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Wenn die 2 BMW-Erben jährlich mehr kriegen als 20.000 Mitarbeiter, dann läuft etwas falsch

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Wenn die 2 BMW-Erben jährlich mehr kriegen als 20.000 Mitarbeiter, dann läuft etwas falsch

Patricia Huber Patricia Huber
in Reichtum & Macht
Lesezeit:4 Minuten
6. Mai 2019
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Der deutsche JUSO-Vorsitzende Kevin Kühnert hat mit zwei Ideen für Aufsehen gesorgt: Er will den massenhaften Besitz von Immobilien beschränken, denn es ist „kein legitimes Geschäftsmodell“, Gewinn mit dem Wohnraum anderer Menschen zu machen. Und: Große Betriebe wie BMW könnten in öffentliches Eigentum oder Genossenschaften umgewandelt werden, wenn es für die Allgemeinheit sinnvoll ist. Die Vorschläge haben heftige Reaktionen ausgelöst – auch in Österreich. Dort attackiert der ÖVP-Kandidat für die EU-Wahl Othmar Karas die SPÖ-Jugendkandidatin Julia Herr, weil auch sie sich für mehr öffentliches Eigentum ausspricht.

Seit zehn Jahren gibt es in Europa einen Trend, Privatisierungen zurückzunehmen: 700 Unternehmen sind in 20 europäischen Ländern wieder in öffentliches Eigentum verwandelt worden. Denn das Versprechen der Neoliberalen hat sich als falsch herausgestellt: Privat-Investoren agieren ineffizienter und teurer als die öffentlichen Hand.

So haben private Betreiber der Eisenbahn in Großbritannien die Schienen so schlecht gewartet, dass 42 Menschen bei Zugunglücken starben und 700 schwer verletzt wurden. In Paris haben sich die Wasserpreise nach der Privatisierung vervierfacht – die Pariser Wasserversorgung ist mittlerweile wieder in öffentlicher Hand.

Den stärksten Trend zurück zu öffentlichem Eigentum gibt es im Energie- und im Wassersektor: Die meisten Fälle gibt es in Deutschland (347), Frankreich (152) und Großbritannien (64) – also jenen Ländern, die davor sehr stark auf Privatisierungen gesetzt haben.

Wohnen als Spekulationsfeld

Kevin Kühnert kann sich Vorstellen BMW zu verstaatlichen. Enteignen kann er sich vorstellen.
Kevin Kühnert: Jeder könnte nur den Wohnraum besitzen, in dem er selbst wohnt.

Weniger im Blickfeld waren bisher privatisierte Wohnungen. Dort sind Mietpreise in vielen europäischen Ländern stark gestiegen. Aktuell tobt in der deutschen Hauptstadt Berlin eine Debatte darum: Das Volksbegehren „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“ fordert, die Stadt soll rund 200.000 Wohnungen von Immobilien-Spekulanten zurückkaufen: Wer mehr als 3.000 Wohnungen in Berlin besitzt, muss diese gegen Entschädigung der Stadt übergeben. Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der Berliner diese Forderung unterstützt. Die Stadtregierung ist gespalten.

Der wichtigste Wohneigentümer in Berlin ist der Konzern „Deutsche Wohnen“. Ihm gehören 116.000 Wohnungen im Großraum Berlin. Im vergangenen Jahr lag sein Gewinn bei 1,8 Milliarden Euro. Die „Deutsche Wohnen“ hatte wiederholt Mieterhöhungen über der Grenze des Mietspiegels verlangt und zur Durchsetzung gegen Mieter geklagt.

Juso-Chef Kühnert: Profit mit Wohnraum ist kein „legitimes Geschäftsmodell“

In diese Debatte mischt sich der Vorsitzende der deutschen Jungsozialisten Kevin Kühnert jetzt ein: Profit mit dem Wohnraum anderer Menschen zu machen, ist kein „legitimes Geschäftsmodell“ sagt er:

„Konsequent zu Ende gedacht, sollte jeder maximal den Wohnraum besitzen, in dem er selbst wohnt. Noch besser seien genossenschaftliche Lösungen, im Optimalfall gebe es überhaupt keinen privaten Vermietungen mehr.“

Die Reaktionen sind heftig: „Grober Unfug. Was hat der geraucht?“ ist da etwa zu hören. Doch Kühnert kontert: Die Reaktionen zeigen, wie eng mittlerweile die Grenzen des Vorstellbaren geworden sind. „Da haben 25 Jahre neoliberale Beschallung ihre Spuren hinterlassen.“

BMW: 2 Erben verdienen mehr als 20.000 BMW-Angestellte

Und Kühnert geht noch einen Schritt weiter: Auch große Autobetriebe wie BMW könnten in Genossenschaften oder öffentliche Betriebe verwandelt werden, damit demokratisch über den von 87.000 Beschäftigten erarbeiteten Wohlstand entschieden werden kann.

