Wohnen & Miete

Altbau-Mieten steigen zum zweiten Mal – Regierung lässt Mieterhöhung zu

Ohne Vorankündigung wurden mit Anfang Juni die Altbau-Mieten zum zweiten Mal in diesem Jahr teurer. Der Kategorie-Mietzins wird um 5,46 % erhöht. Die Regierung hätte das verhindern können. Jetzt droht eine Miet-Preis-Spirale. 

Erst im April ist die Miete für Mieterinnen und Mieter im Altbau und Gemeindebau gestiegen, denn: Die sogenannten „Richtwertmieten“ wurden erhöht. Schuld an der Mieterhöhung ist die automatische Anpassung der Wohnungsmiete an den Verbraucherpreis-Index (VPI), also die Inflation. Doch die Regierungsparteien hätten diese per Beschluss aussetzen können, wie im letzten Jahr. Immerhin ist auch in diesem Jahr eine Krise – obendrein mit der schlimmsten Inflation seit 47 Jahren. Doch ÖVP und Grüne bestanden auf die Erhöhung und so hat beispielsweise, wer in einer 80 m² Wohnung lebt, nun Mehrkosten von 360 bis 550 Euro im Jahr. Je nach Bundesland.

Im April stiegen die Richtwert-Mieten – jetzt im Juni die Kategorie-Mieten

Da sind die Teuerungen bei Strom, Heizen und Betriebskosten noch gar nicht eingerechnet. Und schon in weniger als einem Jahr passiert das gleich noch einmal: Denn die Erhöhung im April 2022 war nur die nachgeholte Erhöhung aus 2021. Im April 2023 steht Mieter:innen erneut eine saftige Mieterhöhung bevor.

Doch auch das ist noch nicht alles. Seit 1. Juni sind zusätzlich die Kategorie-Mieten im Altbau teurer geworden. Direkt betroffen sind rund 250.000 Mieter:innen, deren Mietverträge vor dem 28. Februar 1994 abgeschlossen wurden. Am 1. April stieg die Kategorie- A-Miete von 3,60 auf 3,80 Euro/m². Jetzt wird sie zwei Monate später auf 4,01 Euro/m² angehoben. Das läppert sich.

Unterschied Richtwert-Mietzins und Kategorien-Mietzins
Der Kategorie-Mietzins gilt für Altbauwohnungen, deren Mietvertrag zwischen 1. Jänner 1982 und 28. Februar 1994 unterzeichnet wurde. Der Kategorie-Mietzins ist an den Verbrauchspreisindex angepasst. Steigt die Inflation über 5%, kommt es zu einer Verlautbarung durch das Justizministerium und damit zu einer Kategorie-Mietzins-Erhöhung.

Die Miete für Wohnungen die nach diesem Zeitpunkt angemietet wurden, werden hingegen mit dem Richtwertmietzins berechnet. Seit 1. April 2022 gelten für das Burgenland 5,61 Euro pro Quadratmeter, Wien 6,15 Euro, Niederösterreich 6,31 Euro, Oberösterreich 6,66 Euro, in Kärnten 7,20 Euro, Tirol 7,50 Euro, Steiermark 8,49 Euro, Salzburg 8,50 Euro, und Vorarlberg 9,44 Euro pro Quadratmeter.

Inflation treibt auch Betriebskosten in die Höhe

Die Vorsitzende der Wiener Mietervereinigung, Elke Hanel-Torsch, warnt vor einer regelrechten „Teuerungsspirale“: „Steigen die Mieten, steigt dadurch wiederum die Inflationsrate. Wenn die Regierung weiterhin nichts unternimmt, steht uns in Kürze gleich die nächste Erhöhung ins Haus.“

Mit der Anhebung der Kategorie-Mieten steigen auch die Betriebskosten für alle Österreicherinnen und Österreicher, denn das Honorar für die Hausverwaltung wird für alle Mietverträge aus dem Kategorie-Mietzins berechnet. Über den Umweg der Betriebskosten werden durch die Erhöhung insgesamt 2 Millionen Mieter:innen zur Kasse gebeten.

Seit dem Jahr 1980 ist das Hausverwalterhonorar übrigens durch die gesetzlichen Anhebungen um 1.300 Prozent gestiegen.

