Hier können Sie die AI-generierte Audioversion dieses Artikels anhören.
Österreich muss sparen: Die Staatsschulden liegen bei über 80 Prozent der Wirtschaftsleistung. Mit dem neuen Doppelbudget will die Regierung sparen, gleichzeitig aber Härtefälle abfedern. Geplant sind höhere Steuern für Banken und große Unternehmen, gleichzeitig aber auch mehr Geld für Pflege, Bildung und Kindergärten. Hier ein Überblick die progressive Schlagseite des Budgets für die nächsten zwei Jahre.
Österreichs Staatsverschuldung und Neuverschuldung liegen derzeit über den EU-Vorgaben. Vor allem die Koalition aus ÖVP und Grünen (2020–2025) ließ das Defizit stark ansteigen. Konkret hinterließ die ÖVP-Grünen-Regierung ein Minus von 23 Milliarden Euro.
Deshalb läuft gegen Österreich seit Juli 2025 nun ein sogenanntes EU-Defizitverfahren. Die Staatsschulden liegen mittlerweile bei deutlich über 80 Prozent der Wirtschaftsleistung – 2019 (vor Schwarz-Grün) waren es noch 71 Prozent.
Nach den Maastricht-Regeln wären maximal 60 Prozent Staatsschulden und 3 Prozent Neuverschuldung erlaubt. Das Defizitverfahren soll helfen, die Schulden schrittweise abzubauen. Passiert das nicht, müssten künftig Milliardensummen für Zinszahlungen ausgegeben werden. Das würde den Spielraum für wichtige Investitionen zusätzlich einschränken.
Weltwirtschaftslage erschwert die Ausgangssituation für das Budget für 2027/28
Gleichzeitig verschärfen die aktuellen geopolitischen Entwicklungen die wirtschaftliche Lage. Nachdem die Inflation in den vergangenen Monaten mit rund 2 Prozent relativ niedrig war, ist die Teuerung durch den Iran-Krieg wieder deutlich gestiegen. Vor allem der weltweit höhere Ölpreis treibt die Inflation an.
Mit dem sogenannten Doppelbudget – also dem Budget für die kommenden zwei Jahre – versucht die Bundesregierung nun, die Sparvorgaben einzuhalten, soziale Härten zu vermeiden und trotzdem weiter in wichtige Zukunftsbereiche zu investieren. Ziel ist es, die jährliche Neuverschuldung bis 2028 auf das EU-Ziel von maximal 3 Prozent zu senken und damit aus dem EU-Defizitverfahren herauszukommen.

Progressive Maßnahmen auf der Einnahmenseite
Höhere Körperschaftsteuer für Unternehmen
Unternehmen mit Gewinnen über einer Million Euro sollen künftig wieder 24 statt 23 Prozent Körperschaftsteuer zahlen. Die Körperschaftsteuer wurde unter der Schwarz-Grünen Regierung in den Jahren 2023 und 2024 schrittweise von 25 auf 23 Prozent gesenkt. Dadurch entstand ein Milliardenloch im Budget, während vor allem große Konzerne profitierten.
Die Anhebung um einen Prozentpunkt soll jährlich rund 300 Millionen Euro bringen.
Banken müssen beitragen: Bankenabgabe bleibt
Die Bankenabgabe wurde nach der Bankenkrise 2011 eingeführt. Damals erhielt der Bankensektor milliardenschwere staatliche Hilfen, um einen Zusammenbruch zu verhindern. Mit der Bankenabgabe sollten Banken einen Teil dieser Kosten zurückzahlen.
In den ersten Jahren brachte die Bankenabgabe dem Staat regelmäßig mehr als eine halbe Milliarde Euro ein.
Auf Druck der Banken wurde die Abgabe jedoch mehrfach reformiert. Die letzte Reform erfolgte 2021 unter Türkis-Grün. Seitdem zahlen Banken deutlich weniger. 2021 brachte die Abgabe nur noch einen Bruchteil der ursprünglichen Einnahmen.
Nun wird die Bankenabgabe erhöht und um drei Jahre verlängert. Das soll bis 2029 jährlich zwischen 200 und 300 Millionen Euro einbringen.

