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Beschäftigte zahlen schon 80% der Steuern, Konzern-Beiträge werden jetzt noch weniger

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Trotz Staatshilfen: Auch Strabag schüttet 100 Mio. Dividende und Boni an Manager aus

Marco Pühringer Marco Pühringer
in Wirtschaft und Finanzen
Lesezeit:3 Minuten
8. November 2021
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Derzeit zahlen Beschäftigte und Konsument:innen 80 Prozent des Steuervolumens. Die Steuerreform der Regierung verschärft das noch weiter.  Bis 2025 steigen die Beiträge der Beschäftigten neun Mal so stark wie jene der Unternehmen. Das ergibt eine Budgetanalyse der Arbeiterkammer.

Das Budget der Regierung samt Steuerreform geht in eine vierwöchige Begutachtung. Während ÖVP und Grüne sich für die Vorlage loben, zeigt eine Budgetanalyse der Arbeiterkammer: Die kalte Progression frisst den Beschäftigten sehr schnell die Lohnsteuersenkung auf.

Arbeitnehmer:innen zahlen 29 Prozent mehr als vorher – Unternehmensbeiträge stagnieren

Ökonom:innen der Arbeiterkammer haben die Auswirkungen des türkis-grünen Budgets auf die Steuerstruktur Österreichs betrachtet. 2025 werden die Lohnsteuereinnahmen des Staates mit 36,7 Milliarden Euro um 29 Prozent höher sein als 2019.

Im selben Zeitraum steigen die Staatseinnahmen aus der Gewinnsteuer für Unternehmen gerade einmal um 3 Prozent – die Gewinne aber um 25 Prozent, so die Prognosen der Ökonomen.

Schon jetzt leisten Arbeitnehmer:innen und Konsument:innen rund 80 Prozent des gesamten Steueraufkommens. Dieser Wert wird durch die türkis-grüne Reform weiter erhöht.

Kalte Progression für Beschäftigte – Milliarden-Geschenk für Unternehmen

Das das so ist, liegt zum einen an unserem Steuersystem: Für Unternehmen gibt es keine kalte Progression. Die prozentuelle Höhe der Körperschaftssteuer passt sich nicht an die Gewinnhöhe an – Arbeitnehmer:innen kommen hingegen bei Lohnerhöhungen leicht in höhere Steuerstufen, auch wenn ihnen nur die Inflation abgegolten wird. Zusätzlich haben Unternehmen deutlich mehr Umgehungsmöglichkeiten etwa durch Investitionsfreibeträge.

Durch die Kürzung der Körperschaftssteuer von 25 auf 23 Prozent haben ÖVP und Grüne das Auseinanderklaffen der Beiträge der Beschäftigten und der Unternehmen noch mal verschärft. Das Ergebnis: Unser Steuersystem wird ungerechter. Die Staatseinnahmen aus der Einkommenssteuer wachsen bis 2025 neunmal so stark wie die Beiträge von Unternehmen.

 

SPÖ fordert 1.700 Euro steuerfrei

SPÖ und Neos kritisieren die steigenden Steuern für die Beschäftigten. „Arbeiten zu gehen lohnt sich damit immer weniger“, merkt Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger an. Pamela Rendi-Wagner von der SPÖ will „spürbare Maßnahmen gegen die Teuerung“ sehen. Die SPÖ-Chefin fordert daher, dass die ersten 1.700 Euro jedes Einkommens steuerfrei sind. Das bedeutet: Wer arbeitet, hätte dann 1.000 Euro mehr pro Jahr. Gleichzeitig wollen die Sozialdemokrat:innen die Mehrwertsteuer für explodierende Strom- und Heizkosten für ein Jahr lang halbieren und Haushalten mit niedrigen Einkommen einen 300 Euro Winterzuschuss gewähren.

