Einkommensentwicklung in Österreich

Einkommensentwicklung: Beschäftigte bekommen zu wenig, Aktionäre zu viel

Weniger kommt aufs Konto und mehr wird ausgegeben : So könnte man die Einkommensentwicklung der letzten Jahre zusammenfassen. Die Lohnquote sinkt. Vor allem Niedrigverdiener leiden unter schlechten Löhnen und steigenden Preisen. Besser wird es nur für Unternehmensvorstände, Aktionäre und Vermögende. Die Arbeiterkammer (AK) hat die Einkommensentwicklung in Österreich untersucht. Sie geht zulasten der Beschäftigten. Wir erklären, warum.

Dieser Artikel in Zahlen

  • In Österreich gibt es 3,8 Millionen Erwerbstätige.
  • Jeder 3. davon ist atypisch beschäftigt. Jede 2. Frau arbeitet Teilzeit.
  • Einkommensentwicklung: Die Erwerbs-Einkommen machen einen immer kleineren Anteil am Volkseinkommen aus. In den letzten 25 Jahren ist die Lohnquote von 74,5 auf 68,2 Prozent gesunken.
  • Die Gründe sind atypische Dienstverhältnisse, schlechte Entlohnung (unbezahlte Überstunden, schlechte Einstufung, Ausgliederungen) und Arbeitslosigkeit.
  • Demgegenüber steigen die Gewinnquote und die Dividenden von Aktionären.

Sinkende Lohnquote heißt: weniger Geld für Beschäftigte

Der Anteil der Löhne und Gehälter an der gesamten Wertschöpfung (dem Volkseinkommen) nimmt ab. Trotz wachsender Wirtschaftsleistung und steigender Produktivität profitieren Beschäftigte nicht. Der Glaubenssatz „Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s allen gut“ stimmt nicht.

Einkommensentwicklung Österreich Lohnquote

Währenddessen ist der Anteil der Einkommen aus Gewinn und Kapital gestiegen. Das sorgt für wachsende Ungleichheit und schmälert die Beiträge zum Sozialsystem. Denn: Gewinnsteuern für Unternehmen sinken. In Österreich stammen 4 von 5 Steuer-Euros von Beschäftigten und KonsumentInnen.

Innerhalb der letzten 25 Jahre ist die Lohnquote von 74,5 auf 68,2 Prozent des Volkseinkommens gesunken. Oder in konkreten Zahlen ausgedrückt:

Wäre die Lohnquote gleich hoch wie noch vor 25 Jahren, wäre allein im Jahr 2018 die Brutto-Lohn -und Gehaltssumme um 17 Milliarden Euro höher.“ (Arbeiterkammer)

Durch die Finanzkrise hat sich kurzzeitig das Verhältnis verschoben. Der Grund: Selbstständige Einkommen brachen in der Krise weg. Gleichzeitig waren in mehreren Branchen die Kollektivvertragsverhandlungen erfolgreich – aufgrund der hohen Inflation 2007.

Was ist die Lohnquote?

Die Lohnquote ist eine wichtige Messgröße. Mit ihr kann man ermitteln, wie Einkommen verteilt ist. Die Lohnquote ist der Anteil, die Löhne und Gehälter am Volkseinkommen haben. Demgegenüber steht die Gewinnquote. Sie gibt an, wie groß der Anteil von Kapitalgewinnen und selbstständigen Einkommen am Volkseinkommen ist.

… vor allem für jene mit kleinen Einkommen

Der Rückgang der Lohnquote trifft nicht alle Beschäftigten gleich stark. Wer wenig verdient, musste in den letzten Jahren viel größere Einbußen hinnehmen als jene mit hohen Einkommen. Das unterste Einkommens-Viertel hatte 2017 netto 16 Prozent weniger Einkommen als das unterste Viertel vor 20 Jahren hatte.

Sinkende Löhne und eine rückläufige Lohnquote schaden nicht nur den Beschäftigten, sondern der Gesamtwirtschaft. Denn sie bedeuten, dass Millionen Menschen weniger Geld zum Leben – und zum Konsumieren haben. Weniger Kaufkraft bedeutet weniger Wachstum, weniger Jobs und weiter sinkende Löhne. Ein Teufelskreis.