Immo-Ertragssteuer steigt
Die Immobilienertragsteuer (ImmoESt) fällt beim Verkauf von Grundstücken im Altbestand an – ausgenommen sind Hauptwohnsitze und selbst gebaute Häuser. Diese Steuer wird erhöht und soll ab 2028 rund 70 Millionen Euro pro Jahr einbringen.
Neue Maßnahmen gegen Betrug
Geplant sind strengere Maßnahmen gegen Betrug und Scheinunternehmen. Das Amt für Betrugsbekämpfung soll künftig Auskünfte aus dem Kontenregister erhalten und Informationen bei Kreditinstituten einholen dürfen. Das soll Ermittlungen effizienter machen.
Höhere Steuer auf harten Alkohol
Die Mehrwertsteuer bleibt unverändert, doch die Alkoholsteuer auf Spirituosen, Liköre und Schnäpse steigt um 30 Prozent. Aktuell beträgt die Steuer auf Hochprozentiges 12 Euro pro Liter Reinalkohol. Die Maßnahme soll rund 90 Millionen Euro pro Jahr bringen. Für Bier ändert sich steuerlich nichts.
Gewinnfreibetrag bei Wertpapieren wird gestrichen
Der Gewinnfreibetrag ist eine Steuerbegünstigung für Selbstständige, Einzelunternehmer:innen und andere Personen mit betrieblichen Einkünften in Österreich. Er soll vereinfacht gesagt das begünstigte 13. und 14. Gehalt von Arbeitnehmer:innen ausgleichen.
Für die ersten 33.000 Euro Gewinn gibt es automatisch 15 Prozent steuerfrei – maximal 4.950 Euro. Dafür muss nichts investiert werden.
Wer mehr als 33.000 Euro Gewinn macht, kann zusätzlich Steuern sparen, wenn im selben Jahr investiert wird – etwa in Maschinen, Geräte oder bestimmte begünstigte Wertpapiere. Dabei bleiben die Wertpapiere im Betriebsvermögen.
Dieser Gewinnfreibetrag für Wertpapiere wird nun gestrichen. Ab 2028 rechnet die Regierung dadurch mit Mehreinnahmen von rund 200 Millionen Euro.
Klimaschutz: Abbau klimaschädlicher Subventionen
Die Regierung will klimaschädliche Förderungen reduzieren. Für 2028 haben die Regierungsparteien Kürzungen von 190 Millionen Euro vereinbart. Insgesamt will man so bis 2029 rund 1,9 Milliarden Euro bei Förderungen einsparen.
Laut Wifo betrifft der größte Teil dieser klimaschädlichen Förderungen den Verkehr. 61 Prozent entfallen darauf – rund drei Viertel auf den Straßenverkehr und ein Viertel auf Flugverkehr und Schifffahrt. Dazu zählen etwa Förderungen für Autofahrer und Dienstwagenbesitzer sowie steuerliche Begünstigungen für Treibstoffe im Flug- und Schiffsverkehr.
Progressive Maßnahmen bei Investitionen
210 Millionen Euro für die Pflege
Ab 2028 sollen zusätzlich 210 Millionen Euro in die Pflege fließen. Der größte Einzelposten ist dabei die Erhöhung des Pflegegeldes im Jahr 2027. Dieses wird um 3,3 Prozent valorisiert. Dafür sind im Doppelbudget rund 120 Millionen Euro vorgesehen. Mehr als 500.000 Pflegegeld-Bezieher:innen in Österreich profitieren davon.
Zusätzlich plant die Regierung eine Qualifizierungsoffensive für Pflegeberufe sowie die Teilpension. Davon sollen auch Beschäftigte in körperlich und psychisch belastenden Pflegeberufen profitieren.

210 Millionen Euro für Kindergärten
Auch für Kindergärten wird mehr Geld bereitgestellt: Ab 2028 sind zusätzlich 210 Millionen Euro vorgesehen. Ein großer Teil davon fließt in die Einführung des zweiten verpflichtenden und kostenlosen Kindergartenjahres.
Unterstützungsfonds für Alleinerziehende
Ab 1. Juli 2026 soll ein Unterstützungsfonds Alleinerziehende helfen, wenn sie für ihre Kinder keinen Unterhalt, keinen Unterhaltsvorschuss oder keine Waisenleistung erhalten.
