Italien

Sardinen-Bewegung in Italien: Hunderttausende gegen Salvini und gegen „Gewalt in der politischen Sprache“

100.000 Menschen versammelten sich am Wochenende in Rom auf den Piazza San Giovanni – dem größten Platz der Stadt. Nicht in nur in der Hauptstadt kommt die Sardinen-Bewegung zusammen. Eine Bewegung, die erst vor rund einem Monat im Protest gegen die rechtextreme Partei „Lega“ und ihrem Chef Matteo Salvini begonnen hat. Doch wofür stehen die Sardinen?

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„In Mailand, vor dem Dom, versammelten sich sechzehntausend Menschen. In Parma füllten sie die Piazza, in Reggio Emilia, sogar in Tarent, im äußersten Süden der Halbinsel protestierten sie. In Neapel, auf der Piazza Dante, sollen es mehr als zehntausend Leute gewesen sein. Und auf der Piazza Grande in Modena standen siebentausend Menschen in heftigem Regen“ schreibt die Süddeutsche. Was sie wollen? Der Gründer der Bewegung Mattia Santori erklärt es so:

„Wir wollen eng wie Sardinen zusammenrücken, um zu verhindern, dass Populismus in Italien noch mehr Fuß fasst. Auf Hass und Intoleranz reagieren wir mit Kampf gegen Diskriminierung, mit Beteiligung auf den Plätzen, mit Kreativität und Fantasie.“

Sie sehen sich nicht als Partei und sie haben auch keine Pläne, eine zu werden. Doch auch die 5-Sterne-Bewegung begann als eine Bürgerbewegung. Zehn Jahre später stellen sie den Premierminister, die Bürgermeisterin Roms sowie Bürgermeister in vielen anderen Städten. Die Ziele der Sardinen-Bewegung sind kleiner – und größer zugleich:

„Wir hoffen, dass die Gewalt aus der politischen Sprache verschwindet.“

Die Sardinen-Bewegung ist anders: Jeder kann teilnehmen, aber man bittet darum, Partei-Fahnen und Banner zu Hause zu lassen. Sie fühlen sich als Teil der Linken – Partei brauchen sie dafür keine.

Das Problem mit Salvini und der Lega

Die rechtsextreme Partei Lega war bis August unter der Führung von Premier Guiseppe Conte (der 5-Sterne-Bewegung) Teil der italienischen Regierung. Der Lega-Vorsitzende und damalige Innenminister Salvini kündigte die Koalition auf. Er erklärte, die Regierung sei arbeitsunfähig. Doch er befand sich zu diesem Zeitpunkt auch in einem Umfragehoch. Sein Plan Neuwahlen zu erzwingen, ging aber nicht auf. Die 5-Sterne-Bewegung ging eine Koalition mit der sozialdemokratischen Partito Democratico ein.

Seither hat die Lega einige Regionalwahlen gewonnen, die Umfragen stehen für sie gut. Auch in linken Hochburgen, wie der Region Emilia-Romagna und deren Hauptstadt Bologna, in denen Ende Jänner gewählt wird.

Inhaltlich steht die Lega rechtsaußen: Salvinis Partei stand ursprünglich für die Abspaltung Norditaliens vom Süden, er spricht von „kontrollierten ethnischen Säuberungen“, will Scheidungen erschweren, in dem er Männern sogar dann ein geteiltes Sorgerecht geben möchte, wenn diese gewalttätig waren. Und er hetzt gegen Roma:

„Es braucht eine Massensäuberung auch in Italien. Straße für Straße, Viertel für Viertel, Platz für Platz. Dazu braucht es eine harte Vorgehensweise, denn es gibt ganze Stadtteile und Gegenden Italiens, die außer Kontrolle sind.“

Seine Partei steht außerdem in Verdacht, illegale Wahlkampffinanzierung über russisches Olgarchen-Geld betrieben zu haben und hat einen Kooperationsvertrag mit den Putins Partei „Geeinigtes Russland“.

14. November: Vom Flashmob zur Sardinen-Bewegung

Als die Lega am 14. November 2019 ihre Kampagne für die Wahlen in Emilia-Romagna startete – organisierte Mattia Santori, beruflich Wirtschaftswissenschafter und Sportlehrer, eine Flashmob. Wie 6.000 Sardinen, die in großen Gruppen zusammenschwimmen und im Licht bunt schimmern, sollte sich die Leute versammeln. Gekommen sind 15.000 und der Protest weitet sich auf das ganze Land aus. Am 14. Dezember, ein Monat später, waren hunderttausende auf den Straßen – in Italien und auf der ganzen Welt.

Italienische Sardinen-Bewegung auf der ganzen Welt

Überraschend ist der Zuspruch der Auslandsitaliener. Auf der ganzen Welt haben sich Gruppen gebildet. In 33 internationalen Städten haben Italiener ihren Protest ausgedrückt. Auch in Wien organisieren sich Protestierende auf Facebook. Auf der Seite „6.000 Sardine Vienna“ unterstützen italienische Wiener ihre Freunde und Familien in ihrere alten Heimat.

Ein Tweet der Sardinen-Bewegung: Menschen demonstrieren vor dem Eiffelturm in Paris gegen Salvini.

Auch vor dem Eiffelturm wurde demonstriert. In 33 Städten weltweit kam die Sardinen-Bewegung zusammen um gegen Salvini zu protestieren.

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