Bildung

Berufsschülerin wendet sich an den Bundeskanzler: Wir brauchen endlich Unterstützung!

Die 19-jährige Soraya Safai Amini ist Schulsprecherin der Berufsschule für Gastgewerbe. Sie hat Bundeskanzler Kurz diese Woche einen Brief geschickt und ihn auf die Situation der Gastgewerbe-Lehrlinge in unserem Land hingewiesen. Es fehlt nicht nur an technischer Ausstattung für das Home Schooling, sondern vor allem an Sensibilität für die Sorgen der jungen Menschen, beklagt sie. „Jeder zweite Lehrling fühlt sich von der Regierung nicht gut vertreten“, erzählt Soraya. Viele Lehrlinge fürchten, dass die Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Corona eine negative Auswirkung auf die eigene Ausbildung und spätere Jobaussichten hat – doch in der öffentlichen Debatte und in den Pressekonferenzen der Regierung finden Lehrlinge keinen Platz. Die Schulsprecherin fordert von der Regierung um Kanzler Kurz Unterstützung und das Ende der leeren Versprechen.

Der ganze offene Brief

 Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Kurz, 

mein Name ist Soraya Safai Amini und ich bin Lehrling in einem Wiener Hotel. Neben meiner Ausbildung bin ich auch Schulsprecherin der Berufsschule für Gastgewerbe. 

In meiner Schule haben die Lehrlinge das Gefühl nicht ordentlich von der Regierung vertreten zu werden. Viele Jugendliche sind dadurch verunsichert und haben die Angst, dass die momentane Situation eine Auswirkung auf ihre Ausbildung hat und in weiterer Folge Einfluss auf ihre Jobmöglichkeiten nehmen wird! Als Schulsprecherin der Berufsschule fühle ich mich verantwortlich die Wünsche, Sorgen und Ängste der Auszubildenden wahrzunehmen und etwas dagegen zu unternehmen! 

Bereits im März 2020 habe ich zu hören bekommen, dass viele meiner Schulkollegen keine ordentliche technische Ausstattung haben, um am Onlineunterricht teilzunehmen! Dem nicht genug, gab es leider keine ausreichende Auskunft für die Lehrlinge, wie es während und nach dem Lockdown für sie weitergeht! 

Leider bekomme ich auch von vielen Lehrlingen aus meiner Schule mit, dass ihre Hotels und Betriebe womöglich schließen müssen, dadurch haben einige schon psychische Probleme! Sehen Sie diesen Brief bitte als Hilfeschrei der Jugend! Viele Lehrlinge haben das Gefühl, dass die Maßnahmen negative Auswirkungen auf ihre Ausbildung sowie auf zukünftige Jobaussichten haben! 

Eines ist klar, diese Situation muss geändert werden. Die österreichische Hotellerie und Gastronomie ist weltweit bekannt und begehrt und genau deshalb sollten wir genau jetzt auf eine gute und vor allem sichere Ausbildung bei den Gastronomen der Zukunft setzen, um die Wirtschaft wieder ankurbeln zu können. 

Was wir uns wünschen ist nicht viel: Wir wollen nur Unterstützung und Aufklärung, um die gute Qualität unserer Ausbildung in der Hotellerie und Gastronomie aufrecht zu halten. Was wir Lehrlinge uns wünschen, ist eine finanzielle Unterstützung, um Schülerinnen und Schüler eine Möglichkeit zu geben, an Laptops und Tablets zu kommen, welche die Teilnahme am Onlineunterricht ermöglicht. Durch Barista-, Weinsommelier-, Biersommelier-, Bar-, Fleischer- und Patissier-Kurse erlernen Schüler der Berufsschule für Gastronomie, freiwillig gegen einen bestimmten Selbstbehalt, zusätzliches Fachwissen und können dies auch perfekt im Beruf anwenden. Diese Kurse entfallen aber leider auch während des Homeschoolings. 

Die Abschlussklassen 2020/21 müssen nun zittern und schauen, ob überhaupt an Kursen teilgenommen werden kann, da diese nur Lehrlingen zur Verfügung stehen. Nach unserer Abschlussprüfung dürfen wir nicht mehr an den Kursen teilnehmen und daher kriegen wir auch keine Unterstützung der Wirtschaftskammer Österreich. Wir wollen uns weiterbilden, aber müssen auf eine Zusage warten, ob wir teilnehmen dürfen oder nicht. Grundsätzlich wollen wir eine sichere Fortbildung und eine Unterstützung für dieses Lehrjahr. Zusätzlich wollen wir mehr Lehrstellenangebote für Gastronomie- und Hotellerie-Mitarbeiter von Morgen. Die Corona-Krise darf der jüngeren Generation den Weg in die Gastronomie und Hotellerie nicht versperren. Auch in Zukunft sollen tolle Köche, Restaurantfachkräfte und Hotelfachkräfte ausgebildet werden. Dies wäre ja viel zu schade, da schon fast jährlich Lehrlinge bei Wettbewerben mit Preisen ausgezeichnet werden. Bestes Beispiel sind die “Junior Skills” (landesweit) und der Berufswettbewerb (bundesweit). 

Um zum Punkt zu kommen: Wir erwarten uns Unterstützung von Ihnen und Ihrem Team! 

Wir freuen uns auf eine Antwort,

Soraya Safai Amini
Schulsprecherin der Berufsschule Gastgewerbe 

Der Brief als PDF

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hermann
hermann
11. Dezember 2020 17:45

Der übliche Pfusch unserer Kurz Regierung. Man verdonnert die Lehrlinge zu Home Schooling oder wie das heißt, ob die entsprechende Lap Tops oder Tablets haben ist anscheinend nicht wichtig. Es ist nur noch zum schämen. Um so was wichtiges kümmert sich sprichwörtlich ,keine Sau , aber neue Massentests im Jänner die sind wichtig. Wieso ? Weil unser Kurzer das will. Was bringt das ?
Nichts !!! Ein Drittel der Schnelltests in Tirol war falsch ! Da kriegt man richtig Vertrauen !!! Aber diesmal gibts ein Zuckerl….. Einen Gutschein zum Futtern vielleicht ?

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