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Greta Thunberg rechnet mit Klima-Heuchelei der Mächtigen ab

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Patricia Huber Patricia Huber
in Umwelt & Klima
Lesezeit:4 Minuten
6. Juli 2021
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Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg hat beim fünften „Austrian World Summit“ in Wien eine kompromisslose Rede gehalten. Sie wurde per Video in die Spanische Hofreitschule zugeschaltet und warf den PolitikerInnen und Mächtigen der Welt vor, sich nur als RetterInnen zu inszenieren statt tatsächlich die Klimakrise zu bekämpfen.

Hier die ganze Rede im Wortlaut:

„150 Wochen sind vergangen, seit wir den Schulstreik für das Klima gestartet haben. In diesen Wochen hat die Klima- und Umweltkrise mehr und mehr Menschen aufgerüttelt und der Druck auf euch, die Mächtigen, ist gestiegen. Der öffentliche Druck ist so groß geworden, die Augen der Welt waren auf euch gerichtet – also habt ihr begonnen zu handeln.

Aber ihr habt nicht mit Klimaschutzmaßnahmen reagiert, sondern mit einem Rollenspiel: Ihr spielt Politik. Ihr spielt mit Worten und spielt mit unserer Zukunft.

Ihr tut so, als würdet ihr Verantwortung übernehmen. Als wärt ihr die Retter. Ihr versucht, uns zu überzeugen, dass sich schon jemand um die Dinge kümmert. Doch die Lücke zwischen eurer Rhetorik und der Realität klafft immer weiter auseinander. Da das Bewusstsein so niedrig ist, kommt ihr fast damit durch. Aber lasst mich klar sagen: Was ihr tut, hat nichts mit Klimapolitik zu tun. Nichts mit einer Antwort auf einen Notfall. Das hat es nie.

Klimapolitik als PR der Mächtigen

Es ist nur eine Kommunikations-Taktik verkleidet als Politik. Vor allem die Regierungschefs der reichen Nationen tun so als würden sie sich ändern und auf die jungen Leute hören. Dabei macht ihr ziemlich genau so weiter wie zuvor. Ihr tut so, als würdet ihr die Wissenschaft ernst nehmen, indem ihr sagt: Die Wissenschaft ist zurück. Doch ihr haltet Klimagipfel ab, bei denen kein einziger Klimaforscher als Redner eingeladen ist. Ihr gebt vor, einen Krieg gegen fossile Brennstoffe zu führen, während ihr brandneue Kohlminen, Ölfelder und Pipelines eröffnet.

austrian world summit 2021 greta thunberg rede text
Klimakrise: Die Reichen verursachen sie, die Armen leiden am stärksten unter ihr.

Ihr macht nicht nur weiter wie bisher. In vielen Fällen beschleunigt ihr den Prozess sogar und skaliert ihn nach oben. Ihr gebt vor, die ehrgeizigste Klimapolitik zu haben, während ihr neue Öl-Lizenzen vergebt und zukünftige Ölfelder erforscht. Ihr prahlt mit euren angeblich ehrgeizigen Klimaverpflichtungen, die, wenn man sie ganzheitlich betrachtet, bei weitem nicht ausreichen. Und dann erwischen wir euch auch noch dabei, dass ihr nicht einmal versucht, diese Ziele zu erreichen. Ihr tut so, als würde euch die Natur und die biologische Vielfalt etwas wert sein,  während auf der Welt jede Sekunde ein Waldstück in der Größe eines Fußballfeldes gerodet wird.

Ihr tut so, als wärt ihr Klima-Vorreiter, während ihr eine Agrarpolitik beschließt, die die Pariser Klimaziele unerreichbar macht. Ihr tut so, als würdet ihr nach der Pandemie die Welt besser aufbauen, obwohl astronomische Geldsummen investiert wurden – aber nicht in grüne Projekte, was auch immer grün bedeutet.

Die G7 geben zum Beispiel Milliarden mehr für fossile Brennstoffe und ihre Infrastruktur aus als für saubere Energie.

Das wollt ihr mit schönen Worten und Versprechen ausgleichen, dass jemand in der Zukunft eure Handlungen ungeschehen und klimaneutral machen wird. Wenn eure leeren Worte nicht genug sind und die Proteste zu laut werden, antwortet ihr, indem ihr die Proteste für illegal erklärt.

Greta Thunberg: Immer mehr junge Menschen durchschauen die rhetorischen Tricks der Mächtigen

Natürlich begrüßen wir alle Anstrengungen, um unsere zukünftigen und jetzigen Lebensbedingungen zu schützen. Das Ziel einer entfernten Klimaneutralität könnte ein guter Anfang sein – wäre es nicht voller Schlupflöcher. Etwa, dass die Emissionen importierter Güter, Emissionen aus dem Flug- und Schiffsverkehr und das Verbrennen der Biomasse außen vor gelassen werden. Manipulationen werden zugelassen, Feedback-Schleifen ausgeklammert und Kipp-Punkte weitestgehend ignoriert. Wesentliche Aspekte der Gleichung und der Emissionen werden ignoriert. Die Ziele beziehen sich auf Fantasie-Skalen, weil derzeit kaum Technologien mit Negativemissionen existieren.

