Spanien hat eines der besten öffentlichen Gesundheitssysteme europaweit. In den vergangenen Jahren sind zudem die Stromrechnungen durch staatliche Preiseingriffe und einen Gaspreisdeckel vergleichsweise niedrig geblieben. Auch auf dem Arbeitsmarkt hat sich die Lage verbessert: Die Arbeitslosigkeit liegt so niedrig wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr. Parallel dazu gab es Entwicklungen in anderen Bereichen: Die Anzahl der Morde an Frauen ist um rund ein Drittel gesunken, die faschistische Diktatur von General Franco wird kritisch aufgearbeitet und die Klimawende hin zu umweltfreundlicher Stromversorgung funktioniert so gut wie in fast keinem anderen EU-Land. Das alles ist kein Zufall, sondern mitunter der cleveren Sozialpolitik von Ministerpräsident Pedro Sánchez zu verdanken. Zuletzt sorgte er auf der Weltpolitikbühne für Aufmerksamkeit, weil er gegenüber US-Präsident Trump eine klare Haltung zeigte: nämlich Nein zum Krieg. Ein Überblick zu seiner Person und Politik.
Nach dem Ende der jahrelangen Militärdiktatur unter General Franco war Spanien von wechselnden Regierungen und Konflikten gezeichnet. Der Übergang von der Diktatur zur Demokratie passierte nicht in einem Fingerschnippen, sondern wurde schrittweise und mitunter hart erkämpft. Nicht zuletzt Pedro Sánchez, seit 2018 spanischer Ministerpräsident der sozialdemokratischen Partei PSOE, brachte Stabilität und wirtschaftlichen Aufschwung in das zuvor gebeutelte Land. Ein Überblick zu seiner Person und Politik.
Sánchez studierte Wirtschaft und ist schon lange politisch aktiv
Pedro Sánchez Pérez-Castejón wurde am 29. Feburar 1972 als Sohn eines hohen Beamten und einer Anwältin geboren. Seine akademische Ausbildung begann im Jahr 1990 mit einem 5-jährigen Studium der Wirtschaftswissenschaften in Madrid. Im Jahr 1998 schloss er den Master in Politischer Ökonomie an der Freien Universität Brüssel ab und promovierte 2012 an der Universität in Madrid, wo er schließlich auch als Professor lehrte. Ab 2011 war er außerdem als Wirtschaftsberater tätig.

Neben seiner akademischen Laufbahn ist er seit über 20 Jahren politisch aktiv. Im Laufe seines Studiums ist er 1993 der sozialdemokratischen PSOE (Partida Socialista Obrero Espanol) beigetreten. Er wurde 2009 erstmals Mitglied des spanischen Abgeordnetenhauses. 2014 kandidierte er für das Amt des Generalsekretärs der PSOE. Nach innerparteilicher Kritik trat er 2016 zurück, wurde aber 2017 von der Parteibasis erneut gewählt. 2018 wurde er durch ein Misstrauensvotum zum Ministerpräsidenten von Spanien gewählt. Der damalige Regierungschef Mariano Rajoy wurde mehrheitlich abgewählt. Das funktionierte aber nur mit einem direkten Nachfolger – dieser war Pedro Sánchez. Die Stimme gegen den Konservativen Rajoy war also gleichzeitig eine Stimme für Sánchez.
Er regiert gemeinsam mit der Links-Partei “Movimiento Sumar” und kleinen autonomen Parteien. Im Jahr 1999 war er Stabchef des UN-Sonderbeauftragten von Bosnien im Kosovokrieg, also dessen wichtigster Berater. Außerdem ist er Vorsitzender der Sozialistischen Internationalen, einem weltweiten Zusammenschluss aller sozialistischen und sozialdemokratischen Parteien und Organisationen.
Wirtschaftswachstum in Spanien über EU-Durchschnitt: Preiseingriffe, Gaspreisdeckel und Mietenbremse
Spanien gilt als eines der Länder, das am besten durch die Pandemie, Teuerung und Energiekrise gekommen ist. Mit einem wirtschaftlichen Wachstum von 3,2 % im Jahr 2024 übertraf Spanien die ohnehin optimistischen Prognosen. Damit liegt das Land europaweit im oberen Drittel. Und das, obwohl sich globale Krisen negativ auf die weltweite Wirtschaft ausgewirkt haben. Zum Vergleich: In Österreich schrumpfte das Wirtschaftswachstum um 1,2 % im Jahr 2024 und in Deutschland um 0,2 %.
Dieses Wirtschaftswachstum verdankt Spanien vor allem den Preiseingriffen der Sánchez-Regierung während der Teuerung. Ausschlaggebend waren besonders die Einführung des Gaspressdeckels und der Mietenbremse. Dadurch konnten die Preise niedrig gehalten werden. Sánchez setzte zudem die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel aus und hielt dadurch die Inflation gedämpft.

