispiel Südkorea

In Südkorea, dem Land mit der weltweit niedrigsten Geburtenrate, sind die Geschlechternormen so starr und die Arbeitsteilung so ungleich, dass Frauen begonnen haben, Ehe und Mutterschaft grundsätzlich abzulehnen. Teil dieser Entwicklung ist die sogenannte 4B-Bewegung. Die 4B-Bewegung heißt so, weil alle vier abgelehnten Dinge im Koreanischen mit „Bi“ (비) beginnen: keine Beziehung, kein Sex, keine Ehe, keine Kinder. Frauen nutzen das als Protest gegen Sexismus, Rollenklischees und ein System, das Familie fordert, aber Gleichberechtigung verweigert.

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Hausarbeit, Einkäufe, Kinder, zu pflegende Angehörige: Frauen verbringen täglich mehr Zeit mit Arbeit als Männer

Länder der ersten Gruppe haben Gesellschaften, in denen sich kulturelle Normen im Zuge der wirtschaftlichen Modernisierung über Jahrzehnte hinweg verändert haben. Frauen sind dort seit den 1970er-Jahren in großer Zahl in den Arbeitsmarkt eingetreten und stellen seit dem Jahr 2000 etwa die Hälfte der Erwerbstätigen. Männer übernehmen in diesen Ländern häufiger auch Hausarbeit. Der Unterschied bei der unbezahlten Arbeitslast schrumpft nach und nach – auch wenn die Aufteilung noch immer nicht gleich ist.

Andere Maßnahmen, etwa staatlich subventionierte Kinderbetreuung oder bezahlter Elternurlaub können die Geburtenrate ebenfalls positiv beeinflussen, wie Beispiele aus Dänemark, Frankreich, Deutschland und Schweden zeigen. Goldin betont jedoch, dass ihr Effekt geringer wäre als jener einer gleichmäßigeren Aufteilung der Sorgearbeit. Japan etwa verfügt über eine umfassende Kostenübernahme für Fruchtbarkeitsbehandlungen und mehr als 30 Wochen bezahlten Väterurlaub, zählt aber dennoch zu den Ländern mit den niedrigsten Geburtenraten.

In den USA, wo die Geburtenrate im vergangenen Jahr ein Rekordtief erreichte, fordert eine wachsende rechtsgerichtete pronatalistische Bewegung, Frauen sollten wieder zu Hause bleiben und mehr Kinder bekommen, um Arbeitskräftemangel und wirtschaftlichen Niedergang zu verhindern. Präsident Donald Trump äußerte den Wunsch nach einem „Babyboom“ und brachte eine „Medaille der Mutterschaft“ für Frauen mit sechs oder mehr Kindern ins Spiel. Vizepräsident J. D. Vance kritisierte sogenannte „kinderlose Katzenfrauen“.

Frauen in die Hausfrauenrolle allein drängen zu wollen, könnte Geburtenrate erst recht zum Einbruch bringen

Diese Argumente legen die Verantwortung fast ausschließlich auf Frauen und fordern ihren Rückzug aus dem Arbeitsmarkt. Wie viel Unterstützung Männer tatsächlich leisten, bleibt dabei meist unerwähnt. Goldin warnt: Frauen zurück in die Hausfrauenrolle zu drängen könnte erst recht dazu führen, dass diese keine Kinder wollen. Denn wenn Vereinbarkeit nicht gegeben ist, entscheidet man sich ja nicht zwangsweise für Kinder und finanzielle Abhängigkeit.

Die Studie macht deutlich, dass niedrige Geburtenraten kein kurzfristiges Phänomen sind und sich nicht mit einzelnen Maßnahmen beheben lassen. Sie sind das Ergebnis langfristiger sozialer und wirtschaftlicher Verschiebungen. Solange sich die Arbeitsteilung in Partnerschaften nicht verändert, bleibt die Entscheidung für Kinder für Frauen mit Unsicherheiten verbunden.

Goldins Befund rückt damit einen Aspekt in den Mittelpunkt, der in politischen Debatten oft ausgeblendet wird. Nicht Frauen müssten ihr Verhalten ändern, sondern die Rahmenbedingungen, unter denen Familienarbeit verteilt wird.

Tradwives: Wie rechte Influencerinnen mit frauenfeindlichen Rollenbildern kräftig abkassieren

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2 Comments
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Heinz Strunk
Heinz Strunk
9. Februar 2026 11:41

In den Ländern, wo die Frauen in der Hausfrauenrolle sind. Ist die Geburtenrate am höchsten. Das zu ignorieren ist unwissenschaftlich.

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Antworten
MannMitKopfUndGehirn
MannMitKopfUndGehirn
6. Februar 2026 13:21

Die Konsequenz wäre, Mädchen gehen nicht mehr zur Schule sondern erhalten ab 14 Jahre Koch- und Anstandskurse. Dies widerspricht völlig den Menschen- und Kinderrechten und allen sozialen Errungenschaften aus Sklaverei und Diktaturen. Alle sind Menschen. Alle sind würdig selbstbestimmt leben zu können!

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Erich Maria Remarque war ein deutscher Schriftsteller, der mit seinem Antikriegsroman “Im Westen nichts Neues” bekannt wurde. Seine Bücher, die vor allem die Grausamkeiten des Krieges offenlegen, wurden im nationalsozialistischen Deutschland verboten. Seine pazifistischen Romane werden bis heute von Menschen weltweit begeistert gelesen und wurden schon mehrfach verfilmt. Zitat: Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind. Besonders die, die nicht hingehen müssen. Erich Maria Remarque

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