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Kontrast
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Neuer AK-Chefökonom: „In keinem Land der Euro-Zone ist Vermögen so ungleich verteilt wie in Österreich

Foto: AK, Markus Zahradnik

Thomas Hackl Thomas Hackl
in Interview, Wirtschaft und Finanzen
Lesezeit:6 Minuten
21. November 2025
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Er ist der Nachfolger von Finanzminister Markus Marterbauer im Sessel des Chef-Ökonomen der Arbeiterkammer Wien. Im Kontrast-Interview spricht Matthias Schnetzer über die wirtschaftliche Lage Österreichs, die steigenden Preise für Lebensmittel und die Frage, ob das Schlimmste bereits vorbei ist und der wirtschaftliche Aufschwung bevorsteht.

Kontrast: Die Nachrichten zu Wirtschaft und Budget waren in den letzten Monaten düster. Steht es wirklich so schlecht um Österreich?

Matthias Schnetzer: Nein, ich sehe ein gemischtes Bild der österreichischen Wirtschaft. In manchen Bereichen zählen wir immer noch zur europäischen Spitze, von der Wertschöpfung pro Kopf bis zur Arbeitsproduktivität, und die meisten Indikatoren sind weit über dem EU-Durchschnitt, etwa die Investitionsquote oder die Realeinkommen.

Auf der anderen Seite haben wir gerade die längste Rezession der Nachkriegsgeschichte hinter uns und verlieren in manchen Sektoren den Anschluss an die technologische Weltspitze. Obwohl Österreich ein starker Wirtschaftsstandort und alles andere als „abgesandelt“ ist, besteht Handlungsbedarf in der Wirtschaftspolitik, um eine zukunftsfähige Industrie, Vollbeschäftigung, Preisstabilität, ökologische Nachhaltigkeit und Steuergerechtigkeit zu erreichen.

Türkis-grüne Regierungen hat diese Krisen nicht gelöst, sondern verschleppt

Kontrast: Was sind die Gründe, die zur Kombination aus hohen Schulden, hoher Inflation und überschaubarem Wirtschaftswachstum geführt haben?

Matthias Schnetzer: Ausgangspunkte der Rezession waren die Covid-19-Pandemie und der darauffolgende Energiepreisschock durch den Angriff Russlands auf die Ukraine. Die hohen Energiepreise haben die Inflationsrate nach oben getrieben und die Gewerkschaften erkämpften Lohnerhöhungen, um die gestiegenen Lebenshaltungskosten auszugleichen.

Gleichzeitig hat die damalige Regierung mit kostspieligen Rettungspaketen, üppigen Förderungen für Unternehmen und Steuersenkungen ohne Gegenfinanzierung ein riesiges Budgetdefizit angehäuft. Ein Wirtschaftswachstum hätte mit höheren Steuereinnahmen das Budget entlastet, allerdings war die Wirtschaftspolitik der alten Regierung ein Hindernis für die Konjunktur.

Kurz zusammengefasst: Covid und Energiepreisschock kamen zwar von außen, aber die Wirtschaftspolitik vergangener Regierungen hat diese Krisen nicht gelöst, sondern verschleppt und vertieft.

Kontrast: Wie das Budget unter den aktuellen Herausforderungen saniert werden?

Matthias Schnetzer: Eine Budgetsanierung durch Kürzungen im Sozialstaat hat negative Auswirkungen auf Wirtschaft und Bevölkerung, da sie Arbeitslosigkeit und Einkommensungleichheit erhöht. Aktuell wird die Konsolidierung zu zwei Dritteln von Ausgabenkürzungen und einem Drittel von höheren Einnahmen unter anderem von Banken, Privatstiftungen und Energiekonzernen getragen. Deshalb wäre es für eine ausgewogene Budgetsanierung wichtig, die Einnahmenseite zu stärken, vor allem durch jene, die es sich finanziell mühelos leisten können. Die größte Rolle spielt allerdings die Wirtschaftslage, da eine gute Beschäftigungsentwicklung besonders zentral für das Budget ist.

„Österreich hat im Europa-Vergleich mit die höchste Vermögenskonzentration“

Kontrast: Sie haben einen Beitrag von besonders Reichen angesprochen. Wie könnte dieser konkret aussehen?