Was steigt nicht mit der Inflation mit? Sozialleistungen – wie etwa die Wohnbeihilfe

Lebensmittelpreise, Spritpreise, Strompreise, Heizkosten, Mietzins, Betriebskosten – all das steigt mit der Inflation mit. Immer weniger bleibt am Konto. Doch was bleibt gleich niedrig? Sämtliche Sozialleistungen. Egal ob Notstandshilfe, Arbeitslosengeld oder Wohnbeihilfe: All die Leistungen, die Armut verhindern sollten, werden im Unterschied zu den Mietpreisen nicht indexiert – also nicht an die Inflation angepasst. Das haben ÖVP und Grüne nun abermals klargemacht.

Gerade angesichts rasant steigender Wohnkosten wäre aber eine höhere Wohnbeihilfe treffsicher und sinnvoll: Weil sie von jenen bezogen wird, die wenig Einkommen haben.

Jeder Zweite, der armutsgefährdet ist, lebt in einer Mietwohnung – laut WIFO sind es konkret 588.000 Menschen. Eine vorübergehend erhöhte Wohnbeihilfe könnte die Teuerung treffsicher abfedern: Denn dann erreicht man jene, die ohnehin wenig Geld zum Leben haben.

SPÖ will Mieten „einfrieren“

Die SPÖ will die Mietpreise stabilisieren und fordert daher, die  Erhöhung von Kategorie- und Richtwertmieten bis 2025 gesetzlich auszuschließen – es wäre eine dreijährige Mietpreisbremse. Zusätzlich wollen die SozialdemokratInnen neuen Mietpreisindex, mit dem die Steigerung auf 2 Prozent pro Jahr gedeckelt wird.

Österreich schlittert in Armutsspirale, wenn die Regierung jetzt nicht wirksam gegensteuert

In Österreich sind insgesamt 1,22 Millionen Menschen armutsgefährdet – das sind fast 14 Prozent der Bevölkerung. Oder: Jede 7. Person. Deren Haushaltseinkommen liegt unterhalb der sogenannten Armutsgefährdungsschwelle, die 1.300 Euro für eine erwachsene Person beträgt. Ein Viertel der Armutsgefährdeten sind minderjährige Kinder: 291.000 an der Zahl.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) hat in einer Studie erhoben, dass im untersten Einkommens-Zehntel das Haushaltseinkommen die Konsum-Ausgaben nur zu 68 Prozent deckt. Das bedeutet: Die ärmsten Haushalte müssen jeden Monat auf Ersparnisse zurückgreifen – oder sich verschulden – um ihre Ausgaben decken zu können.

Beim zweiten Einkommens-Dezil decken die Einnahmen nur 87 Prozent des Konsums, beim dritten Einkommens-Dezil nur 94 Prozent. Erst ab dem 4. Einkommens-Zehntel können die Haushalte mit ihren Einkommen ihre Ausgaben decken.

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Lena Rothstein
Lena Rothstein
8. Juni 2022 17:15

Thematisieren Sie endlich die lage verheirateter Frauen, die auf ihre Mini-Pension oft 400€ bis 600 € monatlich, kein Anrecht auf Ausgleichszulage bekommen, unter dem Argument, dass sie mit Ehepartnern als Haushalt, nicht als eigenständige Person berechnet werden: FAZIT: FEMIZIDE!

Claudia Binder
Claudia Binder
Reply to  Lena Rothstein
15. Juni 2022 15:51

Liebe Frau Rothstein!

Vielen Dank für Ihre Nachricht, welche ich gerne an unsere RedakteurInnen weiterleiten werde. Hier unsere bereits erschienenen Artikel zu diesem Thema:https://kontrast.at/gewaltschutzmassnahmen/ https://kontrast.at/frauenhaus-kinder/ https://kontrast.at/gewalt-gegen-frauen-oesterreich-frauenhaeuser/

Mit freundlichen Grüßen
Claudia Binder für die Redaktion

rudolf
rudolf
6. Juni 2022 11:13

Altbau-Mieten steigen zum zweiten Mal – Regierung lässt Mieterhöhung zuUnd warumläßt der BM Ludwig, im Gemeindebau und Privatbauten diese Erhöhung zu???? Ist das die SOZIALISTISCHE Ansage an die Mieter?? In GRAZ wird soetwas nicht gemacht!! Nehmt Euch das , als ein Beispiel, wie es sein soll!

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