Ursachen für diese Einkommensentwicklung: schlechte Verträge, unbezahlte Stunden und Ausgliederung

Die Arbeiterkammer hat untersucht, warum Einkommen und Lohnquote sinken. Gründe sind:

  • Arbeitgeber, die schlecht entlohnen: Beschäftigte werden oft vertraglich schlechter eingestuft, bekommen „All-in-Verträge“ (was oft unbezahlte Überstunden zur Folge hat) oder es wird generell auf Sub-Unternehmen zurückgegriffen. Den „Postler“ von vor 20 Jahren gibt es nicht mehr. Stattdessen sind Zusteller heute oft Scheinselbständige oder über Sub-Firmen eingestellt, die schlechte Löhne zahlen.
  • Weniger Vollzeit-Jobs: Teilzeit-Jobs, geringfügige Dienstverhältnisse, Zeitarbeit – all diese Beschäftigungsformen nehmen zu. Und sie bedeuten Einschnitte beim Einkommen. Vor allem Frauen sind davon betroffen. Während nur 17 Prozent der Männer Teilzeit arbeiten, ist es bei Frauen jede 2.
  • Arbeitslosigkeit: Je nach Konjunktur steigt oder sinkt die Arbeitslosigkeit. Gibt es mehr Arbeitslose, sinkt die Verhandlungs-Macht der Beschäftigten und der Gewerkschaften bei Lohnverhandlungen. Mehr Konkurrenz am Arbeitsmarkt bedeutet mehr Lohndruck für Jobsuchende.

Löhne sinken, aber Mieten und Lebensmittel werden immer teurer

In Österreich steigen die Wohnkosten rasant, vor allem in Städten. Wohnungsmieten in Österreich sind zwischen 2008 und 2018 um über 46% gestiegen. Gleichzeitig halten die Löhne nicht mit. Ein immer größerer Anteil des Einkommens muss fürs Wohnen verwendet werden.

Die  steigenden Mietpreise haben Folgen: Bereits 15% können sich laut WIFO keinen angemessenen Wohnraum leisten.

Das ärmste Viertel muss über 50% des Einkommens nur für die Miete aufwenden.

Auch Lebensmittel und andere Güter des täglichen Bedarfs wurden in den letzten 10 Jahren immer teurer: 2018 musste man für die gleichen Produkte schon 25% mehr zahlen als noch 2008.

Einkommensentwicklung Österreich wohnen leben kosten

Wer kann sich freuen? Unternehmen, Manager und Aktionäre!

Teuerungen und sinkende Quoten treffen nicht alle. Denn wer von Kapitalgewinnen lebt, an Unternehmen beteiligt ist oder in deren Vorständen sitzt, konnte sich in den letzten Jahren über mehr Geld freuen.

  • Aktionäre von Unternehmen, die an der Wiener Börse notiert sind, bekamen allein 2019 3,2 Milliarden Euro an Gewinnausschüttung ausbezahlt. Das ist gegenüber dem Jahr 2018 eine Steigerung um 17 Prozent.
  • Vorstandsvorsitzende österreichischer Börsenunternehmen verdienten 2018 im Schnitt 2,1 Millionen jährlich. Das entspricht 14 Monatsgehältern von je 150.000 Euro.
  • 2019 verdient ein Manager eines solchen Unternehmens so viel wie 51 MitarbeiterInnen.

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6 Kommentare

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ich sags einfach...
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solange die gekauften Politiker der „Kurzregierung“ was zu sagen haben, wird für die Beschäftigten sehr wenig übrig bleiben!

Martin Tschol
Martin Tschol

hab schon 2000 mit der ersten blau blauen Regierung unter Schüssel & Haider & Grasser auf die Aussage „Geht’s der Wirtschaft gut geht’s allen gut“ argumentiert: das ist „Blödsinn“, sondern argumentiert: „wenn’s allen gut geht geht’s der Wirtschaft gut“, nun, die Daten geben mir recht, hab aber keine Freude darüber das ich damals schon mit knappen 30 Jahren mehr über Wirtschaft verstanden habe wie manche altgediente Politiker und Wirtschaft Kommentatoren, und die neue „Elite“ gibt mir wenig Hoffnung, ein Hoffnungsschimmer gibt mir Kogler von den Grünen und der alt ÖVPler Riegler für Österreich;

Hans Schöggl
Hans Schöggl

Gut, ich halte diese Ausführungen für eine recht zutreffende Analyse der gegenwärtigen wirstschaftlichen und sozialen Situation in Österreich. Was mir fehlt, ist das Weglassen der als Reaktion auf diese demütigende Situation der sozial Schwächeren nun beabsichtigten Maßnahmen seitens der SPÖ und der AK. Die ökonomische und soziale Situation in Österreich einfach ignorieren und nichts tun – so wie in den vergangenen Jahrzehnten – sollte wohl keine Option sein.

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Franz Pöschl
Franz Pöschl

Was mich an dem Artikel stört: Es wird so getan, als wären die teilzeitbeschäftigten Frauen alle notbedingt in Teilzeit. Ich kenne jedoch weitaus mehr Frauen und auch einige Männer, die bewusst in Teilzeit sind und die mir sagen: Das damit verdiente Einkommen genügt!

ja, lieber Franz...
ja, lieber Franz...

…es wird schon auch hart arbeitende Menschen geben, die mit den kleinwinzigen Bröserln zufrieden sind, die jene Geldsäcke fallen lassen.
Im obigen Artikel geht es aber um mehr!

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