"Gefühlte Inflation" stimmt

Studie bestätigt: Wer weniger verdient, zahlt mehr

Wer weniger verdient, leidet stärker unter der Teuerung. „Alles wird teurer, denn die Inflation frisst jede Lohnerhöhung weg“, so fühlen viele. Doch das, was Ökonomen „gefühlte Inflation“ nennen, ist keine Einbildung.  Wer weniger als 3.000 Euro im Monat Haushaltseinkommen hat, für den ist die Teuerung größer als die offizielle Inflation. Die wahre Inflation liegt zumindest doppelt so hoch.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält an ihrer Politik des billigen Geldes fest. Sie will die Inflationsrate auf zwei Prozent bringen – diesen Zielwert haben sie sich selbst auferlegt. Die Preise steigen in der Eurozone seit Jahren viel zu langsam, sagt die EZB. Währenddessen kommen viele Beschäftigte mit ihren Gehältern immer schlechter zurecht.

Zwei Wissenschafter haben sich die Frage gestellt: Trifft die Teuerung alle gleich? Das Ergebnis der Studie zeigt, was viele schon „gefühlt“ haben: Wer schlecht verdient, den trifft die Inflation wesentlich stärker. Denn wer einen überdurchschnittlich hohen Anteil des Einkommens für Nahrungsmittel, Wohnen, Energie und Verkehr ausgeben muss, leidet unter einer überdurchschnittlich hohen Inflation. Denn diese Bereiche haben sich in den vergangenen 15 Jahren stark verteuert.

Pro-Reichtums-Inflation

Die Forscher haben 25 europäische Länder über 15 Jahre beobachtet und in der Studie „Pro-Rich Inflation in Europe: Implications for the Measurement of Inequality“ veröffentlicht. Im Europaschnitt stieg die Inflation für Arme um ein Viertel mehr. Das ist an sich schon ungerecht. Doch bedenkt man Effekte wie Zinseszins, addiert sich das über die Jahre zu einer wesentlichen Belastung. Auch deswegen klafft die Vermögensverteilung immer weiter auseinander.

Und auch in Österreich sprechen die Daten eine ähnlich Sprache: Vergleicht man den allgemeinen Verbraucherpreisindex mit Warenkörben, die dem täglichen und dem wöchentlichen Einkauf nachempfunden sind, sieht man eine wesentlich höhere Teuerung. Je mehr man von seinem Gehalt für Wohnen, Energie und Lebensmittel ausgibt, desto teurer wird das Leben. Die Teuerung verhält sich demnach antiprogressiv – das heißt sie belastet untere Einkommen stärker als die oberen. Selbst im Mittelstand wird man also von einer wesentlich höheren Geldentwertung getroffen als die offiziellen Zahlen andeuten.

Zur Studie: Alfons J. Weichenrieder, Eren Gürer: „Pro-Rich Inflation in Europe: Implications for the Measurement of Inequality“

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Wolfgang Handl
Wolfgang Handl

…sehr epochal ist die Erkenntnis, „wer wenige verdient, spürt die Teuerung, Inflation,stärker“,nicht, das sagt einem ja schon der Hausverstand, dazu braucht es keine Studie, die Kosten fürs Wohnen muss in den Griff bekommen werden, eine junge Familie kann sich heute kaum, ohne Hilfe der Eltern und Großeltern, eine Eigentumswohnung anschaffen, daher: Wohnbaubeihilfe gehört wieder zweckgebunden!!

Johann Schmit
Johann Schmit

Als nächstes enthölt KONTRAST, dass angeblich das die Welt veränderte Rad erfunden wurde. Davon haben die Taferlklassler ebenso wenig gehört wie vom Englischem Gesetz.

Vera Penetsdorfer
Vera Penetsdorfer

Da brauche ich aber kein Studium um zu wissen dass die Inflation den schlechter Verdienenden mehr belastet als den besser Verdienenden. Genauso wie bei einer Gehaltserhöhung 2% auf 2.000,00 sind eben mehr als bei 1.000,00. Aber dafür brauche ich keine Studie. Schließlich sind wir keine Idioten aber helfen können wir uns nicht.

Er zahlt zwar nicht
Er zahlt zwar nicht

mehr, aber es trifft ihn härter. Man stelle sich vor, jemand verdiene, nein, bekomme unter 400 Euro. Fürs Essen benötigt er 150, bleiben 250. Ein anderer greift seinen Angestellten und Arbeitern wie dem Staat soviel ab, dass er zum Milliardär geworden ist. Er frisst ein bisschen teurer, sagen wir mal um 3000 Euro im Monat, weil Kaviar, vom dadurch aussterbenden Sterlett, und der Sekt so teuer ist. Tja, das berührt einen Milliardär überhaupt nicht, er merkt nicht einmal, dass da für kürzeste Zeit Geld weg gewesen ist.

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