Medienanalyse

Kontrast bei Facebook-Shares auf Platz 5 der österreichischen Online-Medien

Parteinahe Medien sind im Web zu einer relevanten Größe geworden. Kontrast.at hat inzwischen mehr Follower als die FPÖ-Seiten.

Parteinahe Info-Portale und Magazine haben im Web und den Sozialen Medien an Bedeutung gewonnen,  In ihrer Sommeranalyse hat die Agentur Spinnwerk die Bedeutung dieser Medien beleuchtet. Das Ergebnis: Sie sind zu einer relevanten Größe geworden – auch Kontrast.

In ihrer Sommeranalyse „Alternative News“ und ihr Erfolg auf Facebook untersucht die Agentur „Spinnwerk, wie erfolgreich parteinahe Medien in den Sozialen Medien sind. Es zeigte sich dabei, dass einige dieser Webseiten und Magazine durchaus erfolgreich sind und auf Facebook oft mehr Verbreitung finden als traditionelle Medien.

Erfreulich für das erst im Sommer 2016 gestartete Kontrast: Unser Magazin liegt auf Platz fünf unter den österreichischen Online-Medien, gemessen an der Verbreitung der Inhalte im beliebtesten Social Media Kanal Facebook:

 (Grafik: Spinnwerk)

Die Stärke des FPÖ-Magazins Wochenblick erschließt sich beim Besuch der Facebook-Seite nicht gleich. Die meisten Beiträge finden eine ausgesprochen schwache Zustimmung. Erst die reißerischen Artikel über „Asylanten“ generieren hunderte Likes. Anklang bei der Leserschaft finden News wie „Asylanten Schuld für Wonungsnot in Südtirol“, „Asylwerber überfiel Schule in Braunau“, „Die verschwiegenen Fakten über Migration und Multikulti.

Was die Wochenblick-Leser bewegt, zeigt sich auch an ihren „Wütend-Reaktionen“ auf Facebook. Der Wochenblick erreichte etwa 342.000 Wut-Emojis im Analysezeitraum – das ist mehr als die Tageszeitungen Kurier, Presse und Standard zusammen.

Grafik: Spinnwerk

Über alle FPÖ-Medien kann gesagt werden, dass die Inhalte vor allem aus Herabwürdigung Andersdenkender, Hetze gegen Minderheiten und soziale Randgruppen bestehen. Extremer als die Beiträge selbst sind nur noch die Kommentare der Leser.

Das Gruseligste an „unzensuriert“ sind die Postings der Leser. Falls diese anonymen Misanthropen wirklich existieren, möchte man keinem von ihnen im Dunkeln begegnen. (Rosemarie Schwaiger in „Profil“ Nr. 34/2018)

Kontrast hat mehr Follower als die FPÖ-Magazine

Bei den weiteren Untersuchungen wurden die politisch zuordenbaren Magazine mit den erfolgreichen österreichischen Qualitätszeitungen verglichen. Bei der Anzahl der Follower bzw Page Likes hat Konrast (102.000 Follower) nicht nur den Kurier (91.000) überholt, sondern liegt auch weit vor den drei FPÖ-Medien unzensuriert (60.000), Wochenblick (52.000) und Info Direkt (20.000)

Kontrast hat mehr Likes als alle rechten Plattformen(Grafik: Spinnwerk)

Transparenz und Qualität der Inhalte

Im Unterschied zu den FPÖ-Medien geht Kontrast transparent mit dem Impressum um. Der SPÖ Parlamentsklub als Herausgeber scheint nicht nur unter jedem Beitrag auf, allein auf der Webseite wird die Subpage mit der detaillierten Information rund 20.000 mal im Jahr aufgerufen.

Die FPÖ-Medien verstecken sich hinter diversen GmbHs und nennen ihre Geldgeber nicht. Der Wochenblick etwa erhält jährlich rund 850.000 Euro von „unbekannten Geldgebern“, was wohl die starken Verbreitungszahlen mit erklärt. Das Sponsoring sei laut Geschäftsführer Geroldinger auch so zu verstehen, dass „für gewisse Leute recherchiert oder geschrieben wird, wenn diese einen besonderen Wunsch hätten“. Dass diese Leute der FPÖ zuzurechnen sind, ist am Inhalt des Magazins leicht zu erkennen. Außerdem arbeiten für den Wochenblicken mehrere (ehemalige) FPÖ-Funktionäre.

