Lockdown

SPÖ gegen Schulschließungen: Schulen brauchen dringend mehr Tests, Personal und Räume

Da die gesundheitlichen, psychologischen und pädagogischen Schäden für Kinder bei Schulschließungen enorm sind, haben sich SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner und SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid am Donnerstag vehement gegen Schulschließungen ausgesprochen. Die Bundesregierung soll den Virus durch sinnvolle Maßnahmen bekämpfen, aber den Kindern die Tür zu den Schulen offen lassen. Kinder können nichts dafür, dass die Regierung vor dem Virus „kapituliert“ habe.

Angesichts neuer Corona-Höchstwerte hat die Regierung auch Schulschließungen ins Spiel gebracht. Faßmann schloss diese Woche nicht aus, dass ab Montag Schulen geschlossen sein könnten. Ob es sich dabei um zwei Wochen oder zwei Monate handelt, wollte Faßmann nicht abschätzen. Aus Sicht der SPÖ wäre das fatal: Statt über Schulschließungen nachzudenken, muss Bildungsminister Faßmann endlich ein Sicherheitskonzept für Schulen umsetzen. Bei Kindern gehe es schließlich nicht nur um die Gesundheit, sondern um ihr ganzes Leben.

Studien zeigen: Sicherheitsmaßnahmen an Schulen reduzieren Risiko

Internationale Erfahrungen zeigen: Schulen können offen bleiben, wenn Regierungen Sicherheitsmaßnahmen vorbereitet haben. So zeigt eine britische Studie, dass die Ansteckungen in Schulen deutlich niedriger sind, wenn systematisch getestet wird und Verdachtsfälle zuhause bleiben. Auch geteilte Klassen helfen.

Will man Schulen offen halten, braucht es regelmäßige Test-Screenings für Lehrern und Lehrerinnen, betont auch SPÖ-Bildungssprecherin Hammerschmid – was für die Hotellerie seit Monaten möglich ist, dürfe den Schulen nicht verwehrt bleiben. Dazu müssen Eltern ihre Kontakte reduzieren können – etwa durch ein Recht auf Homeoffice. Außerdem müssen genügend FFP2 Masken für Pädagogen zur Verfügung stehen. Hammerschmid fordert außerdem einen Pool an Ersatzpädagogen, sowie einen gestaffelten Schulstart und das Anmieten zusätzlicher Räume. Warum das nicht alles längst passiert ist, kann Hammerschmid nicht nachvollziehen.

„Die Aussage von Minister Faßmann, dass die Schließung von Schulen nicht seine Entscheidung ist, kann ich nicht hinnehmen. Als Bildungsminister hat er die Verantwortung, ein bestmögliches Funktionieren der Schule zu garantieren. Um einen sicheren Unterricht in der Pandemie zu gewährleisten, braucht es schnell flächendeckende Maßnahmen,“ erklärt Hammerschmid.

Rendi-Wagner und SPÖ-Bildungssprecherin Hammerschmid sprechen sich vehement gegen Schulschließungen aus. „Der Schaden ist zu groß“.

Lockdown schadet Kindern ihr ganzes Leben lang

Für die SPÖ ist die Frage offener Schulen keine rein medizinische: Offene Schulen haben oberste Priorität, weil sonst eine ganze Generation ihr Leben lang darunter leiden wird, zeigt sich SPÖ-Chefin Rendi-Wagner besorgt. Der Lockdown samt Schulschließungen im Frühling hat zu einer besonderen Belastung für Kinder und Jugendliche geführt. Familienkonflikte und –stress sind laut eine Studie der Fakultät für Psychologie der Universität Wien in der Zeit gestiegen. Kinder litten besonders daran, keinen Kontakt zu Gleichaltrigen zu haben. Auch Gewichtszunahme und Adipositas-Gefährdung von Kindern sind eine Nebenwirkungen der Schulschließungen.

Ökonomisch sind die Auswirkungen von geschlossenen Schulen enorm: Das Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München warnte vor späteren Einkommensverlusten bei Schülern, deren Schulen in der Coronakrise lange geschlossen waren.

„Geht etwa ein Drittel eines Schuljahres verloren, so geht dies über das gesamte Berufsleben gerechnet im Durchschnitt mit rund drei bis vier Prozent geringerem Erwerbseinkommen einher“, so die Prognose.

Kinder im Online-Unterricht „wenig bis nichts“ gelernt

Sogar in den Niederlanden, einem Vorzeigeland in Sachen Digitalisierung mit weltweit höchsten Internetzugangsraten und einem kurzen Lockdown von acht Wochen, reißt das Homeschooling Löcher in die Bildungslaufbahnen. Die Ergebnisse einer Studie der Universität Oxford zeigt, dass die Schülerinnen und Schüler im Onlineunterricht „wenig bis nichts“ gelernt haben.

„Für Kinder aus benachteiligten Verhältnissen waren die Auswirkungen noch verheerender“, besagt die Studie. Hatten die Eltern keine Hochschulausbildung, war der Wissensverlust bis zu 50 Prozent stärker.

In Österreich fehlt es selbst an der Vorbereitung für eine zweite Fernlehre-Phase. Immer noch haben fast 40.000 Schüler keine Laptops. Die Lehrer wurden auch in den Sommerferien nicht mit Fortbildungen oder Materialien zur Digitalisierung unterstützt.

Angekündigte Verschärfungen sind „unseriös“

Auch die roten Landeschefs forderten, die Schulen und Kindergärten offen zu lassen. Die Neos starteten eine Petition für offene Schulen. Beide Parteien fordern sind sich einig, dass der Bildungsminister die Digitalisierung verschlafen hat. Dass die Regierung jetzt schon von Verschärfungen der Lockdown-Maßnahmen spreche, obwohl die derzeitigen Maßnahmen erst seit 2. November gelten, die Inkubationszeit aber zehn bis 14 Tage betrage, hält Rendi-Wagner für „unseriös“.

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rudolf
rudolf
14. November 2020 10:06

Bitte, wurde schon einmal getestet ab wann das Covid 19 Virus, bei welcher Temparatur,es ABSTIRBT?
Ist es bei Plusgraden von 30° bis 60° weniger oder mehr, oder
bei Minusgraden von -10° bis – 20° mehr oder weniger?

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