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Regierung verschläft Jobkrise: 50.000 Jugendliche ohne Job und Ausbildung

Copyright: voestalpine AG, Quelle: voestalpine.com

Die Corona-Krise hat zur höchsten Arbeitslosigkeit in der Geschichte der Zweiten Republik geführt. Besonders stark betroffen sind Jugendliche. Bei ihnen hat sich die Arbeitslosigkeit mehr als verdoppelt. 50.000 Jugendliche stehen aktuell ohne Job und Ausbildung da – das müsste aber nicht sein. Die SPÖ hat am 8. Juli dieses Problem in einer dringlichen Anfrage im Parlament zum Thema gemacht. 

Die Abgeordnete Eva Holzleitner der SPÖ stellt den Antrag im Parlament. „Wir hätten hier im Parlament die Möglichkeit, allen jungen Menschen die Chance auf Ausbildung zu ermöglichen – durch Lehrstellen im Bund, in staatsnahen Betrieben, in überbetrieblichen Lehrwerkstätten, durch Unterstützung von Unternehmen in der Krise. Wir müssen nur den Mut haben, das zu beschließen und umzusetzen. Dann können wir die Jugendarbeitslosigkeit auf null senken. Denn eine gut ausgebildete Jugend von heute ist der Motor und die Kraft von morgen.“ Holzleitner fordert ein „Kraftpaket für junge Menschen, bevor es zu einer Lost Generation kommt“. Doch die Regierung lehnt ab.

Österreichs Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird durch Corona um sieben Prozent schrumpfen. Das ist der größte Wirtschaftseinbruch unserer Geschichte. Das müsste aber nicht zu einer Katastrophe werden. Im Vergleich ist unser geschrumpftes BIP noch kein Problem: Wir fallen damit auf die Wirtschaftsleistung von 2015 zurück bzw. auf das pro Kopf BIP von Belgien. Weder haben wir 2015 in Elend leben müssen, noch geht es den Belgierinnen und Belgiern wirtschaftlich schlecht. Das Problem ist also nicht unsere Wirtschaftsleistung, sondern dass die Lasten der Krise ungleich verteilt sind.

Sehr hart trifft es etwa die kleinen Selbstständigen, die teilweise mit einem Totalausfall ihrer Umsätze leben müssen und Menschen, die in die Arbeitslosigkeit gefallen sind und knapp die Hälfte ihres Einkommens verlieren. Besonders betroffen sind hier jugendliche Arbeitslose.

„Wenn Jugendlichen länger keinen Job und keine Ausbildung haben, dann heißt das, dass sie ihr Leben lang schlechtere Job- und Einkommenschancen haben,“ führt der Chefökonom der Arbeiterkammer Markus Marterbauer aus.

Generation Corona

Darum wäre es wichtig, schnell zu handeln. Schon im Herbst kommt ein neuer Jahrgang aus den Schulen heraus – damit wird die Jugendarbeitslosigkeit weiter wachsen. Denn diese Generation hat es besonders schwer, einen Job zu finden. In vielen Betrieben wird aktuell nicht mehr ausgebildet – zu unsicher sind die Umstände. Experten gehen davon aus, dass bis zu 8.000 Lehrstellen im Herbst fehlen werden. Aber auch Jugendliche, die bereits eine Lehrstelle haben, machen sich Sorgen. Sie haben Angst, nach ihrer Lehre nicht übernommen zu werden, denn die Unternehmen trennen sich eher von jungem unerfahrenen Personal.

Jugendarbeitslosigkeit könnte bei null liegen

Die gute Nachricht ist: Jugendarbeitslosigkeit kann man im Gegensatz zu anderen Formen der Arbeitslosigkeit relativ einfach bekämpfen. Schließlich gibt es für Jugendliche immer eine Alternative zu einem Job – Ausbildung. Und der Vorteil dabei ist: Ausbildungsplätze können im Gegensatz zu Arbeitsplätzen tatsächlich direkt von der Politik geschaffen werden. Sie sind eine rein politische Entscheidung. Wenn die Regierung will, könnte sie Geld in die Hand nehmen und überbetriebliche Lehrwerkstätten ausbauen. Sie könnte aber auch für mehr Plätze in berufsbildenden mittleren und höheren Schulen oder auch AHSen sorgen. Auch mehr Plätze an Universitäten und Fachhochschulen können helfen, denn auch Maturanten finden derzeit schwer Jobs. Diese Maßnahmen fordert auch Marterbauer:

