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„Hat niemandem geschadet“: Wie rechte Politiker von Ofner bis Kickl die „gsunde Watschn“ verharmlosen

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Herbert Kickl 2024 in Hartber (APA Pictures/Erwin Scheriau)

Herbert Kickl 2024 in Hartber (APA Pictures/Erwin Scheriau)

Kontrast Redaktion Kontrast Redaktion
in Politik
Lesezeit:5 Minuten
15. Mai 2026
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Von FPÖ-Justizminister Harald Ofner 1984 bis zum heutigen FPÖ-Chef Herbert Kickl 2026: Vier Jahrzehnte lang haben Politiker von FPÖ und ÖVP Gewalt gegen Kinder verharmlost. Wir haben ihre Aussagen dokumentiert.

Inhalt
2026: Herbert Kickl (FPÖ), Bundesparteichef
2019: Waltraud Klasnic (ÖVP), Ex-Landeshauptfrau und Opferschutzanwältin
2012: Uwe Scheuch (FPK), Bildungsreferent und Landeshauptmann-Stellvertreter in Kärnten
2012: Gerhard Dörfler (FPK), Landeshauptmann von Kärnten
2012: Rudolf Taschner (ÖVP), späterer Bildungssprecher
1984 und 1989: Harald Ofner (FPÖ), Justizminister
Seit 1989 ist Gewalt gegen Kinder in der Erziehung in Österreich verboten

Am 1. Mai 2026 stand FPÖ-Chef Herbert Kickl auf dem Urfahraner Jahrmarkt in Linz. Er sprach von der „guten alten Zeit“. Dazu deutete er mit der Hand eine Ohrfeige an. ÖVP, SPÖ, NEOS und Grüne reagierten im Bundesrat mit einem Antrag für gewaltfreie Erziehung. Nur die FPÖ stimmte nicht dafür.

Wer denkt, das war ein Ausrutscher, der irrt. In der österreichischen Rechten gibt es eine lange Tradition: Immer wieder reden konservative und rechte Politiker die „gsunde Watschn“ klein.

2026: Herbert Kickl (FPÖ), Bundesparteichef

Am 1. Mai 2026 sprach Kickl auf dem Urfahraner Jahrmarkt in Linz. Er schwärmte von früher, „als der Lehrer noch eine Respektsperson gewesen sei“. Wenn „Ausländer in den Schulklassen“ nicht „gespurt“ hätten, habe der Lehrer „ein bisserl nachgeholfen“. Dazu deutete Kickl mit der Hand eine Ohrfeige an. Dann sagte er: „Und das hat niemandem geschadet, wenn ich es einmal so sagen darf.“

 

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Im Bundesrat reagierten ÖVP, SPÖ, NEOS und Grüne mit einem gemeinsamen Entschließungsantrag. Die Regierung soll am Internationalen Tag der Kinderrechte am 20. November 2026 ein „unumstößliches Bekenntnis zur gewaltfreien Erziehung und Pädagogik“ setzen. Der Antrag wurde mit den Stimmen von ÖVP, SPÖ, NEOS und Grünen angenommen, die FPÖ stimmte nicht zu. FPÖ-Bundesrat Andreas Spanring erklärte, Kickl sei „bewusst missverstanden“ worden.

Schnedlitz und Kickl im Parlament (Foto: APA-Images / APA / Roland Schlager)
Wenn ein Kind nicht spurt, soll man offenbar „nachhelfen“, wenn es nach Herbert Kickl (rechts im Bild) geht. (Foto: APA-Images / APA / Roland Schlager)

2019: Waltraud Klasnic (ÖVP), Ex-Landeshauptfrau und Opferschutzanwältin

Waltraud Klasnic war von 1996 bis 2005 ÖVP-Landeshauptfrau der Steiermark. Danach leitete sie bis Ende 2025 die Opferschutzkommission der katholischen Kirche. Diese Stelle kümmert sich um Menschen, die in kirchlichen Einrichtungen Gewalt oder Missbrauch erlebt haben.

Im April 2019 gab Klasnic dem Magazin „DATUM“ ein Interview. Darin sagte sie über ihre eigenen Söhne: „Natürlich hat er eine gekriegt, beide haben hin und wieder eine gekriegt.“ Auf die Frage, ob es eine andere Zeit gewesen sei, antwortete sie: „Na ja, es war ja nicht Gewalt. Es war eine flotte Detschn. Sie haben meine Buben nicht gekannt. Sie sind inzwischen 53 und 55 und lachen dazu. Und so viel haben sie auch nicht gekriegt.“

Klasnic bedauerte ihre Handlung später in einer Stellungnahme.

