9 von 10 Frauen sind sich einig

Studie: Frauen trifft die Mehrbelastung durch Corona besonders hart

Die Corona-Krise trifft Österreich hart. Und besonders hart trifft sie die Frauen, wie eine Studie im Auftrag der SPÖ-Frauen zeigt: Bis zu 93 Prozent der Frauen sagen, dass sie den Bären-Anteil der Belastung tragen. Fast die Hälfte der Alleinerzieherinnen fürchten Arbeitslosigkeit. Frauen-Sprecherin Heinisch-Hosek fordert ein Maßnahmenpaket und fragt, wo die Frauenministerin in der Krise ist.

86 Prozent der Frauen – bei den befragten Alleinerzieherinnen sogar 93 Prozent – sagen, dass Frauen den Hauptteil der Belastungen in der momentanen Situation tragen. Das soziale und berufliche Leben hat sich für viele Familien in die eigene Wohnung verlagert – und dort arbeiten vor allem Frauen. Schon vor der Krise haben Frauen den Großteil der Haus- und Familienarbeit gestemmt. Durch die Krise hat sich das verstärkt: „Halbe-Halbe ist noch lange nicht angekommen“, sagt Christina Matzka vom Triple-M Markt- und Meinungsforschung.

„Krisen verstärken Ungleichheiten immer.“

Die Wissenschafterin erwartet durch die Corona-Krise eine länger anhaltende Verschlechterung für die Lebenssituation der Frauen – und die Frauen sehen das ähnlich, wie die repräsentative Studie zeigt.

„Die Frauen machen sich Sorgen um ihren Beruf, die Kinder, die zu pflegenden Angehörigen, den Haushalt – damit dürfen wir sie nicht alleine lassen. Deswegen haben wir diese Umfrage gemacht. Um zu wissen, wo der Schuh drückt, und gezielt zu helfen“, erklärt SPÖ-Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek. Corona-bedingt konnte die SPÖ selbst keine Straßenaktionen und direkten Gespräche führen – wie ursprünglich geplant. Für die Umfrage wurden rund 1.000 Frauen im Alter von 15 bis 64 Jahren online befragt.

Zweidrittel erwarten Verschlechterung im Beruf

Zweidrittel der Frauen erwarten sich eine Verschlechterung ihrer beruflichen Situation. Das ist deutlich mehr als bei den Männern. 

34 Prozent der Frauen haben Angst um ihren Arbeitsplatz, bei Alleinerzieherinnen sind es sogar 44%. 

Noch schlimmer ist die Unsicherheit bei Frauen mit höherem Bildungsabschluss: Drei von vier Frauen, die eine Matura abgeschlossen haben, befürchten eine Verschlechterung ihrer beruflichen Situation. Damit liegen sie klar über dem Durchschnitt aller Befragter.

„Arbeitsplätze, die einen höheren Bildungsabschluss erfordern, sind sehr stark gefährdet“, begründet Meinungsforscherin Matzka das Ergebnis. Das liegt vor allem daran, dass die Corona-Krise Dienstleistungsunternehmen, die Kunst-Branche und Selbständige besonders hart trifft. Viele von ihnen sind in Kurzarbeit oder in Arbeitslosigkeit abgerutscht. Auf der anderen Seite sind 70 Prozent der Beschäftigten in den systemrelevanten Berufen Frauen.

Arbeitslosigkeit unter Corona: Frauen fuerchten sich, so eine Umfrage der SPÖ Frauen

Bild: Umfrage-Präsentation SPÖ-Frauen

Von Regierung im Stich gelassen

Jede zweite Mutter berichtet von einem weit höheren Betreuungsaufwand seit Beginn der Krise. Nur die Hälfte finden, dass sie sich die Kinderbtreuung mit den Partner oder der Partnerin gerecht aufteilen.

Zwei von drei Frauen fühlen sich von öffentlichen Stellen in ihrer Doppelbelastung schlecht unterstützt. Das betrifft vor allem jene, die in der Krise ihren Job verloren haben. Besonders die Alleinerzieherinnen beklagen mangelnde Unterstützung der Doppelbelastung als Mutter und Verdienerin. Dass wochenlang nicht klar war, wann die Kindergärten und Schulen geöffnet werden, kam verschärfend hinzu. Was ihre wirtschaftlichen Belastungen angeht, fühlen sich sogar 82% alleingelassen.

„Wo ist die Frauenministerin?“

Hier vermisst die SPÖ-Frauenvorsitzende vor allem Susanne Raab, die man bei den Pressekonferenzen der Regierung nicht zu Gesicht bekäme: „Wo ist die Frauenministerin?“, fragt Heinisch-Hosek.

„Es braucht ganz dringend ein Paket für Alleinerziehende“, fordert die SPÖ-Frauensprecherin. Denn Alleinerziehende fühlen sich von den öffentlichen Stellen am deutlichsten im Stich gelassen. Von der Erhöhung des Familienhärteausgleichsfonds haben die Bezieherinnen von Mindestsicherung nichts. Denn er zahlt derzeit nicht nach Kind, sondern nach Höhe der Eltern-Einkommen. Die SPÖ fordert daher, dass der Familienhärtefonds alle Kinder gleich behandelt.

Weiters fordert Heinisch-Hosek eine staatliche Unterhaltsgarantie, „unbedingt eine Erhöhung der Unterstützung bei Arbeitslosigkeit auf 70 Prozent“ und es eine Steuerbefreiung von Einkommen bis 1.700 Euro. „Und zu guter Letzt: Die Formel 6/8/10 ist mehr als gerechtfertigt“, fordert Heinisch-Hosek eine massive Arbeitszeitverkürzung im Sinne der verkürzten Vollzeit auf eine 30-Stunden-Woche.

Zur Präsentation der Umfrage-Ergebnisse:

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