Aber wie ihr so weitermacht, durchschauen immer mehr von uns euer Manuskript und euer Rollenspiel – der Graben zwischen euren Handlungen und euren Worten lässt sich kaum mehr ignorieren. Immer mehr extreme Wettereignisse wüten um uns herum, mit dem Ergebnis, dass junge Menschen auf diesem Planeten nicht mehr euren Lügen aufsitzen.

Ihr distanziert euch mehr und mehr von uns und von der Realität. Vor einigen Jahren konntet ihr noch behaupten, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen. Heute ist das nicht länger möglich. 2021 soll das Jahr mit dem zweithöchsten Anstieg an Emissionen jemals werden. Ihr sagt, wir müssen uns langsam bewegen, um die ganze Bevölkerung mitzunehmen. Wie wollt ihr die Bevölkerung mitnehmen, wenn ihr diese Krise nicht wie eine Krise behandelt?

Die Klimakrise ist ein Notfall – keine Geschäftsidee

Wenn uns die Pandemie eines gezeigt hat: Die Klimakrise und ökologische Notfälle sind niemals wie Notfälle behandelt worden. Die Klimakrise wird heute bestenfalls wie eine Geschäftsidee behandelt, um grüne Jobs, grüne Unternehmen und grüne Technologien zu schaffen.

Als die Pandemie sich ausbreitete, sagte niemand von euch: Davon wird die Schutzmasken-Industrie profitieren oder das schafft neue Arbeitsplätze in der Gesundheitsversorgung und in den Spitälern.

Klimapolitik wird natürlich Vorteile und zusätzlichen Nutzen bringen. Aber ich brauche wahrscheinlich nicht zu sagen: Wir werden keine Krise bewältigen, die wir nicht als Krise behandeln und die wir in ihrer Tragweite nicht verstehen.

Vielleicht hilft euch dieses Rollenspiel dabei, nachts schlafen zu können. Dinge nur seiner selbst willen zu sagen, nur weil sie im Skript stehen. Aber während ihr eifrig auf der Bühne steht, scheint ihr zu vergessen, dass die Klimakrise nicht in einer entfernten Zukunft stattfindet. Es beraubt bereits heute die am meisten betroffenen Menschen in den am meisten betroffenen Gegenden der Welt so vieler Dinge.

Für euch mag das alles nur ein Spiel sein: Ein Spiel, um Wählerstimmen zu gewinnen, Popularität zu gewinnen, höhere Kurse am Aktienmarkt oder eure nächste hoch bezahlte Position in einem Konzern oder einem Lobbying-Unternehmen.

Wer sich mehr um die Verpackung als um den tatsächlichen Inhalt kümmert, wer die schönsten Reden hält und kurzsichtige Politik macht, gewinnt. Ihr könnt und werdet euch natürlich dafür entscheiden, weiter eure Rollen zu spielen, euren Text aufzusagen und eure Kostüme zu tragen. Ihr könnt und werdet weiter so tun als ob. Aber die Natur und die Physik wird nicht darauf hineinfallen. Die Natur und die Physik lassen sich nicht unterhalten oder ablenken von eurem Theater. Das Publikum ist müde geworden. Die Show ist vorbei. Danke!“

Parlament Das Thema "Klimakrise" im Parlament

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Greta Thunberg

Greta Thunberg ist eine schwedische Klimaschutzaktivistin, die sich weltweit für konsequente Klimapolitik auf wissenschaftlicher Basis einsetzt. Berühmtheit erlangte sie im Jahr 2018 im Alter von 15 Jahren, als sie freitags die Schule schwänzte, um damit Klimaschutzmaßnahmen zu fordern. Demonstrierte sie anfangs noch allein, mündete ihre Aktion schließlich in der "Fridays for Future" Bewegung, an der sich Millionen Schülerinnen und Schüler weltweit beteiligten. Später wurden ihre Positionen zum Nahostkonflikt als zum Teil antisemitisch kritisiert, was sie jedoch zurückweist.

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G7-Staaten

Die Abkürzung „G7“ steht für sieben besonders wirtschaftsstarke Länder: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA. Vertreterinnen und Vertreter dieser Staaten kommen regelmäßig bei Gipfeltreffen zusammen. Auch die Präsidentin der EU-Kommission nimmt daran teil. Bei diesen Treffen geht es vor allem um zentrale Fragen der Wirtschafts-, Finanz- und Entwicklungspolitik. Darüber hinaus werden auch internationale Themen besprochen, die viele Länder betreffen – etwa Terrorismusbekämpfung, der Kampf gegen Drogen- und Waffenhandel oder der Schutz der Umwelt. G8 – die Gruppe der Acht Zwischen 1998 und 2013 war auch Russland Teil dieser Treffen. In dieser Zeit sprach man deshalb von der „G8“. Seit einigen Jahren wird Russland jedoch nicht mehr eingeladen. Die G7-Staaten wollen damit ihre Ablehnung der russischen Politik gegenüber

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