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Geschichte

Was man über Bruno Kreisky wissen sollte

Bruno Kreisky hat die Sozialdemokratie und Österreich wie kaum ein anderer Politiker verändert. Als Bundeskanzler hat er die Gesellschaft modernisiert und die Arbeitswelt humanisiert. Wir zeichnen den Lebensweg eines Mannes nach, der sich gegen faschistische Regime gewehrt und als Bundeskanzler für ein fortschrittliches Österreich gekämpft hat.

Bruno Kreisky wurde am 22. Jänner 1911 in Wien in eine Industriellenfamilie geboren. Politisch aktiv wurde er schon als Schüler. 1924 nahm er an einer Demonstration vor dem Stadtschulratsgebäude in Wien teil. Anlass war der Suizid eines Schülers, der von einem Lehrer gequält worden war. 1925 wurde Kreisky im Verband Sozialistischer Mittelschüler aktiv. Weil es dort nur Diskussion um der Diskussion Willen gab, wechselte er zur Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ). Ab 1933 organisierte er das gesamte Schulungsprogramm des Verbandes und trug so zur Ausbildung vieler seiner GenossInnen bei. Auf Rat Otto Bauers studierte Kreisky nach der Matura Rechtswissenschaften:

Die Partei braucht gute Juristen und hat davon zu wenige. Wenn Sie der Partei wirklich einen Dienst erweisen wollen, müssen Sie Jurist werden. (Otto Bauer an Bruno Kreisky)

Im Widerstand – gegen Austrofaschismus und Nationalsozialismus

Gemeinsam mit vielen mutigen SozialistInnen leistete Bruno Kreisky Widerstand gegen die austrofaschistische Diktatur. Nach dem Bürgerkrieg im Februar 1934 wurden alle sozialdemokratischen Organisationen verboten. Kreisky gründete daraufhin die Revolutionäre Sozialistische Jugend und trat den Revolutionären Sozialisten bei. 1935 wurde er von den Austrofaschisten wegen Hochverrats verhaftet und war einer der Angeklagten im sogenannten „Sozialistenprozess“.

Aufnahme von Bruno Kreisky nach der Verhaftung durch die Austrofaschisten 1935 (Artikel: Bruno Kreisky Biografie)

Aufnahme von Bruno Kreisky nach der Verhaftung durch die Austrofaschisten 1935

Nach eineinhalb Jahren Kerker wurde aus der Haft entlassen.

Weil er für das Studium gesperrt war, ging er 1937 für einige Monate nach Kärnten und arbeitete als Hilfsarbeiter in einer Weberei.

1938 setzte Kreisky durch, wieder studieren zu dürfen. Einen Tag nach dem „Anschluss“ (12. März 1938) legte er seine letzte Uniprüfung ab. Am 15. März wurde er von der Gestapo verhaftet. Auf Grund seiner jüdischen Herkunft drohte ihm die Deportation in ein Konzentrationslager. Er wurde unter der Bedingung freigelassen, sofort das Land zu verlassen. Viele seiner engsten Verwandten wurden von den Nationalsozialisten ermordet.

Als Flüchtling in Schweden

Bruno Kreisky floh nach Dänemark. Dort angekommen, wollten die Behörden ihn jedoch abschieben, denn er hatte kein Visum. In einem Brief an die dänischen Behörden schrieb er:

Wenn Sie mich jetzt zurückschicken, liefern Sie mich den Leuten aus, denen ich gerade entkommen bin.“

Der Vorsitzenden der sozialdemokratischen Jugendorganisation in Schweden lud Kreisky zu sich. Dort angelangt begann Kreisky 1939 im Sekretariat der Stockholmer Konsumgenossenschaft als wirtschaftlicher Berater zu arbeiten. Während seiner Zeit im Exil schrieb Kreisky für zahlreiche internationale Zeitungen.

Engagement für Österreich in den Nachkriegsjahren

Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus 1945 organisierte Bruno Kreisky Hilfsmaßnahmen für Österreich. Und er unterstützte die SPÖ. Diese bat Kreisky einmal etwa um 6 Stück Füllfedern, 2 Dutzend Farbbänder für Schreibmaschinen, 4 Kilo Büroklammern und 50 Bleistiftspitzer. In Schweden war er zu dieser Zeit als Diplomat tätig.

Zusammen mit Olof Palme (Schweden) und Willy Brandt (Deutschland) reaktivierte er die die Sozialistische Internationale. Weil es zunächst keine Bestrebungen gab, Geflüchtete nach Österreich zurückzuholen, kehrte Kreisky erst 1951 in seine Heimat zurück.

Er engagierte sich in Österreich in der Sozialdemokratie und wurde 1953 Staatssekretär für Auswärtige Angelegenheiten. Dort verhandelte er den Staatsvertrag mit.