2012: Uwe Scheuch (FPK), Bildungsreferent und Landeshauptmann-Stellvertreter in Kärnten

Im Mai 2012 war Uwe Scheuch in der ORF-Sendung „Streitkultur“ zu Gast. Er wollte, dass Lehrer mehr Macht in der Schule bekommen. Dann sagte er: „A klane Tetschn“ würden Kinder und Jugendliche „durchaus vertragen. Wir sind alle so groß geworden, und aus uns allen ist etwas geworden.“

Auf Nachfrage versuchte er, sich rauszureden. „Eine ‚Tetsch’n‘ und eine ‚Watschen‘ sind zwei ganz unterschiedliche Dinge“, sagte er im ORF. Das Problem: Das österreichische Wörterbuch sagt etwas anderes. Dort steht für beide Wörter dasselbe: „Ohrfeige“.

2012: Gerhard Dörfler (FPK), Landeshauptmann von Kärnten

Die Opposition und sogar der Koalitionspartner ÖVP forderten den Rücktritt von Scheuch. Doch der Kärntner Landeshauptmann verteidigte ihn. Eine gesunde Watsche, vor allem die „Watsche unter Männern“, sei doch um Himmels willen keine Züchtigung, sagte Gerhard Dörfler. Er selbst hätte in der Schule viele davon erhalten und sie alle verdient. „Keine davon hat mir geschadet.“

2012: Rudolf Taschner (ÖVP), späterer Bildungssprecher

Im Januar 2012 schrieb der Mathematiker Rudolf Taschner eine Kolumne in der „Presse“ über die elterliche Ohrfeige. Taschner zog 2017 für die ÖVP in den Nationalrat ein und ist seit März 2025 wieder Abgeordneter.

Taschner verglich die Ohrfeige mit einem Gewitter: „Auf der einen Seite das Gewitter mit dem kurzen, reinigenden Schmerz, verbunden mit dem Wissen, dass gleich danach die Sonne wieder scheinen würde. Wohl auch deshalb, weil die Eltern das Entgleiten ihrer Hand sofort danach selbst insgeheim bedauerten.“

Die andere Erziehung sei viel schlimmer, schrieb Taschner. Sie sei „die lang anhaltende Düsternis der bösen, peinigenden Unwetterstimmung“. Sein Schluss: „Beides erlebt: kein Vergleich!“

Rudolf Taschner im Jahr 2015 (Foto: Franz Johann Morgenbesser/Wikipedia/CC BY-SA 2.0)
Rudolf Taschner verteidigte im Jahr 2012 den „reinigenden Schmerz“ einer Ohrfeige. (Foto: Franz Johann Morgenbesser/Wikipedia/CC BY-SA 2.0)

1984 und 1989: Harald Ofner (FPÖ), Justizminister

Die Journalistin Anneliese Rohrer erinnert in einem Kommentar für die „Presse“ vom 18. Mai 2012 daran, dass der damalige FPÖ-Justizminister Harald Ofner schon 1984 in einer „g’sunden Watschen“ keinen Schaden erkennen konnte. 1989 wiederholte er die Aussage.

Ofner war bis 1987 österreichischer Justizminister. Davor war er Chef der FPÖ Niederösterreich. Er starb am 8. April 2026 im Alter von 93 Jahren.

Seit 1989 ist Gewalt gegen Kinder in der Erziehung in Österreich verboten

Seit 1. Juli 1989 ist Gewalt in der Erziehung in Österreich verboten. Das Verbot steht heute im Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB), in Paragraf 137. Österreich war damit weltweit das vierte Land mit einem solchen Verbot, nach Schweden, Finnland und Norwegen.

Seit 2011 steht das Recht auf gewaltfreie Erziehung auch in der österreichischen Verfassung. Artikel 5 des Bundesverfassungsgesetzes über die Rechte von Kindern sagt klar: Jedes Kind hat das Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, die Zufügung seelischen Leides, sexueller Missbrauch und andere Misshandlungen sind verboten.

Laut einer Gallup-Erhebung im Auftrag der Kinderschutzorganisation die möwe aus dem Jahr 2025 sehen in Österreich zwei Drittel der Befragten gewaltfreie Erziehung uneingeschränkt als ideale Erziehungsform. Mehr als ein Fünftel kann sich leichte körperliche Strafen wie Klaps oder Ohrfeige vorstellen. 14 Prozent meinen, manchmal brauche es auch drastischere Mittel.

Parlament Das Thema "Kinderrechte" im Parlament

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7 Comments
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Franjo Schwarzmüller
Franjo Schwarzmüller
9. Juni 2026 16:08

Gewalt gegen Kinder mündet oft in Gewalt gegen die Partnerin
Sag STOP zu Gewalt vor Allem in der Nachbarschaft http://www.verein-stop-partnergewalt.at

Last edited 24 Tage her by Franjo Schwarzmüller
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Markus Schallhas
Markus Schallhas
6. Juni 2026 00:01

Tun wir was dagegen!