Die ÖVP-nahen Medien fanden wohl aus Gründen der Irrelevanz nicht Eingang in die Untersuchung. Nicht ins Rennen schaffte es etwa der Blog „fass-ohne-boden“, der von Alexander Surowiec, einem ÖVP-Wirtschaftsbund-Funktionär, betrieben wird.

Slavoj Zizek: Die mediale Vielfalt birgt Positives

Nicht wenige Medien-Beobachter sehen die parteinahen Medien skeptisch, übergehen dabei aber oft die großen Unterschiede zwischen den verschiedenen Angeboten.

Der Philosoph Slavoj Zizek argumentiert in der Neuen Züricher Zeitung, dass die neue Vielfalt der Medien-Welt durchaus Positives birgt. Objektive Medien hat es nie gegeben, Journalismus wählt immer aus einer unübersichtlichen Datenmenge aus – welche Daten berücksichtigt werden, hängt von der eigenen Perspektive, den Interessen und den Machtverhältnissen ab. Die ausgewählten Daten werden kombiniert und zu einer Geschichte verknüpft.

Früher hatten große Medienhäuser allein die Möglichkeit, Geschichten zu recherchieren und an die Öffentlichkeit zu bringen. Mit den digitalen Medien hat sich das geändert: Berichte traditioneller Medien konkurrieren mit Bloggerinnen oder parteiischen Medien. Das ist aber „kein Grund zur Sorge“, meint Zizek. Wird nachvollziehbar argumentiert und werden Quellen seriös studiert, sind mehr Standpunkte in den Medien bereichernd. Die Komplexität unserer Welt kann gerade durch eine Vielzahl von Perspektiven verständlich werden. Wichtig ist nur, transparent zu machen, durch welche Perspektive die Erzählung geprägt ist.

Wir müssen dem „absoluten Wahrheitsanspruch“ der alten Medien also nicht nachtrauern. „Eine Rückkehr zur alten ideologischen Hegemonie wird es nicht geben. Aber um ehrlich zu sein: Das ist kein Anlass zur Sorge.“

Zum Weiterlesen:

Muss objektiver Journalismus alle Meinungen abbilden?

Das Geschäft mit der Wahrheit: Wie Medien gesteuert werden. Noam Chomsky & Edward S. Herman

Die österreichischen Printmedien und ihre Eigentümer

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2 Kommentare

2 Kommentare

  1. Gerhard Humer

    26. August 2018 um 12:35

    Frage? In wie weit kann ein als „moderner Journalist“ tätiger Blogger/in im Internet überhaupt Zugang zu den jeweiligen Quellen des Geschehens für den Artikel haben? Läuft man nicht durch die Fülle im Internet auch irre zu gehen?
    In wie weit macht sich so eine/r die Mühe gewissenhaft zu recherchieren, nachzufragen, mehrere Quellen zu vergleichen, aber auch die Menschen direkt zu interviewen? Der derzeitige Trend des Internetjournalismus tendiert ja immer mehr dazu, daß jeder/ jede Journalist/in sein kann, jeder seine Artikel/ Fotos, etc. als die Wahrheit über das Geschehen ausgibt.
    Ich meine, daß es dazu doch professioneller Journalisten/innen bedarf, die Ihren Beruf ernst nehmen und ethisch und verantwortungsvoll mit Ihrer Aufgabe umgehen, gründlich recherchieren und das Geschehen aus mehreren Blinkwinkeln beleuchten, vo r allem aber seriös und investigativ gearbeitet wird, bar jeder marktscheierischer Formulierungen in den Headlines.
    Ich unterstelle so mancher/en Hobby-Journalisten/in mangelnde Professionalität.

    LG Gerhard Humer

  2. Nicht missachten!

    21. August 2018 um 11:23

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