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Wer zahlt die Krise? Eine Vermögenssteuer könnte in nur 2 Jahren die Corona-Schulden begleichen

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ÖVP Spenden von Heidi Horten Ladungsliste

Die Milliarden-Kauhaus-Erbin Heidi Goess-Horten zahlte die größten Beträge - in Tranchen gestückelt.

Marco Pühringer Marco Pühringer
in Reichtum & Macht
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1. Februar 2021
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Die Corona-Krise reißt ein 22,5 Milliarden Euro großes Loch in das österreichische Budget. Nach der Krise drohen Einschnitte im Sozialsystem. Wenn Österreich aber auf Erbschafts- und Vermögenssteuern setzt, könnte das Krisen-Minus schon in zwei Jahren beglichen werden – und der Staat hätte Spielraum, um in Zukunftsprojekte wie Klimaschutz, das Gesundheitssystem und die Pflege zu investieren.

Durch die Corona-Krise musste die Regierung für Hilfszahlungen viel Geld in die Hand nehmen – gleichzeitig sanken die Steuereinnahmen durch den Lockdown und die Arbeitslosigkeit. Das Ergebnis: 2020 sind die Staatseinnahmen im Vergleich zum Vorjahr um 8,4 Prozent gesunken, die Ausgaben um 22 Prozent gestiegen. Das führt zu einem Budgetloch von 22,5 Milliarden Euro. Das ist an sich kein Problem, denn:

„Grundsätzlich spricht nichts dagegen, wenn wir sagen: Wir zahlen diese Staatsschulden jetzt nicht sofort zurück. Ob man jetzt 60 oder 80 Prozent Staatsschulden hat, ist bei den derzeit so niedrigen Zinsen weniger relevant. Sparpolitik könnte den Aufschwung aber gefährden“, sagt Oliver Picek, Chefökonom des Momentum-Institutes.

Konservative arbeiten schon an Sparpaketen

Aus der Vergangenheit wissen wir aber, dass nach Krisen, wie etwa der Weltwirtschaftskrise 2008, für konservative Politiker die Zeit der engen Gürtel kommt. Sozialkürzungen, Verschlechterungen bei öffentlichen Dienstleistungen oder gar höhere Massensteuern drohen.

Einen Vorteil sieht Picek aber doch beim Abbau der Staatsschulden: Österreich könnte sich dadurch finanziellen Spielraum erarbeiten, um die großen Herausforderungen unsere Zeit anzugehen und etwa in das Gesundheitssystem, die Pflege und den Klimaschutz zu investieren. Der Ökonom des Momentum-Institutes empfiehlt aber keine Kürzungen im Sozialwesen:

„Das Budget sollte auf der Einnahmenseite und nicht auf der Ausgabenseite saniert werden. Wichtig ist dabei, dass nicht auf höhere Massensteuern wie etwa eine Mehrwertsteuererhöhung gesetzt wird, denn diese würden den Konsum drosseln. Viel eher sollte man auf Vermögens- und Erbschaftssteuern bauen“, erleutert Picek.

Die Kleinen zahlen 80 Prozent der Krisenkosten – die Großen bekommen zwei Drittel der Gelder

Vermögenssteuern würden dazu führen, dass die gesamte Steuerlast fairer verteilt wird. Derzeit werden 76 Prozent des Staatshaushaltes von Arbeitnehmern und kleinen Selbstständigen finanziert. Steuern auf Vermögen, Vermögenszuwächse und Unternehmensgewinne tragen hingegen nicht einmal zehn Prozent zum Budget bei. Gleichzeitig profitieren Unternehmen aber besonders stark von den Corona-Hilfen. Das Momentum Institut hat errechnet, dass Unternehmen 58 Prozent (36 Mrd. Euro) der gesamten Hilfsgelder erhalten. Arbeitnehmer bekommen durch Maßnahmen wie dem Kurzarbeitsgeld hingegen nur rund 34 Prozent. Der Rest entfällt auf öffentliche Investitionen.

Mit Vermögenssteuern könnten wir in zwei Jahren die Schulden begleichen

Würde Österreich eine echte Vermögenssteuer einführen und das Niveau an Ländern wie die USA, Großbritannien und Frankreich annähern, könnten fast die gesamten Corona-Schulden innerhalb von nur zwei Jahren beglichen werden. Das Forschungsinstitut für die Gesamtanalyse der Wirtschaft der Johannes-Kepler-Universität Linz hat errechnet, wie viel verschiedene Vermögenssteuer-Modelle in die Staatskassen spülen würden. Die Ökonomen haben dabei auch die Abwanderung von Vermögenden und andere Steuertricks berücksichtigt. Das Ergebnis: Österreich würde durch eine progressive Vermögenssteuer bis zu 11,1 Milliarden Euro einnehmen. Damit könnte man fast das gesamte Budgetloch in nur zwei Jahren stopfen.

Der Konsum bliebe trotz neuer Steuern stabil, denn sie würde nicht einmal zwei Prozent der Bevölkerung treffen. Denn das Vermögen in Österreich ist sehr ungleich verteilt: Die oberen zehn Prozent der Bevölkerung besitzen 65,8 Prozent des Vermögens.

Eines der von den Linzer Ökonomen berechneten Modelle sieht einen Freibetrag von einer Million Euro vor, erst danach soll eine Steuer anfallen und dann schrittweise ansteigen. Zuerst ein Prozent (für Vermögen über 1 Million Euro), danach zwei Prozent (auf Vermögen über 2 Millionen Euro) und als Höchstsatz drei Prozent (auf Vermögen über 3 Millionen Euro).