Mehr Statistiken finden Sie bei Statista
Erhöhung der Mindestlöhne und niedrigste Arbeitslosenquote seit der Finanzkrise 2008
Pedro Sánchez glättete manche Fehler der konservativen Regierung vor ihm – denn diese erlaubte es spanischen Unternehmen, Kollektivverträge zu ignorieren. Bereits kurz nach seiner Angelobung erhöhte er den Mindestlohn um 22 %. Zuvor war der Mindestlohn in Spanien einer der niedrigsten europaweit und liegt jetzt im oberen Drittel.
Die Arbeitslosenquote ist in Spanien momentan außerdem so niedrig wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr. Es wurden mehr als 1,5 Millionen Arbeitsplätze geschaffen. Seit der Arbeitsmarktreform 2022 gibt es weniger befristete Arbeitsverträge. 2025 verkürzte die spanische Regierung die wöchentliche Arbeitszeit von 40 auf 37,5 Stunden bei gleichbleibendem Lohn und schützte Arbeitnehmer:innen per Gesetz vor Anrufen außerhalb der Arbeitszeit. Das wirkt sich unmittelbar auf die Lebensqualität der Menschen aus: Sie haben sichere Arbeitsplätze, höhere Gehälter und mehr Freizeit. Solche Menschen sind gesünder und glücklicher; sie konsumieren und investieren mehr und kurbeln dadurch wiederum die Wirtschaft an.
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
Offene Migrationspolitik zeigt positive Folgen: Anerkennung ausländischer Abschlüsse & schnelle Integrationsmaßnahmen statt Abschottung
Im Gegensatz zu den meisten EU-Ländern setzt Spanien auf eine offenere Migrationspolitik. Das Land ist eines der Hauptzielländer weltweit für Migration. Für Sánchez ist Einwanderung nicht nur eine Sache von Menschlichkeit, sondern auch ein Wirtschaftsmotor. Konkret möchte Spanien ausländische Abschlüsse unkomplizierter anerkennen und den bürokratischen Aufwand bei Aufenthaltsgenehmigungen verringern. So können hoch qualifizierte Menschen schneller ihrer Profession nachgehen.
„Migration war im Laufe der Geschichte eine der wichtigsten Triebkräfte für die Entwicklung von Nationen, während Hass und Fremdenfeindlichkeit die größten Zerstörer von Nationen waren und sind“, so Pedro Sánchez. „Entscheidend ist, damit gut umzugehen.“
Die Regierung investiert in Integrationsmaßnahmen und hat kürzlich ein Dekret verabschiedet, das rund 500.000 undokumentierten Migrant:innen einen legalen Aufenthaltsstatus geben soll. Die Antragsteller müssen nachweisen, dass sie nicht vorbestraft sind und sich vor dem 31. Dezember 2025 mindestens fünf Monate in Spanien aufgehalten haben.
Öffentliches Gesundheitssystem für alle: Spanier:innen leben europaweit mitunter am längsten
Spanien zählt im EU-Vergleich zu den Ländern mit der höchsten Lebenserwartung. Daten aus dem Jahr 2024 zeigen, dass Frauen durchschnittlich 86,6 Jahre alt werden und Männer 81,3 Jahre. Zum Vergleich: In Österreich werden Frauen durchschnittlich 84,5 und Männer 80 Jahre alt.

