Langzeitpremier Viktor Orbán bekommt Konkurrenz aus den eigenen Reihen: Sein früherer Mitstreiter Péter Magyar tritt bei den Parlamentswahlen in diesem Jahr gegen ihn an. Orbáns Partei Fidesz führt einen harten Wahlkampf, auch im Netz. Eine Recherche des ungarischen Online-Magazins Lakmusz zeigt: Die „digitalen Krieger“ nutzen auch KI-Fake-Profile, die sich auf Facebook gegenseitig verstärken und pro-Fidesz-Inhalte pushen.
Am 12. April 2026 wählt Ungarn ein neues Parlament. Viktor Orbán und seine Partei Fidesz kämpfen um die Macht, diesmal unter größerem Druck als in den vergangenen Jahren. Herausforderer ist Péter Magyar, ein früherer Weggefährte, der Anfang 2024 mit Fidesz gebrochen hat und mit der Mitte-rechts-Partei Tisza durchs Land zieht. Im Wahlkampf setzen Orbán und Fidesz stark auf den Onlinebereich. Bei Veranstaltungen richtet sich Orbán an seine „digitalen Krieger“ und fordert die Aktivisten neben Haustürkampagnen zu harter Mobilisierung im Netz auf.
Recherche deckt Orbán-treues Fake-Netzwerk auf Facebook auf
Wie weit diese digitale Strategie reichen kann, zeigt nun eine Recherche des ungarischen Online-Magazins Lakmusz. Demnach arbeiten Orbáns Unterstützer im Netz nicht nur mit echten Profilen. Lakmusz beschreibt ein Netzwerk von fast hundert Facebook-Accounts, die mit erfundenen Identitäten und KI-generierten Bildern auftreten, miteinander interagieren und so pro-Fidesz-Inhalte verstärken.
Für die Auswertung hat das Online-Magazin 87 Profile gesammelt, die mehrere Gemeinsamkeiten aufweisen. Viele dieser Konten sind erst seit wenigen Monaten online und wurden 2025 angelegt. Als Profilbilder und in vielen Posts tauchen KI-generierte Fotos auf. Auffällig ist auch das Verhalten: Die Accounts posten und kommentieren sehr viel, oft in kurzer Folge und mit ähnlichen Formulierungen. Außerdem sind sie über ihre Freundeslisten eng miteinander verbunden, viele Profile sind untereinander befreundet und reagieren ständig aufeinander.
Profile wirken anfangs unpolitisch, schwenken dann aber um
Viele dieser Profile wirken am Anfang unpolitisch. In den ersten Tagen und Wochen posten sie Urlaubsbilder, Familienfotos, Fußball und manchmal auch Beziehungsstress. So sehen sie aus wie echte Menschen und sammeln Freunde. Erst danach schwenken viele Accounts um. Dann füllen sich die Feeds mit politischen Videos und Parolen, oft in großer Menge und im Gleichschritt mit anderen Konten. Lakmusz zählt in zwei Monaten mehr als tausend politische Posts aus diesem Netzwerk.
Besonders oft griffen die Accounts Ereignisse auf, die für Fidesz öffentlich wichtig waren: Orbáns Reise nach Washington und das Treffen mit Donald Trump, ein pro-regierungstreuer „Friedensmarsch“, Orbáns Auftritt im Europäischen Parlament in Straßburg, ein Treffen regierungsnaher „digitaler Bürgerkreise“ („Digitális Polgári Körök“) in der Stadt Győr sowie ein TV-Interview Orbáns in einer populären TV-Sendung. Einzelne Beiträge bekamen auf Facebook in kurzer Zeit 2.000 bis 4.500 Reaktionen. Die Kommentare sind großteils kurz, einfach und euphorisch bis zustimmend, wie Herzen, „Großartig, weiter so!“ oder „So soll es sein.“

Orbáns „Kriegerclub“ als Ort der Vernetzung
Etwa die Hälfte der untersuchten Accounts, insgesamt 49 Profile, ist auch Mitglied einer öffentlichen Facebook-Gruppe namens Harcosok Klubja, auf Deutsch etwa „Kriegerclub“. Die Gruppe ist öffentlich sichtbar und wirbt damit, einen privaten „Kriegerclub“ zu unterstützen, den Viktor Orbán selbst auf Facebook gestartet hat. Die Gründer, Administratoren und Poster der Gruppe stammen aus dem Fidesz-nahen Umfeld.
Gegründet wurde die öffentliche Facebook-Gruppe im März 2025 von Balázs Szakonyi, der früher in der ungarischen Kleinstadt Tapolca lokaler Vorsitzender des Regierungsbündnisses Fidesz–KDNP war. Die Beiträge in der Gruppe stammen abwechselnd von ihm und István Pálinkás. Pálinkás trat 2019 in der Stadt Rácalmás als Bürgermeisterkandidat des Fidesz–KDNP-Bündnisses an.
Zu den Administratoren gehören auch Gábor Nagy, der die konservative Nachrichtenseite Vidék hangjai gegründet hat, sowie Attila Hudák. Hudák hat 2023 ein Social-Media-Training der regierungsnahen Agentur Megafon absolviert. Megafon verbreitet regierungsfreundliche Inhalte auch über den YouTube-Kanal Patrióta und besteht aus regierungsnahen Influencern.
Hinter den Profilen stecken echte Menschen mit falschem Namen und KI-Bildern
Bei dem von Lakmusz aufgedeckten Netzwerk handelt es sich nicht um ein klassisches Netz aus Bots, sondern eher um eine Zwischenform. Hinter den Profilen scheinen Menschen zu sitzen, die posten, liken und kommentieren, aber unter erfundenen Namen und mit Hilfe von KI-Bildern. Wer das Netzwerk steuert, bleibt offen. Ein Hinweis auf ein gelenktes Netzwerk ist der Zeitpunkt der Aktivität: Die meisten Likes, Kommentare und Posts fallen demnach auf Werktage zwischen 9 und 19 Uhr, also typische Büro- und Arbeitszeiten.
Trump, FPÖ & Co: Orbán international bestens vernetzt
Streit um digitale Wahlkampagnen gibt es auch in anderen EU-Ländern. In Rumänien wurde 2024 der erste Wahlgang der Präsidentenwahl annulliert. Das Verfassungsgericht verwies dabei auf digitale Manipulation, unter anderem durch koordinierte Online-Kampagnen.
Orbán ist außerdem international gut vernetzt. Donald Trump hat ihn Anfang Februar öffentlich unterstützt. Mitte Februar sagte US-Außenminister Marco Rubio bei einem Auftritt in Budapest, Trump stehe klar hinter Orbán und wolle seinen Erfolg. In Europa sucht Orbán die Zusammenarbeit mit rechten Parteien, die sich im EU-Parlament in der Fraktion „Patriots for Europe“ zusammengeschlossen haben. Dazu zählen neben Orbáns Fidesz auch die österreichische FPÖ, die italienische Lega und das französische Rassemblement National. Auch der heurige „Akademikerball“ zeigt die enge Vernetzung. Dort trafen neben Burschenschafter und Rechtsextremen mit Ernő Schaller-Baross auch ein Fidesz-EU-Abgeordneter auf FPÖ-Spitzenfunktionäre.
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