Afroösterreicherin in der Bezirkspolitik

Mireille Ngosso: Diese Frau muss mit dem Hass der Rassisten leben

Im Juni bekommt der erste Bezirk in Wien eine neue stellvertretende Bezirksvorsteherin: Mireille Ngosso. Sie ist Ärztin, verheiratet und Mutter eines Kindes. Lokalpolitik ist ihre Leidenschaft und sie würde gerne über zu viele Privatärzte im ersten Bezirk reden oder die viel zu teuren Wohnungen. Doch Ngosso ist im Kongo geboren und in Wien aufgewachsen, sie ist Afroösterreicherin. Und so schlägt ihr in den sozialen Netzwerken zunächst eine Welle des Hasses entgegen.

Dabei hat die 38-jährige Politikerin alles richtig gemacht. Ein Lebenslauf, wie ein Integrations-Vorbild: Perfektes Wienerisch, freundliches Auftreten, Medizinstudium, Ärztin im Krankenhaus Hietzing, Ehefrau, Mutter und engagiert in der Lokalpolitik. Dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – sind die Wogen auf FPÖ-nahen Seiten hochgegangen, als Ngosso gewählt wurde. Hass, Wut und Beleidigungen sind hemmungslos geflossen. Ohne Grund – einfach nur, weil sie die falsche Hautfarbe hat.

Das hat aber auch das andere Österreich aufstehen lassen. Menschen, die nicht akzeptieren wollen, dass andere Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe beleidigt und angepöbelt werden. Und das bedeutet Mireille Ngosso viel:

„Ich bin eine Frau mit sichtbarem Migrationshintergrund und habe mit den negativen Reaktionen mancher in gewisser Weise gerechnet. Aber mit den unzähligen positiven, aufbauenden Nachrichten habe ich wirklich nicht gerechnet“, sagt die Bezirkspolitikerin.

Sie ist noch immer nicht dazu gekommen, auf alle Zusprüche zu antworten. „Das tut mir sehr leid, ich mache das in den nächsten Wochen bestimmt.“

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In einem politischen Haushalt groß geworden

Ngosso ist in einem sehr politischen Haushalt groß geworden. Ihr Vater hat gegen den kongolesischen Diktator Mobutu gekämpft, dann ist die Familie nach Österreich geflohen. „Bei uns zuhause wurde immer viel politisch diskutiert. Als wir nach Österreich kamen, hat mein Vater bei der SPÖ angeklopft, um mitzuarbeiten – da konnte er noch nicht mal richtig deutsch“, erzählt Ngosso. Sie ist mit der Sozialdemokratie aufgewachsen, ging auf den Maiaufmarsch und trat vor zehn Jahren selbst der SPÖ bei.

Ngosso hat viel erreicht in ihrem Leben, und es ist ihr wichtig zu betonen, wie gut viele Menschen sie hier behandelt haben und ihren Weg unterstützen. Doch der Weg ist auch durchzogen von negativen Erfahrungen. Zum ersten Mal bedroht hat sich Ngosso im Jahr 2.000 gefühlt. Als damals die schwarz-blaue Regierung angelobt wurde, sind Hemmungen gefallen: „Da wurde ich plötzlich in der U-Bahn beschimpft und geschupst“, erinnert sie sich.

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„Hasspostings und Hetze im Internet spüre ich besonders“

Heute haben sich die Angriffe eher ins Internet verlagert. „Die Hasspostings und die Hetze im Internet, die spüre ich schon besonders“. Umso wichtiger sind ihr die positiven Reaktionen, die Unterstützungen, die es auch gab. „Eigentlich muss man immer genauso reagieren, wie die Leute bei mir reagiert haben. Man muss zeigen: Das ist nicht normal. Das geht so nicht. Und das auch laut zum Ausdruck bringen.“

Lieber als über Hasspostings und rassistsiche Angriffe würde Ngosso allerdings über Lokalpolitik sprechen. Sie will für mehr  Kassenärzte im ersten Wiener Gemeindebezirk arbeiten, „80 Prozent Privatärzte sind einfach zu viel“, sagt sie. Außerdem will sie  Wohnen im Bezirk auch für die Mittelschicht leistbar machen und Wirte überzeugen, das Rauchverbot in der Gastronomie zumindest in der Inneren Stadt durchzusetzen.

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Mireille Ngosso: Diese Frau muss mit dem Hass der Rassisten leben
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Anni
Anni

Danke für Ihren Einsatz. Menschen wie Sie benötigen wir zur Zeit dringender denn je.

Anni
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Eva
Eva

Jede Form von Fremdenfeindlichkeit ist Menschenfeindlichkeit. Und Menschenfeindlichkeit hat in einer gesunden, demokratischen Politik nichts verloren, sondern bedarf einer Psychotherapie.
Menschen mit Hassgefühlen gegenüber Migranten haben meist ein schwaches Selbstwertgefühl und projizieren ihre unbewussten Probleme auf andere, die sich nicht oder schwer wehren können.

Lisa
Lisa

Die Frau ist hier aufgewachsen und voll integriert, da sollte die Hautfarbe wirklich keine Rolle spielen!

Bei anderen legalen wie illegalen widerborstigen Migranten bin ich nicht so sicher. Man sollte seine hartnäckige Ignorierung von Fakten (Verdrängung genannt) nicht als positiv hinstellen. Ist auch nur Projektion der eigenen Naivität als „kindliche Unschuld“ auf andere.

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