Die elf Milliarden Euro aus der Vermögenssteuer würden rund drei Prozent der österreichischen Wirtschaftsleistung ausmachen – damit ist die Steuer noch deutlich milder als die Modelle in den USA (4,2 % des BIP), Großbritannien (4,2 %) oder Frankreich (4,4 %).

https://app.23degrees.io/embed/plGXTcQHhSsCKlXg-bar-vertical-anteil-von-steuern-auf-vermoegen

Erbschaftssteuer könnte uns vier Milliarden bringen

Auch der zweite Vorschlag von Picek, eine Erbschaftssteuer einzuführen, könnte das Budget ordentlich aufstocken. Würde man beispielsweise das Modell der SPÖ umsetzen, hätte der Staat 500 Millionen Euro im Jahr mehr zur Verfügung. Auch dieses Modell sieht einen Freibetrag von einer Million Euro vor,  alles darüber soll mit 25 Prozent zu besteuert werden. Wer über fünf Millionen erbt, soll 30 Prozent zahlen, und wem über zehn Millionen hinterlassen werden, der soll 35 Prozent Abgabe zahlen.

Hier gehts zum Erbschaftssteuerrechner:

Muss ich Erbschaftssteuer zahlen?

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3 Comments
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Alexander Pschikal
Alexander Pschikal
2. Februar 2021 13:17

Danke dass ihr die Diskussion wieder eröffnet!
Die Kosten der Krise werden die Mittelschichten (sagen wir 4. bis 8. Dezil) bezahlen.1., 2., und 3. Dezil haben weder Möglichkeiten noch Arbeit um mitfinanzieren zu können. 9. und 10. Dezil werden es sich richten können und steuerschonend operieren.

1
0
Antworten
Herr Benko...
Herr Benko...
2. Februar 2021 11:22

…KTM und Konsorten haben ja eh schon durch persönliche Zuwendungen bezahlt. Steuern jetzt auch noch, das lässt der besch(r)enkte BK nie zu!
Grüne, wo bleibt ihr? Ihr wolttet ja mitregieren!

3
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ohrwurm
ohrwurm
2. Februar 2021 10:58

Die marionette und die spendende anschafferin. wer zahlt, …. oder?

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Erich Maria Remarque war ein deutscher Schriftsteller, der mit seinem Antikriegsroman “Im Westen nichts Neues” bekannt wurde. Seine Bücher, die vor allem die Grausamkeiten des Krieges offenlegen, wurden im nationalsozialistischen Deutschland verboten. Seine pazifistischen Romane werden bis heute von Menschen weltweit begeistert gelesen und wurden schon mehrfach verfilmt. Zitat: Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind. Besonders die, die nicht hingehen müssen. Erich Maria Remarque

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Vermögenssteuer

Eine Vermögenssteuer im engeren Sinne bezeichnet im Normalfall eine jährliche Steuer, die auf das Nettovermögen (also minus Schulden) von Personen eingehoben wird. Sie wird ab einer bestimmten – meist sehr hohen – Freigrenze fällig. Das Vermögen kann sowohl finanzielle Vermögenswerte (wie Aktien und Anleihen) als auch nicht finanzielle Vermögenswerte (wie Wohneigentum) umfassen. Im weiteren Sinne versteht man unter Vermögenssteuern alle vermögensbezogenen Steuern. Sie sind demnach einmalige und wiederkehrende Steuern auf die Nutzung, das Eigentum oder die Übertragung von Vermögen. Dazu zählen etwa Steuern auf unbewegliches Vermögen oder Nettovermögen, Grundsteuer, Erbschafts- und Schenkungssteuern sowie Finanz- und Kapitaltransaktionssteuern. Der Wert wird meist in Prozent aller Steuereinnahmen oder am BIP bemessen.  

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COFAG

Die COFAG (COVID-19 Finanzierungsagentur des Bundes GmbH) wurde im März 2020 gegründet, um Förderungen an Unternehmen auszuzahlen, die aufgrund der Corona-bedingten Lockdowns mit Einnahmeneinbußen konfrontiert waren. Wie sich im Nachhinein jedoch herausstellte, erhielten große Konzerne wie Starbucks und ÖVP-nahe Firmen teils massive Unterstützungen in Millionenhöhe. Derzeit (Stand 2024) befindet sich die COFAG in Abwicklung und soll bis Ende des Jahres vollständig liquidiert werden.

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Momentum Institut

Das Momentum Institut will als Think Tank und Medium progressive Perspektiven aufzeigen. "Unser Maßstab sind die sozialen und wirtschaftlichen Interessen der Vielen. Wir erarbeiten und verbreiten konkrete und konstruktive Vorschläge für eine nachhaltige und gerechtere Gesellschaft. Wir arbeiten fakten- und lösungsorientiert und vermitteln zwischen Politik und Wissenschaft, Zivilgesellschaft und sozialen Bewegungen. Mit skeptischer Haltung zu dem, was ist. Immer im Interesse der Vielen", heißt es im Impressum.

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Das Bruttoinlandsprodukt (BIP)

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zeigt an, wie viel in einem Land erwirtschaftet wird. Es entspricht dem Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, die – meistens in einem Jahr – produziert wurden. Das BIP von Österreich lag 2023 bei 473,2 Mrd. Euro. Es ist eine Kennzahl für die wirtschaftliche Leistung und Aktivität eines Landes und wird häufig auf das vorige Jahr bezogen. Ist die Zahl größer als im Vorjahr, spricht man von Wirtschaftswachstum, ist sie kleiner, schrumpft die Wirtschaft. Oft wird das BIP auch pro Kopf berechnet, um Länder besser miteinander vergleichen zu können. Dabei wird die Bevölkerungszahl berücksichtigt und geschaut, wie viel Wertschöpfung pro Person im Schnitt erwirtschaftet wird. Das BIP sagt aber noch nicht automatisch etwas darüber aus, wie es den Menschen

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