Davos-Rede wurde zum Hit im Netz

Bregman rechnet in Davos mit Reichen ab: „Wir müssen über Steuern reden, alles andere ist Mist!“

TED Conference / Flickr: CC BY-NC 2.0
Alles zur Ibiza-Affäre

Wir müssten über Steuern und die Reichen reden, die ihre Steuern nicht zahlen! Alles andere ist Mist! Rutger Bregman hat mit seiner Rede am Weltwirtschaftsforum in Davos provoziert – und das Internet erobert. Er rechnet mit Millionären ab, die ihre Abgaben nicht zahlen und macht klar, dass Barmherzigkeit allein die soziale Schieflage der Welt nicht korrigieren wird. 

Rutger Bregman ist ein niederländische Historiker und war bis dato unbekannt. Bis er am Weltwirtschaftsforum in Davos im Jänner 2019 mit seiner Rede für Schlagzeilen gesorgt hat. In Davos in der Schweiz kommen jährlich die reichsten und einflussreichsten Menschen der Welt zusammen und diskutieren, wie man die Welt verbessern könnte.

Bregman war zum ersten Mal geladen. Auf dem Podium hat er seine Chance genutzt – und die Reichen und Mächtigen vor Ort aufgefordert, endlich ihre Steuern zu bezahlen. Auf Twitter und Facebook ist das Video seiner Rede viral gegangen. Menschen feiern ihn für seine Direktheit. Wir haben Bregmans Rede übersetzt.

„Das ist mein erstes Mal in Davos. Und ich finde es ziemlich verblüffend, um ehrlich zu sein. Ich meine, 1.500 Privatjets sind hierher geflogen, um zu hören, wie Sir David Attenborough darüber redet, wie wir den Planeten zerstören. Und ich höre, wie die Leute reden: über Teilhabe und Gerechtigkeit und Gleichheit und Transparenz. Aber fast niemand redet über das wirkliche Problem: Steuervermeidung und Reiche, die nicht ihren fairen Beitrag leisten. Ich meine, es fühlt sich an als wäre ich auf einer Feuerwehr-Konferenz und niemand darf über Wasser sprechen, nicht wahr? Es gab nur ein Panel im Medienzentrum, in dem es um Steuervermeidung ging. Ich war einer von 15 Teilnehmern. Hier muss sich was ändern.

Vor zehn Jahren stellte das Weltwirtschaftsforum die Frage: Was muss die Wirtschaft tun, um einen sozioökonomischen Backlash verhindern? Die Antwort ist sehr einfach: Hören Sie auf, nur über Barmherzigkeit zu reden und beginnen Sie stattdessen über Steuern zu sprechen. Über Steuern, Steuern und nochmals Steuern!

Vor zwei Tagen war hier ein Milliardär, wie hieß er? Michael Dell. Und der hat eine Frage gestellt: „Nennen Sie mir ein Land, in dem ein Spitzensteuersatz von 70 Prozent tatsächlich funktioniert hat?“ Wissen Sie, ich bin Historiker. Eine Antwort ist: Die Vereinigten Staaten. Dort hat es funktioniert. In den 50er Jahren unter dem republikanischen Präsidenten Eisenhower. Einem Kriegsveteran. In den USA lag der Spitzensteuersatz für Leute wie Michael Dell bei 91 Prozent. Und wissen Sie, die Top-Erbschaftssteuer für Leute wie Dell hat mehr als 70 Prozent betragen.

Das ist alles keine Raketen-Wissenschaft. Ich meine, klar, wir können sehr lange über Barmherzigkeit sprechen. Wir können Bono noch einmal einladen. Aber kommen Sie schon, wir müssen über Steuern reden. Darum geht‘s. Steuern, Steuern, Steuern! Alles andere ist Mist.“

Bregman war Teil des Podiums „The Cost of Inequality“ (Die Kosten der Ungleichheit) auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Dort diskutierte er mit Alica Barcena Ibarra (Ex-Exekutivdirektorin von Oxfam), Winnie Byanyima (eine ugandische Luftfahrttechnik-Ingenieurin, Frauenrechtlerin und Politikerin) und Jane Goodall (eine britische Verhaltensforscherin).

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1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Klütsch Albert

    5. Februar 2019 um 09:29

    liebe leute, also so unbekannt wie den kontrasten ist rutger bregman nun wirklich nicht – wer seine „utopien für realisten“ gelesen hat, weiss um seine leidenschaft und sachkenntnis, seinen politischen realismus und seine geistige wirkkraft.

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