Matthias Schnetzer: Eine gerechte Steuer auf Millionenvermögen und -erbschaften. Österreich hat im Europa-Vergleich mit die höchste Vermögenskonzentration, aber den geringsten Steuerbeitrag aus Vermögen.

Die Rufe aus Wissenschaft und Wirtschaftsforschung nach einer Erbschaftsteuer werden vor dem Hintergrund der Budgetmisere wieder lauter. Kaum ein anderes europäisches Land verzichtet auf einen Steuerbeitrag dieser leistungslosen Vermögensübertragungen. Da wäre jährlich weit mehr als 1 Milliarde Euro Aufkommen fürs Budget möglich.

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Außerdem erwarte ich mir von der aktuellen Regierung Fortschritte bei der Steuerbetrugsbekämpfung, vor allem bei Konzernen und Reichen.

Kontrast: Die hohen Lebensmittelpreise sind für viele Menschen eine große Belastung. In unserem Nachbarland Deutschland zahlt man im Durchschnitt rund ein Viertel mehr für das gleiche Produkt. Wie kann das sein?

Matthias Schnetzer: Das hat mehrere Gründe. Erstens, internationale Markenkonzerne verkaufen ihre Produkte zu unterschiedlichen Preisen an die nationalen Handelsketten. Österreich wird hier gegenüber Deutschland benachteiligt. Das ist der sogenannte Österreich-Aufschlag. Die EU muss ungerechtfertigte Preisdifferenzen im Binnenmarkt endlich beseitigen.

Zweitens, Österreich hat eine sehr hohe Marktkonzentration im Lebensmittelhandel und vier Handelsketten decken mehr als 90 Prozent des Marktes ab. Dabei gilt, je weniger Wettbewerb, desto höher das Preisniveau.

Drittens, auch die leicht höheren Mehrwertsteuersätze in Österreich gegenüber Deutschland können einen kleinen Teil des Preisunterschieds erklären.

Kontrast: Was kann getan werden, damit die Lebensmittelpreise wieder leistbarer werden?

Matthias Schnetzer: Die einfache und schnelle Lösung sehe ich nicht. Eine Mehrwertsteuersenkung könnte zwar rasch wirken, allerdings, nur wenn der Handel die Preissenkung weitergibt. Das wäre bei stärkerem Wettbewerb im Lebensmittelhandel einfacher als bei der hohen Marktkonzentration, die wir hier in Österreich haben.

Ohne Gegenfinanzierung ist eine Steuersenkung in der derzeitigen budgetären Lage aber ohnehin tabu und wenn die Senkung nur befristet erfolgt, haben wir später den gegenläufigen Effekt.

In Zukunft könnte eine Preisdatenbank entlang der Wertschöpfungskette die Preistreiber identifizieren und eine Anti-Teuerungskommission mit einem wirkungsvollen Preisgesetz konkrete Maßnahmen entwickeln. Das gilt es jetzt umzusetzen, um die Teuerung zukünftig besser handhaben zu können.

Forschung erwartet leichtes Wirtschaftswachstum

Kontrast: Sie haben erklärt, dass der wirtschaftliche Aufschwung bereits am Horizont erkennbar ist. Was muss die Bundesregierung tun, damit dieser Aufschwung auch glückt?

Matthias Schnetzer: Tatsächlich sagen die großen Wirtschaftsforschungsinstitute für heuer ein leichtes BIP-Wachstum voraus, das sich im kommenden Jahr noch steigern dürfte. Auch wenn die internationale Entwicklung maßgebend für die heimische Konjunktur ist, so haben wir doch einiges selbst in der Hand.
Die Budgetkonsolidierung muss so gestaltet sein, dass sie nötige Investitionen und Beschäftigung nicht bremst. Die Industriestrategie soll eine ökologisch nachhaltige und auf Zukunftstechnologien bauende Wertschöpfung vorantreiben. Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramme sollen den Arbeitsmarkt auf dem Weg zur Vollbeschäftigung unterstützen. Eine gezielte Inflationsbekämpfung soll Planungssicherheit, Lebensstandard und Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.