Bis 2050 soll die Lebenserwartung auf durchschnittlich 87 Jahre steigen (gesamt). Das liegt unter anderem am spanischen öffentlichen Gesundheitssystem, das als eines der besten europaweit gilt. Das Grundprinzip lautet: öffentliche Gesundheitsversorgung für alle. 99 % der spanischen Bevölkerung sind versichert und bekommen Familienärzt:innen zugewiesen, die sie über Jahre begleiten und bei Bedarf an Fachpersonal weiterleiten. Es gibt über 13.000 mit Steuergeldern finanzierte Gesundheitszentren, die über das ganze Land verteilt sind. Aber auch der entspannte Lebensstil und die gesunde mediterrane Ernährung tragen zu der hohen Lebenserwartung bei.
Der Fokus auf die Primärversorgung, also Hausärzt:innen, hat den Vorteil, dass diese entscheiden, wer einen Facharzt benötigt. Erst dann werden die Patient:innen direkt weitergeleitet. Natürlich gibt es auch in Spanien – vor allem seit der Coronapandemie – Herausforderungen im Gesundheitssystem. In manchen Regionen sind das vor allem Personalmangel und lange Wartezeiten für Facharzttermine. Einige Spanier:innen schließen deshalb zusätzlich Privatversicherungen ab.
Spanien investiert in erneuerbare Energien, bekämpft damit den Klimawandel & hält Strompreise niedrig
Auch Spanien kämpft immer mehr mit den Folgen des Klimawandels. Nicht zuletzt deshalb investiert das Land seit 2019 in erneuerbare Energien und verdoppelte damit die Wind- und Solarkapazität. In einem umfassenden Plan einigte sich die spanische Regierung auf einen Übergang von fossilen Brennstoffen hin zu klimafreundlicher Stromproduktion. Das spüren auch die Spanier:innen. Während aufgrund des Irankriegs die Strompreise weltweit durch die Decke gehen, halten sich die Preise in Spanien niedrig. Der Ausbau erneuerbarer Energien hat die Abhängigkeit des Strompreises von fossilen Kraftwerken um 75 % verringert. Seit 2025 ist der Anteil von Strom aus Kohle in Spanien auf null gesunken.

Pedro Sánchez möchte außerdem über lokale Maßnahmen hinaus mit den Nachbarländern Frankreich und Portugal zusammenarbeiten und einen Plan mit klimaschützenden Maßnahmen erstellen. Ziel ist ein “state pact”, also ein Staatspakt, der mehrere Bereiche umfasst: Brandverhütung, eine neue Wasser-Infrastruktur zur Flutkontrolle, strengere Bau- und Landnutzungsvorschriften in gefährdeten Regionen und besseren Schutz für Arbeitskräfte bei Hitzewellen.
Feministische Politik: Gleichberechtigung macht große Fortschritte & Femizide sinken um ein Drittel
Während der Diktatur unter General Franco (1939–1975) wurde ein Frauenbild propagiert, das sich auf Gehorsam, Familie und Hausarbeit stützte. Frauen wurden in die Rolle der Mutter gezwungen und hatten weniger Rechte, benötigten oft die Zustimmung ihres Mannes oder Vaters für Arbeit, Reisen oder ein eigenes Bankkonto. Nach dem Ende der Diktatur begann mit dem Übergang zur Demokratie schrittweise ein großer Wandel. Die Verfassung von 1978 garantierte die Gleichberechtigung von Männern und Frauen. Seitdem wurden viele Gesetze verabschiedet, um die Rechte von Frauen zu stärken. Heute gilt Spanien als eines der fortschrittlicheren Länder Europas, wenn es um die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern geht.
Um präventiv gegen geschlechterspezifische Gewalt vorzugehen, wurden Themen wie Gleichberechtigung und Gewaltvermeidung im Lehrplan verankert. Das Überwachungssystem “VioGén” bündelt Informationen zu Täterprofilen. Mit der elektronischen Fußfessel kann kontrolliert werden, ob sich Täter an ihre Kontaktverbote halten. Von Gewalt betroffene Frauen haben in Spanien niederschwelligen Zugang zu finanzieller Hilfe, Notunterkünften, Arbeitsprogrammen und psychologischer Betreuung. Im Jahr 2022 wurde das Sexualstrafrecht reformiert und ein wichtiges Gesetz beschlossen: “Nur Ja heißt Ja”. Sexuelle Handlungen sind nur unter eindeutiger Zustimmung legal.

