Regierung macht Österreich zum Niedrig-Lohn-Land

Rot-Weiß-Rot Karte: Fachkräfte sollen zum Hilfsarbeiter-Lohn nach Österreich

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In Österreich gibt es 45 Mangelberufe – also Berufe, in denen das Angebot an Fachkräften zu klein ist. Das sind etwa Pflegerinnen, Dachdecker oder Augenoptikerinnen. Die Antworten der Regierung sind widersinnig: Für Jobsuchende werden weniger Schulungen in Mangelberufen angeboten, Asylwerbern wird es verboten, eine Lehre in Mangelberufen zu machen. Gleichzeitig sollen Arbeiter aus dem Ausland billiger hier arbeiten – zu einem Hilfsarbeiter-Lohn. Das bringt den gesamten Arbeitsmarkt unter Druck und fördert einen Billiglohn-Sektor.

Die Regierung hat die Liste der Mangelberufe von 27 auf 45 Berufe ausgeweitet. Gleichzeitig senkt sie die Mindestlöhne für Fachkräfte mit Rot-Weiß-Rot-Karte um 20 Prozent. Wer aus dem EU-Ausland als Facharbeiter nach Österreich kommt, darf künftig um 20 Prozent weniger verdienen als bisher.

Statt 2.565 Euro müssen Fachkräfte unter 30 nur mehr 2.050 Euro brutto im Monat verdienen. Bei über 30-Jährigen reichen künftig 2.565 Euro (statt 3.080).

Das setzt die Beschäftigten in Österreich insgesamt unter Druck. Dabei sind es oft gerade die niedrigen Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen, die das Arbeiten in bestimmten Mangel-Berufen unattraktiv machen.

In Tirol ist etwa der Bedarf an Köchen und Kellnern besonders hoch. Eine Vollzeitstelle bringt dort rund 1.590 Euro brutto. Viele Stellen sind nur saisonal ausgeschrieben und beinhalten 6-Tage-Wochen.

Lohn-Dumping nützt nur der Wirtschaft

Diese schlechten Bedingungen dürften sich jetzt verschärfen. Denn Unternehmen können Fachkräften aus dem Ausland um 20 Prozent weniger zahlen. Dennoch bekommen sie top qualifizierte Fachkräfte.

In Österreich bedeutet das mehr Lohndruck. Warum? Wenn Hochqualifizierte aus Drittstaaten weniger bezahlt bekommen und für niedrigere Gehälter arbeiten, steigt die Konkurrenz für alle. Die Löhne in den betroffenen Branchen drohen in den nächsten Jahren zu fallen.

Weniger Fachkräfte-Schulungen für österreichische Arbeitslose

Zugleich wird die Fachkräfte-Schulung von Arbeitslosen in Österreich zurückgefahren: Im Jänner 2019 erhielten über 5.000 Arbeitslose weniger eine Fachkräfte-Schulung als noch im letzten Jahr. Das ist ein Rückgang um 12,4 Prozent.

Selbst bei den Pflegeberufen werden über 600 Menschen weniger ausgebildet als im Vorjahr. Das ist ein Rückgang um 15,5 Prozent.

Die Regierung stellt weniger Mittel für die Ausbildung von Fachkräften zur Verfügung: Die AMS-Mittel für das Fachkräfte-Stipendium wurden auf 16 statt 41 Millionen Euro gekürzt. Die mit 19,1 Millionen dotierte Facharbeiter-Intensivausbildung soll ganz gestrichen werden.

Bei Fachkräften wird also gekürzt, obwohl die Regierung einen Fachkräftemangel verkündet und ausländische Arbeitskräfte zu Dumping-Bedingungen ins Land holt.

Asylwerber dürfen keine Lehre mehr machen

Zu alledem verbietet die Regierung jugendlichen Asylwerbern eine Lehre in Mangelberufen zu absolvieren. Sie müssen tatenlos in Österreich sitzen, während andere Jugendliche über die Rot-Weiß-Rot Karte nach Österreich geholt werden.

1.202 junge Asylwerberinnen und Asylwerber haben eine Lehre in einem Mangelberuf absolviert. Die Hälfte davon in der Gastronomie. Für sie fällt keine Grundversorgung an und sie zahlen in die Sozialversicherung ein. Ihnen zu verbieten, eine Lehre zu machen, verursacht Kosten von über 10 Millionen Euro im Jahr.

Das nimmt die Regierung in Kauf. Ebenso, dass 60.000 Menschen für Asylwerber in Lehrberufen unterschrieben haben – darunter prominente Unterstützer wie der Chef der Industriellenvereinigung Georg Kapsch, Spar-Vorstand Gerhard Drexel, der ehemalige Ski-Rennläufer Hermann Maier und der frühere Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP).