In der großen Koalition arbeitete Kreisky von 1959 bis 1966 als Außenminister und verhandelte unter anderem die Entstehung der European Free Trade Association (EFTA) für Österreich mit. Er bemühte sich um gute Beziehungen zu Italien und erarbeitete ein wirtschaftliches Unterstützungsprogramm für den globalen Süden.

Bruno Kreisky als Reformator der SPÖ

Im Februar 1967 übernahm Bruno Kreisky in der Nachfolge von Bruno Pittermann den SPÖ-Vorsitz. In der Zeit der Alleinregierung der ÖVP ließ er ein neues Parteiprogramm entwerfen. Gemeinsam mit GewerkschafterInnen startete die SPÖ unter Kreisky das Volksbegehren zur Einführung der 40-Stunden-Woche.

40-Stunden-Woche durch SPÖ (Artikel: Bruno Kreisky Biografie)

Wahlplakat der SPÖ

Bei den Nationalratswahlen im Jahr 1970 holte die SPÖ den ersten Platz. Zuvor hatte die ÖVP im Wahlkampf Josef Klaus als „echten Österreicher“ auf den Plakaten beworben, um ihn damit vom „jüdischen Emigranten“ Kreisky abzuheben.

Kreisky bildete eine Minderheitsregierung unter Duldung der FPÖ. Diese erhielt im Gegenzug eine Reform des Wahlrechts, das künftig kleine Parteien besserstellte. Simon Wiesenthal kritisierte Kreisky für die Entscheidung, auch Politikern mit NS-Vergangenheit Regierungsfunktionen zu geben.

Eine Hochphase sozialer und politischer Zufriedenheit

Bei den vorgezogenen Wahlen im Oktober 1971 konnte die SPÖ die absolute Stimmenmehrheit erreichen – und sie 1975 und 1979 verteidigen. Vier MinisterInnen begleiteten Kreisky über die gesamte Regierungszeit: Justizminister Christian Broda, Wissenschaftsministerin Hertha Firnberg, Otto Rösch  als Innen- bzw. Verteidigungsminister und Handelsminister Josef Staribacher.

Angelobung der Regierung Bruno Kreisky I, 1970 (Artikel: Bruno Kreisky Biografie)

Angelobung der Regierung Bruno Kreisky I, 1970 (Foto: Votava)

Die Regierungsjahre Kreiskys schafften eine „Hochphase sozialer und politischer Zufriedenheit“ (Oliver Rathkolb). Er öffnete die Sozialdemokratie für neue Bevölkerungsgruppen und lud sie ein, „ein Stück des Weges“ mit ihm zu gehen.

Kreiskys Errungenschaften prägen unser Leben bis heute

Zahlreiche Reformen der Kreisky-Ära prägen bis heute unseren Alltag und die österreichische Politik:

  • 1970 wurde die Gleichstellung von ehelichen mit unehelichen Kindern beschlossen
  • 1971 wurde eine Progressionsmilderung für kleine Einkommen eingeführt
  • Kreisky setzte die Freifahrt für SchülerInnen durch
  • ein dreiwöchiger Mindesturlaub wurde eingeführt und die Zeit der Karenz als Ersatzzeit in die Pensionsversicherung angerechnet
  • 1971 wurde weiters die Heiratsbeihilfe beschlossen, die junge Familien unterstützen sollte
  • die AHS-Aufnahmeprüfung wurde abgeschafft
  • die „kleine Strafrechtsreform“ brachte eine Entkriminalisierung von Homosexualität unter Erwachsenen und die Entkriminalisierung des Ehebruchs
  • 1972 wurden die Studiengebühren abgeschafft und die Gratis-Schulbücher beschlossen
  • 1973 wurde die Fristenlösung und damit die Entkriminialisierung von Schwangerschaftsabbrüchen beschlossen, die 1975 in Kraft trat
  • ebenfalls 1973 wurden der Mutter-Kind-Passes und die Geburtenhilfe eingeführt
  • 1974 wurde das Karenzgeld neu organisiert: Neben der Erhöhung und Vereinheitlichung (vorher war das Einkommen des Ehemannes anzurechnen) wurde der Kreis der Empfängerinnen erweitert
  • ebenfalls 1974 wurde ein erhöhtes Karenzurlaubsgeld für Alleinerzieherinnen eingeführt und Betroffene konnten anschließend bis zum dritten Lebensjahr des Kindes Sondernotstandshilfe beziehen
  • der Zivildienst wurde eingeführt
  • die 40-Stunden-Woche wurde eingeführt
  • ein neues Schulorganisationsgesetz ermöglichte SchülerInnen die Mitbestimmung in der Schule
  • die Gleichstellung von Mann und Frau in der Ehe wurde 1975 umgesetzt
  • ebenfalls 1975 wurde ein demokratisches Universitätsgesetz eingeführt, das Studierenden und dem wissenschaftlichen Mittelbau Mitbestimmungsrechte gab
  • 1977 wurde die Volksanwaltschaft eingerichtet