Die beiden BMW-Erben Stefan Quandt und Susanne Klatten haben letztes Jahr beide mehr als eine Milliarde Euro verdient. Das ist so viel wie 20.000 BMW-Beschäftigte zusammen verdienten.

Dazu lässt sich BMW stark durch öffentliche Gelder unterstützen: Durch Bundesmittel, Landesmittel und staatliche Kaufförderungen wie die „Abwrackprämie“ – allein die ließ sich Deutschland 5 Milliarden Euro kosten. 600 Millionen Euro stellt die Bundesrepublik jetzt für Zuschüsse beim Kauf eines Elektro- oder Hybridautos zur Verfügung. Dazu hat BMW für die Produktion ihrer Elektroautos Subventionen in der Höhe von 45 Millionen Euro beantragt – viel zu hoch, wie der Europäische Gerichtshof jetzt befand.

SPÖ-Kandidatin Herr: Gewinne müssen denen zugutekommen, die sie erarbeiten

BMW deshalb in eine gemeinschaftlich verwaltete Genossenschaft zu verwandeln, ist bestimmt nicht die naheliegendste Idee. Aber Kühnert stellt eine Wirtschaftsverfassung in Frage, in der zwei Erben mehr verdienen als 20.000 Angestellte zusammen.

„Die Richtung der Diskussion sollte es sein, dass die Gewinne von Konzernen wie BMW vor allem jenen zugute kommen, die sie erarbeiten“, sagt auch die Vorsitzende der Sozialistischen Jugend Österreich, Julia Herr.

SPÖ-Jugendkandidatin Herr: Den Wohnungsmarkt nicht privaten Interessen überlassen, das kann ich hundertprozentig unterstützen.

Es geht darum, das Wirtschaftssystem mit Demokratie zu durchfluten  – und es muss Raum für Visionen geben,

so Herr. Der öffentliche Verkehr, Wasser und der Wohnungsmarkt sollten Gemeinschaftseigentum sein.  „Kühnerts Aussage, dass man den Wohnungsmarkt nicht privaten Interessen überlassen sollte, ist eine Forderung, die ich hundertprozentig unterstütze“, so die SJ-Vorsitzende. Denn in ganz Europa geht der Trend in Richtung mehr öffentliches Eigentum.

Karas auf Seiten der Privatisierer

Der neoliberale Gegenschlag lässt auch in Österreich nicht lange auf sich warten: Der ÖVP-Kandidat für die EU-Wahl Othmar Karas kritsiert Herrs Bekenntnis zu öffentlichem Eigentum scharf und fordert die SPÖ auf, sich von Herr zu distanzieren.

Das wundert nicht: Othmar Karas gilt als Vertreter der Wirtschaft in Brüssel. Sein Abstimmungsverhalten im Europäischen Parlament ist für Freihandelsabkommen wie TTIP und CETA und von Griechenland forderte er Privatisierungen nach dem Vorbild Österreichs. Zur Erinnerung: ÖVP und FPÖ hatten nach 2000 eine Welle der Privatisierung gestartet und öffentliche Beteiligungen an rentablen Unternehmen zum Teil zu Spottpreisen verscherbelt. Karas‘ enge Kontakte zur Wirtschaft zeigen sich auch daran, dass in einem Büro stets zwei junge MItarbeiter von der Industriellenvereinigung und der Wirtschaftskammer arbeiten. Da bleibt wenig Raum für Visionen nach einer gerechten Verteilung von Wohlstand.

Parlament Das Thema "Privatisierung" im Parlament

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2 Comments
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Lumpi
Lumpi
7. Januar 2020 12:38

BMW zum Beispiel zahlt seine Mitarbeiter wirklich sehr gut. Okay, die Eigentümer haben Glück, sie haben Geld. Viel Geld. Das können sie ja auch wieder ausgeben, zum Beispiel für karikative Zwecke, wie das bei der Familie Grundig der Fall war.
Wahrscheinlich ist es effektiver, wenn gemeinnützige Organisationen oder eventuell auch Spitäler in privater Hand sind, da dann anzunehmen ist, dass es mehr gute Leute an der Führung gibt und Geld effizienter ausgegeben wird. Meiner Beobachtung nach kann der Staat nicht gut wirtschaften.