Die Rot-Weiß-Rot Karte

Seit 2011 gibt es in Österreich die Rot-Weiß-Rot-Karte. Mit ihr können Fachkräfte aus Drittstaaten (also nicht-EU-Ländern) 24 Monate in Österreich arbeiten. Ein Kriterium, um die Karte und damit eine Arbeitserlaubnis zu erhalten, war das Vorweisen eines Mindestgehalts. Mit ihm bestätigen die Antragsteller, dass sie sich selbst erhalten können.

Als man die Karte eingeführt hat, rechnete man mit 8.000 Fachkräften pro Jahr. Tatsächlich waren es aber nur 2.000 Personen. ÖVP und FPÖ wollen mehr Arbeitsmigranten über die Rot-Weiß-Rot-Karte holen. Dafür senken sie jetzt das erforderliche Mindestgehalt. In Zukunft sollen die unter 30-Jährigen Besitzer einer Rot-Weiß-Rot-Karte nur mehr einen Gehalt von mindestens 2.050 Euro brutto im Monat (statt bisher 2.565 Euro) verdienen. Bei über 30-Jährigen reichen künftig 2.565 Euro (statt 3.080). Die Löhne für Facharbeiter werden sinken

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6 Kommentare

6 Kommentare

  1. Häschen

    2. April 2019 um 18:47

    Mich wundert dass Menschen aus einer Partei die einem Hayek Institut nahestehen einem Wirtschaftsmodell folgen das dem deutschen Teil der Frankfurter Schule nahesteht und Strukturen hat ausgebildet die sich um Opportunitäten nichts schert. In Österreich grenzt aus so einer Perspektive zu handeln schon fast an ökonomischer Wiederbetätigung im Sinne der Ordnungswirtschaft des Dritten Reichs.

    Ich denke Lohndumping ist eine sehr kurzsichtige Strategie. Beim Lohndumping geht es am Ende nur darum Unternehmen in den Servicesektor zu platzieren und das nach deutschem Vorbild.

    Die Deutschen waren damals sehr verliebt in das Industriemodell und in der Kostenrechnungsliteratur wurde damals festgelegt, dass ein Unternehmen im Serivcesektor wie ein Industrieunternehmen ohne Maschinen zu kalkulieren sei. Die Gedanke war in den 80ern vor der Wiederveinigung durchaus nicht unbedingt falsch. Die Mitarbeit wurde von der Produktion weg ‚ins Büro‘ verlagert.

    Die Arbeiterschaft war an sich gut gebildet und das Problem war eher eine ausgeprägte Innovationsschwäche und auch die Qualität der Autos war nicht berauschend. Das war die Zeit in der es Arbeitsunfälle zu reduzieren galt (Sicherheit am Arbeitsplatz), Prozesse und die damit verbundene Kostenrechnung, ERP kam auf usw…, Projekte kamen auf (es wird auf einen Asset gebucht und der wird abgeschrieben egal ob die Investition gelang oder nicht war beinahe egal.

    Sobald eine Prozesskostenrechnung läuft verweilen sowieso nurmehr jene am Betriebsgelände deren es bedarf und keiner zuviel. Leute rausschmeißen geht langsam nicht und beliebig wird auch schwer, da die Leute nicht mehr pensioniert werden können wie früher. Auf der unternehmerischen Ebene wird der Bezieher eines hohen Lohns ausgeschieden und auf der betrieblichen Ebene kommt es drauf an. Läuft die Linie voll in der Distribution wird sie eher klassisch und damit muss man die besser Qualifizierten ausscheiden. Die Logik der Klassik zwingt eine Linie den Knechte vom Land den Vorzug zu geben und den gut bebildeten Handwerker auszuscheiden (aka. Mitarbeit).

    Dabei handelt es sich um eine Entwicklung. Man hat geschaut dass auf der operativen Ebene als perfekt schnurrt und Leute im Büro kümmern sich um das Gelingen der Investitionen. Bei einer Vollkostenrechnung lehnt man potentiell zuviel Aufträge ab die DB liefern. Durch die Online Verfügbarkeit des aktuellen Stands eines Auftragsergebnisses wurde es möglich ein viel breiteres Spektrum an Aufträgen abzuarbeiten.

    Zuvor war die WAWI, Buchhaltung und Kostenrechnung das Abbild von betrieblichen Aktivitäten welche von unter herauf gesammelt wurden. Die waren das Abbild der Vorgänge im Betrieb ausgedrückt in Zahlen auf der unternehmerischen Ebene. Die ERP Sicht ist top down und wirkt normativ auf die betrieblichen Abläufe und Strukturen. D.h. Ein niedriger Lohn leitet sich konsequent aus der Unternehmensebene und nicht der betrieblichen Erfordernis ab.

    Mittlerweile zeigt sich schon im Handel in .de, dass WAWI bessere Ergebnisse liefert als der andere Zugang.

    Die Frage in einem Servicesektor ist weniger der Lohn sonder welche Aktivitäten dorthin ausgelagert werden. Wer dorthin nicht entwicklungsfähige Kombinationen von Werkzeug und Aktivitäten, also Mitarbeit, auslagert putzt auf Kosten anderer heraus. Damit dieser schöne Schein bestehen bleibt wird das oben erwähnte Industriemodell im Servicesektor betrieben. Auf dem Weg wird der Lohn für solche Aktivitäten abgewertet, da wo keine Maschine ist … Arbeit ist immer eine entwicklungsfähige Kombination.

