Faktencheck

Das bringt die Anpassung der Pensionen wirklich

Alles zur Ibiza-Affäre

Nach den Plänen der Regierung sollen Pensionen bis 1.150 Euro um 2,6 Prozent erhöht werden. Von 1.150 bis 1.500 Euro sinkt die Anhebung  runter auf 2 Prozent. Die Regierung spart dabei nicht mit Eigenlob. Doch die Preise für den typischen „Wocheneinkauf“ steigen stärker als die Pensionen.

„Mit dieser Pensionserhöhung setzen wir ein klares Zeichen an alle Bezieher von kleinen und mittleren Pensionen. Sie sind die Hauptbetroffenen der steigenden Preise“, erklärte Bundeskanzler Sebastian Kurz. Daran stimmt: Die steigenden Preise treffen kleinere Einkommen (und damit auch Pensionisten) stärker. Dass den Menschen mit kleinen und mittleren Pensionen mehr zum Leben bleibt, stimmt allerdings nicht – denn die Preise steigen bei diesmal stärker als die Pensionen.

Kleinere Pensionen stärker anzuheben ist keine Erfindung der schwarz-blauen Regierung – das letzte Mal ist das erst vor einem Jahr passiert. Auf den ersten Blick ist die Erhöhung 2017 unter Rot-Schwarz mit 2,2% zwar kleiner ausgefallen. Stellt man das Pensionsplus 2017 und 2018 aber der Inflation gegenüber, sieht man, dass damals mehr übriggeblieben ist. Und der Beschluss aus 2017 galt für Pensionen bis 1.500 Euro – diesmal nur bis 1.115.

Die Inflation frisst die Pensionserhöhung

Um zu messen, wie die Preise steigen, werden sogenannte „Warenkörbe“ zusammengestellt. In diesen Warenkörben befinden sich Lebensmitteln, Hygieneartikel, aber auch technische Geräte – Dinge, die der durchschnittliche Haushalt in Österreich konsumiert. Beobachtet wird, was diese Produkte im Durchschnitt mehr (oder theoretisch auch weniger) kosten – das wird im Verbraucherpreisindex (VPI) festgehalten.

Zwischen 2016 und 2017 gab es eine VPI-Teuerung von 1,6 Prozent, zwischen 2017 und 2018 sind es bereits 2,1 Prozent. Während Pensionisten, die bis zu 1.500 Euro pro Monat haben, im vergangenen Jahr ein reales Plus von 0,6 Prozent hatten, bekommen sie jetzt mit einer Pension von 1.115 Euro nur mehr 0,5 Prozent. Bei einer Pension von 1.500 Euro sind es sogar 0%.

„Miniwarenkorb“ für kleine Pensionen wichtiger

Doch der Verbraucherpreisindex hat auch Schwächen. Denn er betrachtet, die Einkäufe der durchschnittlichen Haushalte. Einkommen von 1.500 Euro liegen allerdings unter diesem Durchschnitt. Einkommen unter 1.115 Euro sowieso. Und diese Schichten trifft die die Inflation härter – beinahe doppelt so hoch.

Ein anderer Warenkorb, der sogenannte „Miniwarenkorb“, kommt näher an die Realität ran. Dort wird der wöchentliche Großeinkauf analysiert – und der ist im vergangenen Jahr um 3,9 Prozent teurer geworden. Demnach verlieren die Pensionisten, mit einer Rente unter 1.115 Euro, real 1,3 Prozent, jene über 1.500 Euro sogar 1,9 Prozent. Pensionisten profitieren von günstigen Preisen bei Technik und Elektronik einfach weniger – weil sie diese seltener  kaufen.

Zum Vergleich: Im Jahr zuvor brachte die Pensionsanpassung zumindest keinen Reallohnverlust. Der Teuerung für den Miniwarenkorb von 2,2% stand die Erhöhung von 2,2% gegenüber. Es war also eine schwarze Null.

Ist es also „die größte Pensionserhöhung aller Zeiten“?

Nein. Formal ist die Behauptung vielleicht zuläßig: 2,6 ist ein größere Zahl als 2,2. Doch im alltäglichen Leben bleibt den Pensionisten von dieser Anpassung weniger, als von jener des letzten Jahres. Zu dem haben im Vorjahr wesentlich mehr Pensionisten diese Erhöhung bekommen. Denn damals haben alle Pensionen bis 1.500 Euro profitiert, nun bekommen nur Pensionen bis 1.115 Euro die volle Erhöhung.

Gerade hat der Medienrat Journalisten dazu aufgerufen, die Regierungsunterlagen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Das ist auch im Fall der Pensionserhöhung angebracht, die die reale Teuerung für kleine und mittlere Pensionisten nicht ausgleicht – auch wenn die Regierung das Gegenteil behauptet.

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3 Kommentare

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Ideenlose Leute,
Ideenlose Leute,

wohin man schaut. Von bedingungslosen Grundeinkommen zur Belastung des Eigentums der Ärmsten hat diese Regierung also geführt. Wahnsinn!

Gert G…
Gert G…

Man sollte es einführen. Zumindest für Pensionäre, die aber schon mit spätestens 65 in Pension gehen sollten: spätestens. Das ist doch mal ’ne Idee?

Dann müssten
Dann müssten

sich die Reichen nicht so fürchten und ganze hunderttausendschaften Armer zusätzlich aushungern lassen mittels Durchsetzung der ÖVP/FPÖ-Politik, die sie derzeit völlig bestimmen können, weil wir ausbildungstechnische Volldeppen gewählt haben und die es auch noch zulassen, dass sich die Industrie ihre Leute in die Ämter setzt.

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