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wolfM
wolfM
6. Mai 2019 18:50

Und wann steigt die SPÖ auf diesen Zug auf, wäre doch eine gute Gelegenheit sich für Gerechtigkeit bei Wohnen einzusetzen

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Die Country- und Pop-Ikone Dolly Parton ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Neben ihrer Karriere als Sängerin ist sie auch für ihr soziales Engagement bekannt: Mit der Imagination Library hat sie ein weltweites Leseprojekt gegründet, das Kindern kostenlos Bücher zur Verfügung stellt. Außerdem unterstützte sie Bildungs- und Hilfsprojekte über die Dollywood Foundation und spendete Millionenbeträge in die medizinische Forschung. Ihrem 1980 verfassten Song „9 to 5“ – einem sozialkritischen Kommentar auf Arbeitswelt und Ungleichheit - entstammt dieses Zitat: “It’s a rich man’s game no matter what they call it, and you spend your life putting money in his wallet.” Zitat: Es ist ein Spiel der Reichen und egal wie sie es nennen, du verbringst dein Leben damit, Geld in ihre Taschen zu stecken. Dolly Parton

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Genossenschaft

Genossenschaften gehören zu den ältesten und gleichzeitig modernsten Formen des gemeinschaftlichen Wirtschaftens. In vielen Ländern spielen sie eine wichtige Rolle im sozialen und wirtschaftlichen Gefüge. Genossenschaften stehen für gemeinschaftliches Wirtschaften, das wirtschaftliche Stabilität, soziale Verantwortung und demokratische Mitbestimmung vereint. Sie bieten eine nachhaltige Alternative zu rein profitorientierten Unternehmen und fördern Solidarität sowie regionale Entwicklung. Wir erklären, wie Genossenschaften funktionieren und warum sie so zukunftsfähig gelten.

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Demokratie

Demokratie bedeutet „Volksherrschaft“. In modernen Demokratien entscheidet die Bevölkerung meist nicht über jede Frage selbst, sondern wählt Vertreterinnen und Vertreter. Diese treffen politische Entscheidungen im Parlament oder in der Regierung. Wichtig sind freie und faire Wahlen, Grundrechte, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung und der Schutz von Minderheiten. Auch Mehrheiten müssen sich an die Verfassung halten. In Österreich dürfen österreichische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger ab 16 Jahren bei Nationalratswahlen wählen. Bei Wahlen entscheiden sie, welche Parteien und Personen sie im Parlament vertreten sollen. Das nennt man repräsentative Demokratie. Zu einer Demokratie gehört auch Meinungsfreiheit. Menschen dürfen ihre Meinung äußern und die Regierung kritisieren. Die Meinungsfreiheit hat aber Grenzen, zum Beispiel wenn jemand andere bedroht, gegen Gruppen hetzt oder nationalsozialistische Verbrechen leugnet oder verharmlost. In einer

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Das Europäische Parlament

Auf einen Blick Rolle: Direkt gewähltes EU-Organ mit Zuständigkeit für Gesetzgebung, Aufsicht und Haushalt Mitglieder: 705 Mitglieder des Europäischen Parlaments Präsident: David Sassoli Gegründet: 1952 als Gemeinsamen Versammlung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, 1962 als Europäisches Parlament, erste direkte Wahl 1979 Standort: Straßburg (Frankreich), Brüssel (Belgien), Luxemburg Das Europäische Parlament ist die einzige direkt von den europäischen Bürgerinnen gewählte Institution der EU. Die 705 EU-Parlamentarier, auch Mitglieder des Europäischen Parlaments (MEP) genannt, vertreten 450 Millionen Bürger aus allen 27 Mitgliedsstaaten. Sie sind in acht politische Fraktionen unterteilt. Alle zweieinhalb Jahre (also zwei Mal in jeder Legislaturperiode) wählen sie einen neuen Präsidenten bzw. eine neue Präsidentin aus ihrer Mitte. Logo des Europäischen Parlaments Das EU-Parlament ist das gesetzgebende Organ

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ÖVP

Die Österreichische Volkspartei (ÖVP) ist eine der traditionellen Großparteien Österreichs. Sie vertritt vor allem bürgerlich-konservative Werte. Traditionell gilt sie als Interessenvertreterin der Wirtschaft, der Bauern sowie der römisch-katholischen Kirche.

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FPÖ

Die FPÖ gibt sich gerne als „soziale Heimatpartei“. Egal ob unter Jörg Haider, Heinz-Christian Strache oder jetzt Herbert Kickl. Sie tut so, als ob sie die Partei der “kleinen Leute” wäre. Doch egal, ob in Opposition oder Regierung: Die FPÖ vertritt gemeinsam mit der ÖVP Konzerne und Österreichs Reichste. Hier der Beweis!

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