Nicht bös sein, aber

Die verdeckte Prophezeiung

Das Superwahljahr 2024 ist noch jung und doch ist eines schon gewiss: Die Zeiten, in denen unsere Rechtsaußenpolitiker kiloweise Kreide gefressen haben, die sind vorbei. Norbert Hofer hatte seinerzeit noch von „demokratischem Wettbewerb“ und „Achtung gegenüber dem Mitbewerber“ gesprochen. Und er hatte damit bekanntlich den bisher größten Wahlerfolg der FPÖ einfahren können, den er selbst dann allerdings erfolgreich angefochten hat.

Heutzutage nehmen sich die blauen Recken kein Blatt vor das Schandmaul: Da nennt der Möchtegern-Volkskanzler den amtierenden Bundespräsidenten eine „Mumie“. Und ein Tascherlträger des Landeshauptfraustellvertreters droht einem ihm missliebigen Satiriker künftiges Berufsverbot an: „Waunn mir aun der Macht sand, dann wird ein Herr Scheuba nur mehr im AMS auftreten können!“

So oder so ähnlich lautete die in kreativem Deutsch hervorgezischelte Stellungnahme des Landbauernbuben. Bürgerlich-liberal denkende Menschen wird vor solchen Äußerungen der Blauen zweifelsfrei nacktes Grauen erfassen. Und so nahm es nicht wunder, dass vor kurzem der Tiroler Landeshauptmann Anton Mattle seiner Bundespartei recht unverblümt in Hinkunft eine Koalition mit der SPÖ ans Herz legte.

Die Antwort aus Wien ließ nicht lange auf sich warten. Sie kam aber nicht aus der Parteizentrale, sondern von ganz anderer Stelle: Frau Salomon, die Chefredakteurin der parteipolitisch völlig unabhängigen Höchstqualitätstageszeitung KURIER, stellte in einem millionenfach gelesenen Leitartikel präzise fest: Nach der nächsten Nationalratswahl sei eine blau – ROTE Koalition nicht ausgeschlossen. Da fiel es uns KURIER-Leserinnen aller Geschlechter wie Schuppen von den Augen: Frau Salomon hat uns wieder einmal eine Geheimbotschaft zukommen lassen!

Denn schon vor der NÖ-Landtagswahl erfuhren wir aus dem KURIER, dass eine ROT- blaue Bündelei drohe. Und der Salzburger Landeshauptmann Haslauer teilte uns – nicht nur, aber auch – über den KURIER mit, dass er für eine Koalition mit den Blauen nicht zu haben sei.

Wie die Geschichte in beiden Fällen WIRKLICH endete, ist uns und natürlich vor allem Frau Salomon bekannt. Ihr Leitartikel ist also als verschlüsselte Botschaft zu verstehen.

Net bös sein, aber: All jene, denen die bürgerlich-liberale Demokratie am Herzen liegt, und die deshalb nicht in einer Festung des Volkskanzlers Kickl leben wollen, dürfen halt auch nicht den Karli wählen. Denn der will unbedingt Volksvizekanzler werden.

Steigbügelhalter

Die ÖVP als Steigbügelhalter für Herbert Kickl. (Cartoon: Karl Berger)

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