    Dann kann es sein wie bei den Köchen, dass mal der Rosini muss vorbeischauen damit überhaupt etwas weitergeht. Aber ansonsten ist Sense. Es gibt vor 30 Jahren Versuche genau das auf den Weg zu bringen. Damals war die Idee im Service wird Scheiße aufgegriffen und in Gold verwandelt. Esel streck dich – Pustekuchen.

    Je geringer ein Einkommen wird desto weniger kann darauf umverteilt werden und deswegen müssen Sozialtransfers fließen. Ein Sozialtransfer ist keine Sozialhilfe, es handelt sich um zumindest Einkommensbestandteil der zusehends wächst je nachfrageorientierter unser Wirtschaftsraum wird.

    Damit mehr passgenauer Verbrauch im Rahmen der höheren Einkommen zugesteuert werden kann … Der Lohn selbst ist bereits ergänzt um ein zweites Geld das erlaubt auf Güter bereitgestellt in nachfrageorientierten Linien zuzugreifen, ansonsten läuft die klassische Verteilung welche ursprünglich Werkzeuge transportiere (auch wenn sich die Linie auf höherem technologischem Niveau reproduziert).

    Der ursprüngliche Lohn ist an sich zu gering und erlaubt nur den Zugriff auf Verbrauch und Werkzeuge aus einer anbieterseitig getriebenen Linien. Der Verbrauch aus einer anbieterseitig getriebenen Linie kann nur mit der Erfüllung von Standards hochgehalten werden. Sonst geht der Preisindikator in Grund und Boden (Landwirtschaft). Ein Standard angewandt auf eine nachfrageseitg getriebene Linie ist sowieso zu hinterfragen. Im Umfeld des Engineering, Krankenhaus oder Altersheim in dem Schreibarbeiten von der Arbeit am Produkt abhalten. Dort muss automatisiert werden oder solche Aktivitäten fallengelassen werden.

    Eine nachfrageseitig getriebene Linie wird klassisch wenn nicht investiert wird. Aufgrund der deutschen Autolinien fahren wir sowieso eine Sonderform nämlich die Nachfrage am best möglichen respektierende anbieterseitig getriebene. Wenn man dort den Lohn absenkt, dann steigt der Profit und besser wird nichts. Wenn keine Maschine da ist, dann ist die Ausbeutung trivial gegeben. Das Unternehmen beim Servicesektor ist immer an letzter Position direkt beim Rohstoff und nicht beim Konsumenten.

  2. Lisa

    7. März 2019 um 11:24

    Eine wissenschaftliche Fachkraft kommt nur für 3-4 Jahre oder gar nicht!
    Dafür sollen wieder Gastarbeiter auf 2 Jahre ins Land dürfen, die um ein Hungerlohn rund um die Uhr arbeiten dürfen, kein Wort deutsch sprechen und später eh nur wieder in Ö. hängen bleiben. Und die gesamten Löhne der Branche für einheimische Fachkräfte runieren.

  3. Jo Ghurt

    5. März 2019 um 17:23

    Die Rechnung der Halsabschneider wird nur aufgehen, wenn genügend Drittstaatler kommen. Bisher sieht es eher nicht danach aus und ich hoffe, dass es so bleibt. Wenn ich Drittstaatler wäre, gut ausgebildet und erfolgshungrig, würd‘ ich mir dreimal überlegen ein Zielland zu wählen, in dem Ausländer verachtet und feindselig behandelt werden. Warum sollte ich mir das antun?

  4. Joerg Mitterbauer

    5. März 2019 um 16:41

    Österreich hat tolle Unternehmungen.
    Aber eine zu hohe Anzahl von “ Armutschkerlbetrieben “ die von Schundlöhnen und Steuerhinterziehung existieren.
    Wir haben jetzt schon zu viele Arbeitslose. Die Regierung tut nichts für die Behebung von grossen wirtschaftlichen Strukturmängeln.12 Stundentage, 60 Stundenwochen werden uns nicht nachhaltig helfen.

  5. Prantl Margaretha

    5. März 2019 um 07:38

    Das Vorhaben fördert das Lohndumping und wird von der Wirtschaft gefordert um noch mehr für sich selbst herauszuholen. So schafft man die moderne Sklaverei.

    • Johann Glatzl

      6. März 2019 um 10:35

      Löhne und Gehälter der wirklich hart arbeiteten Menschen,im Gastgewerbe,Handel aber auch in vielen anderen Branchen sind wirklich ein Hohn und eine Frechheit.Österreich ist schon lange
      ein Billiglohnland noch schlechter unsere „deutschen Freunde“dank Herrn Schröder.Der Gipfel
      ist aber der sofort eingeführte 12 Std.Tag, vollkommen vertrottelt!!

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