„Da geht es nicht um die Frage: Kann ich neue Jobs schaffen? Sondern da geht es nur um die Frage: Kann ich Finanzierung bereitstellen und bin ich logistisch in der Lage, zehntausende zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen? Und wenn das nicht eine zentrale Aufgabe einer Bundesregierung ist, dann weiß ich nicht, worum es dann gehen soll.“

Regierung Kurz hat Ausbildungsgarantie bis 25 gestrichen

Die hohe Jugendarbeitslosigkeit lässt sich auch durch vergangene Fehler der Regierung erklären. So strich die Regierung Kurz I die Ausbildungsgarantie bis 25. Mit der Ausbildungsgarantie hatte jeder Österreicher unter 25 das Recht auf eine Berufsausbildung. Diese Garantie wäre in der Corona-Krise eine zentrale Maßnahme, um Jugendliche aus der Arbeitslosigkeit und in eine Ausbildung zu bekommen.

SPÖ fordert Lehrlingsgarantie

Die SPÖ fordert die Wiedereinführung dieses erprobten Konzeptes und will außerdem, dass die Regierung allen Jugendlichen, die in der Wirtschaft nicht unterkommen, einen entsprechenden Lehrplatz anbietet. Dazu sollen überbetriebliche Lehrwerkstätten ausgebaut werden und der Bund seine Lehrstellen aufstocken.

Lehrlinge: Vorbild Wien und Kärnten

Die SPÖ regierten Bundesländer Wien und Kärnten, zeigen schon jetzt wie das aussehen kann. Wien nimmt 10 Millionen Euro für überbetriebliche Lehrwerkstätten in die Hand. Zusätzlich werden weitere 7 Millionen investiert, die benutzt werden, um direkt auf arbeitslose Jugendliche ohne fertige Ausbildung zuzugehen und sie in Lehren oder ähnlichen Ausbildungen unterzubringen. Außerdem verdoppelt die Stadt Wien die Zahl ihrer eigenen Lehrstellen von 150 auf 300.

Kärnten geht ähnlich vor und erhöht die Anzahl der Lehrstellen in der Landesverwaltung und den Gemeinden. Außerdem wird Geld in die überbetriebliche Lehrausbildung investiert und die Lehre mit Matura forciert.

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rudolf
rudolf
26. Juli 2020 10:51

In die Arbeits -Losen -Versicherung zahlen ALLE Arbeitnehmer ein!!
Es sollen ALLE AL eine Nettoauszahlung von 80 % , des letzten Lohnes, sein! Aber OHNE Unterschreitung der Armutsgefährdungsschwelle von 1286.-€ pro Monat.
Warum sollte die AL-Versicherung eine Belastung der Staatskasse sein? Mit einer Arbeits Zeit Verkürzung kommte auch wieder mehr Geld in die AL-Versicherung!
Ein Beschäftigungshemmniss ist es keine, wenn die Unternehmer verpflichtet werden, ARBEITSPLÄTZE zur Verfügung zu stellen!
Und das geht mit einer 30 Wochenstunde und einem Nettolohn von 17.-€ pro Stunde = 2208.30 € pro Monat. Wo es diesen Lohn noch nicht gibt!!

rudolf
rudolf
23. Juli 2020 10:41

Auch die 50 000 Jugendliche können davon PROVITIEREN!!
Liebe Genossen, wäre eine 30 Stundenwoche nicht besser! Da wären die Mitarbeiter besser dran, da diese mehr Ausgeruht und Modiviert sein werden.
Diese AZV wurde schon vor 45 Jahren, von der WKO miß gemacht und jetzt stehen die Betriebe , vor Corona, besser da, als vor 45 Jahren mit der 48 Stundenwoche!
Einen 17.-€ Netto-Stundenlohn, jetzt und nicht erst wann…., damit die Arbeitslosigkeit und die Armut verschwindet.
Wurde ja von der Partei gefordert, aber nicht ERKÄMPFT!! Und warum NICHT!!
Nur wer kämpft kann verleiren, wer NICHT kämpft, hat schon verloren!!
Freundschaft!!

rudolf
rudolf
10. Juli 2020 08:12

Nur eine 30 Wochenstunde und ein 17.-€ Nettolohn verhindert die Armut und die Arbeitslosigkeit,auch für JUGENDLICHE, in Österreich!!!

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