Komm in unsere WhatsApp Gruppe „Kindern Rechte!“

Ein offener Kanal mit Engagierten aus ganz Österreich.

https://chat.whatsapp.com/KIpnEBljuAH1GcXfZzCYML?s=cl&p=a&ilr=4

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René
René
5. Juni 2026 19:26

Ein lied von den Toten Hosen original Bettina Wegner zu dem Thema:

https://tidal.com/track/524366534/u

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Andrea
Andrea
23. Mai 2026 12:28

Ein wichtiger Verein, der sich auch jetzt noch aktiv gegen Gewalt in der Kindererziehung einsetzt ist der österreichische Kinderschutzbund ( https://www.kinderschutz.at ). Und der Friedensforscher Franz Jedlicka, der weltweite Daten zur Körperstrafe analysiert hat (in zwei Dritteln der Länder ist sie noch nicht verboten) hat dazu die Informationswebseite https://www.whitehand.org . LG Andrea

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Hans
Hans
20. Mai 2026 14:43

Ich bin Jahrgang 41. Schlagen gehörte zur Abhärtung

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Jochen
Jochen
Reply to  Hans
21. Mai 2026 13:48

Das tut mir leid zu hören. Ich hoffe du könntest dir später ein liebevolleres Umfeld finden.

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Spielauer irma
Spielauer irma
19. Mai 2026 13:14

Die Eltern die sich nur durch Ohrfeigen durchsetzen können tun mir leid

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Margot Robbie ist eine australische Schauspielerin und Produzentin, die seit den frühen 2010er-Jahren in internationalen Filmproduktionen zu sehen ist. Bekannt wurde sie unter anderem durch ihre Rolle in „The Wolf of Wall Street“ sowie durch ihre Darstellung der Harley Quinn in mehreren DC-Filmen. In „I, Tonya“ übernahm sie die Hauptrolle der Eiskunstläuferin Tonya Harding und war auch an der Produktion beteiligt, wofür sie eine Oscar-Nominierung erhielt. Neben ihrer Schauspielarbeit gründete sie die Produktionsfirma "LuckyChap" Entertainment und wirkte 2023 als Hauptdarstellerin und Produzentin am Film „Barbie“ mit. Zitat: Jeder, der daran glaubt, dass Männer und Frauen sozial, emotional und finanziell gleichberechtigt sein sollten, ist Feminist:in. Margot Robbie

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  • Haushalts-Einkommen-Rechner (Foto: Unsplash/KI-Montage)
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  • Der Kühl-Kompass zeigt dir, wo du dich in der Nähe abkühlen kannst. (Bild: Getty images/Unsplash, Screenshot Kontrast.at, KI-Montage)
    Der "Kühl-Kompass" zeigt dir mit einem Klick Orte zum Abkühlen
  • Iran-Kapitän könnte von WM ausgeschlossen werden. (Foto: Gage Skidmore/Wikipedia/CC BY-SA 2.0, Tasnim News Agency/Wikipedia/CC BY 4.0)
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Margot Robbie ist eine australische Schauspielerin und Produzentin, die seit den frühen 2010er-Jahren in internationalen Filmproduktionen zu sehen ist. Bekannt wurde sie unter anderem durch ihre Rolle in „The Wolf of Wall Street“ sowie durch ihre Darstellung der Harley Quinn in mehreren DC-Filmen. In „I, Tonya“ übernahm sie die Hauptrolle der Eiskunstläuferin Tonya Harding und war auch an der Produktion beteiligt, wofür sie eine Oscar-Nominierung erhielt. Neben ihrer Schauspielarbeit gründete sie die Produktionsfirma "LuckyChap" Entertainment und wirkte 2023 als Hauptdarstellerin und Produzentin am Film „Barbie“ mit. Zitat: Jeder, der daran glaubt, dass Männer und Frauen sozial, emotional und finanziell gleichberechtigt sein sollten, ist Feminist:in. Margot Robbie
Margot Robbie ist eine australische Schauspielerin und Produzentin, die seit den frühen 2010er-Jahren in internationalen Filmproduktionen zu sehen ist. Bekannt wurde sie unter anderem durch ihre Rolle in „The Wolf of Wall Street“ sowie durch ihre Darstellung der Harley Quinn in mehreren DC-Filmen. In „I, Tonya“ übernahm sie die Hauptrolle der Eiskunstläuferin Tonya Harding und war auch an der Produktion beteiligt, wofür sie eine Oscar-Nominierung erhielt. Neben ihrer Schauspielarbeit gründete sie die Produktionsfirma "LuckyChap" Entertainment und wirkte 2023 als Hauptdarstellerin und Produzentin am Film „Barbie“ mit. Zitat: Jeder, der daran glaubt, dass Männer und Frauen sozial, emotional und finanziell gleichberechtigt sein sollten, ist Feminist:in. Margot Robbie

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