Auch für queere Menschen ist Spanien eines der sichersten Länder europaweit. Die gleichgeschlechtliche Ehe wurde schon 2005 anerkannt. Umfassende Gesetze zum Schutz gegen Diskriminierung werden von einem breiten gesellschaftlichen Konsens getragen. Spanien hat es außerdem geschafft, durch gezielte Maßnahmen Morde an Frauen um ein Drittel zu senken. Im Jahr 2004 wurde Gewalt gegen Frauen erstmals als eigener Strafbestand definiert – mit starker Bestrafung für Täter. Dem Maßnahmenpaket liegt die Anerkennung zugrunde, dass es sich bei Gewalt gegen Frauen um ein strukturelles Problem handelt.
Erinnerungskultur: Aufarbeiten der Gräuel unter dem faschistischen Franco-Regime
Die repressive Militärdiktatur unter Franco endete nach 36 Jahren der Unterdrückung und Gewalt mit dessen Tod im Jahr 1975. Die damalige Devise für einen friedlichen Übergang in die Demokratie, die “transición”, war: Vergessen. Täter der Militärdiktatur wurden nicht verfolgt, über die Gewalt des diktatorischen Regimes auf politischer Ebene nicht viel gesprochen – nur zivilgesellschaftliche Aktuer:innen bemühten sich um aktive Gedenkarbeit.

Das änderte die Regierung unter Pedro Sánchez per Gesetz: Das 2022 verabschiedete Erinnerungsgesetz “Ley de Memoria Democrática” setzt fest, dass der Staat Verantwortung für Personen übernimmt, die während des Krieges verschwunden sind und getötet wurden. In den Lehrplänen wurde ein Schulfach verankert, das über den Terror im Franco-Regime aufklärt. Eine Reform im Gesetz lässt zu, Organisationen und Gruppierungen, die Franco und seine Diktatur verherrlichen, zu verbieten.
Konservative (Partido Popular, PP) bis rechtsextreme Parteien (Vox) arbeiten in Teilen Spaniens bereits an der Aufhebung des Erinnerungsgesetzes.
Sánchez vs. Trump: Spanien verurteilt Iran-Krieg und lässt sich von den USA nicht einschüchtern
Ende Februar 2026 starteten die USA gemeinsam mit Israel einen Angriff gegen den Iran. Spanien hat den Angriff – im Gegensatz zu einigen anderen EU-Ländern – von Beginn an als völkerrechtswidrig erklärt. Obwohl Sánchez das iranische Regime verurteilt, das Menschen brutal unterdrückte, spricht er sich klar gegen die kriegerische Auseinandersetzung aus und fordert eine diplomatische, politische Lösung. Er ließ Tankflugzeuge wieder ausfliegen, die an zwei US-Stützpunkten im Süden Spaniens stationiert waren und Kampfjets über dem Golf versorgen sollten.
„Nein zum Bruch des Völkerrechts! Nein zu der Annahme, die Welt könne ihre Probleme nur durch Konflikte und Bombardierungen lösen. Nein zum Krieg!“, sagt Sánchez.
Das war nicht die erste Auseinandersetzung mit US-Präsident Trump. Als dieser allen NATO-Ländern zu niedrige Investitionen in Aufrüstung und Militär vorwarf, ließ sich Sánchez als einziger Präsident nicht einschüchtern. Auf Trumps Verlangen, 5 % der Wirtschaftsleistung in das Militär zu investieren, antwortete Sánchez mit einer klaren Abfuhr – mit der Begründung, dass er bessere Möglichkeiten wisse, um Steuergeld zu nutzen. Nicht nur hier hat Sánchez klare politische Positionen gezeigt. Bereits im Mai 2024 hat Spanien gemeinsam mit Irland und Norwegen den Staat Palästina anerkannt, um eine Zweistaatenlösung zu finden.
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an


































I am not gay,i hate gay