UNFAIR

Manager kassieren an 6 Arbeitstagen soviel Geld wie der Rest von uns im Jahr

1,5 Millionen Euro kassiert ein ATX-Manager im Durchschnitt pro Jahr. Dabei steigen die Gehälter von Führungskräften wesentlich schneller als das österreichischen Medianeinkommen. Die Schere zwischen den Gehältern geht also immer weiter auf: Hat ein Manager im Jahr 2003 noch das 20-Fache eines mittleren Arbeitnehmers verdient, war es 2016 schon das 51-Fache. Das zeigt eine Studie der Arbeiterkammer Wien.

Vorstands-Gehälter um 172% gestiegen

Während Manager seit 2003 ein Plus von 171,9% auf ihrem Gehaltszettel verbuchen konnten, stieg das Medianeinkommen in Österreich um nur 29,3% (nicht inflationsbereinigt). Das Verhältnis zwischen Vorstandsgagen und Normaleinkommen entwickelt sich seit 2003 auseinander. Nur 2008 gab es krisenbedingt Rückgänge bei den Managerbezügen.

Außerdem kann man feststellen: Das satte Einkommensplus bei den Führungskräften steht in keinem Bezug zur Börsen-Performance der Unternehmen. Die Aktienkurse der ATX-Unternehmen sind zwar mehr als doppelt so schnell gewachsen wie Löhne und Gehälter. Doch mit 70% Wachstum liegen sie doch deutlich hinter der Steigerung der Vorstandsbezüge.

Die Manager Gehälter wachsen viel schneller als die anderen Gehälter. Das zeigt diese Grafik.

Leistungsgerechtigkeit herstellen

Die enormen Zuwächse bei den Manager-Gagen stehen also in keinem Verhältnis zur erbrachten Leistung. Das Verhältnis von 51 zu 1 im Vergleich zum Gehalt der Belegschaft hat ein Ausmaß angenommen, das ungerecht und demotivierend für die Angestellten ist.

Boni auch an Zufriedenheit der Mitarbeiter koppeln

Ein wichtiger Punkt zu mehr Leistungsgerechtigkeit wäre, die Höhe von Bonusbezügen an das Erreichen von langfristigen Unternehmenszielen zu koppeln. Diese können auch nicht-monetäre Ziele sein und die Mitarbeiterzufriedenheit, Beschäftigungszuwächse im Unternehmen oder Rohstoff- und Energieeffizienz beinhalten. Es gibt zwar schon jetzt gesetzliche Regelungen zur Nachhaltigkeit von Boni-Kriterien, diese müssten aber konkreter werden.

Transparenz schafft Gerechtigkeit

Ein weiterer Baustein zur Leistungsgerechtigkeit ist Transparenz. Die Aufsichtsräte der ATX-Konzerne sollten, ähnlich wie in den USA, ein angemessenes Verhältnis zwischen Manager- und Belegschafts-Gehältern festlegen (z.B. 1:20) und diese dann veröffentlichen müssen. Da KonsumentInnen dazu neigen, hohen Manager-Gagen skeptisch gegenüberzustehen, könnte die Transparenz bereits zu einer Senkung der Top-Bezüge beitragen.

Die Manager Gehälter in Österreich sind expolidert. Ein Manager verdient so viel wie 51 seiner Mitartbeiter zusammen.

Manager sollen gerechten Beitrag leisten

Derzeit zahlt der Durchschnitts-ATX-Manager mit seinen 1,5 Millionen Jahreseinkommen den erhöhten Spitzensteuersatz von 55%. Das bringt dem Fiskus im Jahr 40 Millionen.

Doch dieser erhöhte Steuersatz, der 400 Einzelpersonen trifft, läuft 2020 aus und die Regierung will ihn nicht verlängern.

Führt man sich die enorme Einkommens-Ungleichverteilung noch mal vor Augen, wird schnell klar: Wer das 51-Fache eines Durchschnitts-Bürgers verdient, kann nicht den gleichen Beitrag zahlen wie ein normaler Beschäftigter.

Weiterlesen:

Jeff Bezos‘ 150 Milliarden Dollar Vermögen ist ein Versagen der Politik

Mehr zum Thema

Manager kassieren an 6 Arbeitstagen soviel Geld wie der Rest von uns im Jahr
Wir recherchieren und überprüfen die Inhalte und Fakten in unseren Beiträgen. Du hast trotzdem einen Fehler entdeckt? Oder Anregungen und Ergänzungen? Bitte schick uns eine Nachricht.
Wir recherchieren und überprüfen die Inhalte und Fakten in unseren Beiträgen. Du hast trotzdem einen Fehler entdeckt? Bitte schick uns eine Nachricht.
4 Kommentare

4
Hinterlasse einen Kommentar

avatar
neueste älteste meiste Bewertungen
Martin
Martin

Ich find das ein sehr spannendes Thema, aber ich habe dazu ein paar Fragen zum verwendeten Medianeinkommen:
Ist das der österreichische Durchschnitt oder tatsächlich aus den selben Unternehmen wie die Managergehälter? Wenn ja, wie kommt man zu diesen Daten?
Wenn nein, sind tatsächlich nur Einkommen von ArbeitnehmerInnen verwendet worden oder sind da auch arbeitslose Menschen inkludiert, was (wie in ihrem Beitrag zum Medianeinkommen klar aufgezeigt wird) einen deutlichen Unterschied machen würde.
Dankeund liebe Grüße,
Martin

Aufgewachter
Aufgewachter

Jetzt auch grafisch endlich bewiesen! Der Verlust des Einen ist der Gewinn des Anderen UND der Gewinn des Einen ist der Verlust des Anderen
https://aufgewachter.wordpress.com/2016/12/14/das-gutmenschen-syndrom/

Michael Barandun
Michael Barandun

Wenn ein Arbeitnehmer 1.5mio in seinem ganzen Berufsleben verdient, oder besser gesagt bekommt, weil verdienen würde er mehr, dann hat der eh schon eine gut bezahlte stelle. Das heist also das die Manager unsere Gehaltserhöungen bekommen, aber das is ja auch nix neues das die Leute die nur mit Geld arbeiten am meisten Geld bekommen. Was ich aber auch sagen muss, es ist genau so unfair wenn ein Topverdiener deswegen prozentuell mehr Steuern zahlen muss als der kleine Mann. Ehrlichkeit und Achtung brauchen wir, das ist viel wichtiger als Transparenz. Und wenn ich anständig bezahlt werde gönn ich auch jedem… Weiterlesen »

Peter Degischer
Peter Degischer

ergänzend Informationen zu den Unterschieden der Bezüge in der Pension:
Sonderpensionsbezieher(innen gibt es wahrscheinlich nicht) erreichen den 40-fachen Ruhestandsbezug von AusgleichszulagenbezieherInnen. Es wird auch welche geben, die im Ruhestand Bezüge akkumulieren, die das 51-fache der Ausgleichszulage ausmachen.

Einfach anmelden und keinen Artikel mehr verpassen.
Anmelden
Mit einem Klick auf "Anmelden" akzeptieren
Sie die Privacy Policy von Kontrast.
close-image

Send this to a friend

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können.