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Ex-Banker über

Geld, Macht, Medien und die soziale Marktwirtschaft

Das sind die Thesen von Ex-Banker Günter Grezga: Das Vermögen ist unfair verteilt – das schadet unserer Medienlandschaft und Demokratie. Als Lösung schlägt er ein strenges Trennbankensystem und die Rückkehr zur sozialen Marktwirtschaft vor.

Günter Grezga war Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank München. Wir haben den Ex-Banker interviewt – er fordert strenge Regulierungen und ein Ende der neoliberalen Politik, die zur Krise geführt hat. Geldinstitute müssen für normale Menschen und nicht für Spekulanten da sein. Außerdem spricht er über die ungerechte Vermögensverteilung, erklärt, wie man reicht wird und was einen Sozialstaat ausmacht.

Wie verhalten sich Geld und Macht zu einander?

Grezga: Viel Geld bedeutet – ob wir das wollen oder nicht – auch Macht. Habe ich genug Geld, kann ich die öffentliche Meinung beeinflussen: Wenn ich mich an Zeitungen beteilige, als Superreicher ganze Medienkonzerne aufkaufe, dann habe ich auch die Macht, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Und ich kann auch Dinge verbreiten, die eigentlich nicht richtig sind. Das ist das tragische an der derzeitigen Gesellschaft.

Diese unfaire Verteilung von Einkommen und Vermögen hat auch gleichzeitig zu einer unfairen Verteilung von Macht geführt.

Das hat mit einer Demokratie, wie wir sie verstehen – als Volksherrschaft, nichts mehr zu tun hat.

Doch wie wird man überhaupt reich?

Grezga: Um zu gewinnen, braucht man in diesem System immer Glück. Es ist doch nicht Leistung oder Können, dass ich Vorstandsvorsitzender einer Bank geworden bin. Das sind zu 80 Prozent glückliche Zufälle im Leben: Wo du hineingeboren wirst. Wer dich fördert. Wann eine Entscheidung getroffen wird über irgendeine Position und ob du dann gerade jemanden gefällst, der entscheidet. Da sind so viele Zufälle dabei.

Natürlich muss auch eine gewisse Grundvoraussetzung da sein. Aber da gibt’s ja Millionen von Menschen, die genauso schlau sind, wie ich. Die genau dieselben Fähigkeiten haben, aber eben nicht zur richtigen Zeit am richtigen Platz waren.

Deswegen braucht sich niemand einbilden, er sei seines Glückes Schmied. Überhaupt nicht.

Jeder von uns braucht sehr viel Glück, um ein gutes Leben führen. Schon bei der Geburt fängt es an. Ob wir gerade die Fähigkeiten, die derzeit von der Gesellschaft gefordert werden, beherrschen: Beispielsweise schnell denken können, und das Internet beherrschen können. Früher wäre jemand Stammesführer geworden, weil er unheimlich kräftig und mutig war. Heute hat dieser Typ weniger Chancen als derjenige der geistig alles schnell begreift und das kapitalistisch zu verwerten weiß. Es hängt also von so vielen Faktoren ab, sodass niemals sagen kann: das sind Versager.

Kein Kind ist von vornherein ohne Talente. Welche Talente derzeit gefragt sind und ob die bezahlt werden, das ist ein anderes Thema.

Die Schere zwischen Arm und Reich geht auseinander. Was kann man tun?

Grezga: Geld ist sowohl in Deutschland als auch in Österreich genügend vorhanden. Es ist nur unfair verteilt. Es fehlt an Fairness bereits in der Primärverteilung: In Deutschland sind 15 Jahre lang die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die Beschäftigten allgemein, nicht am Wachstum beteiligt worden. Das Geld ist zum größeren Teil an die Aktionäre gegangen und nicht an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das ist unfair. Wir sollten wieder zur goldene Lohnregel zurückkehren. Das heißt: Produktivitätszuwachs, plus gewünschte Zielinflationsrate von 1,9 Prozent. Dann beteiligt man sowohl das Unternehmen als auch die Mitarbeiter fair an den Gewinnen. Wenn wir das umsetzen, dann haben wir berechtigte Hoffnung, dass es wieder zu einem friedlichen Miteinander in unserer Gesellschaft kommt.

Sie waren lange Banker. Sind Banken nicht für diese Missstände verantwortlich?

Grezga: Man hat die Politik aufgefordert, die Finanzkonzerne von den Fesseln der Regulierungen zu befreien. Man behauptet, so wird weltweit mehr Wohlstand entstehen. Durch Geld aus dem Nichts. Und die Politik hat das auch geglaubt. Im Zuge des Neoliberalismus hat sich der Staat zurückgezogen. ‚Mehr privat‘ war das Credo. Doch der Finanzcrash hat bewiesen, dass das nicht funktioniert. 2008 mussten die Finanzkonzerne von dem von ihnen verachteten Staat gerettet werden. Sonst wäre der gesamte Weltwirtschaftskreislauf zusammengebrochen.

Der beste Weg, diese Sache wieder in den Griff zu bekommen, ist für mich ein ganz klares Trennbankensystem. Das heißt:

Das echte Bankgeschäft muss von den Finanzwetten getrennt werden.

Spareinlagen annehmen, Bankkredite vergeben, ein gutes Überweisungssystem etablieren und Anlage-Beratung für normale Kunden und Kundinnen durchführen. Das ist das Bankgeschäft, das ist notwendig. Aber was heute unter „Investmentgeschäft“ läuft, darf mit der Bank auch nicht verflochten sein. Denn dort wird in Wahrheit nicht investiert, auch wenn sie es „Investment Banking“ nennen. Es sind Finanzwetten-Geschäfte. Banken dürfen sich an solchen Unternehmen nicht beteiligen und sollen auch keine Kredite für Finanzwetten vergeben.

Weiterlesen:

Wem die Österreichischen Medien gehören kann hier nachgelesen werden.

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