Junge Menschen in Österreich blicken mehrheitlich hoffnungsvoll in die Zukunft. Doch hinter dem scheinbar stabilen Bild verläuft eine deutliche Trennlinie. Sie liegt weniger zwischen Stadt und Land, zwischen verschiedenen Herkunftsgeschichten oder zwischen jungen Frauen und Männern. Sie verläuft entlang der sozialen Lage. Der AK „Jugendmonitor“ zeigt: Ob junge Menschen optimistisch in die Zukunft schauen, hängt davon ab, wie viel Geld – und damit Möglichkeiten – ihnen zur Verfügung stehen.
Zuversicht ist nicht nur als persönliche Haltung, sondern auch ein Ausdruck gesellschaftlicher Bedingungen. Wer aus einer finanziell stabilen Familie kommt, eine gute Bildungslaufbahn durchlebt hat und über gute Berufsaussichten verfügt, denkt positiv über die eigene Zukunft. Wer dagegen mit steigenden Kosten, unsicheren Arbeitsverhältnissen oder eingeschränkten Bildungschancen lebt, dem macht die Zukunft eher Angst.
Wo das Geld knapp ist, werden schon kleine Entscheidungen zu Belastungsproben
Die Teuerung prägt den Alltag vieler junger Menschen weiterhin. Besonders deutlich zeigt sich das bei den alltäglichen Ausgaben. Laut dem „Jugendmonitor“ der Arbeiterkammer geben 58 Prozent der befratn jungen Menschen an, dass Lebensmittelkosten sie in den vergangenen zwölf Monaten stark oder ziemlich stark belastet haben. Rund die Hälfte nennt Energie- und Wohnkosten als große Herausforderung. Auch Freizeit und Bildung stehen unter finanziellem Druck.
Dabei trifft die Entwicklung nicht alle gleichermaßen. Während einige junge Menschen von leichten Entlastungen profitieren konnten, bleiben die Spielräume für finanziell schlechter gestellte Gruppen begrenzt. Die soziale Ausgangslage entscheidet zunehmend darüber, welche Einschränkungen notwendig werden und welche Möglichkeiten offenbleiben.
Die Auswirkungen reichen weit über einzelne Kaufentscheidungen hinaus. 57 Prozent der Befragten haben ihre Freizeitaktivitäten aus Kostengründen reduziert. Mehr als die Hälfte musste Ersparnisse aufbrauchen oder Schulden aufnehmen.
Rund jede fünfte Person verschob einen geplanten Umzug oder verzichtete darauf. Ebenso viele konnten eine Aus- oder Weiterbildung nicht beginnen oder fortsetzen.
Wenn Bildung an den Kosten scheitert, werden Unterschiede langfristig größer
Besonders sichtbar werden die Unterschiede beim Zugang zu Bildung. Für junge Menschen aus finanziell besser gestellten Gruppen wurden Ausbildungshürden zuletzt teilweise kleiner. Anders ist die Entwicklung bei den unteren 30 Prozent: Dort stieg der Anteil jener, die eine Aus- oder Weiterbildung aus finanziellen Gründen nicht beginnen oder abbrechen mussten, von 36 auf 44 Prozent.
Damit wird die aktuelle finanzielle Lage zu einer Frage langfristiger Chancen. Bildung entscheidet nicht nur über einzelne Lebensabschnitte, sondern beeinflusst auch, welche Wege später offen stehen. Wenn finanzielle Hindernisse stärker werden, können sich Unterschiede über Jahre hinweg verfestigen.
Auch beim Wohlbefinden zeigen sich diese Brüche. Zwar sind drei Viertel der jungen Menschen mit ihrem Leben sehr oder ziemlich zufrieden.
Doch die finanzielle Zufriedenheit der unteren 30 Prozent ist deutlich zurückgegangen. Junge Menschen mit geringeren finanziellen Ressourcen berichten zudem wesentlich häufiger von Gefühlen wie Angst, Verzweiflung oder Traurigkeit.
Die Zukunft wirkt dort unsicherer, wo finanzielle Spielräume fehlen
64 Prozent der 16- bis 29-Jährigen sehen ihre persönliche Zukunft eher optimistisch. Diese Zahl erzählt allerdings nur einen Teil der Geschichte. Zwischen den sozialen Gruppen öffnet sich eine große Lücke:
Während 82 Prozent der finanziell gut abgesicherten jungen Menschen zuversichtlich sind, trifft das nur auf 38 Prozent der finanziell schlechter gestellten zu.
Die Studienautorin Martina Zandonella beschreibt Zukunftserwartungen als Spiegel ungleich verteilter Ressourcen und Möglichkeiten. Der Blick nach vorne entsteht demnach nicht unabhängig von der Lebensrealität. Sicherheit im Alltag schafft Vertrauen in die Zukunft, Unsicherheit begrenzt den Spielraum, den man hat.
Geschlecht, Wohnort oder Migrationsbiografie spielen laut den Ergebnissen eine deutlich geringere Rolle für den persönlichen Zukunftsblick. Entscheidend ist die soziale Lage.
Junge Menschen wollen nicht nur betroffen sein, sondern mitentscheiden
Trotz der Sorgen verstehen sich viele junge Menschen nicht als passive Beobachter:innen ihrer Situation. 72 Prozent wünschen sich mehr Möglichkeiten zur Mitbestimmung. Bei den politischen Anliegen stehen die steigenden Lebenshaltungskosten an erster Stelle. 39 Prozent nennen dieses Thema als besonders dringend. Danach folgen Bildung, Ausbildung und Arbeit sowie bessere Zukunfts- und Teilhabechancen.
Für die Arbeiterkammer Wien zeigt sich darin ein Zusammenhang zwischen sozialer Sicherheit und demokratischer Beteiligung. Ilkim Erdost, Bereichsleiterin Bildung der AK Wien, betont, dass Zuversicht eine Voraussetzung dafür ist, dass Menschen an Demokratie und die Chance auf Mitgestaltung glauben.
Der Jugendmonitor 2026 basiert auf einer repräsentativen Befragung von 1.506 jungen Menschen zwischen 16 und 29 Jahren in Österreich. Die Ergebnisse bilden eine Generation ab, deren Zukunftsblick stark davon abhängt, wie viel Sicherheit ihr die Gegenwart bietet.
(maximal 5 Antwortmöglichkeiten)



