Der Fonds richtet sich also nicht an alle Alleinerziehenden, sondern an jene, bei denen bestehende Sicherungssysteme nicht greifen – etwa weil der andere Elternteil nicht zahlen kann oder nicht auffindbar ist.
Die Unterstützung soll einkommensabhängig sein und rund 240 Euro pro Kind und Monat betragen. Zusätzlich ist in besonderen Fällen – etwa bei Betroffenheit von Gewalt – eine einmalige Starthilfe vorgesehen.
Für das alles stehen jährlich bis zu 35 Millionen Euro zur Verfügung. Aktuell gibt es rund 13.300 Kinder und junge Erwachsene in Alleinerziehenden-Haushalten ohne Unterhalt, Unterhaltsvorschuss oder Waisenpension.

Für Studierende: Höhere Studienbeihilfe, günstigeres Essen, mehr Wohnheimförderung
Die Regierung plant drei Entlastungen für Studierende:
Mehr Studienbeihilfe: Die Studienbeihilfe soll verbessert werden. Wichtige Beträge bei der Berechnung – etwa das Einkommen der Eltern sowie Frei- und Absetzbeträge – sollen erhöht und regelmäßig angepasst werden. Dadurch sollen mehr Studierende Anspruch auf Studienbeihilfe bekommen oder höhere Beträge erhalten.
Mehr Förderung für Studierendenheime: Die Studierendenheimförderung soll wieder eingeführt werden. Damit sollen neue leistbare Heimplätze entstehen und bestehende Wohnheime saniert werden. Das Ziel: günstigeres Wohnen für Studierende. Laut Wissenschaftsministerium zahlen Studierende derzeit durchschnittlich rund 586 Euro pro Monat fürs Wohnen. In Studierendenheimen sind die Kosten seit 2015 um 61 Prozent gestiegen.
Günstigeres Mensa-Essen: Ab dem Wintersemester 2026/27 soll es an teilnehmenden Hochschulen täglich ein warmes und ausgewogenes Menü um unter 5 Euro geben. Dafür startet das Programm „Mensa 2030“. Hochschulen und Mensabetreiber müssen dafür bestimmte Qualitätsstandards erfüllen.
Lehre mit Matura wird ausgebaut
Die Bundesregierung will die „Berufsmatura: Lehre mit Reifeprüfung“ weiterführen und ausbauen. Lehrlinge können dabei kostenlos Vorbereitungskurse für die Berufsreifeprüfung besuchen und danach etwa an Fachhochschulen oder Universitäten studieren.
Pro Teilnehmer:in kann der Bund bis zu 6.876 Euro übernehmen – für Kurse, Coaching, Prüfungsgebühren und teilweise Fahrtkosten. Ziel ist es, die Lehre attraktiver zu machen und Fachkräfte zu sichern.
Mehr Geld für tägliche Bewegung
Die tägliche Bewegungseinheit in Kindergärten und Schulen soll verlängert und ausgebaut werden. Kinder sollen dadurch zusätzlich zum regulären Turnunterricht mehr Bewegung im Alltag bekommen.
Das Programm ist für die Schuljahre 2025/26 und 2026/27 abgesichert. Die Finanzierung wird um 1,5 Millionen Euro erhöht.
Außerdem sollen Sport-Fachverbände stärker eingebunden werden. Insgesamt stehen derzeit rund 19,5 Millionen Euro pro Schuljahr zur Verfügung.
Für Familien: Familienleistungen bleiben stabil, dafür gibt es Erwerbsanreize beim Familienbonus
Den Familienbonus gibt es künftig nur noch dann in voller Höhe, wenn beide Elternteile zumindest Teilzeit arbeiten und sich Erwerbsarbeit sowie Kinderbetreuung fair aufteilen.
Ausgenommen sind Eltern von Kindern unter drei Jahren. Der Familienbonus kann pro Kind weiterhin maximal 2.000 Euro pro Jahr betragen.
Finanzminister Markus Marterbauer: So will er das Budget sanieren und die Wirtschaft ankurbeln
(maximal 5 Antwortmöglichkeiten)



































