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Nach Erfolg der isländischen 4-Tage-Woche: SPÖ will Pilotprojekt für Österreich

Seit 46 Jahren hat es in Österreich keine Arbeitszeitverkürzung mehr gegeben, das ist zu lange her, meinen die SPÖ-Vorsitzende und Klubobfrau Pamela Rendi-Wagner und der Bauholz-Gewerkschaftschef und SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz. Wenn Österreich jetzt nicht auf den Zug der 4-Tage-Woche aufspringe, werde das die Arbeitslosigkeit und den Fachkräftemangel verschärfen. Die SPÖ will den Sommer für Gespräche mit Parteien, Gewerkschaft und Wirtschaft nutzen, um im Herbst ein Pilotprojekt zur Arbeitszeitverkürzung zu beschließen. 

„Es ist Zeit, den ersten Schritt zu setzen. Andere Länder zeigen bereits vor, wie es geht“, sagt SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner zur 4-Tage-Woche in Österreich und verweist auf den Pilotversuch in Island. Dieser Tage hat die Studie zum isländischen Pilotprojekt wissenschaftlich belegt, was man bereits aus anderen Projekten zur 4-Tage-Woche kennt:

Es zeigte sich, dass die Beschäftigten mit kürzerer Arbeitszeit weniger Stress erlebten und gesünder waren. Sie fühlten sich glücklicher, hatten mehr Zeit für Erholung, Familie, Haushalt, Hobbies oder Sport. Gleichzeitig nahm weder die Produktivität noch die Qualität ihrer Arbeit ab. Im Gegenteil: In vielen Fällen wurde die gleiche oder sogar eine bessere Leistung erbracht.

Seit dem Ende des Versuchs haben einige Gewerkschaften die Arbeitszeit neu verhandelt. 86 Prozent aller Beschäftigten haben nun kürzere Arbeitszeiten oder zumindest die Möglichkeit dazu. Auch Spanien steht kurz davor, ein Pilotprojekt mit 500 Firmen zur 4-Tage-Woche zu starten, Betriebe sollen dabei durch staatliche Förderungen unterstützt werden.

So will es auch das SPÖ-Modell: Das AMS soll in der Pilotphase Kooperationsunternehmen auswählen, in denen die Arbeitszeit um 20 Prozent, also auf 32 Stunden in der Woche, gesenkt werden. Die wegfallenden 20 Prozent sollen zur Hälfte vom AMS bezahlt werden und jeweils zu 25 Prozent vom Arbeitgeber und vom Arbeitnehmer. So bliebe mit einer Viertagewoche ein Bruttolohn von 95 Prozent, rechnet Rendi-Wagner vor. Dazu kommt ein Beschäftigungseffekt: Wenn vier ArbeitnehmerInnen im Viertagewochen-Modell arbeiten, soll eine zusätzliche Arbeitskraft angestellt werden.

Anreiz für Fachkräfte

„Österreich darf diesen internationalen Zug nicht verpassen. Wir haben schon jetzt einen großen Fachkräftemangel“, warnt Rendi-Wagner. Denn eines ist eindeutig: Österreichische Firmen wie die Osttiroler Naturkosmetik-Hersteller Brüder Unterweger , oder das Online Marketing Unternehmen eMagnetix in Oberösterreich, die ihre Arbeitszeit freiwillig reduziert haben, werden von Fachkräften regelrecht gestürmt, während andere Betriebe händeringend nach solchen suchten, betont Muchitsch.

Rendi-Wagner will für Österreich einen Pilotversuch zur 4-Tage-Woche mit wissenschaftlicher Begleitung – nach isländischem Vorbild. (c) Visnjic

Bei einer generellen 4-Tage-Woche braucht es Übergangsfristen und es wird nach Branchen unterschieden werden müssen, sagt Muchitsch. Auch in Branchen mit 7-Tage Betrieb sei die 4-Tage-Woche aber möglich, etwa durch Schichtbetrieb im Betreuungs- oder Gesundheitsbereich. In jedem Fall steige die Zufriedenheit, Gesundheit und Produktivität, wenn die Arbeitszeit sinkt. „Das ist die Zukunft“ für Muchitsch.

Breiter Diskussionsprozess bis zum Herbst

Die SPÖ will über den Sommer in einen breiten Dialog von Gewerkschaften, über Parteien bis zum Arbeitsminister treten. Im Herbst will sie dann im Parlament einen Antrag einbringen für ein Pilotprojekt mit wissenschaftlicher Begleitung. „Wenn alle Länder mit Pilotprojekten starten, ist es nicht gescheit, wenn Österreich da überbleibt. Dann haben wir wieder die ewige Diskussion mit Fachkräftemangel“, warnt Muchitsch. Die Wirtschaftskammer kritisiert er für ihre grundsätzliche Gegnerschaft und ihre „verstaubte Argumentation aus dem vorigen Jahrhundert“.

Statt Millionen für Arbeitslosigkeit auszugeben, soll der Staat eine freiwillige Arbeitszeitverkürzung unterstützen. „Eines darf nicht passieren, dass die Kurzarbeit ausläuft und die Arbeitslosigkeit sprunghaft ansteigt“, sagt Rendi-Wagner. Die geförderte 4-Tage-Woche sei eine kluge Ausstiegsvariante für die Kurzarbeit, von der auch die krisengebeutelten Unternehmen profitieren.

Gewerkschafter Muchitsch: Die 4-Tage-Woche ist die Zukunft. (c) Visnjic

Nach Erfolg der isländischen 4-Tage-Woche: SPÖ will Pilotprojekt für Österreich

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