Steuergeschenke für Unternehmen haben gesellschaftlichen Preis

Die Senkung der Körperschaftssteuer lehnt Rendi-Wagner ab: „Miete und Heizen werden derzeit für viele Familien zur Extrembelastung. Die Pandemie dauert an,  die Krisenkosten sind zu bewältigen. Das kann nur gemeinsam gelingen, indem jeder einen fairen Beitrag leistet. Das Stemmen der Krisenkosten muss jetzt eine gemeinsame Aufgabe sein. Wenn aber die Steuern auf Arbeit in der türkis-grünen Steuerreform neunmal so stark ansteigen wie Gewinnsteuern großer Unternehmen, dann ist das nicht gerecht.“Budget 2022 Österreich

Durch die Körperschaftssteuer-Kürzung sparen sich Konzerne jedes Jahr rund eine Milliarde Euro. Das hat auch einen gesellschaftlichen Preis. Denn die Regierung will gleichzeitig die Staatsausgabenquote und die Schulden, die in der Corona-Krise entstanden sind, abbauen. Bis 2025 will Finanzminister Blümel (ÖVP) die Staatsausgaben auf ein 30-Jahres-Tief senken. Doch gerade nach der Krise bräuchte es in vielen Bereichen zusätzliche Investitionen, etwa um den sozialen und psychologischen Folgen der Pandemie zu begegnen.

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner fordert: Die ersten 1.700 Euro Lohn sollen steuerfreu sein.
Parlament Das Thema "Budget" im Parlament

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1 Kommentar
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Christine
Christine
13. November 2021 22:45

Mein Zorn, meine Wut zum Steuergesetz, beschlossen von den Habgierigen (Kurz u Buberl) UND Grünen:
ICH PROTESTIERE gg die 29% mehr an Steuern für (gg) Arbeitnehmer:innen und nur 3% für Konzerne. Unerträglich!
Es ist meine Staatsbürgerinnenpflicht mich dagegen zu wehren. Was kann ich wie tun?

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Erich Maria Remarque war ein deutscher Schriftsteller, der mit seinem Antikriegsroman “Im Westen nichts Neues” bekannt wurde. Seine Bücher, die vor allem die Grausamkeiten des Krieges offenlegen, wurden im nationalsozialistischen Deutschland verboten. Seine pazifistischen Romane werden bis heute von Menschen weltweit begeistert gelesen und wurden schon mehrfach verfilmt. Zitat: Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind. Besonders die, die nicht hingehen müssen. Erich Maria Remarque

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Kalte Progression

Durch Inflation verliert das Einkommen bzw. der Lohn an Wert. Dieser Inflationsverlust wird üblicherweise durch Lohnerhöhungen ausgeglichen. Durch Lohnerhöhungen geraten die Beschäftigten mit ihren zu besteuernden Gehältern aber in höhere Steuerstufen. Dadurch entsteht eine Steuermehrbelastung bzw. sinkt der reale Lohn bei gleichbleibender Arbeitsleistung. Diesen Effekt nennt man „kalte Progression“. Um die kalte Progression auszugleichen, müssen die Steuerstufen dieser Entwicklung ständig angepasst werden.

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Wenn ein Unternehmen die Rechtsform GmbH oder AG hat, muss es die sogenannte Körperschaftssteuer zahlen. Diese beträgt 25 % vom Gewinn des Unternehmens. Meist haben größere Unternehmen solche Rechtsformen. Die Körperschaftssteuer ist sozusagen die Einkommenssteuer für Körperschaften – also Unternehmen.

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In einer Marktwirtschaft können sich die Preise von Waren und Dienstleistungen immer wieder ändern. Einige Produkte werden teurer, andere billiger. Steigen die Preise von vielen Produkten auf einmal, und damit das allgemeine Preisniveau, nennt man das Inflation. Von seinem Geld kann man sich dann weniger kaufen als vorher. Wie entsteht eine Inflation? Was ist die Inflationsrate? Was sind Deflation und Rezession?

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ÖVP

Die Österreichische Volkspartei (ÖVP) ist eine der traditionellen Großparteien Österreichs. Sie vertritt vor allem bürgerlich-konservative Werte. Traditionell gilt sie als Interessenvertreterin der Wirtschaft, der Bauern sowie der römisch-katholischen Kirche.

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