Kontrast: Viele Menschen in Österreich schauen mit Sorgen in die Zukunft. Was würden Sie diesen Menschen sagen?

Matthias Schnetzer: Ich kann die Zukunftssorgen vieler Menschen sehr gut nachvollziehen. Die Krisen häufen sich, das Wohlstandsversprechen wankt, die eigenen Interessen scheinen ungehört.

Aber Resignation, ein Rückzug von Wahlen oder Unterstützung für antidemokratische Kräfte sind keine Alternativen. Wir können von vergangenen Generationen lernen, deren Zukunftsaussichten auch oft düster waren, die aber gemeinsam einen Sozialstaat und eine Demokratie erkämpft haben, die unseren heutigen Lebensstandard ausmachen. Für eine solidarische Gesellschaft, eine gerechte Wirtschaft, eine intakte Umwelt, sowie eine stabile Demokratie brauchen wir den Einsatz aller – ob in der Nachbarschaftshilfe, in NGOs, der Gewerkschaft, im Gemeinde- oder Betriebsrat. Gemeinsam ist man jedenfalls stärker.

Matthias Schnetzer
(C) AK, Markus Zahradnik

 

Matthias Schnetzer ist Leiter der Abteilung Wirtschaftswissenschaft und Statistik der AK Wien. Er folgte in dieser Rolle Finanzminister Markus Marterbauer nach. Schnetzer war langjähriger Mitarbeiter der Abteilung, bevor er ihre Führung übernahm.

Schnetzer unterrichtet außerdem ander Wirtschaftsuniversität Wien. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Verteilung von Vermögen und Einkommen in Österreich und der EU. Für seine Forschungsarbeit erhielt der Ökonom bereits zahlreiche Preise – etwa einen Preis der International Association for Research in Income and Wealth (IARIW) oder den Kurt Rothschild Preis.

Finanzminister Markus Marterbauer: So will er das Budget sanieren und die Wirtschaft ankurbeln

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Gertrude Hansy
Gertrude Hansy
3. Dezember 2025 14:27

Die SPÖ müsste einen landesweiten Mindestlohn einfordern. Ihr könnt euch nicht von der Gewerkschaft in Geiselhaft nehmen lassen bei dem Thema.
Ich bin mir sicher, dass es eine mehr als absolute Mehrheit im Land dafür gibt.
2.200 – 2.400 Netto für 40 Wochenstunden ist ein gerechter Minimallohn mitten in Europa.
Sonst gehen wir doch nur fürs Überleben hackeln.
Für was gibts eine SPÖ?

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josef
josef
2. Dezember 2025 15:58

Es gibt zu viele Reiche und Gutverdiener bei uns . Der Tag hat für jeden 24 Std. , Manche Gutverdiener reden von 20 Std. Arbeit , das geht nur manchmal , also warum ?

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aramo
aramo
1. Dezember 2025 12:55

Da hat er völlig recht: Die AK-Chefetage verdient mehr als in anderen Ländern. Deshalb: Aus für die Zwangsmitgliedschaft! Wir brauchen das Geld selbst und wollen keine Bonzen mästen. Und nicht vergessen: Warum müssen Beamte und öffentlich-rechtlich Angestellte keinen Mitgliedsbeitrag zahlen, obwohl sie die Angebote genauso nutzen wie Zwangsmitglieder?

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BWei
BWei
Reply to  aramo
1. Dezember 2025 17:21

na du kleiner AK Basher, wahrscheinlich warst du noch nie auf arbeitsrechtliche Hilfe der AK Rechtsabteilung angewiesen.

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Manfred
Manfred
29. November 2025 09:34

Ich glaube in Deutschland sind die Preise um ein Viertel billiger und nicht teurer!

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saloo
saloo
27. November 2025 23:10

ja stimmt in österreich ist eben der Unterschied größer das 65 % Faul sind und sich vom Staat erhalten lassen und die welche was tun eben was haben .Wäre ganz einfach wenn man es verstehen würde deshalb die Spö als gesichert Dumm einstuffen

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Siggi
Siggi
Reply to  saloo
28. November 2025 10:18

Lieber saloo,das ist ein Blödsinn was du da erzählst,Der überwiegende Teil aller Mitarbeiter sind in Ordnung. Die paar nicht so guten können wir wohl mit gutem Vorbild und Überzeugung mitnehmen.Wenn man die WKÖ betrachtet, dann ist die SPÖ Weltmeister und gut für uns Österreicher.ciao Siggi

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T.imre
T.imre
Reply to  saloo
1. Dezember 2025 18:48

Hört, hört. Solches gebiert ein Geistestblitz.