1979 holte Kreisky vier herausragende Frauen in die Regierung: Johanna Dohnal (Staatssekretärin im Bundeskanzleramt für allgemeine Frauenragen), Franziska Fast (Staatssekretärin im Sozialressort für Fragen der berufstätigen Frauen), Beatrix Eypeltauer (Staatssekretärin für Wohnbaufragen im Bautenministerium) und Anneliese Albrecht (Staatssekretärin für Konsumentenfragen im Handelsministerium). Die Reaktionen der Medien reichten von vorsichtiger Skepsis bis offener Häme. Die Frauen in der Regierung wurden als „Mannweiber“ diffamiert. Kreisky selbst wurde als „Frauenheld“ karikiert.

Das Ende der „Ära Kreisky“

Die absolute Mehrheit verlor die SPÖ erst 1983. Bruno Kreisky, der schon im Wahlkampf mehrmals pro Woche zur Dialyse musste, verhandelte schließlich eine „kleine Koalition“ mit der FPÖ unter Norbert Steger. Die FPÖ erreichte damals ihr historisch schlechtestes Ergebnis mit knapp 5 Prozent. Der bis dahin amtierende Unterrichtsminister Fred Sinowatz löste Kreisky als Bundeskanzler und SPÖ-Vorsitzenden ab.

Kreisky unternahm in den Jahren nach seiner Kanzlerschaft viele Reisen und blieb der internationalen Politik verbunden. In seinem Haus auf Mallorca empfing er weiterhin international hochranginge Politiker und blieb in der „Sozialistischen Internationalen“ aktiv. 1986 wurde er Vorsitzender der Europäischen Kommission für Beschäftigungsfragen. Er erhielt zahlreiche Preise im Ausland, die sein Wirken würdigten.

Das 1987 geschlossene Koalitionsabkommen mit der ÖVP und den Verlust des Außenministerium kritisierte Kreisky scharf und legte auch den Ehrenvorsitz der SPÖ nieder.

Seine letzte Reise führte ihn nach Südtirol. Seine Krankheit zeichnete ihn zu diesem Zeitpunkt bereits stark.

Am 29. Juli 1990 starb Bruno Kreisky mit 79 Jahren in Wien. Zwischen den Ehrengräbern von Arnold Schönberg und dem ÖGB-Präsident Johann Böhm wurde Kreisky am Wiener Zentralfriedhof bestattet.

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Zum Weiterlesen, -hören und -schauen

Jubiläums-Homepage: 100 Jahre Bruno Kreisky

Die Ära Kreisky auf rotbewegt.at

Bruno Kreisky: der Sonnenkönig (Porträt der „Presse“)

Bruno Kreisky: „Ich war ja niemand“ (Biograhie auf der Seite des DÖW)

Das Kreisky-Archiv hier

Regierungserklärung Kreisky I, 1970, ORF Radio Österreich 1

Bruno Kreisky spricht am außerordentlichen Parteitag der SPÖ 1975 in den Sofiensälen

TV-Duell zwischen Kreisky und Taus

„Lernen`s a bissl Geschichte“

Bruno Kreisky über die Erste Republik

Zum Stöbern: historische Fotos von Kreisky im Flickr-Album der SPÖ

Angelobung Kreisky 1970, Di, 21.04.1970

Bruno Kreisky (1986): Zwischen den Zeiten. Erinnerungen aus fünf Jahrzehnten. Siedler, Berlin.

Bruno Kreisky (1988): Im Strom der Politik. Der Memoiren zweiter Teil. Siedler/Kremayr & Scheriau, Berlin/Wien.

Bruno Kreisky (1996): Der Mensch im Mittelpunkt. Der Memoiren dritter Teil. Kremayr & Scheriau, Wien. (herausgegeben von Oliver Rathkolb, Johannes Kund und Margit Schmidt)

Oliver Rathkolb (2007): Bruno Kreisky – Erinnerungen. Styria, Wien/Graz/Klagenfurt.

Ulrike Felber (2009): Auch schon eine Vergangenheit: Gefängnistagebuch und Korrespondenzen von Bruno Kreisky. Mandelbau, Wien.

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2 Kommentare

2 Kommentare

  1. Der Satz ist nur bedingt richtig:

    14. März 2018 um 12:56

    „Die Partei braucht gute Juristen und hat davon zu wenige. Wenn Sie der Partei wirklich einen Dienst erweisen wollen, müssen Sie Jurist werden.“

    Weil es nicht um die Partei, sondern um ein Volk zu gehen hat. Aber das hat ja auch heute noch keiner dieser Narzissten verstanden. Das geht in die Drecksbirnen wohl nie hinein?

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