Die FPÖ macht seit Monaten aggressiv Stimmung gegen zivilgesellschaftliche Vereine – egal ob Rotes Kreuz, Ärzte ohne Grenzen, Frauenhäuser oder Umweltorganisationen. Jetzt zeigt sich, dass der freiheitliche Parlamentsklub allein in den vergangenen zwei Monaten 50.000 Euro für Inserate dazu an rechte Medien zahlte, um dort die politische Kampagne gegen die Zivilgesellschaft anzukurbeln. Darunter auch beim als rechtsextrem eingestufte Sender Auf1. Der allein erhielt über 19.000 Euro.
19.200 Euro an rechtsextremen Sender Auf1
Seit Mitte November 2025 hat der Freiheitliche Parlamentsklub 50.000 Euro an insgesamt neun FPÖ-nahe bis rechtsextreme Medien für Inserate bezahlt – und zwar für eine einzige Kampagne: eine gegen Vereine und NGOs. Das weisen die Transparanz-Bekanntmachungen unter den jeweiligen Werbebannern aus. Am meisten erhielt der Sender Auf1, nämlich satte 19.200 Euro. Auf1-Inhalte umfassen Verschwörungstheorien zu Chemtrails, der Mondlandung und der Frage, ob die Erde eine Scheibe ist. Auch rassistische Inhalte werden verbreitet. Auf1-Chef Stefan Magnet hält die Europäer für „geistig und biologisch“ einzigartig und spricht von einem „Krieg gegen die Weißen“. Der österreichische Verfassungsschutz stuft den Linzer Sender als rechtsextrem ein. Auch der deutsche Verfassungsschutz das Medium als „rechtsextremistischen Verdachtsfall“ ein. Sowohl der Gründer und Chefredakteur Stefan Magnet als auch „Generalsekretär“ Andreas Retschitzegger waren in ihrer Jugend im neonazistischen Bund freier Jugend (BfJ) aktiv.
Unzensuriert.at bekam 9.600 Euro
Am zweitmeisten erhielt das rechtspopulistische Online-Medium unzensuriert.at, und zwar 9.600 Euro. Diese Plattform dient seit seiner Gründung 2009 rund um Martin Graf als eine der zentralen Plattformen für die Verbreitung FPÖ-naher Inhalte. Migration, Islam und die „Bedrohung“ durch „Ausländer“ stehen im Mittelpunkt. Schon mehrmals gab es Verurteilungen wegen übler Nachrede.
4.800 Euro für die Verbreitung von Verschwörungstheorien
Mit seiner provokanten und ideologisch geprägten Berichterstattung fügt sich auch Der Status nahtlos in das Spektrum der rechtsextremen Medien ein. Die Verschwörungstheorie des „Great Reset“ (der angebliche „Große Austausch“) ist neben Corona ein eigener Schwerpunkt. Der Status bekam für die Kampagne gegen Vereine 4.800 Euro.
Gleich viel erhielt Info-direkt, das offen für die als rechtsextrem eingestuften „Identitären“ wirbt. Inhaltlich bewegt sich das Magazin im Bereich verschwörungstheoretischer und alarmistischer Berichterstattung. „Es geht inzwischen nicht mehr um die Umzüchtung der Deutschen allein. Jetzt soll eine Zukunftsbesiedlung Europas mit einer europäisch-asiatisch-negroiden Mischrasse […] verwirklicht werden“, ist etwa 2016 in der Info-direkt-Publikation „Europas Dämme bersten“ zu lesen.
Das Freilich-Magazin ist der direkte Nachfolger der rechtsextremen und antisemitischen Aula. Auch diese Plattform erhielt vom freiheitlichen Parlamentsklub 2.000 Euro. Hinzu kommt noch der Regionalsender RTV, der seit der Corona-Pandemie auf „rechtsextreme und verschwörungsmythische Narrative“ setzt. Er erhielt 2.400 Euro.
Das international gut vernetzte Medium Unser Mitteleuropa erhielt 3.600 Euro, das rechte Blatt Der Eckart 1.200 Euro. Der Verlag Frank & Frei, den das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) als rechtsextrem einstuft, erhielt 2.400 Euro.
50.000 Euro gesamt: Die Ausgaben des FPÖ-Klubs für Anti-NGO-Kampagne für rechte Medien im Überblick
| Medium | Auftraggeber | erhaltene Summe |
|---|---|---|
| Eckart | FPÖ Parlamentsklub | 1.200 Euro |
| der Status | FPÖ Parlamentsklub | 4.800 Euro |
| Frank & Frei | FPÖ Parlamentsklub | 2.400 Euro |
| Auf1 | FPÖ Parlamentsklub | 19.200 Euro |
| RTV | FPÖ Parlamentsklub | 2.400 Euro |
| Freilich Magazin | Manuel Litzke/ FPÖ Parlamentsklub | 2.000 Euro |
| Unzensuriert.at | FPÖ Parlamentsklub | 9.600 Euro |
| Unser Mitteleuropa | FPÖ Parlamentsklub | 3.600 Euro |
| Info Direkt | FPÖ Parlamentsklub | 4.800 Euro |
Mit der stattlichen Gesamtsumme von 50.000 Euro finanziert der freiheitliche Parlamentsklubs nicht nur ein rechtes Mediennetzwerk, sondern mobilisiert auch gegen die Zivilgesellschaft, die der FPÖ ein Dorn im Auge ist. Herbert Kickl bezeichnet NGOs als angebliche „Propagandainstrumente einer politischen Schattengesellschaft”, als „Teil der Macht für Umerziehungsprogramme und betreutes Denken“, als „Vertreter von Regenbogenkult und Klimaschutzreligion“ und als „Heuchler, die die Gesellschaft mit Moralin fluten“. Tatsächlich stellen sie eine Gefahr für eine autoritäre, rechte Partei dar, weil sich viele Vereine und NGOs für soziale Themen und Menschenrechte einsetzt und gegen autoritäre Politik auftreten. So ist es nicht nur die FPÖ und Herbert Kickl, der gegen Verein vorgeht, sondern auch Viktor Orban in Ungarn oder AfD-Chefin Alice Weidel.
Kampf gegen NGOs: warum der FPÖ die Zivilgesellschaft ein Dorn im Auge ist











