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Jean-Paul Sartre war ein französischer Philosoph, Schriftsteller und einer der wichtigsten Vertreter des Existentialismus. Seine Idee: Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt – und damit selbst verantwortlich für sein Leben. Bekannt wurde er durch Werke wie Das Sein und das Nichts und den Roman Der Ekel. 1964 erhielt er den Literaturnobelpreis, den er jedoch ablehnte. Sartre mischte sich auch aktiv in politische Debatten seiner Zeit ein. Er kritisierte Kolonialismus, Kapitalismus und politische Machtstrukturen – und stellte sich etwa im Algerienkrieg klar gegen die französische Regierung. Auch die 68er-Bewegung unterstützte er und prägte so eine Generation, die konservative Politik radikal hinterfragte. Zitat: Ich kann meine Freiheit nicht zum Ziel nehmen, wenn ich nicht zugleich die Freiheit der anderen zum Ziel nehme. Jean-Paul Sartre
Jean-Paul Sartre war ein französischer Philosoph, Schriftsteller und einer der wichtigsten Vertreter des Existentialismus. Seine Idee: Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt – und damit selbst verantwortlich für sein Leben. Bekannt wurde er durch Werke wie Das Sein und das Nichts und den Roman Der Ekel. 1964 erhielt er den Literaturnobelpreis, den er jedoch ablehnte. Sartre mischte sich auch aktiv in politische Debatten seiner Zeit ein. Er kritisierte Kolonialismus, Kapitalismus und politische Machtstrukturen – und stellte sich etwa im Algerienkrieg klar gegen die französische Regierung. Auch die 68er-Bewegung unterstützte er und prägte so eine Generation, die konservative Politik radikal hinterfragte. Zitat: Ich kann meine Freiheit nicht zum Ziel nehmen, wenn ich nicht zugleich die Freiheit der anderen zum Ziel nehme. Jean-Paul Sartre

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Jean-Paul Sartre war ein französischer Philosoph, Schriftsteller und einer der wichtigsten Vertreter des Existentialismus. Seine Idee: Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt – und damit selbst verantwortlich für sein Leben. Bekannt wurde er durch Werke wie Das Sein und das Nichts und den Roman Der Ekel. 1964 erhielt er den Literaturnobelpreis, den er jedoch ablehnte. Sartre mischte sich auch aktiv in politische Debatten seiner Zeit ein. Er kritisierte Kolonialismus, Kapitalismus und politische Machtstrukturen – und stellte sich etwa im Algerienkrieg klar gegen die französische Regierung. Auch die 68er-Bewegung unterstützte er und prägte so eine Generation, die konservative Politik radikal hinterfragte. Zitat: Ich kann meine Freiheit nicht zum Ziel nehmen, wenn ich nicht zugleich die Freiheit der anderen zum Ziel nehme. Jean-Paul Sartre
Jean-Paul Sartre war ein französischer Philosoph, Schriftsteller und einer der wichtigsten Vertreter des Existentialismus. Seine Idee: Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt – und damit selbst verantwortlich für sein Leben. Bekannt wurde er durch Werke wie Das Sein und das Nichts und den Roman Der Ekel. 1964 erhielt er den Literaturnobelpreis, den er jedoch ablehnte. Sartre mischte sich auch aktiv in politische Debatten seiner Zeit ein. Er kritisierte Kolonialismus, Kapitalismus und politische Machtstrukturen – und stellte sich etwa im Algerienkrieg klar gegen die französische Regierung. Auch die 68er-Bewegung unterstützte er und prägte so eine Generation, die konservative Politik radikal hinterfragte. Zitat: Ich kann meine Freiheit nicht zum Ziel nehmen, wenn ich nicht zugleich die Freiheit der anderen zum Ziel nehme. Jean-Paul Sartre

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